Das Wasser unterm Kiel … wird knapp

Baye – Chitry-les-Mines – Clamecy

Di.-Do., 16.-18.08.2022. Abfahrt in Baye am Dienstagfrüh um 9.00 Uhr mit der ersten „Gruppe“. Vier Boote wollen durch die Tunnel. Das ist kein Problem, einer nach dem anderen. Die wesentlich spannendere Frage kommt mit der anschließenden Schleusenkette. Hier passen immer nur zwei Schiffe in die kleinen Kammern. Wir haben Glück, sind an zweiter Stelle in der ersten Schleusung und schaffen tatsächlich die aufwändige Passage bis zur Mittagspause um 12.00 Uhr.

Ab Sardy ist der Wasserpegel erneut sehr kritisch. Obwohl wir sehr langsam und immer schön in der Kanalmitte fahren, müssen Flachwasser-Bodenwellen überwunden werden. Vor den Schleusen lassen sich natürlich Wartezeiten nicht ganz vermeiden. Dann sehen wir, wie bei Ausrichtungsmanövern Bug- und Heckstrahlruder den Schlamm aufwühlen.

Unser Wasserfilter füllt sich mit dem Schlamm und verlangt eine mehrmalige Reinigung. Einmal wird es sogar in einer Schleuse notwendig. Der Filter verwandelt sich in ein „Lehm-Eierpampen-Eimerchen“.

Wir sind froh, als wir am späten Nachmittag Chitry erreichen. Die Flachwasser-Passage ist überstanden und, vor allem, die niedrigen Brücken liegen jetzt hinter uns. Wir können das Dach endlich wieder installieren.

In Chitry gibt es im Hafen eine stets sehr gut besuchte „Guinguette“, bei der wir uns sofort nach Ankunft für den Abend einen Tisch reservieren. Guinguettes sind beliebte Tavernen und Gartenlokale, die in den Vororten von Paris und anderen Städten Frankreichs entstanden sind.

Im 19. Jh., vor der Eingemeindung vieler Dörfer, waren Handelsgüter, insbesondere Alkohol, außerhalb der Stadtgrenzen billiger als in Paris selbst, da frei von staatlichen Steuern. Zug um Zug verbreiteten sie sich über das ganze Land. In den 1980ern kam es zu einer Renaissance. Vor allem in den Flussbiegungen, so auch am Canal du Nivernais, haben einige Guinguettes wieder regelmäßig geöffnet.

Die Auswahl in der „La guinguette du port“ in Chitry ist übersichtlich, bodenständig und extrem preiswert. Ein kleines, 3gängiges Menü gibt es für 13,50 EUR, besonders beliebt ein sehr guter Burger mit Salat und Pommes frites für 8,50 EUR. Leider mussten wir auf das Dessert verzichten, da ein aufkommender Sturm mit heftigem Regen uns schnell aufs Boot flüchten lässt.

Am Donnerstag ist die Tagesetappe von Chitry-les-Mines nach Clamecy sportlich aber machbar. Auf der Strecke „meldet“ sich wieder unsere Antriebswelle mit lautem Klopfen bei unterschiedlichen Umdrehungszahlen. Wir nehmen uns vor, bei der nächsten Gelegenheit (Auxerre) auf jeden Fall das Boot mit dem Kran rausholen zu lassen.

Da wir den Hafen von Clamecy erst am späten Nachmittag erreichen, müssen wir uns vorerst mit einem provisorischen Anleger deutlich vor dem Hafen begnügen. Der kleine Hafen ist voll. Am nächsten Vormittag wird dann umgeparkt.

Der Wendepunkt ist erreicht. Es geht zurück

Decize – Fleury – Baye

Sa.-Mo., 13.-15.08.2022. Wir sind im Augenblick stark verunsichert, wie und vor allem wann, wir wieder in den Norden kommen werden. Wir belassen es bei einem Mini-Stadtbummel in Decize und starten mit der Rückfahrt.

Am Samstag geht es von Decize nach Fleury. Es wird der heißeste Tag in diesem Jahr, eine mörderische Hitze. Da wir ja noch immer, und auch noch eine ganze Weile, Cabrio fahren müssen, erwischt uns die Sonne mit unerbittlichen 56 Grad in der Sonne. Auch die Wassertemperatur steigt auf einen neuen Höchstwert, über 28 Grad!

Canal du Nivernais. Was waren wir vor ein paar Tagen froh, aus dem „Kraut“ raus zu sein. Jetzt sind wir schon wieder drin. Allerdings schaffen wir die Teilstrecke bis Fleury unterm Strich recht gut.

Den Sonntag verbringen wir am kleinen Anleger in Fleury. Die vereinsamte Hafenanlage ist neben einem kleinen Flusslauf mit kleiner schöner Wehrwasser“umleitung“ gelegen. Ein paar Ausflügler verirren sich hierher. Wir bleiben und warten das aufziehende Gewitter ab.

Der zweite Fahrtag endet am Montag wieder auf dem Plateau in Baye. Das Gewitter hat einen Wetterumschwung mit sich gebracht. Wir freuen uns zwar, dass die irre Hitze ein Ende hat. Nachteil jetzt, der immer mal wieder sporadisch einsetzende Regen. Natürlich auch nicht so toll für das Fahren ohne Dach.

Den Kaianleger zum Étang de Baye kennen wir ja gut. Freie Sicht auf den Étang und gleichzeitig auf die Signallampen für unseren Start am Dienstagfrüh in die Tunnelpassage.

Mit Zwischenstopp in Cercy-la-Tour nach Decize

Fleury – Cercy-la-Tour – Decize

Di.-Fr., 09.-12.08.2022. Der Fahrtag von Fleury nach Cercy-la-Tour verläuft bei heißem Wetter ohne Probleme. Kurz notiert: eine kleine Rettungsaktion einer Französin aus dem Kanal. Beim Warten vor einer Schleuse geht sie unfreiwillig über Bord und schafft es nicht ohne unsere Hilfe, die Böschung zu erklimmen.

Cercy bietet gleich zwei Anleger. Einen vor und einen hinter der Schleuse. Wir nehmen gleich den ersten. Keine gute Wahl, die Mauerbox gibt nur Strom aber kein Wasser. So bleiben wir über Nacht hier und parken am nächsten Morgen noch einmal um.

Cercy ist eine ländliche Gemeinde mit 1.700 Einw. und liegt am Fluss Aron, an der Einmündung seines rechten Nebenflusses Canne und des linken Nebenflusses Alène. Über dem alten Dorfkern, auf einem Turm aus dem 13 Jh. , thront die „Statue de Notre-Dame du Nivernais“. 1958 installiert auf Anregung des Abbé Maldent, der so den 100. Jahrestag der Erscheinungen von Lourdes feiern wollte. Da der Beton mit der Zeit zerfiel, wurde sie 2008 durch eine Statue aus Kalkstein ersetzt.

Am Donnerstag setzen wir zum letzten Schlag auf dem Canal du Nivernais an. In Schleichfahrt „durchs Kraut“. Ein paar Mal müssen wir vom Vorwärts- in den Rückwärtsgang schalten, um die lästigen Wasserpflanzen wieder loszuwerden.

Die Einfahrt in den Hafen von Decize geht über ein kleines Stück der Loire. Der große Hafen liegt zwischen zwei Schleusen und hat ausreichend Platz. Mit auf dem Gelände, ein VNF-Betriebshof mit Büro. Hier erfahren wir nichts Gutes. Auf fast allen Wegen sind Teilsperrungen bereits aktiv oder in Sichtweite.

Auch, wenn wir uns etwas anderes gewünscht hätten, es bleibt nur der Weg über den Canal du Nivernais zurück.

Zum Scheitelpunkt des Canal du Nivernais

Les Granges – Champ du Chène – Baye – Fleury

Sa.-Mo., 06.-08.08.2022. Die morgendliche Fahrt am Samstag endet abrupt vor der ersten Schleuse. Bei der (wie immer mit äußerster Vorsicht) Anfahrt stellen wir fest, dass wir mit Dach nicht durch die Schleusenbrücke kommen. Also ein Stück zurück und alles legen. Die Schleusenwärterin und ein vor uns bereits eingefahrenes Boot warten auf uns. Das Legen gestaltet sich, weil wir uns ja beeilen wollen, natürlich hektisch und chaotisch und dauert somit doppelt so lange wie normal! Die auf uns Wartenden nehmen es zum Glück mit Humor. Pardon et merci.

Mit dem „Cabrio“ geht es nun für einige Tage weiter. Die niedrigen Brücken stehen viel zu dicht um jedes Mal ab- und wieder aufzubauen.

Mit diesem Malheur ist ein echter Krisentag eröffnet. Ein paar Kilometer weiter setzen wir mitten in der Fahrrinne auf. Kein Vor, kein Zurück. Ein vorbeifahrender VNF-Mitarbeiter sorgt für Hilfe. Aus der nächsten Schleuse (zu Berg) wird Wasser in unseren Teilabschnitt gelassen – so kommen wir vorsichtig wieder frei.

Am Ende des Fahrtages gehen wir an einen einsamen Anleger in Champ-du-Chène. Wir bemerken schon das Flachwasser, aber, ohne dass viel Zeit vergeht, fällt der Wasserspiegel rapide und wir liegen schon wieder fest. Diesmal auch mit etwas Krängung. Ich laufe noch zur nächsten Schleuse (Sardy, N° 16), die gleich hinter der nächsten Biegung liegt. Der Schleusenwärter kommt eine halbe Stunde später zum Boot und versichert uns, dass morgen früh der Pegel wieder hoch genug sein wird. Wir sind gespannt und schlafen unruhig.

Sonntag. Der Tag beginnt tatsächlich mit ausreichend Wasser unterm Kiel und wird einer der schönsten unserer Tour. Ein bisschen zu heiß so ohne Dach, aber in traumhafter Landschaft. Es gilt eine 16er Schleusentreppe auf 4,5 Kilometer zu bewältigen um dann drei Tunnel in einer signalgeregelten Strecke von 3,5 km zu durchfahren.

Das fünfköpfige Team begleitet und betreut uns für die Schleusentreppe bis La Colancelle. Sie schaffen das Ganze von 9.00 bis zur Mittagspause um 12.00 Uhr vor der Tunnelstrecke. Respekt! Den Rest regelt die Signalanlage.

Nach der Mittagspause sollten wir eigentlich „Grün“ für die Tunnelfahrt bekommen. Aber wir müssen erst einen entgegenkommenden „Elektro-Ausflugsboote-Konvoi“ abwarten, der nicht kommt. Erst um 15.30 Uhr kommen die kleinen Boote an, wenden und fahren wieder zurück. Dann dürfen auch wir hinterher.

Das Plateau des Canal du Nivernais ist erreicht. Die Wald-, Fels- und Tunnelfahrt ist spektakulär schön. Auf der anderen Seite kommen wir am Étang de Baye an. Der Wasserscheitel ist durchschritten.

Der Étang de Vaux (130 ha) und der Étang de Baye (74 ha) sind künstlich angelegte Gewässer, die den Canal du Nivernais mit Wasser speisen. Mit angrenzenden weiteren kleinen Gewässern steht eine Gesamtfläche von 220 Hektar mit einer maximalen Kapazität von 6,63 Millionen Kubikmetern ganzjährig stabil zur Verfügung.

Der „Port de Poujeats“ ist rappelvoll mit Charter- und Privatbooten sowie Ausflugs- und kleinen Mietbooten. Wir sind dankbar für die Anlegemöglichkeiten an der sehr langen Kaimauer, die den Étang de Baye vom Canal de Nivernais trennt.

Der Trubel an und um den Hafen herum ist uns zu viel. So setzen wir unsere Fahrt am nächsten Morgen fort. Bis zum Ende des Kanals, in Decize, sind es noch 86 km mit 35 Schleusen. Dann muss eine Entscheidung her, wie es zurück gehen soll, bzw. kann.

Bis zur Loire fahren wir die Schleusen jetzt zu Tal. Das ist, vor allem für Monika, wesentlich entspannter und nicht so kräftezehrend. Bis zum nächsten Halt in Fleury „sausen“ wir am Montag schon mal die ersten 21 zu Tal.

Ländliches Burgund

Clamecy – Chitry-les-Mines – Les Granges

Mi.-Fr., 03.-05.08.2022. Nach Clamecy geht es durch die burgundische Provinz. Ländlich, friedlich, wunderschön. Am Westrand des Morvan fühlt man sich völlig losgelöst von äußeren Einflüssen (u. a. auch keine Internetverbindung). Am Kanal finden sich kaum noch größere Gemeinden (über 1.000 Einw.). So können wir uns mit allen Sinnen der Landschaft zuwenden.

Die Strecke am Mittwoch von Clamecy nach Chitry-les-Mines ist mit seinen 18 Schleusen auf 30 Kilometern eine kleine Monstertour. Dementsprechend fallen wir etwas erschöpft in die Kojen. Und bleiben den nächsten Tag im Hafen. In der Nacht zum Freitag kommt das sehnsüchtig erwartete Gewitter. Kurz, aber heftig sorgt es für einen Temperaturabfall um 10 Grad.

Am Freitag gönnen wir uns eine Kurzstrecke bis Les Granges. Vom Gewitter hatten wir uns allerdings mehr versprochen. Trotz der nur noch 32 Grad im Schatten ist die Hitze in der Sonne wieder gewaltig.

Wir stoppen in Sichtweite zu einem der vielen Charterbasen – die großen drei Großen sind über das komplette Gebiet verstreut („Locaboat“, „LeBoat“ und „Les Canalous“). Da wir uns in der Hauptsaison befinden, sind eine Menge Boote unterwegs. Für uns kein Problem, wir kommen ja immer nur mit einem in Kontakt, da in die kleinen Schleusen nur zwei Boote passen.

Unser Aufenthalt in les Ranges dient auch zum Auffüllen der Vorräte im nahegelegenen Corbigny.

In der Flößerstadt. Clamecy

Clamecy

Mo./Di., 01./02.08.2022. Die kleine 3500-Seelen-Gemeinde Clamecy liegt im Norden des Départements Nièvre, 40 km südlich von Auxerre und 70 km nördlich von Nevers, am Ufer der Yonne bei der Einmündung des Beuvron. Der Stadtkern liegt auf einem schroffen Felsplateau über dem Fluss.

Die Entwicklung von Clamecy ist eng verbunden mit der Nutzung des Holzes des Morvan (frz. Mittelgebirge) und dessen Transport nach Paris. Im 16. Jh. begann das Flößen, das Jean Rouvet ab 1549 in einen regelmäßigen „Baumfloß“-Verkehr nach Paris weiterentwickelte. Clamecy war damals der große Umschlagplatz: in riesigen Auffangbecken wurden die im Morvan abgeholzten und auf der Yonne angeschwemmten Baumstämme aus dem Wasser gefischt und sortiert. Dann wurden sie zu großen Flößen zusammengestellt und nach Paris weiter transportiert.

Der Gipfel des Holzhandels lag zwischen 1785 und 1816: Paris verbrauchte zu dieser Zeit eine Million Raummeter Brennholz p. a. – 1923 kam das letzte Floß mit Holz aus Clamecy an. Das Holz wurde durch Kohle ersetzt.

Der Ort macht einen aufgeräumten, kleinbürgerlichen und properen Eindruck auf uns. Überraschend, dass sich die kleine Gemeinde ein für die Ortsgröße außergewöhnlich großes Museum leistet. Dem „Musée d’Art et d’Histoire Romain Rolland“ statten wir natürlich einen Besuch ab.

Spaziergänge im Ort und eine kleine Radtour machen uns viel Spaß. Wäre da nur nicht die immer noch große Hitze.

Im Dreisprung nach Clamecy

Auxerre – Pallaye – Coulanges – Clamecy

Fr.-So., 29.-31.07.2022. Nach der schönen Zeit in Auxerre ist es jetzt geboten, wieder etwas Fahrt aufzunehmen. Die Tourplanung zeigt, dass auf uns Schwierigkeiten zukommen je weiter wir südlich fahren. Einen Wendepunkt, bzw. Start zur Rückfahrt hatten wir eigentlich mit Digoin festgemacht. Aber die Sperrungsmeldungen vom VNF nehmen zu (zu geringe Wassertiefe). Jeden Freitag gibt es im Internet eine aktuelle Situation zum Download. Wir werden sehen.

Aber jetzt erst mal auf den Canal de Nivernais. Der 175 km lange Kanal folgt von Auxerre aus den Tälern der Yonne, der Cure, dann den Tälern des Aron und der Loire und endet bei Decize. Der oft unterbrochene Bau zog sich zwischen 1783 und 1842 hin. Das hauptsächlichste Ziel war zu dieser Zeit der Transport des Holzes aus den großen Wäldern des Morvan nach Paris. Dort wurde es als Brenn- und Backholz in riesigen Mengen benötigt.

110 Schleusen (vorrangig im „Becquey“-Maß, 30 x 5,20 m, 1,60 tief), 2 Tunnel und etliche manuell durch die Schiffsführer zu bedienende Brücken. Mit dem Ende der Berufsschifffahrt vor ca. 40 Jahren übernahmen die „Sportschiffer“ das Revier. Ohne Zweifel eine der schönsten Gegenden Frankreichs abseits der traditionellen Wege.

In 2 1/2 Tagesetappen nach Clamecy. Am Freitag übernachten wir direkt hinter der Schleuse Pallaye, am Samstag hinter der Schleuse Coulanges an einem ziemlich heruntergekommenden Campingplatz. Sonntag laufen wir nach einer Mini-Etappe schon früh in den kleinen Stadthafen von Clamecy ein.

Eine interessante, abwechslungsreiche Strecke. Teilweise hat die Yonne ihre eigene Natur, die kanalisierten Abschnitte („râcles“) bilden den Hauptteil. Es geht an weiten Feldern und sanften Hügeln vorbei. Die Felsen von Saussois laden in den 40 bis 50 m hohen, sehr harten Kalksteinwänden zum ambitionierten Klettern ein. Also nichts für uns.

Die Zeit vergeht schnell. Auxerre, Teil 2

Auxerre

So.-Do., 24.-28.07.2022. Das Wetter bleibt heiß. Und in dem Wissen, dass es erst am Freitagfrüh heim- bzw. weitergeht, bleiben wir ruhig in der Planung und Ausführung jeglicher Aktivitäten. Einziger Pflichtakt: Unser Getränkekeller muss wieder aufgefüllt werden (allein der Gedanke daran treibt den Schweiß aus allen Poren). Ausflüge in die Stadt bleiben fakultativ.

Mittwoch zum Tour Saint-Jean und zum Musée-Abbaye Saint-Germain d’Auxerre (Abtei und Museum). Und, überall in der Stadt wird mit einer Giacometti-Ausstellung geworben, die wir unbedingt sehen wollen. Alberto Giacometti (1901-1966), ein Schweizer Bildhauer, Maler und Grafiker, der ab 1922 hauptsächlich in Paris lebte.

Giacometti gehört zu den bedeutendsten Bildhauern des 20. Jh. In der Nachkriegszeit entstanden seine bekanntesten Werke: Extrem lange, schlanke Skulpturen (zwischen 1938 und 1944 waren die Figuren maximal sieben Zentimeter gross, sie sollten die Distanz wiedergeben, in der er das Modell gesehen hatte). Also Vorfreude auf die Ausstellung unsererseits. Doch was für eine Enttäuschung. Wir sind in einer „Ein-Exponat-Ausstellung“ gelandet. Die „Femme debout II“ ist die einzige Leihgabe des Centre Pompidou Paris. Ok, dann trösten wir uns noch ein wenig mit einem Gang durch die Abbey Saint-Germain.

Eh wir uns versehen, kommt mit dem Donnerstag unser letzter Tag in Auxerre. Während Monika und ich an der weiteren Tourplanung basteln, dreht Susanne noch eine kleine Shoppingrunde in der Stadt. Und kommt mit einer höchst erfreundlichen Nachricht zurück. Sie hat es tatsächlich geschafft, uns in unserem (telefonisch nicht erreichbaren) Wunsch-Restaurant einen Tisch zu reservieren. So steht einem extrem genussreichen Abschiedsessen nichts mehr im Weg.

Eine Stadt steht unter Denkmalschutz. Auxerre, Teil 1

Auxerre

So.-Do., 24.-28.07.2022. Auxerre ist Hauptort des Départements Yonne in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Die Stadt hat rund 35.000 Einw. und ist seit Mitte der 70er Jahre in der Bevölkerungsentwicklung stabil geblieben. Das historische Zentrum von Auxerre steht fast vollkommen unter Denkmalschutz (67 Hektar).

Der Sonntag gibt uns die Möglichkeit, ohne Programm und in aller Ruhe uns dieser kleinen Perle im Norden Burgunds zu nähern. Noch schnell bei Monoprix in der Stadt einkaufen, dann rumbummeln. Die Stadt ist interessant, das Leben an den Promenaden überwiegend touristisch geprägt. Sobald man tiefer in die Stadt eintaucht, zeigt sich eine riesige und malerische Altstadt mit verwinkelten Gassen und eindrucksvollen Fachwerkhäuser.

Am Montag dann unser Hauptthema „Boot“. Wie versprochen steht Boris, der Bootstechniker von Linssen France, um 9.30 Uhr vor unserem Schiff und nimmt sich unserer Sorgen an. Das Prüfen der Verbraucherbatterien und der Schaltregler zeigt keine offensichtlichen Schwachstellen. Wir hoffen auf einen einmaligen Programmfehler der Anlage. Auch die Testfahrt auf der Yonne zeigt keine Auffälligkeiten der Antriebswelle mehr. Hier waren es wohl Untiefen im Fluß, die das Schiff „nach unten gesaugt“ und für unruhige und laute Fahrt gesorgt haben. Nach einer Stunde verlässt uns Boris – wir sind wieder etwas beruhigter.

Für Susanne wird es Zeit, ihre Rückfahrt nach Münster zu organisieren. Donnerstag möchte sie wieder heimfahren. Online lässt sich das nicht machen (über DB), also, zum Bahnhof. Ergebnis: alles ausgebucht. Nach langer Recherche am Schalter wird es dann eine umstiegsreiche Fahrt am Freitag über Paris, Brüssel, Köln und Essen nach Münster.

Somit ist auch für uns die Entscheidung gefallen, bis Freitag in Auxerre zu bleiben. Eine Weiterfahrt führt dann erstmal in eine dörfliche Einsamkeit und würde für Susanne die Rückfahrt nur unnötig komplizieren. Aber das ist für uns drei kein Thema – es gibt noch genug in Auxerre zu sehen.

In 10 Stunden nach Auxerre

Joigny – Auxerre

Sa., 23.07.2022. Um nicht mit den losfahrenden Charterbooten zusammen in die Schleusen zu müssen, starten wir (für uns) früh, mit 8.00 Uhr Abfahrt. Aber, Pech gehabt. Die erste Schleuse (nur knapp drei Kilometer entfernt) geht erst um 9.30 Uhr in Betrieb. Trotzdem hat es sich gelohnt – wir sind allein unterwegs.

Mit der heutigen Tourplanung legen wir uns ganz schön weit aus dem Fenster. 30 Flusskilometer hören sich erstmal recht wenig an. Aber die Stunde Fehlstart am Morgen, die 11 Schleusen plus eine Stunde Schleusen-Mittagspause (12 bis 13 Uhr) ziehen den Fahrtag unangenehm in die Länge.

Die Strecke ist unaufgeregt, nicht spektakulär jedoch ruhig und schön. Gewerblicher Schiffsverkehr ist so gut wie nicht feststellbar. Sportschiffe nur selten. Mit der dritten Schleuse stellt sich eine träge Routine ein. Am Ende sind es doch zehn Stunden Fahrt geworden.

Die Anleger in Auxerre werden von „Aquarelle France“ betrieben und gelten für beide Ufer der Yonne im Stadtbereich. Wir haben Glück und erwischen (unangemeldet) noch einen von zwei freien am rechten Ufer, an dem sich auch die Capitainerie befindet. 12,70 € Liegegebühr plus 5,40 € Strom und 0,22 €/Tag/Person Touristentaxe.

Aquarelle France ist in Personalunion auch die Linssen-Vertretung für Frankreich. Bei der Anmeldung schildern wir unsere Probleme mit dem „Ladeaussetzer“ der Verbraucherbatterien und dem merkwürdigen Verhalten der Antriebswelle. Es wird uns ein Techniker für Montagfrüh, 9.00 Uhr, zugesagt.

Der lange Tag macht sich am Ende deutlich bemerkbar und treibt uns früh in die Kojen.

Ein kleiner Stadtbummel in Joigny

Joigny

Fr., 22.07.2022. Joigny, 10.000 Einw., Département Yonne, Region Bourgogne (Bourgogne-Franche-Comté). Der beschauliche Ort glänzt mit altem Fachwerk, verschlafenen Ecken und tollen Ausblicken.

Monika und Susanne machen sich zu einem Ausflug in das Städtchen auf. Ich nehme eine Auszeit an Bord und schaue dem aufgeregten Treiben der neuen Chartergäste im Hafen zu.

Fahrt nach Joigny

Sens – Joigny

Do., 21.07.2022. Von Sens soll es in zwei Tagestouren nach Auxerre gehen. Mit Zwischenstation Joigny. Für den ersten Fahrtag ist das Tagesziel Joigny. 35 km, 7 Schleusen, keinerlei Probleme.

Die Ruhe in einer verkehrsarmen Region ist traumhaft. Wir haben uns schon an die freundlichen „Weiterreichungen“ gewöhnt. Zu 95 % sind die Schleusentore bei unserem Eintreffen bereits offen.

In Joigny steuern wir den Hafen von „Locaboat“ an. Neben dem Charterbetrieb werden auch einige Besucherplätze (je nach Belegung) angeboten. Da die Wechseltage der Charterschiffe mit Freitag und Samstag bevorstehen, müssen wir einmal umparken. Der Betrieb in der Anlage hält sich jedoch in Grenzen. Das Publikum ist bunt gemischt. Junge Familien mit Kindern sind in der Mehrheit.

Endlich Regen – Sens, Teil 2

Sens

Mi., 20.07.2022. Für die Nacht zum Mittwoch ist ein schweres Gewitter mit Starkregen angesagt. Doch das Gewitter schrammt unseren Standort nur und der Regen ist lediglich von normaler Stärke und dauert auch nicht so lang an. Aber! Es gibt einen Temperaturabfall auf (vorerst) 25 Grad. Traumhaft.

Man bekommt wieder vernünftig Luft, obwohl sich Glieder und Kreislauf nicht sofort wieder einpendeln. Erste große Aufgabe am Vormittag: in großem Maßstab neue Getränke und Lebensmittel einbunkern.

Der Nachmittag gehört der Stadt. Die Kathedrale von innen und die dicht beieinander liegenden Museen besuchen. Bis auf die Ausstellung „Jean-Pierre Pincemin, Sculpture – Peinture“, die aufgrund der hohen Temperaturen temporär geschlossen ist, kommen wir überall hinein.

Die Ausstellung Gérard Fromanger (1939-2021) im Palais synodal hat uns überrascht. Der uns bisher unbekannte Maler war im Pariser Mai 1968 Mitbegründer des Volksateliers der Kunstakademie, das Tausende von Plakaten entwarf und druckte. Später  wandelte er sich vom sozial engagierten, militanten Künstler, zu einem, der an Spuren, Formen und Farben um ihrer selbst willen Gefallen findet. Die Malerei ist für ihn ein Mittel, den globalen Wandel zu visualisieren.

Im Palais des Archevêques (Palast des Erzbischofs) residierte vom Beginn des Mittelalters bis ins 19. Jahrhundert der Erzbischof neben seinem Dom auf der Südseite. Sein Palast beherbergt heute die Museen von Sens. Vier Gebäude rahmen den Innenhof ein, sechs Sammlungen bieten mehr, als ein einmaliger Besuch aufnehmen kann: Archäologie, Bildende Kunst, Schatzkammer der Kathedrale, CEREP-Library, CCE Archäologische Lager, Napoléon-Zimmer.

Wir durchstreifen drei Abteilungen und sind fast schon ein wenig froh, dass wir freundlich auf das Ende der Öffnungszeit hingewiesen werden. Auch hier gilt, manchmal ist weniger mehr.

41 Grad im Schatten – Sens, Teil 1

Pont-sur-Yonne – Sens

Mo./Di., 18.-19.07.2022. Unterwegs ist es noch gut auszuhalten. Bis auf das Dach ist alles oben an Bord offen. Der Fahrtwind bringt eine leichte Brise an Deck. Unter Deck dampft es durch die Nächte bis in die frühen Morgenstunden.

Die kurze Strecke von Pont-zur-Yonne nach Sens ist schnell erledigt. Unser „Energiemanagement“ verhält sich unauffällig. Highlight auf dem Weg, das sehr gut erhaltene Aquädukt kurz nach Pont-sur-Yonne. Eine 156 km lange Wasserleitung, die in den Jahren 1866 bis 1874 von Eugène Belgrand zur Verbesserung der Wasserversorgung von Paris errichtet wurde und nach wie vor in Betrieb ist.

In Sens gibt es einen langen Kaianleger in direkter Nähe zur Innenstadt. Es ist reichlich Platz vorhanden. Zwei Tage Liegezeit sind kostenfrei, Jetons für Strom und Wasser gibt es (ebenfalls kostenlos) im Office de Tourisme im Stadtzentrum.

Sens ist eine mittelgroße Stadt (27.000 Einw.) mit Mündung des kleinen Flüsschens Vanne in die Yonne. Das in einer reichhaltigen Agrarregion gelegene Sens besitzt eine vielfältige verarbeitende Industrie, mit Pharmakonzernen, Elektronikfirmen und Lebensmittelherstellern. Eine konstant steigende Bevölkerung spiegelt das seit Jahren wider.

Am Dienstag dann der vorläufige Hitzerekord, 41 Grad im Schatten. Wir halten es auf dem Boot (hat „Null Schatten“) nicht mehr aus und laufen mutig durch die schönen, schattigen Straßen zum Tourismusbüro, um die Jetons abzuholen. Sehr lange Pause in einer Bar am zentralen Platz zwischen Kathedrale und Markthalle natürlich eingeschlossen.