01. bis 05.08.2025. Alltagsroutinen bestimmen unseren 5-Tage-Aufenthalt in Charleville. Denn auch in einem Bootshaushalt gibt es immer was zu tun. Und ein halber Bürotag (Kontoführung/-klärung per eBanking) muss am Monatsanfang ebenso sein. Nur das Wäschewaschen wird vertagt. Das verschieben wir auf Monthermé.
Und die Fotos im heutigen Blog? Ebenfalls eine Tüte Kunterbunt.
Do., 31.07.2025, die Abfahrt aus Pont à Bar verzögert sich. Bei der morgendlichen Nachkontrolle der verkürzten Wasserleitung stellen wir noch eine tropfende Muffenverbindung fest. Da muss noch mal jemand ran.
Das Team ist noch mit einem kleinen Kahn beschäftigt, der zu Wasser gelassen werden muss – dann will man sich wieder um uns kümmern. Pas de problème – wir sind nicht in Eile!
Cédric baut die Verbindung nochmal aus und dichtet sie in der Werkstatt neu ab. Jetzt scheint es richtig gut und dicht zu sein.
Um 11.30 Uhr verlassen wir den Hafen und nehmen über die beiden letzten Schleusen Abschied vom Canal des Ardennes. Wir sind wieder auf der Meuse. Es ist schön, mal wieder auf einem breiten Fluss zu fahren.
Die Aussenanleger in Charleville sind komplett belegt. Wir fahren erneut in den etwas trostlosen Innenbereich. Anschließend Füße hoch – und eine „Auszeit“ beginnt. Vor nächsten Mittwoch fahren wir nicht weiter.
Mittwoch, 30.07., für die 38 kilometerlange Strecke nach Pont à Bar mit 5 Schleusen und dem kurzen Tunnel bei Saint-Aignan planen wir 5 Stunden ein. Da wir mittags da sein wollen, geht es (für uns zu nachtschlafender Zeit) Punkt 8 Uhr los.
Das Wetter ist schön, Sonne mit Wolken, 25 Grad. Wir sind allein auf der Strecke und in den Schleusen. Eine durchweg schöne, kleine Tour durch eine herrliche Landschaft.
Um 12.30 Uhr stehen wir bei Bénédicte vor dem Ladenbüro. Der für uns zuständige Monteur, Nikolas, ist über unser Problem informiert und legt sofort nach seiner Mittagspause los. Die Demontage des Druckausgleichers geht zügig voran. Es müssen noch nicht mal unsere Wassertanks entleert werden. In der Werkstatt wird die Reparaturfähigkeit überprüft – negativ. Also, entweder einen neuen besorgen (muss bestellt werden) oder aus dem Wassersystem rausnehmen.
Da Letzteres von Ruud (Linssen) empfohlen wurde, belassen wir es bei der Entnahme. Etwas stutzig macht uns die Bemerkung von Nikolas, dass ein Druckausgleicher in unserer Anlage überhaupt nicht zwingend notwendig sei. Okay, das diskutieren wir später noch einmal mit Ruud in Maasbracht.
Fazit, nach gut zwei Stunden ist alles erledigt. Das Ganze für sehr schmale 75 Euro (Lohn und ein paar Kleinteile). Das hatten wir uns deutlich schlimmer vorgestellt. Übrigens Nikolas: fokussiert, schnell und sehr freundlich! Bénédict kann stolz auf ihr Superteam sein!
Zum Schluss nutzen wir noch die Tanke. Das passt gut, 173 l und der Tank ist wieder randvoll – die Schleichfahrten auf den frz. Kanälen zeigen Wirkung: der Verbrauch liegt bei sparsamen 2,5 l/h! Wir bleiben noch eine Nacht im Hafen. Morgen geht es weiter. Nach Charleville-Mézières.
Samstag, 25.07. Für die relativ kurze Etappe von Rethel nach Attigny sind es 19 km mit nur 4 Schleusen. Allerdings kann der VNF-Service seinem exzellenten Ruf heute nicht gerecht werden und lässt lange auf sich warten. Erschwert wird die Fahrt durch die letzte „Kraut-Strecke“, die sich nur mühsam und langsam überwinden lässt.
Der Sonntag in Attigny wird vertrödelt. Das angekündigte Gewitter mit Starkregen kommt erst später am Tag, wäre aber nicht geeignet gewesen, um die bevorstehende Schleusentreppe (zu Berg) zu fahren.
Montag, 28.07. Man hat schon ein wenig Respekt vor der „Treppen-Strecke“. Nicht, weil sie kompliziert ist. Ausdauer ist gefragt. Und Pausen gibt es nicht, weil sie automatisch geregelt wird. Heute fahren wir sie alleine. Von Attigny bis Le Chesne, 16 km, 28 Schleusen. Gestartet wird um 9 Uhr. Um 14.30 Uhr legen wir in Le Chesne an. Na bitte, gar nicht so schlecht!
Di., 29.07., Vorräte müssen aufgefüllt werden. In Le Chesne kein Problem. der „Carrefour Express“ ist relativ gut bestückt und nur ein paar Schritte vom Boot entfernt.
Noch kurz: der kleine Ort Le Chesne, der seit 2016 „Bairon et ses environs“ heisst, liegt an der Scheitelhaltung des Canal des Ardennes. Der Stausee Lac de Bairon ist teilweise für die Wasserversorgung des Kanals verantwortlich. Richtung Westen führt die Schleusentreppe hinunter ins Tal der Aisne, Richtung Osten verläuft der Kanal durch den Tunnel von Saint-Aignan und dann weiter hinunter ins Tal der Maas.
Ein paar Ausflüge rund um den Stausee wären ganz schön. Passen aber leider nicht in unsere „Reparaturplanung“. Wir sind für morgen, Mittwoch, in Pont à Bar angemeldet und gespannt, ob Cédric, der Techniker der Station, unser Problem lösen kann. Es ist einfach kein gutes Gefühl, täglich Wasser aus dem Boot pumpen zu müssen.
So., 20.07.2025 Sillery im Hafen – bei uns piept’s wohl? Ein Ton, den wir noch nie gehört haben! Wo kommt der her? Es dauert eine Weile bis wir den irritierenden Alarmton im Boot orten können. Unterm Steuerstand findet sich die kleine Sirene, drüber am Cockpit sitzt der Schalter der Bilgenpumpe. Okay, kritischer Wasserstand in der Motorbilge.
Ein Riesenschreck und eine nervöse Suche nach dem Leck beginnt. Erstmal alle Bilgen checken. Die Bilgen im Vorschiff, unterm Keller und im Heck sind alle trocken. Also in der Motorbilge genauer schauen. Ein Wasserlauf kann auf den ersten Blick nicht entdeckt werden. Wir pumpen das Wasser ab – es ist völlig klar und sauber. Beim zweiten Ableuchten der Bilge wird der Übeltäter ausfindig gemacht; der Druckausgleichsbehälter des Bordwassers ist undicht.
Linssen hat neuerdings ein Online-Service-System eingeführt. Es soll, nach Möglichkeit, nicht mehr telefoniert werden!? Gesagt, getan. Nach knapp einer Stunde erhalten wir eine WhatsApp von Ruud und können sofort mit ihm reden. Er empfiehlt den undichten Druckausgleicher aus dem Kreislauf zu nehmen und die Schlauchverbindung provisorisch zu überbrücken. Der Behälter sollte dann natürlich im nächsten Winter erneuert werden.
Da wir täglich abpumpen müssen, wollen wir dies nun auch schnellstmöglich machen lassen. Wir fragen nach einem Termin in Pont à Bar an und bekommen ihn von Bénédicte bestätigt. Wir liegen nur fünf Fahrtage von der Servicestation entfernt. Das müsste reichen.
Di., 22.07. Die Strecke von Sillery nach Variscourt ist sportlich. Aber unsere Unruhe mit dem Wasser in der Bilge lässt uns keine Ruhe. 9 Stunden braucht es – ein vorausfahrender Frachter bremst uns mal wieder runter auf >5 km/h.
Nach dem Ritt nach Variscourt legen wir ein Tag Pause ein und starten am Do., 23.07. nach Rethel. Wieder mit einem Tag Pause wird es dann am Samstag nach Attigny gehen.
Was sich schon seit Tagen angedeutet hat, wird leider wahr. Die Wege von Châlons weiter in den Süden Frankreichs, sind alle in Teilstrecken gesperrt. Niedrigwasser!
Ausweichmöglichkeiten mit einem großen „Westbogen“ über Paris sind erstens sehr lang und zweitens immer mit der Gefahr verbunden, das jetzt noch offene Kanäle im weiteren Verlauf ebenfalls geschlossen werden.
Unsere große Hoffnung, wenigstens über den Canal de la Marne au Rhin nach Toul – und damit auf Mosel und Rhein – zu kommen, haben sich seit einigen Tagen auch erledigt. Der Canal de la Meuse ist schon länger zu. Schade.
Ähnlich wie bei der Tour 2022 (Canal du Nivernais), bei der wir in Decize keine andere Möglichkeit mehr hatten, müssen wir auch in diesem Jahr auf gleichem Weg wieder zurück..
Was haben wir gelernt? Wer sicher in Frankreichs Süden will, sollte rechtzeitig im Frühjahr starten! Dass wir wieder wasserreiche Flüsse und Kanäle in Mitteleuropa bekommen, ist in den nächsten Jahren wohl nicht zu erwarten.
Zum Glück funktioniert die VNF-App (nach letztem Update) wenigstens auf dem iPad einigermaßen gut (MacBook und iPhone nur bei einer exzellenten WLAN-Verbindung). Hier können wir uns taggenau und sehr detailliert über die Routenlage informieren.
Di., 15.07. Erste Etappe zurück ist Sillery. Auffällig, der Hafen wird immer leerer. Ist ja auch kein Wunder – ab Vitry kommen die Probleme. Wir fangen an zu trödeln.
Mi.-So., 16.-20.07. Kein Programm auf dem Zettel. Und zu weiteren Ausflügen nach Reims steht uns auch nicht der Sinn. Dafür mit dem Rad 5 km in den Nachbarort, nach Prunay. In dem kleinen Dorf gibt es tatsächlich unsere Wunschzigaretten. Nebenbei entdecken wir ein kleines Bistro, das sich einen guten Ruf als jung und innovativ erkocht hat. Wir lassen uns einen Abend auf einen Versuch ein. Ja, ganz interessant. Preis-Leistung war ok. Geschmeckt hat es auch, aber eine mehr traditionelle französische Küche ist uns lieber.
Sa.-Mo., 12.-14.07.2025. Frankreich feiert jedes Jahr am 14. Juli seinen Nationalfeiertag (Sturm auf die Bastille, 1789, und das Föderationsfest von 1790). Die meisten Gemeinden veranstalten ihre Feierlichkeiten mittlerweile zwischen dem 13. und 14. Juli.
So haben wir es schon 2023 in Saint-Jean-de Losne erlebt. St Jean hat mit den eigenen Feierlichkeiten am 13.07. angefangen. Die Nachbargemeinde Losne dann am 14.07. mit einem kleinen Gemeindefest und einem großen Feuerwerk nachgelegt.
In Châlons spielt sich alles am Sonntag, 13.07. ab. Auf der Avenue du Maréchal Leclerc startet um 18h30 die Militärparade samt feierlichen Ansprachen. Zwei Düsenjäger überfliegen, für uns unangekündigt, im Tiefflug die Avenue. Wir sind erschrocken und beeindruckt zugleich. Das hatten wir hier in der Kleinstadt nicht erwartet.
Im „Grand Jard“, ein großer (Volks-)Park mit Strand zum Canal láteral à la Marne dann das Highlight, auf das die halbe Stadt sehnsüchtig gewartet hat – das Feuerwerk um 23 Uhr. Tausende Menschen strömen ins Gelände dicht am Yachthafen vorbei. Für uns sind es zum Glück nur ein paar Schritte, dann haben wir gute Sicht aufs Feuerwerk. Das Feuerwerk dauert 20 Minuten, ist mit Musik unterlegt und wirklich sehr eindrucksvoll.
Aber, nicht zu vergessen, zuvor am Nachmittag besuchen wir noch ein MIA Konzert vor der Église Saint-Alpin de Châlons-en-Champagne. Nur ein paar Schritte vom Place de la République entfernt. Auf der Bühne: KKO – Musiques de l’Est. Ein quirliges Klezmerkonzert, das gute Laune schafft. Ohne sich einige Ausflüge in Richtung Funk und Jazz zu verbieten, lässt das Ensemble den ursprünglichen Groove der Freilechs, Turkishs, Horas und anderer festlicher Tänze, die ihre Wurzeln im Bessarabien des 15. Jahrhunderts haben, mit Freude weiterleben.
Übrigens, im nächsten Blog berichten wir von schwerwiegenden Änderungen unserer diesjährigen Reiseplanung. Am 14.07. sind sowieso alle Schleusen geschlossen, deshalb geht es erst am Dienstag, 15.07. für uns weiter. Fahrtrichtung: zurück.
Di.-Fr., 08.-11.07.2025. Ein wenig Müßiggang, ein paar Besorgungen und „Highlights im Keller“. So sehen die ersten Tage aus. Das Wetter präsentiert sich mit Sonnenschein und erträglichen 28 bis 30 Grad.
Châlons ist in der richtigen Größe, um alles im nahen Umkreis zu bekommen, was wir aktuell brauchen. Von einer neuen Gasflasche über eine neue Kühlbox bis hin zum 40m-Wasserschlauch.
Am Mittwoch haben wir einen Besuch in einem Champagner Stammhaus gebucht, Joseph Perrier. Nicht zu verwechseln mit Laurant-Perrier, ebenfalls eine renommierte Champagner Marke (in Tours-sur-Marne), nicht verwandt, nicht verschwägert. Und das allseits bekannte Perrier Mineralwasser, dessen Quelle in Südfrankreich, in Vergèze südwestlich von Nîmes, liegt, hat mit Joseph Perrier absolut nichts zu tun. Übrigens, das zum Nestlé Konzern gehörende Wasser ist nach 1990 nun erneut Ende 2024 wegen «virologischer Risiken» stark unter Druck geraten.
Donnerstag gibt es Streifzüge durch die Stadt und am Abend ein Konzert am Place de la République. Châlons leistet sich über einen ganzen Monat tägliche Konzerte – Free Open Air. MIA, FESTIVAL MUSIQUES D‘ICI & D‘AILLEURS (Musikfestival, von hier & anderswo). Eine musikalische Reise um die Welt (USA, Madagascar, Guatemala, Nouvelle-Zéland, Grèce, Jamaique, Pérou, Sénégal, Chine, Tunisie, France, Grand Est). Und das schon in der 34. Auflage. Respekt!
So., 06.07.2025. Wir wachen auf und wollen überhaupt nicht aufstehen. Es regnet in Strömen. Normalerweise würden wir uns jetzt noch einmal umdrehen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Aber …
… wir haben einen Liegeplatz in Châlons, mit Ankunft heute, reserviert und sind uns (bei den wenigen und deshalb äußerst begehrten Plätzen im Hafen) nicht sicher, ob er nicht vergeben wird, wenn wir nicht kommen.
Also, Regenklamotten raus, Augen zu und durch! „Wir sind doch nicht aus Zuckerwatte“.
Die Tour von Sillery nach Châlons en Champagne: 34 km, 14 Schleusen, 1 Tunnel (2,5 km!). Um da pünktlich in Chalons anzukommen, muss schon alles wie am Schnürchen laufen. Zumal, es ist Sonntag und die Schleusen schließen bereits um 18 Uhr.
Drei Widrigkeiten unterbrechen, bzw. verlangsamen, unsere Fahrt. Vor dem Tunnel schaltet die Ampel bei unserer Ankunft auf rot – 30 Minuten Wartezeit. In einer Schleuse klemmen die Ausfahrtstore – 30 Minuten bis ein VNF-Helfer kommt. Und auf dem Canal latéral à la Marne bremst uns ein vorausfahrender Frachter mit <5 km/h aus – mind. 30 Minuten Verzögerung.
Und so kam es, wie es kommen musste, an der Stadtschleuse in Châlons kommen wir nach über 9-stündiger Fahrt erst um 18.30 Uhr an. Zum Glück gibt es vor der Schleuse einen Anleger an dem wir die Nacht verbringen können.
Mo., 07.07. Erneut weckt uns der Regen. Wir haben keine Lust, die letzten 300 m bis zu unserem Liegeplatz noch einmal im strömenden Regen zu fahren – wollen aber auch natürlich vor der Schleuse weg. Also, wieder volle Montur und ab durch die Schleuse. Außer der Anmeldung in der Captainerie passiert am restlichen Tag nicht mehr viel. Wir schalten einen Gang runter.
Mo./Di., 30.06./01.07. Wir lassen es ruhig angehen in Sillery. Einkaufen und wenig Bewegung. Die Temperaturen klettern auf 40 Grad. Am Dienstag starten wir zu einer „Probefahrt“ nach Reims zur Basilika. Hier haben wir Karten für Freitag (Konzert) und Samstag (Luminiscence).
Die 10 km verlaufen auf einem wunderbaren Radweg direkt am Kanal. In max. 40 Minuten ist die Strecke gut zu bewältigen. 70 % der Strecke liegen im Schatten. Großartige Runden in Reims verkneifen wir uns. Ein kleiner Lunch an der Basilika, eine Park-Pause und dann auch wieder retour nach Sillery.
Mittwoch und Donnerstag sind fast unerträglich. Die Hitzewelle hat mit über 42 Grad auf dem Achterdeck (im Schatten!) seinen Höhepunkt erreicht. Wir bewegen uns so wenig wie möglich – höchstens unter die Dusche, mehrmals. Abends gehen wir bei einer Kojentemperatur von 38 Grad ins Bett – am frühen Morgen „kühlt“ es sich auf 24 Grad ab.
Fr., 04.07. Die Hitze ist nicht mehr auf dem Höhepunkt, bleibt aber anstrengend. Das Gastkonzert des belgischen Orchestre Philharmonique Royal de Liège in der Basilique Saint-Remi in Reims beginnt um 20 Uhr. Um die größte Hitze zu vermeiden, planen wir unsere Anfahrt mit dem Rad so, dass wir eine Stunde vor Beginn da sind.
Die zwei Teile, Strauss, Burlesque pour piano et orchestre und Dvořák, Symphonie nº 9, du Nouveau Monde, werden auf hohem Niveau gespielt. Der junge belgische Pianist Florian Noack (Jg. 1990) spielt den Strauss prächtig, leider wird die Akustik in der Basilika nicht den Anforderungen an ein großes Klavierkonzert gerecht. Im zweiten Teil versetzt sich das Orchester (nun ohne den Flügel auf dem Podium), in den Rausch, den die Neunte braucht, um sich kraftvoll und mit begeisternder Dynamik dem Publikum zu präsentieren. Bravo.
Sa., 05.07. Zweiter Abend mit Eventcharakter. „Luminiscence“, eine (angeblich hochgelobte) immersive Ton- und Lichtshow an gleicher Stelle. Diesmal ist der Beginn erst um 21.50 Uhr.
Wir sitzen fast am gleichen Platz, nur blicken wir in der Basilika nun in Richtung Altar. Um es kurz zu sagen, so ein disharmonisches Machwerk hatten wir nicht erwartet. Die Lichttechniker ballern in Las-Vegas-Manier alles an Decke und Wände, was die Computertechnik hergibt – ohne Feingefühl und farblicher wie bildlicher Spannung. Der Sound ist viel laut und zu martialisch und nimmt dem vorzüglichen Live-Chor jegliche Chance, sich Gehör zu verschaffen. Man hat das Gefühl, sich in einem gigantischen Videospiel zu befinden – ich schaue nach zwanzig Minuten das erste Mal auf meine Uhr, wann denn dieses Spektakel endlich zu Ende ist. Sehr schade!
Wir sind kurz nach Mitternacht wieder im Hafen von Sillery und nehmen noch einen Trost-Schaps bevor wir todmüde in die Kojen fallen. In der Nacht kommt endlich das sehnsüchtig erwartete Gewitter und leitet den Temperaturwechsel ein.
Fr,/Sa. 27./28.06 Auf der Fahrt von Variscourt nach Courcy wechseln wir bei Berry au Bac vom ausgehenden Canal des Ardennes auf den Canal de l’Aisne à la Marne bis Courcy. Mit einem Anleger bei Alger, allerdings nur zum Übernachten direkt hinter einer Schleuse.
So., 29.06. Eigentlich wäre Reims unsere nächste größere Station gewesen. Geht aber nicht, da in Reims der komplette Stadtanleger saniert wird. Das Ganze ist eine große Baustelle, die in dieser Saison wohl auch nicht fertig wird. Schade, wir hatten uns auf eine tolle Woche mit kurzen Wegen in einer wirklich schönen Stadt (inkl. zweier bereits gebuchter Konzerte) gefreut. Aber, alles Gute ist nicht immer beisammen.
Der Ausweichhafen liegt rund 10 km südlich von Reims in Sillery. Dort freut man sich natürlich, dass man nun zu einem „offiziellen Reims Hafen“ avanciert ist. Und die Reimsbesuche lassen sich auch per Rad bewältigen.
Sillery ist ein „Voll-Digital-Hafen“. Nicht nur unseren Aufenthalt haben wir über eine App gebucht. Vom Zutritt bis Elektrik- und Wasseranschluss wird alles über die App ausgewählt, bezahlt und abgerufen. Die Capitainerie ist nur noch ein freundlicher „Erklär-Service“, wie, wo, was funktioniert (oder schlimmstenfalls, was man falsch gemacht hat). Na ja.
Sonntag, 22.06.2025, Monika geht es zwar nicht wirklich besser – aber sie hat keine Lust mehr, im Bett zu bleiben. Also geht es von Le Chesne auf die 26stufige Schleusentreppe nach Attigny. Die eng aneinander liegenden Schleusen haben alle einen Hub von rund 3 Meter. Wir fahren zu Tal, also soweit kein großes Problem. Es zieht sich lediglich. Nach 4 Stunden sind wir durch.
Der Anleger in Attigny ist bei unserem Eintreffen bereits gut belegt. Wir packen uns zwischen unseren französischen „Schleusen-Team-Partner“ Olivier & Frau und einem belgischen Schiff. Neben einem gemeinschaftlichen Wassertanken (der gelegte Schlauch geht Reih‘ um) gibt es einen Austausch, wer wohin will.
Von dem Belgier erfahren wir, dass Reims gesperrt sei. Schreck lass nach! Während wir noch im Kopf überschlagen, wie wir nun unsere Reiseroute in den Süden ändern müssen (z. B. über Compiègne und Paris), kommt auch schon Entwarnung.
Nicht die Strecke (also der Canal de l’Aisne à la Marne) ist gesperrt, sondern „nur“ die komplette Stadtmarina in Reims. Sie wird modernisiert und ist leider in voller Länge derzeit nicht nutzbar. Da haben wir wohl zuerst in dem Englisch-Französisch-Deutsch-Kauderwelsch etwas falsch verstanden.
Montag, 23.06.2025, Am nächsten Morgen sind wir in Attigny allein am Anleger. Die anderen Boote sind zügig weiter. Wir bleiben und legen einen Trödeltag ein. Nicht zuletzt, um in der geschichtsträchtigen, kleinen 1100-Seelen-Gemeinde noch für Monika einen Erkältungssaft aus der Apotheke zu holen.
Das mit der Apotheke, sowie auch mit einem sehr guten Bäcker, war schnell erledigt. Allerdings mussten wir (drogenabhängigen Menschen) dann feststellen, das aus Attigny eine „rauchfreie Gemeinde“ geworden ist.
Mon dieu, die Franzosen nehmen den Nichtraucherschutz ernst. Nicht nur über den Preis (fast genau 50 % teurer als in D), das Werbeverbot an den Fassaden (z. B, die markante, rote „TABAC“-Raute) sondern auch jetzt zum 1. Juli 2025 dem neuen verschärften Nichtraucherschutzgesetz. Mit satten Strafen bei Nichtbeachtung schlägt das auch von Tagesspiegel bis Spiegel online in deutschen Medien ordentlich Wellen.
Kurz und gut, wir konnten im Ort keine Zigaretten einkaufen, werden somit zu Kurzzeitnichtrauchern und sollten vielleicht doch noch einmal über das Thema nachdenken.
Dienstag, 24.06.2025. Ab ins Kraut nach Rethel. Kurze Strecke, keine besonderen Vorkommnisse. Die „Kraut-Fahrten“ in Frankreich sind wir gewohnt. Hier hilft nur Gelassenheit, Schleichfahrt und hin und wieder mal ein kleiner Aufstopper samt kurzer Rückwärtsfahrt. Dann sind Schraube und Welle wieder vom Grünzeug befreit. Der Wasserfilter muss natürlich ebenfalls unter Kontrolle bleiben. So kommen wir gut in Rethel an.
Mittwoch, 25.06.2025, Rethel (7500 Einw.) haben wir 2023 bereits ausgiebig erkundet. Das ein oder andere hätten wir uns schon gerne noch einmal angesehen – aber am Anleger sind Strom- und Wasseranschlüsse immer noch nicht wieder funktionstüchtig. Kurzer Beschluss, nach einem Einkauf um die Ecke, fahren wir weiter.
Strecke: Rethel – Variscourt. Weder die Karte noch der Plotter weisen auf den nächsten Anlegern Wasserstellen aus. Erst an der letzten Tagesschleuse, an der wir VNF-Hilfe anfordern mussten, gab uns der Techniker den Tipp, in Variscourt zu halten. Er sei sich sehr sicher, dass es dort zumindest einen Wasseranschluss gibt.
Und tatsächlich, am sehr schönen kleinen Anleger in Variscourt treffen wir wieder auf die holländische Pénichette (mit der fetten BMW im Vorschiff), die gerade mit Wasser betankt wurde. Wieder Glück gehabt. Wir können ihren Wasserschlauch benutzen – unserer wäre auch nicht lang genug gewesen. Wir müssen uns mal bei nächster Gelegenheit eine Verlängerung zulegen!
In Variscourt kippt das Wetter. Die brütende Hitze wird von einem nächtlichen Gewitter unterbrochen. Von 35 auf 24 Grad. Aber zu früh gefreut. Einen Tag später ist die Sonne schon wieder sichtbar und sowie sie rauskommt, haben wir wieder 30+X Grad.
Freitag, 13.06.2025, Monthermé, der nette, kleine Ort mitten in der größten Meuse-Schleife, gibt uns die Möglichkeit, einen Gang runterzuschalten. An einem langen Anleger ist Platz ohne Ende. An der Promenade wird es dagegen für Caravans schon ein wenig eng.
Am Anleger sind kleine Säulen für Strom und Wasser. Die Liegegebühren günstig. Das Wetter hat bereits seit einigen Tagen den Schalter auf Hochsommer gelegt.
Sa./So, 14./15.06. Unsere Aktivitäten ausserhalb des Bootes beschränken sich auf den Einkauf für den täglichen Bedarf. Im Dorfeingang gibt es einen kleinen, aber feinen, „Carrefour Contact“. Alles, was man braucht, ist da – sogar eine Frischetheke.
Sonntag ist Ausflugstag. Vom Boot sieht man den Aussichtspunkt „La Roche à 7 Heures“. Der Blick von oben auf die Meuse-Schleife muss phantastisch sein. Also rauf auf die Räder und ab nach oben. Es ist die erste „Berg-Etappe“ mit den neuen Rädern. Und, sie schlagen sich für die 250 Höhenmeter hervorragend. Oben gibt es ein kleines Picnic samt atemberaubendem Blick.
Mo./Di, 16./17.06. Die Passage von Monthermé nach Charleville-Mézières ist kurz und ohne besondere Vorkommnisse. Charleville wird für uns dieses Mal nur ein Mini-Zwischenstopp. Die Stadt hat wirklich viel zu bieten und wir sind froh, dass wir sie auf früheren Touren gut erkunden konnten. Der Schock im Hafen: Ich spiele nicht „Schiffe versenken“ sondern „Rad versenken“ – siehe Bild.
Mi., 18.06. Fahrtag Charleville-Mézières nach Le Chesne. Wir verlassen die Meuse bei Pont à Bar und fahren auf den Canal des Ardennes. Einmal volltanken und, da wir im Charterhafen von Bénédicte keinen Platz bekommen können, geht es sofort weiter nach Le Chesne.
Do./Fr. 19./20.06. Die 900-Seelen-Gemeinde Le Chesne ist wieder ein hervorragender Liegeplatz. Mitten im Ort, an beiden Ufern gibt es Parkbuchten für je 2 bis 3 Schiffe. Bei unserer Ankunft können wir uns einen Platz aussuchen. Die Gemeinde erhebt keine Liegegebühr. Strom und Wasser sind ebenfalls kostenlos. Supermarkt, Bäcker und Café (Tabac!) sind einen Steinwurf entfernt. Also bleiben diesmal die Räder an Bord.
Am Donnerstag steht mal wieder eine französische Trachtengruppe vor unserem Boot. Sage und schreibe zu sechst. 2 x Polizei und 4 x VNF. Der Chef der Gruppe kommt an Bord und lässt sich alle Papiere zeigen, plus Sicherheitswesten und prüft letztendlich die TÜV-Plakatte des Feuerlöschers. Alles in Ordnung, bien sûr!
Am Freitag gibt es hier im Ort eine vorgezogene Veranstaltung im Rahmen der „Fête de la musique“. In einem kleineren Saal der hiesigen Grundschule treten zwei Chorgruppen auf. Wir müssen nur einmal über die Brücke und an der Kirche vorbei und schon sind wir dabei.
Sa., 21.06.2025, wir wollen pünktlich um 9 Uhr am Startpunkt zur Schleusentreppe sein. Aber Monika fehlt am frühen Morgen die Stimme. Sie krächzt – na, hoffentlich kommt da keine Sommergrippe um die Ecke. Es gibt noch Frühstück auf die Schnelle, dann schicke ich sie zurück ins Bett.
Für mich die Gelegenheit, den Blog auf den letzten Stand zu bringen. Die Sonne knallt vom Himmel – unter Deck sind 35 Grad. Am Anleger sind mittlerweile alle Plätze belegt. Mal sehen, ob es Monika morgen früh wieder besser geht.
07.-12.06.2025 – Samstag, Fahrtag von Dinant nach Givet, der ersten Station in Frankreich. Die vier Schleusen klappen perfekt und das auch noch in „Alleinfahrt“! Trotzdem kommen wir etwas ermüdet in Givet an – nur zum Übernachten an der Kaimauer. Wir gehen noch nicht mal von Bord.
Sonntag. Mit der gestern an der Grenzschleuse erhaltenen Télécommmande geht es nun automatisiert weiter. Allerdings, die ersten zwei Schleusen (vor und nach dem „Tunnel de Ham“) werden wir noch durch Schleusenwärter:innen betreut. Ist auch ganz angebracht, da der Hub unangenehme 3,20 m hoch ist und in den Wänden keinerlei Festmacher sind. Da das Ganze „montant“ (zu Berg) geht, wir also unten einfahren, ist Hilfe bei den Leinen von oben immer willkommen.
Der Tunnel de Ham (565 m) wird von uns nun mittlerweile das dritte Mal durchfahren. Routiniert passieren wir den Tunnel ohne Umbau zum „Cabrio“ und sogar mit stehendem Mast. Lediglich ein Frontdachelement wird geöffnet, der besseren Sicht wegen.
Ab Schleuse Mouyon (56) fahren wir wieder die standardisierten, fernbedienten kleinen französischen Schleusen im „Freycinet-Maß“ (38,5 m Länge und 5 m Breite). Wir müssen uns erst wieder an diese kleinen Kammern gewöhnen. Zu Berg zerrt vorn der einbrechende Wasserdruck heftig am Schiff. Monika fühlt sich in den Schleusen stets dabei wie bei einer Einheit in der „Muckibude“. Drei der vier Schleusen sind wir leider vorne, die letzte dürfen wir alleine fahren.
In Revin erwischen wir am Nachmittag (natürlich wieder ohne Voranmeldung) den letzten freien Platz in unserem Lieblingshafen.
Montag bis Mittwoch: Und das jedes Ding seine zwei Seiten hat, erfahren wir dieses Mal in Revin. Ein notwendiger, großer Einkauf am Montag wird arg getrübt durch einen grottigen und äußerst schlecht sortierten Intermarché. Unser Einkauf zeigt deutliche Lücken.
Im Hafen wollen wir uns in Müßiggang üben und überlegen, sogar noch einige Tage zu verlängern. Nix da! Catherine, die wir als den „Sonnenschein der Anlage“ in Erinnerung hatten, erscheint uns bereits am Montag schon ziemlich gestresst. Da, wo sonst Freundlichkeit und Nachsicht auf schlecht französisch sprechende Gäste genommen wurde, stehen wir dieses Mal einem ungeduldigen Redeschwall in ungewohnt harscher Tonart gegenüber.
Besonders schlimm wird es, als ich mich auch noch versehentlich zuerst mit unserem Ankunftstag vertue. Eine Verlängerung ist wegen der vielen Anmeldungen ab morgen nicht mehr möglich. Kein Problem für uns … nur der herrische Ton missfällt uns enorm. Kurz, wir werden eindrücklich ermahnt, morgen, Do., früh den Hafen zu verlassen, und fühlen uns wie „vom Hof gejagt“.
Do, 12.06.2025. Mit etwas Frust im Bauch verlassen wir Revin gegen 10 Uhr. Der Hafen ist nun relativ leer.
Das eigentliche Tagesziel, Charleville-Mézières, ist 6 Schleusen und 42 km entfernt. Aber eine defekte Schleuse zwingt zu einer einstündigen Pause und wir beschließen spontan nach 4 Schleusen die Fahrt in Monthermé zu beenden. Hier lagen wir in 2021 auch schon einmal.
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