Bingen, Tor zum Oberen Mittelrhein

Mainz – Bingen

Mi./Do., 23./24.08.2023. Am Mittwoch starten wir in die Mini-Strecke von Mainz (500) nach Bingen (527). In Bingen, dem Tor zum Oberen Mittelrhein, wollen wir uns im Yachthafen bei den ortsansässigen Bootsfahrern schlaumachen, welche speziellen Verhaltensweisen für die Loreley-Passage zu beachten sind.

Die frühe Ankunft in Bingen gibt uns die Möglichkeit, uns um unsere leere Reserve-Gasflasche zu kümmern. Nach wie vor ist unser Gasflaschentyp schwer zu bekommen. Auf telefonische Nachfrage erfahren wir, dass die Flasche bei Toom vorrätig ist Also, Räder runter und, an der Nahe entlang, zum Baumarkt nach Büdesheim.

Am Donnerstag müssen wir unbedingt zum Einkaufen und nutzen das, um uns nebenbei ein wenig in der kleinen Stadt umzuschauen. Bingen am Rhein, 25.000 Einw., ist eine kreisangehörige Stadt im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Der ursprüngliche Name der Siedlung war Bingium, keltisches Wort eventuell für „Loch im Fels“, Bezeichnung für die Untiefe hinter dem Mäuseturm, bekannt als Binger Loch. Aber dazu später mehr.

Bingen war Ausgangspunkt der Ausoniusstraße, einer römischen Militärstraße, welche die Stadt mit Trier verband. Die Region ist wirtschaftlich durch den Weinbau geprägt, zumal sich in Bingen vier Weinanbaugebiete (Rheinhessen, Mittelrhein, Nahe und Rheingau) treffen. Die (nicht schiffbare) Nahe fließt in Bingen bei Flusskilometer 529,1 von links in den Rhein. Ihre Mündung gilt als Grenze zwischen Oberrhein und Mittelrhein.

Ein spontanes, herzliches Wiedersehen in Mainz

Mainz

Mo./Di., 21./22.08.2023. Montag, die vielen Flugzeuge überm Hafen, und damit die Nähe zu Frankfurt, bringen mich auf die Idee, Georg in Frankfurt anzurufen. Ein Kommilitone aus Berlin (HfbK, 72 bis 75), der im vergangenen Jahr per Mail wieder Kontakt zu mir aufgenommen hatte.

Gesagt, getan – wir haben Glück, er ist da, hat Zeit und wir verabreden uns spontan für den Nachmittag. Er kommt zu uns nach Mainz, wir treffen uns im Hafen. Georg kennt Mainz sehr gut und lotst uns am Abend zu einer netten Weinstube in der Altstadt. Es wird ein wunderschöner Nachmittag und Abend.

Am Dienstag machen wir dann einen größeren Stadtrundgang. Mainz ist die Landeshauptstadt des Landes Rheinland-Pfalz und mit 218.000 Einwohnern zugleich dessen größte Stadt. Es ist für seine Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und mittelalterlichen Marktplätzen bekannt. Unweit davon steht der romanische Mainzer Dom mit seinem tiefroten Sandstein und dem markanten achteckigen Turm. Das Gutenberg-Museum ist dem Erfinder des Buchdrucks gewidmet und präsentiert 2 Originalexemplare der Gutenberg-Bibel.

Unser Rundgang startet mit einem Besuch der Zitadelle. Danach geht es durch die Altstadt. Um Mainz kennenzulernen braucht es natürlich mehr als einen Tag. Um aber ein Gefühl für die Stadt zu bekommen, lohnt sich unser Spaziergang allemal.

Sonntags auf dem Oberrhein nach Mainz

Worms – Mainz

So., 20.08.2023. Wir haben uns mittlerweile an die kurzen Tagesetappen gewöhnt. Die Fahrt zu Tal ist entspannend, spritsparend und lässt gelegentlich notwendige Ausweichmanöver unaufgeregt zu. So ist die um 10 Uhr gestartete Tour von Worms (442) nach Mainz (501) bereits um 14 Uhr mit der Hafenankunft in Mainz beendet.

Das Wochenende mit hochsommerlichem Wetter lockt an vielen Stellen Ausflügler an, aufs und ins Wasser. Die vielen „Strandbereiche“ am Rhein wundern uns – haben wir doch gelernt, Schwimmen im Rhein ist extrem gefährlich. Der Frachterverkehr heute und in diesem Abschnitt hält sich deutlich in Grenzen.

Die frühe Ankunft in Mainz nutzen wir zum Rumtrödeln und am Hafen zum Beine vertreten .

Nibelungenstadt Worms

Speyer – Worms

Fr./Sa., 18./19.08.2023. Ziemlich entspannt fahren wir am Freitag die 36 km von Speyer (406) nach Worms (442). Wir passieren Mannheim (rechtsrheinisch) und Ludwigshafen (linksrheinisch). Und das, was wir vom Wasser aus sehen, macht uns die Vorbeifahrt leicht. Speziell Ludwigshafen sieht vom Rhein einfach nur scheußlich aus.

Nach den beiden Städten wird die Landschaft durch die BASF geprägt. Wir haben das Gefühl kilometerlang.

Der Hafen Worms ist leicht zu finden, die Einfahrt allerdings ziemlich schmal. So steuern wir mit „Strömungs-Eierei“ ein wenig ungelenk in den Hafenarm. Wie schon bei den vorherigen Vereinshäfen helfen auch hier freundliche Mitglieder beim Anlegen und erklären uns, wie der Hafen so „funktioniert“ und was und wie angemeldet wird.

Worms wirkt mit seinen 84.000 Einwohnern als große Kleinstadt. Das Stadtbild ist geprägt durch den „Architekturschlamassel“ der Wiederaufbaujahre, der nach den verheerenden Zerstörungen durch Luftangriffe 1945 notwendig wurde. Aber dieses Leid teilt Worms ja mit unzähligen anderen deutschen Städten.

Im produzierenden Gewerbe stehen in Worms Unternehmen der chemischen Industrie und der Kunststoffherstellung, der Metallerzeugung und des Maschinenbaus im Vordergrund.. Die früher bedeutende Wormser Lederindustrie spielt hingegen heute keine Rolle mehr.

Im Tourismusbereich zählt Worms auf: „Dom – Luther – SchUM“ und, natürlich, auf den (selbsternannten) Titel „Nibelungenstadt“. Mit den „Religionen“ will das Stadtmarketing unbedingt punkten: Mit dem Dom, der neben dem Mainzer und dem Speyerer Dom einer der drei romanischen Kaiserdome ist. Mit Luther, der auf dem Reichstag zu Worms 1521 auf Anordnung von Kaiser Karl V. seine Thesen widerrufen sollte und Worms als eine der drei SchUM-Städte der jüdischen Gemeinden der oberrheinischen Städte Speyer, Worms und Mainz im Mittelalter (seit Juli 2021 UNESCO-Weltkulturerbe).

Die Nibelungen haben uns dann tatsächlich noch einen sehr kurzweiligen Besuch des gleichnamigen Museums verschafft. Eine audiovisuelle Führung (hervorragend von Mario Adorf gelesen) hat uns in 1 1/2 Stunden das komplette Heldenepos in Erinnerung gebracht. Wie man das in über 15 Stunden bei Wagner überstehen kann – ist mir (Banausen) absolut schleierhaft.

Kaiserstadt Speyer

Speyer

Mi./Do., 16./17.08.2023. Das Wetter hat sich dermaßen wieder auf Hochsommer geschaltet, dass es nun wieder zu heiß ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die Sonne nicht wirklich draußen ist – also, es ist extrem drückend. Nicht gerade ein Paradewetter für einen Stadtausflug. Aber, was soll’s, für morgen ist Regen angesagt.

Speyer ist eine kreisfreie Stadt in Rheinland-Pfalz und Teil der Metropolregion Rhein-Neckar. Als römische Gründung, damals Noviomagus oder Civitas Nemetum (Hauptstadt des Stammes der Nemeter) genannt, ist sie eine der ältesten Städte Deutschlands und wurde als Spira um 600 Zentrum des Speyergaues.

Im Mittelalter war Speyer als freie Reichsstadt eine der bedeutendsten Städte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Von 1816 bis 1945 Sitz der bayerischen Verwaltung der Pfalz, gehört Speyer heute zu Rheinland-Pfalz und hat rund 50.000 Einwohner.

Weithin bekannt ist die heutige Mittelstadt durch ihren Kaiser- und Mariendom, der zugleich Kathedrale des römisch-katholischen Bistums Speyer ist. Er ist die weltweit größte noch erhaltene romanische Kirche und zählt seit 1981 zum UNESCO-Welterbe. Die jüdischen Stätten Speyers sind, zusammen mit denen der anderen beiden SchUM-Städte Mainz und Worms, 2021 zum UNESCO-Weltkulturerbe geworden.

Die Kernstadt Speyer, auch Altstadt, entspricht dem Gebiet, das von der mittelalterlichen Speyerer Stadtbefestigung umschlossen wurde. Durch die vollständige Zerstörung 1689 und den langsamen Wiederaufbau nach elf Jahren Siedlungspause brauchte Speyer bis ca. 1850, um dieses Gebiet wieder zu besiedeln und zu bebauen.

Speyer ist für uns die Stadt der kurzen Wege. Vom Yachthafen bis zum Dom sind es nur 15 Minuten Fußweg. Optimal, die Räder bleiben an Bord.

Zwei Etappen bis Speyer

Kehl – Karlsruhe – Speyer

Mo./Di., 14./15.08.2023. Montag, von Kehl (Rhein-km 294) geht es durch die letzten beiden Rheinschleusen, Lambsheim und Iffezheim nach Karlsruhe (363). Besonderes Vorkommnis: eine Polizeikontrolle – die erste in dieser Saison! Drei Mann hoch kommen sie mitten auf dem Rhein „auf Backe“. Es werden nur die Papiere (FS und Bootsschein) zur Kontrolle rübergereicht und kontrolliert. Unserer Ausrüstung schenken sie keine Beachtung.

Karlsruhe dient nur der Übernachtung. Erstens kennt Monika die Stadt bereits von einem Ausflug mit Katja und zweitens müssen wir auch ein wenig aufpassen, dass wir uns nicht mit zu vielen Rheinstädten „vollpumpen“.

Bei der Hafeneinfahrt kommen uns drei Frachter zu Berg entgegen, die wir über steuerbord kreuzen müssen. Ich lasse die ersten beiden vorbeifahren und treibe dabei weiter zu Tal als geplant. Die letzte Lücke erscheint mir dann ausreichend, um die Hafeneinfahrt zurück im 90°-Winkel zu erreichen. Aber, es wird verdammt eng. Das Wenden auf dem Rhein per Vollgas bringt uns gerade mal auf eine Geschwindigkeit von knapp 2 km/h zu Berg. Letztendlich geht alles gut, auch der 3. Frachter kommt an uns vorbei und wir gelangen sicher in den Hafen.

Dienstag nach Speyer (406), also schlappe 40 km. Speyer erreichen wir kurz nach 13 Uhr. Wir bekommen an einem langen Längsanleger am Hafeneingang einen schönen Platz zugewiesen und trödeln uns über den Rest des Tages. Sogar eine Mini-Stippvisite am Mariä-Himmelfahrts-Tag in Speyer geht noch. Im Ort merkt man (außer im Dom natürlich) vom Feiertag nichts. Hier in Rheinland-Pfalz ist es ja auch keiner.

Wir drehen eine große Runde. Per Rad. In Strasbourg

Strasbourg (Straßburg)

So., 13.08.2023. Erste Aktion am Sonntagvormittag, Tanken, 162 l Diesel für 1,90 €/l. Unsere Verbrauchswerte steigen zwar leicht, bleiben aber mit 2,79 l/h immer noch in einem sehr akzeptablen Bereich.

Nach dem verregneten Samstag werfen wir unseren jüngsten Vorsatz auch schon wieder über Bord, nicht mehr an einem Sonntag in einer französischen Stadt unterwegs sein zu wollen. Den Altstadtkern haben wir schon einmal im September 2015 besucht. Heute soll es, dank der Räder, einmal im großen Bogen um und durch die Stadt gehen.

Mit 291.000 Einw. in der Kernstadt und 790.000 Einwohnern in der Aire urbaine auf französischem Boden ist Straßburg mit Abstand die größte Stadt im Grand Est. Sitz zahlreicher europäischer Einrichtungen, unter anderem Europarat, Europaparlament, Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Europäischer Bürgerbeauftragter und Eurokorps. Aufgrund dessen versteht sich die Stadt als Hauptstadt Europas.

Teile der Innenstadt, die mittelalterliche Altstadt auf der Grande-Île und die Neustadt sind unter dem Titel „Straßburg, von der Grande-Île zur Neustadt, eine europäische Stadtszenerie“ UNESCO-Weltkulturerbe.

Wir wollen nach Strasbourg und landen in Kehl

Breisach – Kehl (D)/Strasbourg (F)

Do.-Sa., 10.-12.08.2023. Am Donnerstag Aufbruch um 9 Uhr. Bis Straßburg sind es 68 km und vier Schleusen. In vier sogenannten „Girlanden“-Siedlungen, auf denen sich die Schleusen und Wasserkraftwerke von Marckolsheim, Rhinau, Gerstheim und Straßburg 1 befinden, dient der Fluss nicht nur der Schifffahrt, sondern vor allem auch der Stromerzeugung.

Die Schleusen fahren wir durchgehend zusammen mit Frachtern. Das geht recht zügig, die einzelnen Schleusungen brauchen jedoch ihre Zeit. So sind wir erst gegen 16.30 Uhr an der Stadtschleuse (Süd) zum Bassin Vauban. Sie ist zu und weder per UKW noch per Telefon erreichbar. Auf Nachfrage beim Port de Plaisance de Strasbourg (unserem eigentlichen Ziel) erfahren wir, dass diese nur bis 17 Uhr bedient wird. Da hat wohl eine/r sehr frühzeitig Feierabend gemacht! Wir sollen zur Nordschleuse weiterfahren, die hätte wohl länger offen.

Zurück auf dem Rhein helfen wir einem mitten im Rheinfahrwasser liegengebliebenen Motorboot aus seiner misslichen Lage. Wir nehmen es längsseitig fest und setzen es an einem Anleger in einem Stichkanal ab.

Auf dem Weg zur Nordschleuse kommen wir am rechtsrheinischen Hafen Kehl vorbei. Wir fahren spontan hinein, finden einen freien Platz und beschließen hier zu bleiben. Eine gute Entscheidung. Der Hafen hat alles, was man braucht – inklusive einer Tanke. Die Räder bekommen wir leicht von Bord und die Innenstadt von Strasbourg ist lediglich knapp 7 km entfernt.

Am Freitag radeln wir nach Strasbourg rüber. Wir wollen ins Musée d’Art et Contemporain. Es liegt im Süden des Touristen-HotSpot „La Petite France“. Das 1995 bis 1998 errichtete Gebäude wurde vom Pariser Architekten Adrien Fainsilber entworfen. Die Ausstellungs- und Nutzflächen entfalten sich zu beiden Seiten einer zentralen, verglasten Wandelhalle, die mit 104 Metern Innenlänge und 22 Metern Innenhöhe in kathedralartigen Dimensionen konzipiert ist.

Zu den am besten vertretenen Künstlern in der Sammlung gehören u. a. Gustave Doré, Max Klinger, Hans Arp, Max Ernst, Victor Brauner, Käthe Kollwitz, Sophie Taeuber-Arp, Wassily Kandinsky, César Domela, Theo van Doesburg u. a. Einen weiteren Akzent setzt die neuere und neue deutsche Malerei mit Markus Lüpertz, Eugen Schönebeck, Georg Baselitz, Jörg Immendorff, A. R. Penck, Albert Oehlen, Daniel Richter, Jonathan Meese, Thomas Scheibitz.

Weitere wichtige ausgestellte bildende Künstler sind (Auswahl): Gilles Aillaud, Alexander Archipenko, Arman, Edward Burne-Jones, Jean Hélion, Auguste Herbin, Asger Jorn, Paul Klee, Max Liebermann, Alberto Magnelli, Claude Monet, Malcolm Morley, Francis Picabia, Pablo Picasso, Camille Pissarro, Auguste Rodin, Ossip Zadkine.

Das Museum trifft bei unseren Vorlieben voll ins Schwarze. Wir sind beeindruckt und (trotz großer Pause) erschöpft.

Der Samstag beginnt mit Einkaufen in Kehl. Danach hält uns immer wieder einsetzender starker Regen an Bord fest.

Grand Canal d’Alsace (Rheinseitenkanal)

Mulhouse – Breisach am Rhein

Mo.-Mi., 07.-09.08.2023. Von Mulhouse bis zum Rhein sind es nur 17 km mit zwei Schleusen. Nach der östlichen Stadtschleuse wird der Canal du Rhône au Rhin sehr breit und bringt damit den Frachtverkehr vom Rhein bis vor die Tore der Stadt. Dementsprechend ist die Strecke überwiegend trostlos und zieht sich ein wenig.

Bei Niffer mündet der Kanal nach einer Gesamtlänge von 237 Kilometern in den Rhein, genau genommen in den Grand Canal d’Alsace (Rheinseitenkanal). Den Rhein-Rhône-Kanal haben wir sehr genossen. Besonders natürlich den großen ersten Teil, den wir wechselweise immer wieder auf dem wunderschönen Doubs befahren konnten.

Der Bau des Grand Canal d’Alsace wurde 1928 bei Basel begonnen und 1950 fortgeführt. Der Basler Hafen hat sich seit der Entstehung des Kanals zu einem der bedeutendsten am Rhein entwickelt. Die Länge des Kanals zwischen Kembs und Vogelgrün beträgt ca. 50 km.

Unsere Tagesstrecke nach Breisach geht (inklusive der 17 km im Rhein-Rhône-Kanal) über 56 km. Ab Niffer geht es nun zu Tal. Trotz Staustufen ist genug Strömung da, die uns bei spritsparender Geschwindigkeit noch bis zu 3 km/h als „Bonus“ oben drauf packt. Die drei Doppelschleusen im Grand Canal d’Alsace sind in keinem guten Zustand. Kaum eine Schleuse, in der nicht eine Kammer zur Reparatur anstand.

In Breisach hat der Kanal sein Ende. Ab hier sind wir permanent auf dem Rhein. Der Hafen des MYC Breisach hat nur wenige Gästestege, aber wir haben uns angemeldet und bekommen noch ein nettes Plätzchen. Alternativ hätten wir auch linksrheinisch zum französischen Hafen fahren können. Der liegt allerdings etwas ungünstig auf einer Insel zwischen dem Rhein und dem Kanal.

Breisach am Rhein, 12.000 Einwohner. Bahnstation, Rheinübergang nach Frankreich, Das über 3000 Jahre alte Breisach liegt auf einer vulkanischen Erhebung. einem Ausläufer des nahen Kaiserstuhl-Vulkans. Trotz zweimaliger Zerstörung der Stadt (1793 und 1945) stößt der Besucher immer noch auf Spuren der bewegten Vergangenheit. Breisachs Wahrzeichen, das St. Stephansmünster, dominiert in fast allen Sichtachsen auf die kleine Stadt. Erwähnenswert noch der gut frequentierte Anleger für Flusskreuzfahrten. Alle großen Anbieter machen bei ihren Rheinfahrten hier Station.

Mulhouse. Letzte Station auf dem Canal du Rhône au Rhin

Dannemarie – Mulhouse (Mülhausen)

Fr.-So., 04.-06.08.2023. Freitag, die Vereinbarung mit dem VNF lautet: Start 8.00 Uhr, Schleuse N° 17 am Ortsausgang von Dannemarie. Wir sind pünktlich, die Engländer sind bereits da. Schnell noch die Registrierung und um 7.58 Uhr geht es los. Simple 23 km aber mit 22 Schleusen und zwei Brücken. Die Strecke hält nichts Überraschendes vor. 7 1/2 Stunden und wir sind in Mulhouse.

Mulhouse (deutsch Mülhausen) mit seinen 108.000 Einwohnern ist eine Stadt im Elsass (Europäische Gebietskörperschaft Elsass) in der Region Grand Est im Osten Frankreichs. Seit 2014 ist die Stadt Mülhausen zweisprachig im Sinne der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen mit Französisch als Amtssprache sowie Deutsch als Regionalsprache in Form von Elsässisch und Hochdeutsch.

Der Stadthafen liegt zentral, fast direkt gegenüber vom Hauptbahnhof. Die Stadt lässt sich gut zu Fuß erschließen und wir finden uns außerordentlich schnell zurecht. Neben dem obligatorischen Stadtrundgang könnten wir in Mulhouse gleich sechs Museen besuchen (Automobil, Eisenbahn, Elektrizität, Stoffdruck, Historie und Kunst). Komischerweise lassen wir das „Musée National de l’Automobile“, die angeblich „schönste Autosammlung der Welt“ links liegen – unsere frühere gemeinsame Zuneigung und Interesse an Autos ist schon seit langer Zeit eiskalt erloschen.

So gehen wir zielstrebig in die Villa Steinbach ins Musée des Beaux-Arts. In seinen Sammlungen werden  vorwiegend rheinische Werke aus dem Mittelalter und der Renaissance, flämische Malerei, französische und italienische Schulen des 17. und 18. Jahrhunderts, akademische und regionalistische Kunst des 19. Jahrhunderts gezeigt. Auch die Avantgardeströmungen des 20. Jahrhunderts sind präsent, mit elsässischen Künstlern.

Die zwei Tage Mulhouse vergehen wie im Flug, wobei wir uns am Sonntag diesmal fest vornehmen, nie mehr an einem Sonntag in (verlassenen) französischen Innenstädten spazieren zu gehen.

Zwei außerplanmäßige Ruhetage in Dannemarie

Dannemarie (Dammerkirch)

Mi./Do., 02./03.08.2023. Unser AIS ist immer noch nicht in Ordnung. Auf Empfehlung eines Anlegenachbarn in Besançon kontaktieren wir den hiesigen Raymarine-Spezialisten. Er will gerne kommen, kann aber erst am Donnerstag. Für uns kein Problem, dann bleiben wir eben noch zwei Tage länger.

Unser Hafen nennt sich ja „Porte d’Alsace“ (Tor zum Elsass), die Hafenmeisterin spricht u. a. auch Deutsch und die Straßenschilder sind zweisprachig. Für uns, die mit dem Elsass bisher so gut wie nichts am Hut hatten, etwas ungewöhnlich. Also Zeit, sich ein wenig schlauer zu machen.

Nach der wechselvollen Geschichte des Elsass ist man heute wieder daran interessiert, die Regionalsprachen zu schützen und zu fördern. Für das Elsass heisst das, dass es zugleich der Dialekt und das Hochdeutsch ist, da der schriftliche Ausdruck des elsässischen Dialekts dem Deutschen entspricht.

Die dafür notwendigen Vereinbarungen treffen die Gemeinden eigenständig. Für Dannemarie ist die „Charta zur Förderung der Regionalsprache auf der Grundlage der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ im Febr. 2015 unterzeichnet worden. Ein Programm zur Durchführung regelt dann (natürlich auf freiwilliger Basis) die Umsetzung vom Kindergarten über Grundschule bis zum „Collège“.

Die zwei aktionsfreien Tage in Dannemarie tun uns gut, nur das Wetter könnte noch etwas schöner werden. Am Donnerstag kommt Stéphane vormittags, checkt nochmals die kompletten AIS-Einstellungen (diesmal nicht an der Blackbox sondern am Plotter) – und siehe da, jetzt ist alles wieder ok. Eine Überprüfung auf einem holländischen Schiff im Hafen gibt uns die Bestätigung.

Am Nachmittag animiert Bérengère, unsere sympathische Hafenmeisterin, Boots-Gäste zu einem Pétanque-Turnier. Obwohl wir keine guten Spieler sind, sagen wir zu. Und, wie so häufig im Leben, es gibt immer Spieler, die auch nicht besser sind. Eine schöne Idee, fremde Menschen zueinander zu bringen. Am Ende gab es noch Getränke und Gebäck.

Wir sind „übern Berg“

Montbéliard (Mömpelgard) – Montreux-Château – Dannemarie

Mo./Di., 31.07./01.08.2023. Vor der Abfahrt aus Montbéliard wechseln wir mit dem Schiff kurz ans andere Ufer. Auf der gegenüberlegenden Seite des Yachthafens ist ein Intermarché. Als wir nach dem Einkaufen endlich in die (Schiffs-)Gänge kommen, ist es bereits nach 11 Uhr.

Die heutige Strecke ist die letzte „zu Berg“. An der Schleuse N° 7 werden wir vom VNF erneut registriert. Es wird uns empfohlen, den Tagesstopp in Montreux-Château einzulegen. Gleichzeitig wird abgefragt, wann wir die Weiterfahrt planen. Die nächste Etappe geht über den Wasserscheitel des Canal du Rhône au Rhin in eine Schleusentreppe, für die wir eine feste Begleitung bekommen. Wir wollen morgen weiter.

Gesagt, getan. Dienstagfrüh passieren wir den Wasserscheitel. Leider geht die Fahrt durch den Wald – Fernsicht fällt aus. Pünktlich zur festgelegten Zeit um 9 Uhr wird die Schleuse N° 2 erreicht. Wir sind in einem kleinen 2er Konvoi mit einem vorausfahrenden Boot aus Basel. Die Télécommandes werden eingesammelt, und bei strömenden Regen geht es los.

Einen Lichtblick gibt es allerdings auch. Unsere VNF Betreuerin ist eine sympathische junge Frau, der das Sauwetter anscheinend absolut nichts auszumachen scheint. Von Schleuse zu Schleuse muss sie mit ihrem Roller flitzen, um sie zu bedienen. Und trotz z. T. Starkregen, bleibt ihr immer Zeit, an den Booten zu helfen. Auf den nun folgenden 2500 m müssen 12 Schleusen passiert werden. Insgesamt bis zum nächsten Hafen, Dannemarie, sind es damit dann 15.

3 1/2 Stunden nach dem heutigen Start legen wir an der „Porte d’Alsace“ (Tor zum Elsass) in Dannemarie an. Die Fahrt ging problemlos, war aber sehr intensiv. Dementsprechend sind wir zufrieden, dass der Fahrtag schon so früh ein Ende gefunden hat.

Auf nach Mömpelgard

L’Isle-sur-le-Doubs – Dampierre-sur-le-Doubs – Montbéliard

Fr..-So., 28.-30.07.2023. Freitag haben wir es nicht eilig. Am Morgen lassen wir es geruhsam angehen und auch mit der heutigen Streckenlänge halten wir es eher kurz. Es ist nicht wirklich eine erste Fahrmüdigkeit, aber bereits nach 17 km und 12 Schleusen ist am Mittag in dem kleinen Dorf Dampierre-sur-le-Doubs Schluss. Ein Kai im Dorf, kurz vor der Schleuse N° 18, drängt sich für einen Halt auf.

Bis auf einige, wenige Radfahrer, die auf der Bank am Kai eine Pause einlegen, und noch weniger Spaziergänger, haben wir nur einen ständigen Besucher – warum wir ihn „Zorro“ taufen, sieht man auf dem Bild.

Das nächste Tourziel ist am Samstag der nur 7 km entfernte Port de Plaisance in Montbéliard. Start mit Hindernissen. Das Schleusentor „zickt“ und ein VNF-Mitarbeiter kommt auf telefonische Anforderung erst nach 1 1/2 Stunden. Hinter uns bildet sich ein Ministau von zwei weiteren Booten. Die restlichen Schleusen fahren wir dann zügig im Doppelpack mit einem holländischen Alleinfahrer. Wir bleiben wir noch einen weiteren Tag in Montbéliard und umrunden die sonntagsleere Stadt (samt downloadbarem Audioguide) in einen grösseren Spaziergang.

Montbéliard, rd. 26.000 Einw., (deutsch Mömpelgard) ist eine Kleinstadt, deren größter Arbeitgeber wohl Peugeot ist. Das größte Werk der Automarke sowie das Peugeot-Museum befinden sich im benachbarten Sochaux, wobei das Peugeot-Werk zum Teil auf dem Gebiet von Montbéliard liegt. Insgesamt sind in der Gegend ca. 34.000 Mitarbeiter direkt oder indirekt bei Peugeot beschäftigt.

Der frühere deutsche Name „Mömpelgard“ beruht auf der 400-jährigen Zugehörigkeit zum weltlich-historischen Territorium des Hauses Württemberg. Seine Hochzeit liegt zwischen dem 15.und 18. Jh. Obwohl die heutigen Einwohner der früheren linksrheinischen Herrschaften französische Staatsbürger sind, ist die ehemals württembergische Tradition weiterhin sichtbar.

Es gibt Bauwerke, die an die einstige Herrschaft erinnern. Vor allem in der lutherischen Ausrichtung der Städte und Dörfer hat sich eine Eigenart erhalten, die auf die einstige württembergische Zugehörigkeit zurückgeht. Als erste deutsch-französische Städtepartnerschaft nach dem Zweiten Weltkrieg entstand hier eine Verbindung zwischen Ludwigsburg und Montbéliard. Beide Städte sind ehemalige Residenzen der Herzöge von Württemberg.

Das Wetter schlägt um, wir fahren weiter. Aufs Land

Besançon – Baume Les Dames – L’Isle-sur-le-Doubs

Di.-Do., 25.-27.07.2023. Es gäbe noch das ein oder andere in Besançon, das ein näheres Betrachten wert gewesen wäre … aber, wie schon so häufig: wir wollen doch noch weiter.

Es folgen zwei Fahrtage und ein Bunkertag mit Mini-Spaziergang. Am Dienstag geht es noch relativ trocken los. 36 km und 9 Schleusen sind keine Herausforderung. Wir fahren aufs Land. Ruhige Gegenden, zum Teil weite Flusslandschaften, Ruhe, Gelassenheit. Nur das Wetter weiß nicht, was es will. Die Sonne versteckt sich hinter imposanten Wolkenbildern. Ein kurzes aber heftiges Gewitter rauscht am Nachmittag über uns hinweg. Der Zielort Baume Les Dames ist nur zum Übernachten.

Mittwoch, Dasselbe in Grün. 32 km, 12 Schleusen. Das Wetter bessert sich. Und wenn die Sonne draußen ist, klettert das Thermometer auch gleich wieder in die höheren Zwanziger. Tagesziel ist der kleine Ort L’Isle-sur-le-Doubs.

In der Flusskarte ist ein „Supermarkt-Anleger“ vor der Stadtschleuse vermerkt. Prima, der kommt uns gerade recht. Ein mächtiger InterMarché. Wir sind derart begeistert, dass wir noch am Nachmittag mit einem randvollen Einkaufswagen mit Getränken direkt ans Schiff fahren.

Auf einen möglichen Umzug in den Hafen-Anleger mit Strom und Wasser am Donnerstag verzichten wir. Die Batterien sind voll, der Wassertank ebenfalls. Wir bleiben also vor der Schleuse liegen und machen einen Ortserkundungsrundgang.

L’Isle-sur-le-Doubs grenzt im Norden an den Lauf des Doubs, der aus zwei Armen besteht die eine Insel umschließen, die dem Ort seinen Namen gab. Auch unser Canal du Rhône au Rhin durchkreuzt die Gemeinde.

Mönche der nahegelegenen Abtei Lieu-Croissant schenkten diese Insel im 12. Jahrhundert Thiébaut de Neufchâtel. Die bereits mächtige Familie der Region gründete die Stadt im Herzen dieser Insel, baute dort eine Burg und beherrschte diese Herrschaft bis zum 16. Jahrhundert. Während der Revolution wich das abgerissene Schloss Schmieden, die Schrauben und Bolzen herstellten, was den Wohlstand von L’Isle-sur-le-Doubs steigerte (der letzte Teil der Anlage wurde erst 2009 geschlossen).

Die heute etwa 3.000 Einwohner zählende Gemeinde hat sich mit ihren Kais und alten Wohnhäusern ein charaktervolles Erbe und einen malerischen Charme bewahrt. Das bescheidene Rathaus befindet sich noch immer symbolisch auf der „Gründerinsel“.