Besançon. Altstadt-Impressionen

Besançon

So./Mo., 23/24.07.2023. Besançon mit seinen 118.000 Einwohnern ist der Verwaltungssitz des Département Doubs, war Hauptort der alten Region Franche-Comté (seit 2016 gehört das Gebiet zur neuen Region Bourgogne-Franche-Comté) und ist Sitz des Erzbistums Besançon.

Die als „grünste Stadt Frankreichs“ ausgezeichnete Stadt bietet eine außerordentlich hohe Lebensqualität. Dank ihres reichen historischen und kulturellen Erbes und ihrer einzigartigen Architektur trägt Besançon seit 1986 die Auszeichnung Stadt der Kunst und Geschichte.

Im Zuge der Industrialisierung wurde Besançon Zentrum der französischen Uhren- und Textilindustrie. Mit den großen Krisen, Ende der 1970er Jahre in der Uhren- und in den 90ern in der Textilindustrie, gingen innerhalb von 20 Jahren etwa 10.000 Arbeitsplätze in der Stadt verloren.

Seitdem hat in Besançon eine Umstrukturierung von der Industrie- auf die Dienstleistungsökonomie stattgefunden. Das Know-how, das sich in zwei Jahrhunderten Uhrenmanufaktur aufgebaut hat, konnte erfolgreich dazu genutzt werden, in Bereichen wie Mikrotechnologie, Präzisionsmechanik und Nanotechnologie international führend zu werden. Die Universität der Franche-Comté mit Hauptsitz in Besançon hat rund 30.000 Studenten.

Unser Stadtrundgang (halb per Rad, halb per Fuß) treibt uns einmal quer durch die Altstadt. Wir schlendern durch die kleinen Gassen und bewundern die vielen alten Häuser (mit überraschenden Hinterhöfen) und Bauten.

La Citadelle de Besançon

Besançon

Fr./Sa., 21.-22.07.2023. Während uns der Freitag einen Regen-Trödeltag beschert, sind wir am Samstag voller Tatendrang. Auf dem Programm: „La Citadelle de Besançon“.

Die Zitadelle von Besançon ist eine Festung aus dem 17. Jahrhundert in der Franche-Comté und seit 2008 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Sie ist eines der schönsten Meisterwerke der Militärarchitektur, die von Sébastien Le Prestre de Vauban entworfen wurde.

Die Zitadelle erstreckt sich über 11 Hektar auf dem Berg Saint-Etienne, einem der sieben Hügel, die Besançon, die Hauptstadt der Franche-Comté, schützen. Der Berg Saint-Etienne liegt in einem vom Doubs gebildeten Altarm und verleiht dem Ort eine strategische Bedeutung, die Julius Cäsar bereits 58 v. Chr. erkannte. Die Zitadelle überragt die Altstadt, die sich innerhalb der Doubs-Schleife befindet, und bietet einen herrlichen Blick auf die gesamte Stadt und ihre Umgebung.

Auf dem Gelände sind ebenfalls das Museum des Widerstands und der Deportation (aktuell wg. Renovierung geschlossen), das Museum der regionalen Traditionen der Franche-Comté (Musée Comtois) und das Naturkundemuseum mit zoologischen Garten, Aquarium, Insektarium, Nachttierhaus und Naturalium. Fast ein wenig zu viel des Guten. Aber anscheinend ein Anreiz, der bis zu 300.000 Besucher jährlich zur Zitadelle von Besançon lockt.

Le Doubs, Fluss und Kanal im ständigen Wechsel

Dole – Boussière – Besançon

Di.-Do., 18.-20.07.2023. Zwischen Dole und Montbéliard ist der Doubs teilweise kanalisiert und bildet ein Teilstück des Rhein-Rhône-Kanals. Und das „teilweise“ meint einen häufigen Wechsel zwischen der Fahrt im Fluss und im Kanal.

Unser nächstes Ziel ist Besançon. Wir gehen davon aus, dass es nicht in einer Etappe zu erreichen ist. Also fahren wir am Dienstag solange, bis wir ein nettes Plätzchen zur Übernachtung finden. Die Strecke ist wunderschön. Im Kanal sind erneut einige Krautabschnitte zu überwinden, es hält sich insgesamt aber in Grenzen.

Mit einer Mittagspause in Ranchot kommen wir bis Boussières. Hier geht der Kanal wieder in den Doubs. An der Steinmauer zwischen Wehr und Kanal lässt es sich prima anlegen. Mit Blick über das Wehr auf eine Papierfabrik sind wir in der absoluten Einsamkeit. Die Temperaturen haben kräftig angezogen, der Platz ist wunderbar, also bleiben wir am Mittwoch einfach hier liegen. Am Nachmittag gesellt sich noch ein Schweizer Boot aus der entgegenkommenden Richtung dazu.

Der Donnerstag beginnt mit einer Durchfahrt des Tunnels von Thoraise, Ersteröffnung 1820. Eine Tunnelsanierung 2007 bot dem dänischen Bildhauer Jeppe Hein und dem Beaune-Künstler Olivier Vadrot eine Gelegenheit für ein Kunstwerk mit dem Titel „Monsieur Canal“. Es besteht aus Wasservorhängen, die die Eingänge zum Tunnel schließen, und zwei Lichtinstallationen, die eine Welle auf dem Gewölbe bilden.

Besançon erreichen wir in der Mittagszeit. Es gibt zwei Möglichkeiten, unseren Anleger anzufahren. Direkt durch den Tunnel an der engsten Stelle der Flussschleife oder in langsamer Fahrt um Besançon herum. Wir entscheiden uns für die „Stadtrundfahrt“.

Malerisches Dole

Dole

So./Mo., 16./17.07.2023. Mit Dole kann man schnell warm werden. Von unserem Anleger am Canal du Rhône au Rhin sind es nur wenige Gehminuten bis in die Altstadt. Die Räder haben wir zwar vom Schiff genommen, sie aber kaum benutzt.

Viel Wasser, eine sehr malerische Altstadt und das „Klein-Venedig-Viertel“ am Canal des Tanneurs geben der Kleinstadt eine ganz besondere Atmosphäre. Ganz offensichtlich erfreuen sich auch etliche Franzosen an einem Kurztrip in diese Gegend.

Die goldenen Jahre für Dole endeten 1676. Die Angliederung an Frankreich hatte eine Kette von Demütigungen zur Folge. Dole verlor die Hauptstadtfunktion, den Sitz des Parlaments sowie die Universität an Besançon, die Münzwerkstätte wurde geschlossen und die Befestigungsanlagen unter der Leitung von Sébastien Le Prestre de Vauban zerstört. Durch den Bedeutungsverlust wanderten die Patrizierfamilien nach Besançon ab und Dole musste sich mit dem Status einer Kleinstadt abfinden.

Im Großraum Dole sind heute einige Betriebe des Maschinenbaus, der Metall-, Nahrungsmittel- und holzverarbeitenden Industrie zu finden. Der Ausbau der touristischen Angebote ist überall zu spüren. Dabei ist dem wichtigsten Sohn der Stadt, Louis Pasteur (1822-1897), eine Sonderrolle zugedacht.

Bereits 1902 wurde das in Paris gegossene Denkmal für Louis Pasteur eingeweiht. 1923 erwarb die Stadt das Gerberhaus, das schlichte Geburtshaus des Wissenschaftlers. 1968 bis 1976 war der ehemalige Landwirtschafts- und Kulturminister Jacques Duhamel Bürgermeister von Dole. Bevor er 1977 mit 52 Jahren starb, leistete er einen Beitrag zur Erhaltung der historischen Altstadt, durch die Unterschutzstellung eines 114 Hektar großen Stadtgebietes mit vielen Grünflächen.

Ein neuer Kanal, ein neues Abenteuer

Saint-Jean-de Losne – Dole

Sa,, 15.07.2023. Wir treffen eine grundsätzliche Tour-Entscheidung für diese Saison: Obwohl extrem verlockend, fahren wir nicht die Saône in Richtung Süden weiter. Die Fahrroute orientiert sich ab jetzt an einem möglichst „wassersicheren“ Rückweg.

Ein kleines Stück auf der Saône zurück liegt der Endpunkt des Canal du Rhône au Rhin. Der 237 km lange Kanal verbindet die Täler der Flüsse Saône und Rhein über die Wasserscheide der Burgundischen Pforte zwischen Vogesen und Jura. Er ist Teil eines Binnenwasserweges, der quer durch Europa eine schiffbare Verbindung zwischen den Küsten des Mittelmeeres und der Nordsee herstellt.

Es handelt sich um einen Kanal vom Typus Wasserscheidenkanal, der einen Höhenunterschied von insgesamt rund 280 Metern überwindet, davon liegen 170 Meter auf der Seite des Saône-Tals, die mit 82 Schleusen überwunden werden und 110 Meter auf der Seite des Rheins, die 40 Schleusen benötigen.

Der Kanal beginnt in Saint-Symphorien-sur-Saône, von dort verläuft der Kanal zum Doubs, den er südlich von Dole erreicht. Ab hier bis zum Ort L’Isle-sur-le-Doubs nutzt er den kanalisierten Flusslauf des Doubs.

Unsere Tagestour läuft bei wolkigem Himmel und drückender Schwüle völlig unproblematisch. Für die rund 25 km, mit 9 Automatikschleusen, brauchen wir knapp 5 Stunden. Der Stadtanleger in Dole hat neben einer Charterboot-Station noch jede Menge freie Plätze für weitere Boote.

Wir nehmen noch den 13. und 14. Juli in Saint-Jean mit

Saint-Jean-de-Losne

So.-Fr., 09.-14.07.2023. Wir freunden uns mit dem kleinen Ort an. Allein den Sonntag brauchen wir dringend zur Erholung von unserem Ausflug nach Dijon.

Am Montag nehmen wir Kontakt zu unserem Hafenchef David Blanquart auf. Es gibt Überlegungen hier mal zu überwintern. Der Standort wäre optimal für eine Tour über Saône und Rhône ans Mittelmeer. David hat eine Warteliste, die in jedem Frühjahr neu abgearbeitet wird. Wir lassen uns für den Winter 2024/25 vormerken. Endgültiges dann im nächsten Frühjahr.

Die vielen Servicefirmen hier im Hafen geben uns die Möglichkeit, gleich mal „H2O Atelier“ zu testen. Unser AIS funktioniert nicht mehr einwandfrei. Wir können zwar andere Schiffe auf dem Plotter sehen, aber unser Sendesignal scheint defekt. Das ist hier im Binnenbereich nicht wichtig, aber bei der Rückfahrt über den Rhein schon sehr hilfreich.

Ein H2O-Spezialist ist überraschend schnell zur Stelle, liest die Blackbox aus, reinigt den Antennenanschluss und resetet das System. Sieht alles wieder gut aus. Und kostet nicht die Welt: 1/2 Stunde Arbeitszeit ist sehr fair!

Das heiße Wetter hält an. Am Dienstag schaut mal ein Gewitter vorbei. Danach ist es jedoch nicht wirklich kühler.

Wir beschließen, über den Nationalfeiertag noch hier zu bleiben. Am rechten Ufer der Saône in Saint-Jean gibt es Programm am Abend des 13.07., am linken Ufer in Losne wird am 14. gefeiert.

Ein Tag in Dijon

Dijon (per Bahn)

Sa., 08.07.2023. Nach Dijon könnten wir auch mit dem Boot fahren. Aber das wären hin und zurück je zwei Fahrtage über den Canal de Bourgogne. Und da wir nicht genau wissen, ob uns nicht schon „Flachwasser“ erwartet, fahren wir mit der Bahn. Die halbe Stunde Fahrzeit ist nicht der Rede wert, die möglichen Fahrzeiten jedoch schon. Der Morgenzug am Samstag geht um 7.44 Uhr, die Rückfahrt wird von einem SNCF Bus ausgeführt, der um 19.44 Uhr in Dijon startet. Das hätten wir uns etwas vielfältiger gewünscht.

Dijon ist wirklich ein Highlight. „C’est une ville magnifique“, wie Dominique sagte. Mit seinen 160.000 Einwohnern ist sie die Hauptstadt des Départements Côte-d’Or und die Hauptstadt der Region Bourgogne-Franche-Comté. Wir lassen uns durch die Altstadt treiben und gehen bei brennender Sonne im Laufe des Tages an unsere physischen Grenzen.

Mit zwei größeren Pausen am Mittag und am Nachmittag geht es um 19 Uhr erschöpft zum Bahnhof zurück. Mit dem SNCF Bus, der alle Bahnhöfe an der Strecke anfährt, sind wir nach einer Stunde Fahrzeit wieder in Saint-Jean.

Saint-Jean-de-Losne – die Saône am Zufluss des Canal de Bourgogne

Auxonne – Saint-Jean-de-Losne

Do./Fr., 06./07.07.2023. Die relativ kurze Strecke von 19 km mit einer Schleuse bewältigen wir locker und leicht in knapp zwei Stunden. Endlich sind wir an einer am Wasser gelegenen Tankstelle. Selbstbedienung mit Karte. Wir tanken 172 l, rechnen die 40 l per Kanister (in Chaumont) dazu und kommen auf einen (für uns) sensationell niedrigen Verbrauchswert von 2,31 l/h!

Nun sind wir also in Saint-Jean-de-Losne (rd. 1000 Einw.). Von der Fläche her ist dieser Ort eine der kleinsten Gemeinden Frankreichs (36 ha, davon 20 ha Wasserfläche). Jedoch treffen hier der Canal de Bourgogne und der Canal du Rhône au Rhin auf die Saône. Ein strahlender Stern in der französischen Fluss- und Kanalschifffahrt.

Der große Hafen wird von allen im nautischen Bereich benötigten Firmen bespielt. Das Hafenbecken, das ausgehoben wurde, um die Boote vor den Fluten der Saône zu schützen, ist heute mit einer Kapazität von 650 Booten einer der größten Flussmarinas in Frankreich. Hier trifft die Freizeitschifffahrt auf die Binnenschifffahrt und der Flusstourismus auf Werften, die alte Handelsschiffe reparieren oder umbauen, um sie in Unterkünfte oder Hotelschiffe umzuwandeln.

Wir buchen uns bei Blanquart Yachting für eine Woche ein (60 € inkl. Strom u. Wasser) und belegen die Box von Dominique.

Übrigens, im Hafen von Saint-Jean-de-Losne experimentiert der VNF mit innovativen Lösungen gegen heterophylle Myriophylle (verschiedenblättriges Tausendblatt). Eine Wasserpflanze, ursprünglich aus Nordamerika, die als Neophyt auch nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde. Sie ist der Übeltäter, wenn wir vom „Fahren durch das Kraut“ berichten; also die Pflanzen die das Gleichgewicht der Ökosysteme bedrohen, die Funktion der Schleusen stören und die Navigation der Boote stark behindern.

Zur Bekämpfung dieser invasiven exotischen Pflanze starteten VNF und seine Partner seit März 2022 ein Experiment, bei dem vier Bekämpfungstechniken kombiniert werden: eine biologische Behandlung, eine Vorrichtung mit Blasenvorhängen, Belüftungs- und Wasserumwälzungssysteme und ein Photosynthesehemmer. Positive Ergebnisse dieses Experiments sind bereits in diesem Jahr deutlich im Hafenbecken zu beobachten.

Ein herzliches Wiedersehen in Auxonne

Auxonne

Mo.-Mi., 03.-05.07.2023. Auxonne ist mit seinen 7600 Einw. unser erster Halt auf der Saône. Als ehemaliger Festungsplatz im Departement Côte-d’Or besitzt die Gemeinde heute ein bedeutendes historisches und militärisches Erbe. Die Monumente und Ruinen hier und da in der Stadt zeugen von der reichen Vergangenheit.

In der Gegenwart beherrscht das „511e régiment du train“ das Bild im Quartier Bonaparte in Auxonne. Ein großer Militärkomplex im Norden der kleinen Stadt beherbergt das Zugregiment, das auf die Versorgung auf dem Landweg spezialisiert ist.

Für die glorreiche Geschichte Auxonnes steht Napoleon Bonaparte (1769–1821). Als junger Leutnant war er in der damaligen Garnisonsstadt stationiert (1787–1791) und verfasste hier eine seiner frühesten politischen Schriften. Und, natürlich braucht es vor Ort auch ein „Musée Napoleon“. Aber, es ist aktuell im Umzug zum Schloss begriffen und somit auf unbestimmte Zeit geschlossen.

Am Dienstag legt neben uns die „Krystyna 4“ an. Na, die kennen wir doch! Mit Christine & Dominique haben wir an der Linssen-Ostertour 2019 teilgenommen. Sie sind vor Kurzem in ihren dreiwöchigen Urlaub aufgebrochen. Wir tauschen uns und ein paar alte Fotos von 2019 aus. Am Abend werden wir von den beiden zum Apéritif auf ihr Schiff eingeladen. Es gibt exzellenten Crémant de Bourgogne, sehr guten Sancerre und kleine, hervorragend frische Snacks. Dass dieser Abend recht lang währt, ist irgendwie klar. Merci à vous deux!

Der Heimathafen der beiden ist Saint-Jean-de-Losne. Das ist der Ort den wir als nächsten auch anfahren müssen (Tanken!). Dominique bietet uns seine Box dort an. Gleichzeitig überlegen wir, ob wir hier nicht mal überwintern könnten (um dann direkt zum Mittelmeer fahren zu können). Ich denke, wir werden den Kontakt zu Dominique noch weiter intensivieren.

Die beiden fahren am Mittwoch stromaufwärts weiter. Wir bleiben noch einen Tag.

Von jetzt an geht’s bergab. Über den Wasserscheitel des Canal entre Champagne et Bourgogne

Langres – Cusey – Oisilly – Auxonne

Sa.-Mo., 01.-03.07.2023.

Samstag, Langres – Cusey, 32 km, 24 Schleusen. Wir überfahren den Wasserscheitel des Canal entre Champagne et Bourgogne. Zwei Schleusen nach Langres kommt der 4.820 Meter lange Tunnel „Souterrain de Balesmes“ der etwa 50 Meter unter der Kirche von Balesmes verläuft.

Wir bekommen sofort die Durchfahrerlaubnis, fahren allein und können so unser Tempo (für eine saubere Geradeausfahrt selbst bestimmen). Super! Der Tunnel macht über Bewegungsmelder „Licht voraus“ an. Die knapp 5 km sind recht einfach zu bewältigen.

Nach dem Tunnel geht es bergab. Das fährt sich wesentlich angenehmer. Insgesamt werden es bis zur Saône jetzt noch 43 Schleusen sein. Wir hoffen in drei Fahrtagen durch zu sein.

Sonntag, Cusey – Oisilly, 31 km, 16 Schleusen. Der Regen hat aufgehört. Sogar die Sonne lässt sich wieder blicken. Es ist ein „wir-machen-Strecke-Tag“, ohne besondere Vorkommnisse .

Montag, Oisilly – Auxonne, die letzten 13 km auf dem Canal entre Champagne et Bourgogne. Unser Fazit zum Kanal: auf unserer Hitliste steht er wirklich nicht weit oben. Es ist ein wenig zuviel des Guten (an Einsamkeit und Ruhe). Die Krautabschnitte sind zahlreich und das dadurch bedingte häufige Anhalten und Rückwärtsfahren nervt auf Dauer. Dass eine Schließung des Kanals wegen Flachwasser bevorsteht, wundert uns nicht.

Auf der Saône sind es nur 19 km bis Auxonne. Hier ist der Port de Plaisance unser Ziel. Es ist ein unglaublich tolles Gefühl, nach fünf Wochen mal wieder auf einem großen Fluss zu fahren. Unser Kahn fährt super stabil und leise. Das Vibrieren der Welle im Kraut und flachen Wasser ist vergessen. Kurz nach 15 Uhr laufen wir im Hafen Auxonne ein.

Dunkle Wolken am Kanalhimmel

Chaumont – Jorquenay – Langres

Mi.-Fr., 28.-30.06.2023. Der nächste Stop ist in Langres geplant. Eigentlich mit einem Übernachtungshalt in Rolampont. Anlegemöglichkeiten sind in diesem Abschnitt eine Seltenheit – und der in Rolampont ist bereits mit zwei großen Sportschiffen belegt. Die nächste Möglichkeit, Jorquenay, ist dann eigentlich nicht mehr weit von Langres entfernt, aber wir haben für den Tag genug und übernachten dort. 36 km und 20 Schleusen haben uns geschafft.

Die finale Anfahrt auf Langres ist dann am Donnerstag nur noch ein Katzensprung mit einer Automatikbrücke und zwei Schleusen.

Im Hafen von Langres ergattern wir den letzten freien Platz. Der Hafenmeister warnt uns vor einer bevorstehenden Schließung des Canal entre Champagne et Bourgogne. Er soll voraussichtlich am 8. Juli wg. Niedrigwasser geschlossen werden. D. h. bis dahin müssen wir auf der Saône sein.

Um nicht zu sehr unter Druck zu geraten, beschließen wir, nur zwei Nächte zu bleiben. Das reicht, um uns (per Rad) die hochgelegene, historische Stadt ansehen zu können und auf dem Rückweg die Vorräte aufzufüllen. Der Hafenmeister empfiehlt Lebensmittel für 4 bis 5 Tage an Bord zu haben. Nach Langres kommt bis zum Kanalende nur noch die absolute Einsamkeit.

Die Stadt Langres, 7700 Einw., erhebt sich auf einem Vorgebirge der gleichnamigen Hochebene. Auf dem Plateau von Langres entspringen einige der wichtigsten Flüsse Frankreichs, z. B. die Marne, die Seine und die Aube.

Die Renaissance stellte für Langres wohl die Periode größten Wohlstands dar. Auf diese Zeit gehen die bürgerlichen, religiösen und militärischen Bauwerke zurück, die man jetzt noch vorfindet. Im 19. Jahrhundert wurden die Festungswerke um eine Zitadelle im Vauban-Stil erweitert.

Die kleine Stadt hat wunderschöne Ecken und kleine Plätze. Die alten Bauwerke sind zahlreich vorhanden, viele davon leider arg vernachlässig. Es fehlt ganz offensichtlich an einer gutverdienenden Mittelschicht.

Das Wetter ist umgeschlagen. Es wird deutlich kühler und die Regenphasen dauern länger. Zum Glück aber kein Starkregen. Uns tut die Pause von der hochsommerlichen Hitze gut.

Chaumont. Mit dem Fahrrad zur Tanke

Chaumont

Mo./Di., 26./27.06.2023. Chaumont ist mit seinen 22.000 Einw. eine größere Gemeinde mit allem, was man so braucht. Allerdings ohne Bootstankstelle am Kanal. Diese Problematik beschäftigt mich schon eine ganze Weile, da unser Kraftstoffvorrat natürlich kontinuierlich sinkt.

Wir hatten bereits mit anderen Bootsfahrern gesprochen, wann Tanken am Wasser möglich sein wird, aber die Auskunft, „bis zum Canal de Bourgogne kommt nichts!“, baut uns nicht sonderlich auf. Mit Vorsicht geschätzt, brauchen wir für die noch vor uns liegenden 155 km ungefähr 130 bis 150 Liter. Also ohne Zwischentanken wird es nicht reichen.

Die Situation ist für uns neu. 4 1/2 Jahre haben wir das Tanken (ohne Kanister zu schleppen) perfekt hinbekommen. Jetzt heißt es, erst mal Kanister besorgen und dann ab zu einer Tanke. Gesagt, getan. Mit den Rädern zu einem riesigen Leclerc, 4 x 10 l-Kanister gekauft und dann aufgefüllt. Ging ganz gut – macht man/frau allerdings nicht wirklich gerne.

Die auf den Anhöhen liegende Stadt ist nur über einen großen Bogen zu erreichen. Doch die Mühen halten sich mit unseren eBikes in Grenzen und lohnen sich auf jeden Fall. Eine sympathische Gemeinde, schade nur, dass das Designmuseum nicht offen war.

Die Drei-Tage-am-Stück-Strecke

Saint-Dizier – Joinville – Froncles – Chaumont

Fr.-So., 23.-25.06.2023. Nach der Pause in Saint-Dizier wollen wir mal wieder ein wenig Strecke machen. Der Kanal ist noch lang. Die jetzt kommenden drei Abschnitte sind wie eine lange Sonntagnachmittagsbootsfahrt in schöner Landschaft. Still, beruhigend, in ländlichem Gebiet ohne nennenswerte Aufreger, weder auf dem Wasser noch am Ufer.

Wenn man morgens allein in die erste Schleuse einfährt, bleibt es auch für den ganzen Tag so. Schiffsverkehr ist quasi nicht vorhanden. Frachter schon garnicht, Sportboote auch in der Begegnung sehr selten. Häufig dann Segler, die den Kanal als Süd-Nord-Verbindung zum Mittelmeer nutzen.

Freitag, Saint-Dizier – Joinville. 9.30 los, 18.00 Uhr Anleger in Joinville. 31 km, 13 Schleusen. Der Tag beginnt mit einer einstündigen Wartezeit an einer defekten Brücke. Insgesamt müssen wir an diesem Tag drei Mal den VNF um Hilfe bitten.

Der Anleger in Joinville ist nett, kostenlos und mit allen Anschlüssen versehen, die wir aber nicht in Anspruch nehmen. Auf den ansonsten üblichen Ortsrundgang verzichten wir. Der lange Fahrtag und die Hitze machen mir zu schaffen. Gut, dass unsere Vorratskammer bestens gefüllt ist.

Samstag, Joinville – Froncles. 9.30 los, 14.00 Uhr Anleger in Froncles. 25 km, 10 Schleusen. Es ist brütend heiß und wir sind heilfroh, dass wir unser Tagespensum verkürzt haben. Die „Krautpassagen“ nehmen schon wieder zu. Häufig muss im Rückwärtsgang das Kraut von der Welle. Am frühen Abend gibt es dann doch noch einen kleinen Ortsrundgang, ein bisschen Bewegung tut dann doch recht gut.

Sonntag, Froncles – Chaumont. 9.00 los, 14.30 Uhr Anleger in Chaumont. 27 km, 11 Schleusen. Wieder sind wir allein unterwegs. Und genießen es, die Schleusen in unserem eigenen Tempo und Stil durchfahren zu können. Keine besonderen Vorkommnisse.

Die Hitze bleibt, das Kraut stellenweise auch. Erstaunlich dabei, dass unser Wasserfilter nach jedem Fahrtag zwar aussieht wie ein überfüllter Blumentopf – aber das Kühlwasser immer noch stabil fließen lässt. Der Anleger in Chaumont (mit Caravanstellplätzen) ist ok, die Liegegebühren mit rund 10 € die Nacht sehr moderat.

Saint-Dizier. Es wird Zeit für eine große Pause

Saint-Dizier

Sa..-Do., 17.-22.06.2023. Da Saint-Dizier nach der Stadtschleuse für uns überraschend einen sehr langen Kai mit perfekter Versorgung anbietet, parken wir am Samstag erstmal um. Liegegebühren werden nicht erhoben, Jetons für Strom und Wasser werden ebenfalls kostenlos abgegeben. Tolle Voraussetzungen hier eine deutliche Fahrpause einzulegen.

Dizier ist eine mittelgroße Gemeinde (23.000 Einw.) im dünnbesiegelten Nordosten Frankreichs. Auch sie kämpft mit einem heftigen Bevölkerungsrückgang, seit den 1980ern ist sie um ein Drittel empfindlich geschrumpft. Der im Westen dicht an der Stadt gelegene Militärflughafen tut sein übriges, dass es, je nach Windrichtung, schon sehr laut am Himmel werden kann.

Dizier gibt sich sichtbar sehr viel Mühe, die kleine Stadt auch gegen den Trend weiterzuentwickeln. Der neue Bahnhof (TER-Verbindungen) ist ein kleines Schmuckstück. Die neue Markthalle, die sehr gut besuchte Schwimmhalle, das Muse und ein Kulturzentrum am Quai zeugen von dem Glauben an die Gemeinde.

Wir leben die Tage kaum anders, wie zuhause. Ein bisschen Hausarbeit, Einkaufen, Lesen –also, wir lassen es uns einfach gut gehen. Das Wetter ist leicht umgeschlagen. Seit Montag tauchen am Abend Gewitter auf. Tagsüber bleibt es schwül und heiß. Erst mit dem Regen am Donnerstag gehen auch (endlich!) die Tagestemperaturen runter.

Mittwoch, weltweit Fête de la Musique, natürlich auch in Saint-Dizier. Ab dem Nachmittag ist man auf den Beinen. Überall in der Stadt ist Musik. Es herrscht eine sehr heitere, ausgelassene Stimmung. Das Ganze hat Volksfestcharakter. Würde nicht gegen 23 Uhr der Nieselregen in einen starken Regen übergehen, es wäre wohl eine lange Nacht geworden.

Es war eine schöne Zeit hier. Morgen geht es wieder „auf Strecke“.