Eine Stadt steht unter Denkmalschutz. Auxerre, Teil 1

Auxerre

So.-Do., 24.-28.07.2022. Auxerre ist Hauptort des Départements Yonne in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Die Stadt hat rund 35.000 Einw. und ist seit Mitte der 70er Jahre in der Bevölkerungsentwicklung stabil geblieben. Das historische Zentrum von Auxerre steht fast vollkommen unter Denkmalschutz (67 Hektar).

Der Sonntag gibt uns die Möglichkeit, ohne Programm und in aller Ruhe uns dieser kleinen Perle im Norden Burgunds zu nähern. Noch schnell bei Monoprix in der Stadt einkaufen, dann rumbummeln. Die Stadt ist interessant, das Leben an den Promenaden überwiegend touristisch geprägt. Sobald man tiefer in die Stadt eintaucht, zeigt sich eine riesige und malerische Altstadt mit verwinkelten Gassen und eindrucksvollen Fachwerkhäuser.

Am Montag dann unser Hauptthema „Boot“. Wie versprochen steht Boris, der Bootstechniker von Linssen France, um 9.30 Uhr vor unserem Schiff und nimmt sich unserer Sorgen an. Das Prüfen der Verbraucherbatterien und der Schaltregler zeigt keine offensichtlichen Schwachstellen. Wir hoffen auf einen einmaligen Programmfehler der Anlage. Auch die Testfahrt auf der Yonne zeigt keine Auffälligkeiten der Antriebswelle mehr. Hier waren es wohl Untiefen im Fluß, die das Schiff „nach unten gesaugt“ und für unruhige und laute Fahrt gesorgt haben. Nach einer Stunde verlässt uns Boris – wir sind wieder etwas beruhigter.

Für Susanne wird es Zeit, ihre Rückfahrt nach Münster zu organisieren. Donnerstag möchte sie wieder heimfahren. Online lässt sich das nicht machen (über DB), also, zum Bahnhof. Ergebnis: alles ausgebucht. Nach langer Recherche am Schalter wird es dann eine umstiegsreiche Fahrt am Freitag über Paris, Brüssel, Köln und Essen nach Münster.

Somit ist auch für uns die Entscheidung gefallen, bis Freitag in Auxerre zu bleiben. Eine Weiterfahrt führt dann erstmal in eine dörfliche Einsamkeit und würde für Susanne die Rückfahrt nur unnötig komplizieren. Aber das ist für uns drei kein Thema – es gibt noch genug in Auxerre zu sehen.

In 10 Stunden nach Auxerre

Joigny – Auxerre

Sa., 23.07.2022. Um nicht mit den losfahrenden Charterbooten zusammen in die Schleusen zu müssen, starten wir (für uns) früh, mit 8.00 Uhr Abfahrt. Aber, Pech gehabt. Die erste Schleuse (nur knapp drei Kilometer entfernt) geht erst um 9.30 Uhr in Betrieb. Trotzdem hat es sich gelohnt – wir sind allein unterwegs.

Mit der heutigen Tourplanung legen wir uns ganz schön weit aus dem Fenster. 30 Flusskilometer hören sich erstmal recht wenig an. Aber die Stunde Fehlstart am Morgen, die 11 Schleusen plus eine Stunde Schleusen-Mittagspause (12 bis 13 Uhr) ziehen den Fahrtag unangenehm in die Länge.

Die Strecke ist unaufgeregt, nicht spektakulär jedoch ruhig und schön. Gewerblicher Schiffsverkehr ist so gut wie nicht feststellbar. Sportschiffe nur selten. Mit der dritten Schleuse stellt sich eine träge Routine ein. Am Ende sind es doch zehn Stunden Fahrt geworden.

Die Anleger in Auxerre werden von „Aquarelle France“ betrieben und gelten für beide Ufer der Yonne im Stadtbereich. Wir haben Glück und erwischen (unangemeldet) noch einen von zwei freien am rechten Ufer, an dem sich auch die Capitainerie befindet. 12,70 € Liegegebühr plus 5,40 € Strom und 0,22 €/Tag/Person Touristentaxe.

Aquarelle France ist in Personalunion auch die Linssen-Vertretung für Frankreich. Bei der Anmeldung schildern wir unsere Probleme mit dem „Ladeaussetzer“ der Verbraucherbatterien und dem merkwürdigen Verhalten der Antriebswelle. Es wird uns ein Techniker für Montagfrüh, 9.00 Uhr, zugesagt.

Der lange Tag macht sich am Ende deutlich bemerkbar und treibt uns früh in die Kojen.

Ein kleiner Stadtbummel in Joigny

Joigny

Fr., 22.07.2022. Joigny, 10.000 Einw., Département Yonne, Region Bourgogne (Bourgogne-Franche-Comté). Der beschauliche Ort glänzt mit altem Fachwerk, verschlafenen Ecken und tollen Ausblicken.

Monika und Susanne machen sich zu einem Ausflug in das Städtchen auf. Ich nehme eine Auszeit an Bord und schaue dem aufgeregten Treiben der neuen Chartergäste im Hafen zu.

Fahrt nach Joigny

Sens – Joigny

Do., 21.07.2022. Von Sens soll es in zwei Tagestouren nach Auxerre gehen. Mit Zwischenstation Joigny. Für den ersten Fahrtag ist das Tagesziel Joigny. 35 km, 7 Schleusen, keinerlei Probleme.

Die Ruhe in einer verkehrsarmen Region ist traumhaft. Wir haben uns schon an die freundlichen „Weiterreichungen“ gewöhnt. Zu 95 % sind die Schleusentore bei unserem Eintreffen bereits offen.

In Joigny steuern wir den Hafen von „Locaboat“ an. Neben dem Charterbetrieb werden auch einige Besucherplätze (je nach Belegung) angeboten. Da die Wechseltage der Charterschiffe mit Freitag und Samstag bevorstehen, müssen wir einmal umparken. Der Betrieb in der Anlage hält sich jedoch in Grenzen. Das Publikum ist bunt gemischt. Junge Familien mit Kindern sind in der Mehrheit.

Endlich Regen – Sens, Teil 2

Sens

Mi., 20.07.2022. Für die Nacht zum Mittwoch ist ein schweres Gewitter mit Starkregen angesagt. Doch das Gewitter schrammt unseren Standort nur und der Regen ist lediglich von normaler Stärke und dauert auch nicht so lang an. Aber! Es gibt einen Temperaturabfall auf (vorerst) 25 Grad. Traumhaft.

Man bekommt wieder vernünftig Luft, obwohl sich Glieder und Kreislauf nicht sofort wieder einpendeln. Erste große Aufgabe am Vormittag: in großem Maßstab neue Getränke und Lebensmittel einbunkern.

Der Nachmittag gehört der Stadt. Die Kathedrale von innen und die dicht beieinander liegenden Museen besuchen. Bis auf die Ausstellung „Jean-Pierre Pincemin, Sculpture – Peinture“, die aufgrund der hohen Temperaturen temporär geschlossen ist, kommen wir überall hinein.

Die Ausstellung Gérard Fromanger (1939-2021) im Palais synodal hat uns überrascht. Der uns bisher unbekannte Maler war im Pariser Mai 1968 Mitbegründer des Volksateliers der Kunstakademie, das Tausende von Plakaten entwarf und druckte. Später  wandelte er sich vom sozial engagierten, militanten Künstler, zu einem, der an Spuren, Formen und Farben um ihrer selbst willen Gefallen findet. Die Malerei ist für ihn ein Mittel, den globalen Wandel zu visualisieren.

Im Palais des Archevêques (Palast des Erzbischofs) residierte vom Beginn des Mittelalters bis ins 19. Jahrhundert der Erzbischof neben seinem Dom auf der Südseite. Sein Palast beherbergt heute die Museen von Sens. Vier Gebäude rahmen den Innenhof ein, sechs Sammlungen bieten mehr, als ein einmaliger Besuch aufnehmen kann: Archäologie, Bildende Kunst, Schatzkammer der Kathedrale, CEREP-Library, CCE Archäologische Lager, Napoléon-Zimmer.

Wir durchstreifen drei Abteilungen und sind fast schon ein wenig froh, dass wir freundlich auf das Ende der Öffnungszeit hingewiesen werden. Auch hier gilt, manchmal ist weniger mehr.

41 Grad im Schatten – Sens, Teil 1

Pont-sur-Yonne – Sens

Mo./Di., 18.-19.07.2022. Unterwegs ist es noch gut auszuhalten. Bis auf das Dach ist alles oben an Bord offen. Der Fahrtwind bringt eine leichte Brise an Deck. Unter Deck dampft es durch die Nächte bis in die frühen Morgenstunden.

Die kurze Strecke von Pont-zur-Yonne nach Sens ist schnell erledigt. Unser „Energiemanagement“ verhält sich unauffällig. Highlight auf dem Weg, das sehr gut erhaltene Aquädukt kurz nach Pont-sur-Yonne. Eine 156 km lange Wasserleitung, die in den Jahren 1866 bis 1874 von Eugène Belgrand zur Verbesserung der Wasserversorgung von Paris errichtet wurde und nach wie vor in Betrieb ist.

In Sens gibt es einen langen Kaianleger in direkter Nähe zur Innenstadt. Es ist reichlich Platz vorhanden. Zwei Tage Liegezeit sind kostenfrei, Jetons für Strom und Wasser gibt es (ebenfalls kostenlos) im Office de Tourisme im Stadtzentrum.

Sens ist eine mittelgroße Stadt (27.000 Einw.) mit Mündung des kleinen Flüsschens Vanne in die Yonne. Das in einer reichhaltigen Agrarregion gelegene Sens besitzt eine vielfältige verarbeitende Industrie, mit Pharmakonzernen, Elektronikfirmen und Lebensmittelherstellern. Eine konstant steigende Bevölkerung spiegelt das seit Jahren wider.

Am Dienstag dann der vorläufige Hitzerekord, 41 Grad im Schatten. Wir halten es auf dem Boot (hat „Null Schatten“) nicht mehr aus und laufen mutig durch die schönen, schattigen Straßen zum Tourismusbüro, um die Jetons abzuholen. Sehr lange Pause in einer Bar am zentralen Platz zwischen Kathedrale und Markthalle natürlich eingeschlossen.

Auf der Yonne

Montereau – Pont-sur-Yonne

So., 17.07.2022. Die Yonne, von der Quelle im Naturpark Morvan bis zum Zufluss in die Seine 292 km lang, Namensgeber für das Département Yonne und somit unser Einfahrtstor in die Region Bourgogne-Franche-Comté. Die Zielregion unserer diesjährigen Tour ist erreicht. Jetzt schauen wir mal, auf welchen Wegen und mit welchen Stopps wir das Burgund erkunden wollen.

Schiffsbegegnungen sind in diesem Abschnitt der Yonne selten. Nur wenige Sportschiffe, die Berufsschifffahrt ist ebenfalls extrem reduziert. An den nun Einkammer-Schleusen ist nichts los. Hat man sich an der ersten angemeldet, wird man zügig „weitergegeben“. Stets mit der Frage verbunden, wohin es denn heute noch gehen soll.

Die Yonne ist bekannt für ihre zahlreichen Schleusen mit „Schrägwand-Kammern“. Zu Berg ist das relativ unproblematisch, weil man in der Hochschleusung mit der Leine das Boot kontrolliert dicht holen kann. Die Schleusenwärter*innen sind freundlich und bei der Pollerbelegung stets hilfsbereit.

Eigentlich wäre das nächste Tagesziel Sens. Das ist uns jedoch zu weit, so gibt es einen Zwischenstopp in Pont-sur-Yonne. Nur für eine Übernachtung, der Ort bietet wenig Spannendes. Selbst ein Restaurant ist fußläufig nicht erreichbar. Da wir keine Lust auf Kochen an Bord haben, wird es eine kleine Pizzeria (mehr Lieferservice als Lokal), die überraschenderweise richtig gute Pizzen zaubert.

Von der Seine auf die Yonne

Thomery – Montereau

Fr./Sa., 15./16.07.2022. Der Feiertag ist vorbei und wir können am Freitag unsere Tour fortsetzen. Es werden unsere letzten Kilometer auf der Seine. Am Zusammenfluss von Seine und Yonne, in Montereau, finden wir einen perfekten Anleger. Kostenfrei inklusive Strom und Wasser.

Montereau-Fault-Yonne, 22.000 Einw., liegt an der südlichen Grenze der Region Île-de-France. Die Stadt wird manchmal auch nur „Montereau“ genannt.

Die Sehenswürdigkeiten der Stadt sind überschaubar. Ganz offensichtlich arbeitet die Stadtverwaltung an einem „Schwerpunkt Napoléon“, um ihr Image aufzupeppen. Das Reiterdenkmal von Napoléon von 1867 (auf der Landspitze am Zusammenfluss von Yonne und Seine) ist dabei nur der Anfang.

Rund um die „Schlacht bei Montereau“, bei der 1814 Napoléon Bonaparte am 18. Februar einen seiner letzten Siege gegen die Österreicher errang, sollen jetzt noch ein kombiniertes Heimat- und eben ein Museum der Schlacht folgen. Der „große Coup“ kommt dann 2023 mit einem gigantischen Themenpark „Napoleonland“ (232 Millionen US-Dollar sollen investiert werden, 3000 Beschäftigte dort arbeiten). Na, schaun mer mal.

Im Augenblick sind es die Kirche Notre-Dame-et-Saint-Loup und ein Fayencen-Museum, die um Aufmerksamkeit buhlen. Die Sommerhitze zieht spürbar an und unsere Landausflüge werden kürzer.

An Bord bereitet uns ein angezeigter Ladefehler unserer Verbraucherbatterien einiges Kopfzerbrechen. Kein Ladefluss mehr feststellbar. Zum Glück sind unsere Starterbatterien nicht betroffen und nach kurzer Fahrt funktioniert wieder alles. Es bleibt aber ein ungutes Gefühl. Linssen Aftersales kontaktiert, aber der macht Urlaub (?!). Zum Glück ist Rennie (wieder mal!) sofort erreichbar und es gibt eine Videokonferenz mit einem Experten zur Fehlersuche. Es wird eine (von vier) defekte Verbraucherbatterie vermutet. Wir hoffen, dass wir in Auxerre bei Mike von Aquarelle France genaueres erfahren.

Wir verlängern in Valvins, Susanne kommt

Valvins

Mo.-Mi., 11.-13.07.2022. Um für Susanne, die uns ab Mittwoch auf der Tour drei Wochen begleiten wird, einen günstigen „Anfahrbahnhof“ zu ermöglichen, verlängern wir in Valvins.

Einkaufen, mal wieder alles durchwaschen, ein wenig Bootspflege und überhaupt, kurztreten. Mal keine neuen Eindrücke oder Erfahrungen zu sammeln, tut auch gut.

Am Mittwoch trifft Susanne nach einer zehnstündigen Reise aus Münster am Bahnhof Fontainebleau-Avon ein. Wir holen sie dort ab, für die letzte Strecke, circa 3 km nach Valvins, stecken wir sie in einen Linienbus und fahren mit dem Rad hinterher.

Vom Dorf zum Kaiser

Valvins – Fontainebleau (per Rad)

Fr. -So., 08.-10.07.2022. Einen Tag verbringen wir davon in Fontainebleau. Die fünf Kilometer von unserem dörflichen Anleger Valvins zum Schloss sind relativ schnell gefahren. Wir teilen den Tag in zwei Abschnitte auf.

Teil 1 gilt dem Château de Fontainebleau (Ableitung von fontaine belle eau, „Brunnen schönes Wasser“), der „Nummer 2“ der französischen Schlösser (nach Versailles). Die Geschichte von Fontainebleau erzählen zu wollen, wäre ein hoffnungsloses Unterfangen für diesen kleinen Blog. Es ist vor allem berühmt für seine Innenausstattung aus der Zeit der Renaissance, an der zahlreiche italienische Künstler arbeiteten, und wurde 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Und, wir sehen mit einiger Verwunderung, dass es den Franzosen gelungen ist, Napoleon nachträglich einen Glorienschein anzulegen. In den Augen vieler war er ein größenwahnsinniger Feldherr.

Nach dem Standardrundgang durch das Schloss sind wir platt. Leider gibt es nicht die Möglichkeit nach einigen Abteilungen mal für eine Pause aus dem Rundgang auszuscheren (man muss zum Ende durch laufen und am Eingang wieder von vorn starten). Die Hitze trägt ihr Übriges dazu bei.

Einen späten Lunch genießen wir außerhalb des Ehrenhofs in einem nahen Restaurant. Dann wieder ab in den Schlosspark zu einem ausgiebigen „Nachmittagsschläfchen“, im Schatten unter den Bäumen.

Zum 2. Teil des Tages, einem Konzert in der Chapelle de la Trinité (Dreifaltigkeitskapelle), die sich im Hauptgebäude des Schlosses befindet, müssen wir uns sputen.

Wir haben Karten für ein Konzert eines Sommerfestivals „Écoles d’art américaines“, heute: „En hommage à Robert Casadesus et Marcel Proust“. Piano, Piano & Alto, Trio (Violon, Violoncello, Piano) und ein Quintett. Mit Stücken von Manuel de Falla, Casadesus und César Frank. Ein wunderbares Konzert in einem fantastischen Kirchensaal.

Alte Villen an der Seine

Melun – Valvins (Fontainebleau-Avon)

Do., 07.07.2022. Nur 20 km und eine Schleuse stehen heute für eine Kurzstrecke bis Valvins an. Nicht, das wir nicht bereits interessante Villen und Häuser an der Seine gesehen haben. Aber diese Fülle an alten Villen zwischen Melun und Fontainebleau ist schon ungewöhnlich.

Unsere Sorge, in Valvins unangemeldet keinen Platz zu bekommen, ist unbegründet. Neben dem gut gefüllten Vereinshafen (5 Stegreihen für jeweils ca. 14 Boote) befindet sich ein langer neuer Steg für 4-6 „Visiteurs“. Bei unserer Ankunft ist nur ein deutsches Boot da, am Abend kommt noch ein dänisches dazu. Also alles kein Problem.

Drei Tage Melun mit Ausflug zum Château de Vaux-le-Vicomte

Melun

Mo.-Mi., 04-06.07.2022. Melun (41.000 Einw.) ist Präfektur des Départements Seine-et-Marne. Lebendig, alter Häuserbestand und durch die Bahnstrecke Paris–Marseille nur 26 Minuten vom Pariser Gare de Lyon entfernt. Die Stadt hat sympathische, auch idyllische Ecken. Durch die engen Straßen aber auch nervenden Autoverkehr. Auch hier macht Fahrradfahren nicht wirklich Spaß.

Ganz besonders spüren wir das mal wieder, wenn wir „von Ort zu Ort“ fahren. Für unseren Ausflug zum 7 km entfernten Château Vaux-le-Vicomte müssen wir immer wieder auf schmalen Landstraßen den regen Autoverkehr fürchten. Und angekommen, finden wir am Schloss, das pro Jahr und 300.000 Besucher zählt, wieviel Fahrradständer? Genau, keinen.

Das Château Vaux-le-Vicomte und sein Park wurden in den Jahren 1656 bis 1661 im Auftrag des französischen Finanzministers Nicolas Fouquet nach Plänen des Architekten Louis Le Vau und des Gartenarchitekten André Le Nôtre errichtet. Sie stehen am Anfang der Entwicklung des französischen barocken Klassizismus. Seit fünf Generationen ist das größte in Privatbesitz befindliche historische Denkmal Frankreichs im Besitz der Vogüé.

Vaux-le-Vicomte übertrifft an Pracht und an gestalterischer Konsequenz alle bis dahin in Frankreich bekannten Schlösser und Gärten. Nie zuvor waren die Anfahrt, die Höfe und Nebengebäude, der Wohnbau selbst und der Garten einer so strengen, alles übergreifenden Ordnung unterworfen worden. Die gesamte Anlage gliedert sich hierarchisch, symmetrisch und axial.

Durch Schloss und Park zu wandeln, macht uns Spaß. Wenn nur die hochsommerliche Hitze nicht wäre. Am Ende des Tages war es ein sehr schöner Ausflug.

Sonntags nach Melun

Draveil – Melun

03.07.2022. Am Sonntag geht es auf der Seine weiter südwärts. Unser Tagesziel ist Melun.

Die Fahrt, bei schönstem Sommerwetter, ist unkompliziert und geht flott. Sieht man mal von einer „übersehenen Schleusen-Mittagspause“ von 12.30 bis 13.30 ab. Aber das ist ja nun wirklich kein Thema. Übrigens, die radebrechende Kommunikation mit den Schleusenwärtern trifft nach wie vor auf offene Ohren und stets freundliche Reaktionen.

Auf der Webseite des Tourismusbüro von Melun finden wir eine Liegestelle mit allen Anschlüssen. Theoretisch. Auf den Karten und im Plotter ist lediglich eine Kailiegemöglichkeit verzeichnet. In Melun angekommen, fahren wir die komplette Stadtfront ab, sehen aber nur die Kailiegeplätze. Also zurück und einfach angelegt.

Au revoir Paris

Paris Arsenal – Draveil

Mi.-Sa., 29.06.-02.07.2022. Eigentlich könnten wir in Paris unsere Tour abbrechen und hier locker noch bis zur Rückfahrt liegenbleiben. Aber wir wollen ja mehr von Frankreich kennenlernen, als nur die Kapitale. Und außerdem geht Paris (allein mit täglich rund 50 Euro Liegegebühr) auch etwas ins Geld.

Da für morgen ein 99prozentiger Regentag vorausgesagt ist, wollen wir einen festen Hafen anlaufen. Nicht zuletzt, um uns von den anstrengenden Paristagen zu erholen.

Die Fahrt ist, wie gehabt, ohne besondere Vorkommnisse. Die Seine ist ein großer, ruhiger Fluss ohne nennenswerte Strömung. Die zahlreichen Schleusen sorgen, trotz ihrer großen Wehre, für eine minimale Strömung, die uns lediglich ca. 1 bis 2 km/h an Fahrt wegnimmt.

Draveil bietet in einem Seitenbecken der Seine den großen Hafen „Port aux Cerises“ mit allen Annehmlichkeiten. Wir haben nicht reserviert, bekommen jedoch noch einen schönen Außenplatz für vier Übernachtungen. Obwohl der Hafen schon recht groß ist, so ist er nur ein kleiner Bestandteil eines weitläufigen Freizeitparks (Île de loisirs du Port aux Cerises) zwischen Wald und Seen. Der Betrieb läuft noch auf Sparflamme, das wird sich mit Beginn der frz. Sommerferien (08.07. bis 31.08.) deutlich ändern.

Der Ort Draveil ist unspektakulär. Wir nutzen ihn zum Einkaufen und sind erfreut, dass sich alles im kleinen Ortskern um die „Halle du Marché“, der neuen, überdachten Markthalle, abspielt. Die Halle ist nur donnerstags und samstags geöffnet. Jedoch lassen rundum viele kleine Läden mit sehr gutem Angebot sowie ein Supermarkt keinen Einkaufswunsch unerfüllt.

Die vier Tage im Hafen vergehen im Müßiggang und im Handumdrehen.