Die Saison 2022 ist vorbei

Maasbracht – Münster – Maasbracht – Berlin

So.,-Di., 26.09.-04.10.2022. Mon dieu, quelle tournée: fünf Monate unterwegs, drei Länder, 334 Motorstunden, rund 2400 Kilometer – das Ganze im heißesten Sommer in Europa seit Wetteraufzeichnung. Und, am Schluss ist doch immer alles ganz schnell vorbei.

Unser Winterlager in Maasbracht erreichen wir am Sonntag. Für Dienstag sind wir bei Linssen angemeldet, um das weitere Vorgehen zum Thema Antriebswelle zu besprechen. Bei Linssen hat sich Ruud sehr detailliert vorbereitet. Eine Mitschuld an den fehlenden vier Schrauben schließt er kategorisch aus. Hätten sie tatsächlich bereits bei Auslieferung des Schiffes gefehlt, wäre ein Schaden bereits nach der ersten Fahrsaison feststellbar gewesen. Nicht erst nach vier Jahren und 1000 Motorstunden.

Er erklärt sich bereit, uns gegenüber der Versicherung tatkräftig zu unterstützen. Das Thema liegt uns natürlich schwer im Magen, da der Gesamtschaden sich mittlerweile auf ungefähr 6.500 € (einschl. Neuaufbau der Welle nach der Notreparatur in Migennes) beläuft. Wir werden einen gemeinsamen Vorort-Termin im Okt./Nov. mit ihm und dem Gutachter von Kuiper ins Auge fassen.

Mittwoch fahren wir für vier Tage mit der Bahn von Maasbracht nach Münster. Zur Hochzeit von Martin und Meinhard. Nach 36 Jahren ist es ihnen nun endlich möglich, diesen Schritt zu gehen, ohne Konsequenzen für Meinhards Job an einer katholischen Schule in Münster fürchten zu müssen.

Da uns Tobias unseren Volvo nach Münster mitgebracht hat, können wir mit ihm zum Boot zurückfahren. Montag wird die Kranung terminiert, dann alles gepackt und Dienstag geht es nach Berlin. Leider auch mit im Gepäck: „2 x Corona positiv“. In der großen Hochzeitsgesellschaft waren wohl ein paar Virenträger. Zum Glück hatten Monika und ich nur leichte Symptome und haben die Quarantänezeit daheim gut und schnell überstanden.

Ein letzter Stopp. Maastricht

Maastricht

Fr./Sa., 23./24.09.2022, wir liegen optimal in der Zeit und nehmen uns noch zwei freie Urlaubstage in Maastricht. Der Druck ist raus und wir genießen die südlichste Stadt der Niederlande. Am Samstag besuchen wir das kleine „Museum aan het Vrijthof“. Beherbergt im so genannten Spaans Gouvernement (Spanische Regierung) am Vrijthof-Platz in der Maastrichter Altstadt. Als privates Museum erhält es keine staatliche Unterstützung.

Das Haus ist eines der ältesten nicht-religiösen Gebäude in Maastricht. Das markante rote Gebäude am Hauptplatz der Stadt wurde bereits im Jahre 1333 erwähnt und war ursprünglich Teil des kirchlichen Areals, das zum Stiftskapitel der Servatiuskirche gehörte. Es diente längere Zeit als Wohnung für Kanoniker. Im frühen 16. Jahrhundert wurde das Haus umgebaut und erweitert.

Wir haben Glück, das Museum präsentiert noch bis zum morgigen Sonntag eine interessante Ausstellung des dänischen Fotografen Søren Solkær (Sonderborg, 1969).

Mit »SURFACE« werden mehr als sechzig Porträts internationaler Streetart-Künstler mit ihren farbenfrohen Kunstwerken im öffentlichen Raum gezeigt; von Graffiti-Pionieren und aufstrebenden Talenten bis hin zu den einflussreichsten Künstlern der Street-Art-Szene. Es ist das Ergebnis einer fünfjährigen Reise durch Weltstädte wie Amsterdam, Athen, Berlin, London, Los Angeles, Melbourne, Miami, New York, Paris und Sydney.

Über Huy und Liège nach Maastricht

Namur (B) – Huy (B) – Liège (B) – Maastricht (NL)

So.-Do., 18.-22.09.2022, auf der Maas fühlen wir uns fast schon ein wenig heimisch. Wenn wir durchfahren würden, wären wir in vier Tagen von Namur in unserem Winterlager in Maasbracht. Der Terminplan steht wieder. Die Anspannung fällt jedoch nur langsam ab. Die diesjährige Rückreise hat Kraft gekostet und somit auch an den Nerven gezerrt.

Am Sonntag Ankunft Huy. Der Hafen bietet eigentlich genügend freie Besucherplätze. Der Hafenmeister hat allerdings noch einen angemeldeten Konvoi von ungefähr 10 Schiffen für den späten Nachmittag. Das wird dann eng. Später sehen wir, es geht aber gerade noch so. Wir müssen nicht umparken oder uns gar in eine freie Mini-Box quetschen. Glück gehabt. Am Montag und Dienstag wird in Huy Wäsche gewaschen und eingekauft.

Mittwoch nach Liège. Auch hier ist der Yachthafen sehr voll. Wir liegen dicht an der Hafeneinfahrt. Mit dem kleinen Manko, dass der Schwell der auf der Maas fahrenden Frachter uns permanent durchschaukelt. Wir beschließen, dass wir es bei einer Übernachtung belassen und uns am Ende unserer 2022er Tour noch einen kleinen Aufenthalt in Maastricht gönnen wollen.

Die Etappe nach Maastricht am Donnerstag verläuft reibungslos. Die riesigen Maasschleusen werden prompt bedient. Durch den hoch frequentierten Frachtverkehr allerdings im Zeitlupentempo. In Maastricht fahren wir unseren Lieblingshafen „t’Bassin“ an. Der präsentiert sich (nach telefonischer Anmeldung) mit sofortiger Schleusung und gähnender Leere.

Auch die Fêtes de Wallonie in Namur leiden unter dem schlechten Wetter

Namur

Fr./Sa., 16./17.09.2022, die Fêtes de Wallonie, 1923 ins Leben gerufen, feiern den Patriotismus und das Bewusstsein der Wallon*innen. Sie erinnern, jeweils am dritten Sonntag im September, an die Beteiligung der Wallonen an der belgischen Revolution von 1830.

Wir freuen uns, an zwei Tagen in der wallonischen Hauptstadt Namur daran teilhaben zu können. Aber die Stadt zeigt sich kalt, grau, regnerisch. Wie heißt das noch mal? Bei diesem Wetter schickt man doch keinen Hund vor die Tür.

Im Altstadtkern vergnügen sich die ganz Unermüdlichen. Natürlich feuchtfröhlich und mit dröhnenden DJ- und Elektromixen. Nicht so unser Ding. Am Samstag touren wir durch die Stadt und lauschen, mal hier, mal dort, den vielen Musiker*innen, die an den unterschiedlichsten Orten live spielen.

Irgendwann wird es uns zu kalt und ungemütlich. Wir ziehen uns aufs Boot zurück. Gerade rechtzeitig, um uns am großen 20minütigen Feuerwerk erfreuen zu können. Im Nieselregen haben wir vom Boot aus eine gute Sicht auf das Spektakel, das von den Hängen der Zitadelle und von der Enjambée-Fußgängerbrücke abgefeuert wird.

Im vorigen Jahr das Hochwasser mit Evakuierung, diesmal Dauerregen. Aber, aller guten Dinge sind drei. Beim nächsten Mal werden wir Namur ganz sicher trocken erleben.

Zwei Tage Sauwetter. Jetzt auf der belgischen Sambre nach Charleroi und weiter bis Namur

Jeumont (F) – Charleroi (B) – Namur (B)

Mi./Do., 14./15.09.2022, schlechtes Wetter ist das eine. Aber im Gewitter zu fahren, ist tatsächlich noch einmal eine andere Nummer. Es blitzt und donnert, der Regen knallt auf das Dach. Die Scheibenwischer laufen auf Hochtouren. Und Monika graust es vor der nächsten Schleuse. Nach etwas über einer Stunde ist dann wenigstens das Gewitter abgezogen.

Am Mittwoch fahren wir die nun belgische Sambre bis Charleroi. Ein Fahrtag, der uns lediglich von A nach B bringt. Unterwegs ist das Erleben der Landschaft zweitrangig. Wir finden im südlichen Stadtrand von Charleroi einen passablen Anleger (ohne Anschlüsse). Charleroi (200.000 Einw.) wurde im 19. Jh. zu einem Zentrum der wallonischen Kohle- und Stahlindustrie. Ihr Niedergang führte zu einer bis heute anhaltend hohen Arbeitslosigkeit. Die Stadt näher kennenlernen zu wollen, verschieben wir auf ein anderes Mal.

Vor der Strecke von Charleroi nach Namur am Donnerstag waren wir schon von einigen Bootsfahrer-Blogs vorgewarnt. Häßliche Gegend, viel Industrie, keine Anlegemöglichkeiten usw. – stimmt alles. Nur, dass wir das Ganze auch noch mit trostlosem Wetter krönen können.

Wir sind froh, als wir endlich in Namur eintreffen. Wieder auf die Meuse/Maas einbiegen und nach längerem Suchen noch einen Kaianleger finden. Ein großer Liegebereich ist gesperrt, der Hafen auf der anderen Seite voll. Namur befindet sich mitten in den Festtagen der Fêtes de Wallonie.

Die französische Sambre, eine eintägige Fahrt durch Wald & Wiesen

Landrecies – Jeumont

Di., 13.09.2022, der Canal de la Sambre ist überstanden. Jetzt geht es nahtlos auf der Sambre, bzw. kanalisierten Sambre, weiter. Leider ist das Wetter richtig trist. Die Sonne kommt den ganzen Tag nicht raus.

Die Sambre ist ein 193 Kilometer langer Fluss in Frankreich (88 km) und Belgien (105 km). Unterhalb ihrer Quelle im nordfranzösischen Département Aisne durchquert sie das Département Nord und tritt bei Jeumont nach Belgien über. Von Landrecies aus eine Strecke von 52 km mit 9 Schleusen.

Es wird eine Tagestour, die stundenlang durch Wald und Wiesen geht. Nur ab und zu gibt die Landschaft die Sicht frei auf einige wenige Bauernhöfe. Erst im letzten Drittel wird etwas bewohnter. Die kleinen Städte Hautmont und Maubeuge gehören zum nordfranzösischen Industriegürtel.

Der Tag endet direkt vor der belgischen Grenze, in Jeumont.

Nach 15jähriger Schließung wieder offen: der Canal de la Sambre à l’Oise

Compiègne – Moÿ-de-l’Aisne – Tupigny – Landrecies

Sa.-Mo, 10.-12.09.2022. Mit der gesicherten Information, dass wir den Canal de la Sambre durchfahren können, starten wir samstagfrüh aus Compiègne. Am Übergang der Oise zum Canal du Nord biegen wir bei Pont-l’Évêque auf den Canal latéral à l’Oise ab.

Es geht per „Télécommande“ in die Schleusen-Selbstbedienung über den Canal de Saint-Quentin nach Tergnier. Hier endet ( bzw., für uns, beginnt) der eigentliche Canal de la Sambre á l’Oise. Tagesschluss ist vor der Schleuse N° 32 in Moÿ-de-l’Aisne.

Der 1839 eröffnete Sambre-Oise-Kanal wurde mit der Zielsetzung beschlossen, für eine ausreichende Kohleversorgung von Paris aus dem Kohlerevier von Charleroi (Belgien) zu sorgen. Er führt von Landrecies aus 67 km lang in südwestlicher Richtung durch eine zutiefst ländliche Gegend Nordfrankreichs. Es handelt sich um einen Kanal vom Typus Wasserscheidenkanal, seine Scheitelhaltung liegt bei Boué. Der Höhenunterschied zu seinem Ausgangspunkt im Sambre-Tal beträgt zehn Meter und wird von drei Schleusen überwunden, jener zum Oise-Tal 92 Meter und benötigt 35 Schleusen.

Die Sambre und der Canal de la Sambre à l’Oise bieten zusammen (endlich wieder) eine beliebte Route für Freizeitschiffer, die aus Belgien und den Niederlanden nach Frankreich einreisen. Nach einer 15 Jahre andauernden Unterbrechung wurde diese Verbindung im Juli 2021 nach dem Wiederaufbau der Aquädukte in Vadencourt und Macquencourt wiedereröffnet.

Sonntag, wir müssen den Morgennebel abwarten und starten spät, erst kurz vor 10.00 Uhr. Es geht zügig voran. das Wetter ist durchwachsen. Die beiden Aquädukte, deren Restaurierung so arg lange die Wiedereröffnung haben hinziehen lassen, sind in ihrer Erscheinung enttäuschend. Wir hatten uns das „gewaltiger“ vorgestellt. Den Tag beenden wir zwischen den Schleusen N° 15 und 14 in Tupigny.

Montag, unser heutiges Ziel ist, mit dem dritten Fahrtag in Folge, den Kanal bis zu seinem Anfang bei Kilometer 0 zu durchqueren. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte man trotz der ländlichen Einsamkeit durchaus den einen oder anderen Stopp einlegen können. Aber das Wetter ist dazu auch nicht sonderlich einladend. Das Ziel, Landrecies, erreichen wir gegen 16.00 Uhr. Den Kanal haben wir gut hinter uns gebracht. Zeit, um sich mit einem Gang zum Supermarché die Beine zu vertreten.

Ein Fahrtag nach und ein Ruhetag in Compiègne

L’Isle Adam – Compiègne

Do./Fr., 08./09.09.2022. Der Sommer ist vorbei. Am Morgen ist der Himmel verhangen. Immer wieder ziehen Regenwolken auf. Ein stetiger Wechsel von Regen zu Sonne begleitet uns auf diesem Fahrtag. Ansonsten alles im grünen Bereich.

Nach dem Fahrtag nach Compiègne brauchen wir mal wieder einen Ruhetag. Wir müssen tanken, einkaufen und einmal durchschnaufen. Und wir freuen uns auf ein Essen im Café Madame und ein Wiedersehen mit Laure. Der „Anleger“ ist, wie schon auf der Hinfahrt, wieder an der Kaimauer dicht am Stadtzentrum.

Freitagfrüh geht es einmal auf die andere Oise-Seite zur Tanke. Erfreut können wir feststellen, dass die Dieselpreise wieder sinken, 1,90 €/l. Kann allerdings sein, dass Frankreich den Sprit, anders als Deutschland, immer noch subventioniert.

Am frühen Nachmittag sind wir mit Laure in ihrem Café verabredet. Ein herzliches Wiedersehen nach einem knappen Vierteljahr. Laure hat Zeit für einen Plausch bei uns am Tisch. Und, sie ist uns als Dolmetscherin behilflich, um nun endgültig mit dem VNF zu klären, ob der Canal de la Sambre à l’Oise offen ist. Für uns die einzige Möglichkeit, unsere Rückfahrt nach Maasbracht halbwegs im Zeitplan zu erreichen. Die VNF-Auskunft, alles ok, der Kanal ist offen, stimmt uns hoffnungsvoll.

Da Laure noch viele Freunde in Berlin hat und sie im Spätherbst besuchen will, verabreden wir noch ein Wiedersehen mit ihr in Berlin.

Schnell in Paris und schnell wieder weg

Valvins – Melun – Paris (Arsenal) – L’Isle Adam

Mo.-Mi., 05.-07.09.2022. In der Tat, die Zeit rast. Und wir mit ihr. Nette Orte ein zweites Mal zu erleben ist eigentlich sehr schön. Andererseits fehlt jetzt die Ruhe und Muße der Hinfahrt. Auf unserer Rücktour sind wir gezwungenermaßen wesentlich pragmatischer eingestellt. Und in erster Linie darauf bedacht, die Tourplanung nicht zum kompletten Drama werden zu lassen.

Montag, eine kurze Strecke von Valvins nach Melun. Es bleibt Zeit für ein paar „Büroarbeiten am Laptop“, Überweisungen und Korrespondenz. Das Wetter ist, wie so häufig in den letzten Tagen, morgens ein wenig frisch (19-20 Grad), ab Mittag dann 30 Grad und drüber. Zusätzlich ist es heute drückend schwül.

Dienstag, ein langer Fahrtag von Melun nach Paris. Eine Station der Hinfahrt, Draveil, wird übersprungen, da wir gut in der Zeit liegen. Das Verkehrsaufkommen auf der Seine nimmt spürbar zu. An den Schleusen ist es jedoch relativ entspannt. Die großen Kammern ermöglichen einen guten Durchfluss. Ein paar Mal werden wir sogar allein geschleust. Um kurz vor 17 Uhr treffen wir im Arsenal ein – reicht noch dicke, um ein wenig Pariser Luft zu schnuppern und zum Einkaufen.

Mittwoch, wir starten Punkt acht mit der ersten Schleusung aus dem Port Arsenal. Die Seine kommt uns unwirklich verlassen vor. Welch ein Unterschied zur Anreise an einem Sonntagnachmittag! Die Innenstadt ist in einer Stunde bewältigt. Bis zum nördlichen Stadtrand sind es nur zwei Stunden. Um 15.30 sind wir bereits an der Mündung der l’Oise. Regen setzt ein. Wir fahren uns in einen Rausch. Nun machen wir auch keinen Stopp mehr für die letzten 27 km bis L’Isle Adam. Unterm Strich stehen dann 88 km in 10 1/2 h als Tagesleistung.

Im Zeitraffer geht’s gen Norden

Migennes – Sens – Montereau – Valvins

Fr.-So., 02.-04.09.2022. Die letzten zehn Tage haben doch Spuren hinterlassen. Wenn man und frau so untätig herumsitzen müssen und der Zeitplan immer unangenehmer aus dem Ruder läuft.

Freitag legen wir in Migennes freudig ab. Obwohl, das Evans-Team ist uns in den langen Tagen ans Herz gewachsen. Dementsprechend ist der Abschied von allen herzlich und fast schon ein wenig wehmütig. Mit allen guten Wünschen im Gepäck geht es auf die Reise.

Die erste Schleuse, Epineau, hat seit Tagen technische Defekte und schleust nur um 10, 14 und 17 Uhr. Also sind wir, zusammen mit zwei Mietschiffen, morgens pünktlich vor Ort. Die Mietboote laufen wenig später in die LocaBoat-Station Joigny ein und wir sind wieder allein unterwegs. Problemlos geht es nach Sens, wo am späten Nachmittag der lange Stadtkai nahezu voll belegt ist. Ein Plätzchen, allerdings ohne Anschlußbox in der Nähe, finden wir dennoch.

Samstag wollen wir uns endlich die wunderschöne Markthalle in Sens ansehen. Leider ist sie nur „auf Sparflamme“ belegt. Trotzdem, war schön, sie mal von innen zu sehen. Nach dem Einkaufsbummel geht es weiter. Ziel Montereau. Das klappt leider nicht, an der vorletzten Schleuse ist schon um 18 Uhr Feierabend. Stört uns aber nicht. Wir bleiben vor der Schleuse liegen und vereinbaren eine Weiterfahrt um 8 Uhr am Sonntagmorgen.

Sonntag geht alles ziemlich schnell. An Montereau vorbei und Einbiegen auf die Seine. Nach Vorbeifahrt an Thomery, sind wir bereits gegen Mittag in Valvins. Hier ist großer Segelsonntag des angrenzenden Segelvereins. Die Hafenmeisterin erkennt uns wieder, fragt, wo wir denn so waren und will mit uns plaudern. Nur leider ausschließlich auf französisch. Es wird also kein so ganz langes Gespräch. Den Sonntag nutzen wir zum Rumtrödeln – mit Ausnahme eines Waschmaschinengangs.

Auf der Suche nach der Schadensursache. 4 Reparaturtage in Migennes

Migennes

Mo.-Do., 29.08.-01.09.2022. Um es vorweg zu sagen, diese Reparaturtage werden wohl noch ein Nachspiel haben. Wir haben zwar unser „Antriebswellen-Problem“ behoben bekommen und können morgen früh endlich weiterfahren … aber, ob das jetzt die endgültige Lösung ist und wer dafür haftet, muss noch eindeutiger geklärt werden.

Der Reihe nach: Montag, wir kommen erst nach der Mittagspause an den Kran, vor uns ist noch ein anderes, vorgebuchtes Schiff dran. Man stellt uns vor eine Halle, wo wir nicht im Weg sind. Wir leben jetzt in einem „Baumhaus“. Die Kato 2 ist nur über eine lange Leiter erreichbar aber mit Stromanschluss. Es wird unsere Bleibe für die nächsten Tage (aber immer noch besser, als ins Hotel). Die kurze Zeit bis zum Feierabend (16.00 Uhr!) reicht am Montag gerade noch für einen ersten Überblick (innen und außen), wie die Welle entnommen werden kann.

Dienstag, unser Kahn ist um ein wenige Zentimeter zu niedrig aufgebockt, das Ruder kann erst nach einer Erhöhung entnommen werden. Nach Entnahme der Antriebswelle stellen Mark und Simon fest, dass das innenliegende Wellenlager „nicht mehr da ist“. Es ist in das Führungsrohr gerutscht. Vier Schrauben, die es eigentlich fixieren, sind nicht aufzufinden. Außerdem ist der innere Eingang ausgeleiert. Das neue Wellenlager könnte nur eingeklebt werden. Bei einer erneut unerwarteten Reparatur müsste dann allerdings das komplette System erneuert werden.

Wir ziehen Ruud von Linssen per WhatsApp-Videochat zur Beratung hinzu. Er meint, „Einkleben ist ok, das hält die nächsten 10 bis 15 Jahre“. Mark bereitet alles für den Wiederzusammenbau vor. Die fehlenden Schrauben werden aus Zeitgründen nicht bestellt, sie werden von ihm maßgefertigt, per Hand.

Mittwoch, die Welle wird wieder eingebaut. Auch das neue, aussenliegende Wellenlager (zum Ruder) hat ein wenig Spiel. Es wird mit den alten, vorhandenen zwei Schrauben gesichert und mit Silikon abgedichtet. Immer wieder müssen die Arbeiten bei uns zugunsten anderer Evans-Kunden unterbrochen werden. Wir sind trotzdem sehr dankbar, dass uns die Werft außerplanmäßig zwischengeschoben hat!

Donnerstag, letzte Feinarbeiten, dann ist der Job gelaufen. Jetzt müssen wir nur noch die nächste freie Kranung abwarten, dann sind wir wieder im Wasser. Eine 10-minütige Testfahrt und die Feststellung: alles läuft geräuschlos rund und dicht. Wir sind zufrieden, holen uns bei Dorothée im Büro die Rechnung ab und machen das Boot für morgen früh startklar.

Fazit: Wir waren jetzt geschlagene zehn Tage in Migennes. Hier bei Evans sieht keiner die Ursache der ausgeschlagenen Wellenlager mehr in dem eingefahrenen Eimerbügel. Das nach innen ins Führungsrohr verrutschte Lager (und die fehlenden 4 Schrauben) müssen maßgeblich zum Gesamtschaden geführt haben. Wir werden hierzu mit Linssen sprechen müssen.

Ein stilles Wochenende in Migennes

Migennes

Sa./So., 27./28.08.2022. Am Wochenende wird der Betrieb im Hafen auf Nullkommanull heruntergefahren. Wir hoffen natürlich darauf, dass am Montag die Reparaturarbeiten an unserem Schiff beginnen können. Da uns langsam das Wasser an Bord ausgeht, können wir von unserem Paketanleger bis zum Montag an den Kran umziehen.

Was tun an diesen Stillstand-Tagen? Während der Samstag mit Boot aufräumen und Einkaufen irgendwie vorübergeht, treibt es uns am Sonntag ins Umland. Also auf die Räder und ein wenig die Gegend erkunden.

Migennes ist zwar ein großer Bahnverkehrsknotenpunkt (Laroche-Migennes), die Gemeinde jedoch ziemlich unspannend. 7.200 Einw., einem kleinen Ortskern und drei Gewerbegebieten im direkten Umland. Einzig die L’église du Christ-Roi, einer 1935 aus dem damals noch revolutionären Beton gebauten Kirche, sticht mit ihrer 60 Meter hohen Turmspitze ins Auge. Erwähnenswert durchaus auch „Le cabaret l’Escale“. Dieser mythische Konzertsaal hat in seinem ersten Leben die Größten beherbergt (Jacques Brel, Charles Trenet, Charles Aznavour, Sidney Bechet, Johnny Hallyday …) und Migennes zu einem Mekka für französische Lieder gemacht.

Es geht bei unserer kleinen sonntäglichen Rundtour den Canal de Bourgogne entlang bis Brienon und landeinwärts über Cheny wieder zurück.

Aquarelle & Linssen France in Auxerre müssen passen. Wir fahren sofort weiter nach Migennes

Auxerre – Laroche-Migennes

Di.-Fr., 23.-26.08.2022. Am Dienstagvormittag warten wir in Auxerre auf Boris, der sich zum zweiten Mal mit unserer Antriebswelle beschäftigen soll. Wir nutzen die Wartezeit zum Tanken.

Nach einer Mini-Proberunde wird schnell klar, der Kahn muss raus. Aber nicht mehr in dieser Woche. Für den Kran braucht es Mike. Der ist aber erst nächste Woche vor Ort. Wir wollen das nicht wirklich glauben, dass kein anderer den Kran bedienen kann – mitten in der Hochsaison!

Anyway, Zoe bietet uns noch eine Marina im ca. 5 Fahrstunden entfernten Migennes an. Telefonische Nachfrage bei „Evans Marine“ in Migennes. Alles ok, wir können kommen und werden dann dort heute Nachmittag erwartet. Übrigens, Aquarelle und Evans sind Teil einer auffallend großen „Brits-in-France“-Community. Ich überlege, ob ich das Thema mal in einem „Sonder-Blog-Beitrag“ aufgreifen sollte.

Es ist mittlerweile schon 11.00 Uhr. Wir legen unverzüglich ab, in der Hoffnung noch vor Feierabend die Marina in Laroche-Migennes zu erreichen.

Kurz vor Feierabend treffen wir dort ein. Es reicht nur noch für eine Anmeldung samt Schilderung unseres Anliegens sowie Einweisung für einen Liegeplatz. Die Marina ist ein reiner Servicehafen mit Paketliegeplätzen und einem riesigen Freigelände (voll mit Schiffen). Erinnert uns stark an Andreas‘ Hafen in Potsdam-Golm – nur eine Nummer größer.

Mittwoch ist der Tag der schlechten Nachrichten: Am Vormittag kommt die Kato 2 an den Kran. Das Wellenlager ist böse ausgeschlagen. Die Ursache, ein eingefahrener Metallbügel eines Wassereimers, der sich in Schlingpflanzen versteckt um die Welle gelegt hat.

Fazit: neue Lager müssen bestellt werden. Wir telefonieren mit Ruud von Linssen in Maasbracht. Zusammen mit Simon, dem Chef hier, können die Lager exakt spezifiziert werden. Eine Bestellung geht raus – es soll 1 bis 2 Tage dauern bis sie hier sein können. Unser Boot geht zurück ins Wasser, da der Kran weitere Schiffe auf der Warteliste hat.

Donnerstag und Freitag sind zwei quälend lange Wartetage. Die Ersatzteile sind mittlerweile da und das weitere Vorgehen kann besprochen werden. Am Montag soll die Reparatur beginnen und, wenn alles gut geht, wäre am Dienstag wieder alles ok und eine Weiterfahrt möglich. Die Kosten sind heftig und wir telefonieren mit Kuipers, unserem holländischen Bootsversicherer. Zum Glück müssen wir nur unseren Selbstbehalt zahlen, der Rest ist von der Versicherung gedeckt.

Am Freitagabend haben wir unseren „Paket-Nachbarn“ zum Essen eingeladen. Mit Norbert, einem 50jährigen Franzosen, der hier arbeitet und auf seinem Schiff lebt, verbringen wir einen sehr schönen und interessanten Abend bei uns auf der Kato.

Mit ungutem Gefühl nach Auxerre

Clamecy – Prègilbert – Auxerre

Fr.-Mo., 19.-22.08.2022. Ein bisschen Zeit in Clamecy tut uns gut. Nachdem wir früh in den Hafen umgezogen sind, treten wir kürzer und nehmen uns die Zeit zum Einkaufen und Rumtrödeln. Wir liegen nun in „Poleposition“ an Wasser und Strom und genießen das Hafenkino. Ich komme auch wieder zum Blogschreiben, das etwas ins Hintertreffen geraten war. Wenn unsere Rückfahrt nicht so viele Unwägbarkeiten hätte, in dieser kleinen, charmanten Gemeinde könnten wir glatt eine ganze Woche verbringen.

Am Sonntag mit der ersten Schleuse auf die 2-Tagesetappen-Tour nach Auxerre. Rund 60 km entfernt. Der erste Tag verläuft unspektakulär und erfolgreich bis Prègilbert. Wir übernachten vor einer Schleuse.

Am Montag, dem zweiten Fahrtag, werden die Geräusche an der Welle immer lauter. Je nach Umdrehungszahl. Ich versuche stets eine möglichst ruhige Einstellung zu finden. Langsam aber sicher haben wir eine böse Vorahnung davon, was uns am Kran wohl erwartet.

In Auxerre sind beide Anlegerseiten der Yonne rappelvoll. Wir halten an der Tanke und lassen uns einen Paketanleger zeigen. Der uns zugewiesene Paketnachbarn ist nicht an Bord, sein Boot besatzungslos abgestellt. Bei Zoe im Büro melden wir uns noch für eine möglichst baldige Begutachtung durch Boris, den Linssen-Servicetechniker, für morgen Vormittag an.