Eine Woche Reims (1)

Reims

Di.-Mo., 06.-12.06.2023. Reims ist mit seinen 220.000 Einw. eine wirkliche Perle in der Champagne im Nordosten Frankreichs, etwa 130 Kilometer von Paris entfernt.

Reims ist der Sitz der Unterpräfektur des Arrondissements Reims im Département Marne in der Région Grand Est. Die Stadt ist Sitz eines Erzbischofs und besitzt seit 1971 (wieder) eine Universität. In Reims werden Champagner, aber auch Textilien, Nahrungsmittel sowie Ausrüstungsgegenstände für die Raumfahrt hergestellt. Die Geschichte der Stadt reicht bis in die Zeit vor der römischen Herrschaft zurück.

Zweifelsohne ist der Champagner das Pfund, mit dem in Reims gewuchert wird. Er lagert zum Teil in Kellern und Tunneln, die schon zu Zeiten der Römer in den Kalkfelsen gegraben wurden. Einige der grossen Champagnerhäuser bieten natürlich Besichtigungen und Verkostungen an (De Cazanove, Demoiselle Vranken, Lanson, G.H Martel & Cie, G.H. Mumm, Pommery, Ruinart, Taittinger, Veuve Clicquot Ponsardin). Wir sind noch nicht sicher, ob wir uns so ein Programm gönnen wollen. Erstens weil wir (mit wenigen Ausnahmen) keine Champagnertrinker und zweitens, schon überhaupt nicht, -kenner sind.

Aber auch ohne Champagner gibt es in Reims eine Menge zu entdecken. Die Gegend von Reims ist seit frühester Zeit besiedelt; so finden sich in der Umgebung bronzezeitliche Urnenfelder. Um 80 v. Chr. gründeten die Kelten eine städtische Siedlung (oppidum), die sie Durocorter – „runde Burg“ – nannten. Die Römer latinisierten diesen Namen zunächst zu Durocortorum. Nach der Eroberung durch die Römer im Gallischen Krieg wurde die Stadt in Civitas Remorum umbenannt und war Hauptstadt der römischen Provinz Belgica, benannt nach den Remern, dem hier ansässigen, romtreuen Unterstamm der Belger.

Der letzte Abschnitt des Canal des Ardennes

Rethel – Cormicy – Reims

Mo./Di., 05./06.06.2023. Abfahrt aus Rethel Punkt Neun. Der Konvoi mit den Holländern ist noch mit Einkaufen beschäftigt. Wir finden es gut, allein auf Strecke zu gehen (außerdem passen i.d.R. eh nur zwei Schiffe in die Schleusenkammer).

Es ist eine Fahrt durch die Einsamkeit. Bis zum Ende des Kanals sehen wir, ausser einer ruhigen, schönen Landschaft mit vielen bewaldeten Abschnitten, nichts, was uns groß zum Verweilen animieren könnte.

Anleger sind selten, nette Anleger Mangelware und Anleger mit Versorgung (Strom, Wasser) gibt es überhaupt nicht. Am Ende des langen Tages wird uns nicht ein einziges Schiff begegnet sein.

Der Übergang vom Canal des Ardennes in den Canal latéral à l’Aisne befindet sich bei Vieux-lès-Asfeld. Vom neuen Canal biegen wir allerdings bereits nach wenigen Kilometern in Berry-au-Bac schon in den Canal de l’Aisne à la Marne ein. Dieser Weg eröffnet weitere Verbindungen in den Süden Frankreichs.

Unser Fazit zum Canal des Ardennes (den wir nach 7 Tagen wieder verlassen): Landschaftlich wunderschön, aber auf Dauer ein wenig eintönig. Von den Gemeinden an der Strecke waren wir etwas enttäuscht. Da sind wir von den Orten am Canal du Nivernais oder am Canal de la Meuse deutlich mehr verwöhnt worden.

Am Canal de l’Aisne à la Marne finden wir einen netten Anleger, so dass die Weiterfahrt nach Reims am Dienstag nur noch ein Katzensprung ist.

Durchs Kraut nach Rethel

Attigny – Rethel

Fr.-So., 02.-04.06.2023. Freitag, Minitour bis Rethel. Zwar nur ca. 20 km lang, aber „durchs Kraut“ – also, im Schneckentempo. Zeitweilig sinkt unsere Reisegeschwindigkeit auf unter 5 km/h. Nur vier Schleusen bis Rethel. So gut wie kein Schiffsverkehr. Wetter erstklassig.

Die landschaftliche Schönheit des Kanals tritt in die zweite Reihe zurück. Ein gutes Stück Aufmerksamkeit gilt heute der Fahrrinne. Am Anfang der Strecke sind es nur die Ränder, jedoch geht das Kraut bald über die komplette Breite. Der Tiefenmesser zeigt zeitweilig „-,-„, obwohl unter dem Kiel (wahrscheinlich) noch mindestens 70 bis 100 cm Wassertiefe sind.

Und doch, bei einem entgegenkommenden Boot geraten wir zu sehr in den Uferbereich. Die Schraube „brummt“, wir treiben sehr langsam wieder in die Kanalmitte und müssen durch Rückwärtsfahren erstmal unsere Wasserpflanzensammlung an Schraube und Welle wieder los werden. Die permanente Kontrolle, ob der Kühlwasserfilter noch genügend Durchfluss hat, ist Pflicht. Bis zum Anleger in Rethel schaffen wir es noch, dann ist er randvoll.

Rethel (7500 Einwohner) liegt am Fluss Aisne, sowie am parallel verlaufenden Canal des Ardennes. Der Fluss Saulces, der im Stadtgebiet weitgehend unterirdisch verläuft, mündet hier in die Aisne. Die kleine Stadt hat sogar einen TGV-Halt auf der Strecke Paris-Sedan. Und, in Rethel beginnt die „Voie Verte“ (Grüne Straße, Eifel-Ardennen). Die untere Altstadt hat einige durchaus malerische Ecken und wird durch das prächtige Rathaus und die relativ große kath. Stadtpfarrkirche Saint-Nicolas geprägt.

Unser Anleger hat seine besten Tage hinter sich. Eine lange Kaimauer hält zwar Säulen für Strom und Wasser bereit – aber leider funktionieren sie nicht mehr. Wir liegen hier allein, ein Liegegeld wird nicht erhoben.

Das Tourismusbüro ist schwer zu finden und eine Nachfrage im Rathaus hält nur einen Stadtplan-Flyer für uns parat. Immerhin, mit diesem brechen wir am Samstag zu einem Radausflug zum Belvédère und anschließend bis in die höher gelegenen Randzonen auf. Allerdings finden wir hier nur die leider üblichen „Einkaufszentren auf der grünen Wiese“.

Das Probieren der lokalen kulinarischen Spezialität „Boudin blanc de Rethel“ (eine Weißwurst aus den edleren Teilen des Schweins – Schinken, Schulter, Brustfleisch  und Schweinespeck) müssen wir vertagen. Das einzige Restaurant, die sie anbietet, hatte bei unserem Versuch leider geschlossen.

Der Sonntag ist Lese- und Gammeltag. Und verbunden mit kleinem „Hafenkino“. Ein Konvoi aus fünf holländischen Booten gesellt sich zu uns.

Von der Meuse auf den Canal des Ardennes

Charleville-Mézières – Pont-à-Bar – Le Chesne – Attigny

Di./Do., 30.05./01.06.2023. Die Strecke am Dienstag ist kurz und wird zügig zurückgelegt. Mittags verlassen wir die Meuse, biegen in den Canal des Ardennes ein und legen an der Tank- und Servicestelle in Pont-à-Bar an. Im Büro treffen wir auch Bénédicte wieder. Es ist unser erster Tankstopp in dieser Saison. Verbrauch erfreulich, 3 1/2 l/h – wir sind zufrieden. Wir nutzen die Gelegenheit, noch ein paar Kleinigkeiten fürs Boot sowie zwei fehlende Streckenkarten zu kaufen. Nur ein Gasflaschenaustausch ist hier leider nicht möglich.

Die Vorfreude ist groß, endlich wieder einmal in ein uns unbekanntes Gebiet. Es geht in den Canal des Ardennes. Zwischen 1827 und 1835 eröffnet, stellt er die schiffbare Verbindung vom Maastal zum Marnetal her. Von 1842 bis 1845 kam es zu Verbesserungen, insbesondere durch die Anlage des Stausees und des künstlichen Sees Bairon. Der 88 Kilometer lange Kanal verfügt über 44 Schleusen (37 auf der Aisne-Seite und 7 auf der Maas-Seite) sowie einen Tunnel bei Saint-Aignan. Die Schleusen sind dem Freycinet-Maß angepasst (38,5 m Länge und 5 m Breite, die Kanäle 1,80 m Tiefgang und 3,50 m Brückenhöhe).

Mittwoch: Pont-à-Bar – Le Chesne. Der Kanal führt durch ländliches Gebiet und passiert selten einmal ein Dorf. Die Natur um uns herum ist unglaublich üppig und strahlt eine irre Ruhe aus. In Le Chesne, eine 900-Seelen-Gemeinde, die seit 2016 mit anderen Gemeinden zusammengelegt wurde und nun  „Bairon et ses environs“ heißt, legen wir an. Morgen soll es im Non-Stopp-Verfahren mit der Schleusentreppe weitergehen.

Donnerstag: Vom Scheitelpunkt des Kanals Le Chesne nach Semuy sind auf 9 km 26 Schleusen zu überwinden. Bei der ersten melden wir uns per Télécommande an, alle weiteren agieren automatisch. Im 2er-Team, zusammen mit einem Paar aus Basel, geht es bergab.

Die sogenannte Schleusentreppe ist vollautomatisiert (s. oben in der Karte, die weiße Strecke) und funktioniert bis auf zwei Störungen gut. Bei den Unterbrechungen sind die VNF Techniker stets schnell per Auto zur Stelle. Allerdings stellen wir fest, dass die immer gleichen Abläufe total ermüdend sind und Pausen so gar nicht in den Gesamtablauf passen. Zum Glück geht es zu Tal. Bei dem fast einheitlichen 3 m-Hub ist das Belegen des Pollers wesentlich bequemer, wenn man abwärts fährt. In den Kammerwänden sind keine Befestigungsmöglichkeiten.

So sind wir froh, am frühen Nachmittag die Schleusentreppe überwunden zu haben. Wir legen im nächstmöglichen Ort, Attigny, an. Die beiden Schweizer fahren weiter. Attigny ist Le Chesne sehr ähnlich. Im ländlichen Gebiet der Region Grand Est sind die Gemeinden eher Graue Mäuse und ziemlich unspannend. Die auf einer Anhöhe gelegene Königspfalz Attigny hatte ihre Hochzeit im 8. und 9. Jh als eine der wichtigen Residenzen der karolingischen Kaiser und Könige. Ihr Schicksal: Die Pfalz wurde im Jahr 978 von Kaiser Otto II. niedergebrannt und danach nicht wieder aufgebaut.

Pfingsten in Charleville-Mézières

Joigny – Charleville-Mézières

Fr.-Mo., 26.-29.05.2023. Im Gefühl einer extrem kurzen Fahrt bis Charleville leisten wir uns ein langes Ausschlafen mit einer Abfahrt aus Joigny am späten Mittag. Allerdings haben wir die Rechnung ohne die vor uns liegende „Doppelrot-Schleuse“ gemacht. Eine vorausfahrende Péniche kam noch durch. Bei uns schaltet sie wieder auf Doppelrot, das bergseitige Tor geht nicht zu.

Ein VNF-Techniker kommt nach einer knappen Stunde. Wir fahren nach seiner Reparatur ein – und er fährt wieder weg. Ergebnis: jetzt geht das talseitige Tor nicht zu. Ok, er kann ja noch nicht weit sein. Relativ schnell ist er nach einem erneuten Anruf zurück, wir können schleusen und sind froh, diese Problemschleuse endlich bezwungen zu haben.

In Charleville begrüßt uns ein völlig belegter Außensteg. Ohne das Verdeck zu legen, probieren wir durch die niedrige Brücke in den Innenhafen zu kommen. Und tatsächlich: in der Mitte bleiben uns geschätzt noch 5 Zentimeter freie Höhe. Der große Innenbereich bietet dann freie Wahl, er ist nur spärlich belegt.

Auch Charleville-Mézière hatten wir 2021 ausgiebig erkundet. Neue Entdeckungen stehen somit nicht an. Auf dem Hauptplatz von Charleville, dem Place Ducale, ist über Pfingsten die „Fête de la Bière“ – 130 Biere vom Fass, 50 Brauereien. Der schöne große Patz wird von den Bierzelten unangenehm dominiert. Auch die Musik auf der Hauptbühne ist nicht nach unserem Geschmack.

Zu unserem Bier kommen wir dennoch. Auf der Rückfahrt in einer Seitenstraße an einem alternativen Büchercafé: draußen spielt eine Street-Brass-Band, drinnen gibt es u. a. auch „Cuvée d’Arthur“. Perfekt.

Pfingstmontag ist großer Radausflugtag. In einem weiten Bogen geht es bei herrlichstem Wetter um die beiden Stadtinseln Charleville und Mézières. Ein schickes Geburtstagsessen muss leider verschoben werden. Das ausgewählte Restaurant ist heute geschlossen – so, wie viele andere auch. Überhaupt sind heute beide Stadtteile seltsam menschenleer. Kein Problem, als der Hunger am Größten, war eine nette Pizzeria im Süden von Mézières am Nächsten.

Ruhepause in Revin

Givet – Revin – Joigny sur Meuse

So.-Do., 21.-25.05.2023. Eine Tagesetappe von Givet nach Revin (in den unangefochten schönsten Hafen der Maas/Meuse). Eine Strecke, die mit der 2021er Tour noch das Abenteuer ins Unbekannte (Tunnel mit Cabrio, z. B.) bedeutete.

Kurz nach Givet wird eine große, nicht schiffbare Maasschleife mit dem Souterrain de Ham (einem 565 m langen Tunnel) an der engsten Stelle verkürzt. Im Bogen der Schleife liegen die AKWs von Chooz. Erst seit wenigen Tagen sind beide Reaktoren wieder am Netz. Tja, wie schon gesagt, Belgier und Franzosen haben eine grundsätzlich andere Einstellung zum Atomstrom.

Die Tage in Revin vergehen viel zu schnell. Aufräumen, Einkaufen, Wäschewaschen und etwas Müßiggang. C´est tout.

Donnerstag wollen wir eigentlich bis Charleville-Mézière durchfahren. Aber die letzte Schleuse, Joigny-sur-Meuse, zeigt „Doppelrot“, geschlossen. Da wir keine Lust haben, auf den VNF zu warten, nehmen wir den Anleger in Joigny zum Übernachten.

Von Dinant (B) nach Givet (F) mit Stopp am Château de Freÿr

Dinant – Château de Freÿr – Givet

Sa., 20.05.2023. Früh schwillt der Trubel in Dinant auch am Samstag an. Für uns ist es Zeit, aus Dinant aufzubrechen. Wir wollen, bevor es am Nachmittag nach Frankreich geht, zum Château de Freÿr, das auf dem Weg liegt.

Mit nur einer Schleuse (Anseremme) eigentlich ein Katzensprung. Allerdings brauchen wir für die Durchfahrt fast eine Stunde. Nach dem Öffnen sind wir zwar in der Kammer, dann aber warten wir. Erst auf einen, dann auf einen zweiten und dritten … bis wir endlich zu viert geschleust werden. War eine gute Entscheidung, bereits um 9 Uhr zu starten. So haben wir immer noch die Möglichkeit zur Öffnung von Freÿr um 11 Uhr pünktlich da zu sein.

Es erwartet uns eine kleine Hochburg der Renaissance mit dreihundertjährigen Orangenbäumen. Das Schloss, dessen Gebäude-Ensemble zum Kulturerbe der Wallonie gehört, wird von der Maas gesäumt und ist in eine herrliche, hügelige Kulisse eingebettet.

Das Bauwerk, auf den Ruinen einer ehemaligen, 1554 zerstörten Festung errichtet, war zuerst ein Herrensitz im Renaissancestil, bevor es im 17. und 18. Jahrhundert erweitert und umgestaltet wurde. Diese ehemalige Sommerresidenz der Herzöge von Beaufort-Spontin besitzt ein kultiviertes und multikulturelles Interieur. Ihre harmonischen Salons wurden von den zahlreichen Generationen, die diese Räumlichkeiten bewohnten, möbliert und ausgeschmückt. Die Familie gehört zum lothringischen Uradel und erscheint urkundlich zuerst 1005.

Die Gärten von Freÿr, die durch die Arbeit des Gärtners Le Nôtre beeinflusst wurden, der namentlich in Versailles gewirkt hat, glänzen mit ihrer Schönheit und ihrer perfekten Anordnung. Die 300 Jahre alten Orangenbäumen versetzen uns in Staunen.

Da die Cafeteria im Schloss zwar nett aussah, aber nur aus Getränkeautomaten bestand, haben wir eine ausgiebige Pause aufs Schiff verlegt. Die Grenzschleuse „Quatre Cheminée“ erreichen wir gegen 15.30 Uhr. Eine halbe Stunde später beenden wir unseren Fahrtag im französischen Givet.

Dinant. Zwei Tage als Zugabe

Dinant

Do/Fr., 18./19.05.2023. An Himmelfahrt füllt sich Dinant schon recht früh mit Ausflüglern aller Art. Per Auto, Motorrad, Bahn, Bus, Rad und Boot wird angereist. Die kleine Stadt geht in ein anstrengendes, sehr langes Wochenende. Wir flüchten per Rad am Donnerstag aus der Stadt „aufs Land“.

Im 9 km entfernten Dorf Foy-Notre-Dame gibt es ein großes Nachmittagskonzert in der kleinen Dorfkirche. Man feiert 2023 das 400jährige Bestehen der Kirche. Heute mit einem Konzert unter der Leitung von Alain Crepin. Crepin (*1954) ist ein berühmter belgischer Komponist und Dirigent. Er dirigiert das Kammerorchester Casco Phil aus dem belgischen Mechelen mit zwei hervorragenden Solistinnen:

Mozart – Violinkonzert Nr. 5 A-Dur in drei Sätzen, mit der Violistin Sylvia Huang
J. Haydn – Zweite Symphonie, Casco Phil
A. Glasunow – Konzert für Saxophon & Streichorchester, Asya Fateyeva, und als Zugabe im Solo eine Bach-Kantate.

Ein unglaublich gutes Konzert (für ganz kleines Geld), das wir so in der belgischen Provinz nicht erwartet hatten.

Der Freitag ist ein Einkaufs-, Aufräum- und Blogschreibentag ohne weitere Aktivitäten.

Dinant. Ein charmantes Städtchen voller Geschichte.

Dinant

Mo-Mi., 15.-17.05.2023. Dort wo die Maas einst die Felsen der Ardenne entzweit hat, und eine Schlucht zurückließ, liegt das geschichtsträchtige Städtchen Dinant.

Geschichtlich, weil die Stadt einst zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zählte und rund 20 Mal von einer anderen Weltmacht erobert wurde. Trotz einer turbulenten Vergangenheit hat der Ort mit der traumhaften Lage am Maastal seine Schönheit nie verloren.

Zu den beliebtesten Sehenswürdigen zählen die auf 120 Meter thronende Zitadelle und die Stiftskirche Notre-Dame, die bereits im 13. Jahrhundert erbaut wurde. Last, not least, Musik spielt eine wichtige Rolle. Kein Wunder, der Erfinder des Saxophons, Adolphe Sax, wurde hier geboren.

Unsere letzte Station zu viert. Auch hier kennen wir aus gut aus. Am Montag erste Erkundungszüge durch den Ort und wieder mal rauf auf eine Zitadelle. Das Wetter ist mittlerweile stabil sonnig.

Am Dienstag fahren wir mit dem Bus zum naheliegenden Château de Freÿr. Das gesamte Anwesen – Schloss & Gärten – wurde zu einem geschütztem Kulturgut Walloniens in Belgien erklärt und befindet sich am Ufer der Maas – umgeben von wilder, unberührter Natur. Dummerweise habe ich die Öffnungszeiten nicht richtig gelesen – wir sind noch nicht in der Hauptsaison! So müssen wir es unverrichteter Dinge bei dem kleinen Busausflug belassen.

Nach Rückkehr in Dinant ins Maison Leffe, dem berühmten Brauereimuseum. Das Leffe-Bier ist eines der bekanntesten Abteibiere in Belgien. Den Abend lassen wir im Café Leffe, einem Restaurant direkt an der Croisette ausklingen. Sie sind schnell rumgegangen, die 10 Tage mit den beiden Renates.

Am Mittwoch reisen sie wieder heim. Und kommen tatsächlich mit „nur“ 25 Minuten Verspätung in Berlin an. Schön war es mit euch!

Zwei Tage Namur und ein Fahrtag nach Dinant

Namur – Dinant

Fr.-So., 12.-14.05.2023. Das Wetter tut sich schwer. Von wegen Wonnemonat Mai. Allerdings werden die Regenphasen deutlich geringer. Manchmal kommt sogar die Sonne hervor. Aber unterm Strich fühlt sich das ganze immer noch nach kühlem April an.

Da wir schon öfter in Namur waren (im Hochwasserjahr 2021 sogar 11 Tage am Stück), kennen wir uns in der Stadt recht gut aus. Das hilft sehr, unsere beiden Besucherinnen am Freitag gezielt durch die Stadt und auf die Zitadelle zu lotsen. Am Samstag starten sie dann mit einer eigenen Route.

Wir statten dem „le DELTA“ am Nachmittag einen kurzen Besuch ab. Das am Zusammenfluss von Sambre und Maas gelegene Kulturhaus von Namur wurde neu gestaltet. Ausstellungsräume, drei Theatersäle, Aufnahmestudios, Dokumentationszentrum, Animations- und Bildungsräume, Panoramaterrasse. Das DELTA versteht sich als „Dritter Ort“, als Lebensraum und Treffpunkt mit einem Restaurant, Shops und gemütlichen Bereichen.

Am Sonntag geht es wieder früh weiter. Die 35 km mit 6 Schleusen lassen sich angenehm und schnell bewältigen. Bereits kurz nach 15.00 Uhr legen wir an unserem „Stammplatz am rechten Maasufer“ an der Croisette in Dinant an.

Liège, halb und halb – Dienstag Regen, Mittwoch kühl aber trocken

Liège – Namur

Mo.-Do., 08-11.05.2023. Am Montag bestätigen unsere beiden Besucherinnen aus Berlin ihre schlechten Erfahrungen mit der Deutschen Bahn. Diverse Verspätungen, Zugausfälle und, damit verbunden, veränderte Anschlusszüge führen zu einer Gesamtverspätung von satten drei Stunden.

Dienstag, das Wetter drückt mächtig auf’s Gemüt. Der am Vormittag noch harmlose Nieselregen wird permanent stärker und senkt unsere Lust durch die Stadt zu schlendern auf Null.

Der Mittwoch gibt endlich Gelegenheit eine große Runde zu drehen. Quasi fast ein kleiner „Best-of-Liège“-Spaziergang. Und am Abend gönnen wir uns „Boulets à la Liégoise“ (Hackballen nach Lütticher Art mit dunkler, süß-saurer Sauce) in einem nahegelegenen Restaurant.

Donnerstagmorgen geht es weiter. Zur Hauptstadt der Wallonie, Namur. Wir starten früh, da wir keinen Halt in Huy machen wollen. Auf der Meuse sind recht viele Frachtschiffe unterwegs. Wir merken das speziell an den vier Schleusen.

Trotz allem kommen wir gut voran. In der Schleuse vor Huy quetschen wir uns gerade noch so in die Lücke zwischen zwei Sportbooten auf dem letzten Meter der großen Kammer. Um 19.30 Uhr legen wir am langen Kai in Namur an.

Los geht’s. Erste Destination: Liège

Maasbracht – Liège

Sa./So., 06.05.-07.05.2023. Da wir am kommenden Montag die beiden Renates in Liège erwarten, fahren wir am Samstag in einem Rutsch durch.

Die 77 km lange Tour läuft gut. Der Himmel ist grau, überwiegend ist es trocken. So gut wie kein Frachtverkehr. Mit zwei anderen Sportbooten passieren wir die beiden Schleusen auf dem Julianakanaal, Maasbracht und Born, nahezu ohne Wartezeiten. Ebenso schnell geht es durch die belgische Schleuse Lanaye.

Punkt 9 Uhr wird abgelegt. Um 14 Uhr sind wir in Maastricht und eine halbe Stunde später in der niederländisch-belgischen Grenzschleuse Lanaye. Um 17.30 Uhr erwischen wir den letzten freien Platz im Port des Yachts de Liège! Es ist das erste Mal, dass wir an Maastricht vorbeirauschen.

Sonntag lange geschlafen und ausgiebig gefrühstückt. Am Nachmittag nehmen wir die Räder vom Schiff und machen eine Mini-Stadtrundfahrt. Das Wetter ist für die Straßencafés allerdings wenig einladend.

Wieder an Bord. Die letzten Vorbereitungen

Düsseldorf – Maasbracht

Mi.-Fr., 03.05.-05.05.2023. Am Mittwochmittag ist es nur ein Katzensprung mit Bahn und Bus von Düsseldorf nach Maasbracht. Nach knapp zwei Stunden sind wir wieder an Bord.

Das Boot ist unglaublich verschmutzt. Das Winterlager auf dem Freigelände hat seine üblichen Spuren hinterlassen. Das werden wohl nicht mehr perfekt vor der Abfahrt gereinigt bekommen. Wir müssen ja noch einkaufen und bunkern.

Unser obligatorisches Saisonauftakt-Treffen „auf einen Kaffee bei Linssen“ wird diesmal von Ruud moderiert. Das ist auch gut so, da können wir ihm noch einmal für sein Engagement zwecks unseres Versicherungsschadens „Wellenlager“ danken! Dank seines Einsatzes haben wir jetzt eine komplette neue Antriebswellenanlage (Kuiper hat den Schaden anerkannt).

Das Thema „Lithiumbatterien“ ist (leider) vertagt. Es hatte sich nur ein einziger Spezialist gefunden, der für Austausch und Umbau sage und schreibe 13.500 EUR veranschlagt und vor Juni eh keine Zeit hat. So haben wir vorerst den 4er-Block für die Verbraucher mit neuen 85Ah Gel-Batterien installiert und lassen das Thema mal 3 bis 4 Jahre ruhen.

Schade, dass wir schon wieder etwas in Eile sind. Aber die ausgefallenen Tage fehlen nun für die Arbeiten am und auf dem Boot.

Mit einem Fehlstart in die Saison 2023

Berlin – Maasbracht – Düsseldorf

Fr.,-Mi., 28.04. – 03.05.2023. In diesem Jahr haben wir unsere „Anreise-Logistik“ auf „Mietwagen, One-Way“ umgestellt. In einen VW Caddy passen unsere Räder und die üblichen Kartons mit allen notwendigen Utensilien. Wir ersparen uns auf diese Weise den Rücktransport unseres Volvos, den wir nur sehr ungern fünf Monate in Holland lassen würden.

Abreise am 28.04. mit später Ankunft 19.30 Uhr bei van der Laan in Maasbracht. Müde und etwas kaputt müssen wir feststellen, dass unsere Kato 2 zwar im Wasser liegt, aber nicht (wie in den letzten drei Jahren) reiseklar gemacht wurde. Kein Strom, kein Wasser. An eine Übernachtung an Bord ist nicht zu denken.

Also, alles ausladen und Weiterfahrt noch in der Nacht nach Düsseldorf, wo wir für Samstag zwecks Mietwagenrückgabe eh angekündigt waren. Am nächsten Tag erfahren wir telefonisch, das Harry van der Laan unseren Termin wohl nicht an die Fa. Schuller (die traditionell für das Klar-Schiff-machen zuständig ist) gemeldet hat. Er bestreitet das Versäumnis – wie wir aber später erfahren, sind wir nicht die einzigen Betroffenen vom derzeitigen „van der Laan-Chaos“. Harry hat sich von Käthy getrennt und Käthy fehlt mit ihrer jahrelangen Erfahrung und Engagement im Büro und im Hafen an allen Ecken und Enden.

Erwin Schuller hat jetzt zu Saisonbeginn auch kaum verfügbares Personal, bemüht sich jedoch redlich um einen Servicemitarbeiter. Am Mittwoch kommt dann die erlösende Meldung, das Schiff ist startklar.

Schön, dass wir mit Petra & Hanno nicht nur wunderbare Freunde haben, die uns das notwendige Asyl gewähren, sondern mit denen wir auch in den kommenden Tagen vieles mit Freude gemeinsam machen können.