Sa., Petra und Hanno wollen uns Kaiserswerth zeigen. Ein ruhiger, 10 Kilometer entfernter Vorort mit dörflichem Ambiente. Es wird ein richtig schöner Ausflug in die kleine 8000-Seelen-Vorstadt.
Verblüfft stellen wir fest, dass uns die Highlights von Kaiserswerth bereits bei unserer Anfahrt auf dem Rhein aufgefallen sind, sie aber überhaupt nicht zuordnen konnten. So z. B. die Gebäude am Anleger und vor allem die Ruine der Kaiserpfalz.
Die Samstagsausflügler, vorrangig aus Düsseldorf, sorgen für lebhaften Betrieb in der kleinen Altstadt und am Rheinufer. Übrigens, Kaiserswerth gehört heute zu den Stadtteilen Düsseldorfs mit der höchsten Kaufkraft. Was man einigen Villen am Rheinufer auch deutlich ansieht.
Fr., Petra bringt uns wieder zurück in den Hafen. Mittags haben wir uns mit Axel verabredet. Eigentlich wollte er sich nur kurz unseren Kahn ansehen und dann wollten wir etwas spazieren gehen. Doch das Gespräch an Bord war einfach zu unterhaltsam.
Am späten Nachmittag dann noch einmal ein Treffen mit Monika. Wir hatten uns Tickets für ein Zeitfenster um 19.00 Uhr für den Rheinturm gesichert. Die Sicht auf 168 m ist phänomenal. Im Süden erkennen wir den Kölner Sendeturm. Das Wetter fast optimal, der Rundblick gigantisch.
Do., Fronleichnam, wir melden uns beim Hafenmeister an. Er „erklärt“ uns den Rhein und die Fahrt darauf. „Haltet euch von den Frachtern und den Kribben (Buhnen) fern“. Und wir sollen uns mal die Kollisionsschäden bei zwei Schiffen ansehen, die im Hafen liegen. Dann schaut er uns ganz mitleidig an, als er von unserer Reisegeschwindigkeit hört. Monika wird immer blasser. Ich sehe das nicht so eng und denke an das Schild von Oberhausen (Geduld)!
Gegen Mittag kommt Monika N. auf’s Schiff. Es hat stark geregnet. Wir machen es uns in unserem „Wintergarten“ gemütlich. Später am Nachmittag holt uns Petra ab. Es geht nach Wersten. Hanno hat Geburtstag und der Abend wird lang. Das Angebot bei ihnen zu übernachten, nehmen wir gerne an.
Um 9.00 Uhr sind wir mit dem Hafenmeister zum Tanken verabredet. Er ist pünktlich da und wir können eine halbe Stunde später unsere Fahrt nach Düsseldorf fortsetzen.
Wir finden uns schon wesentlich besser mit Gegebenheiten auf dem Rhein zurecht. Aber die „Langsamkeit“ verlangt einen aufmerksamen, stetigen Blick auf den Plotter, nach vorne und, vor allem, nach hinten.
Das Wetter ist diesig und der Rhein macht seinem Ruf, eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt zu sein, alle Ehre. Für die ca. 25 km brauchen wir vier Stunden. Dann sind wir im Medienhafen Düsseldorf.
Der Hafen enttäuscht. Unsere Räder lassen wir an Bord. Der Aufstieg aus dem sehr tiefen Hafenbecken über steile, enge Treppen ist uns zu mühsam. Zumal uns dringend davon abgeraten wird, sie oben an der Promenade anzuschließen. Also geht es zu Fuß zum Einkaufen. Morgen ist schließlich Feiertag.
Die letzten Kilometer auf dem Rhein-Herne-Kanal. Noch zwei Schleusen und dann durch den Duisburger Hafen auf den Rhein.
Wir waren ja sehr skeptisch, auf welche Fließgeschwindigkeit wir treffen würden. Ab jetzt geht es „zu Berg“. Bis Koblenz.
Schon beim Einbiegen auf den stark frequentierten Rhein ist die Strömung heftig. Dementsprechend dauern alle Manöver extrem lange. Die Instrumente liefern erste Ergebnisse: Fahrt durchs Wasser ca. 11 km/h, Nettogeschwindigkeit schwankt zwischen 4,5 und 6 km/h. D. h., an das richtige Einschätzen von Entfernungen müssen wir uns erstmal gewöhnen. Es ist Geduld angesagt (und zum ersten Mal wünschen wir uns doch einen etwas stärkeren Motor).
Ab Kilometer 769, den wir nach kurzer Fahrt erreichen, gilt eine Sonderreglung, wo die Bergfahrt, der Talfahrt den Weg weisen darf. Dies wird mit einer blauen Tafel angezeigt, die jedes Schiff (ausgenommen Kleinfahrzeuge) an der Steuerbordseite hat. Der Bergfahrer versucht an diesen Streckenabschnitten immer auf der Kurveninnenseite zu fahren, da dort weniger Strömung ist. Also, Begegnung steuerbord an steuerbord. Gleichzeitig besteht für den Bergfahrer die Verpflichtung, der Talfahrt ausreichenden Raum zu lassen. So weit, so gut. Erschwerend kommt allerdings die Reglung der Überholung dazu. Da die Frachter alle schneller sind, müssen wir stets abschätzen, ob sie uns steuer- oder backbord überholen wollen. Am ersten Tag – echt anstrengend.
Bei Krefeld haben wir für unseren ersten Rheintag genug. Es geht in einen ruhigen Seitenarm in eine sehr schöne, kleine Marina.
Der Vormittag zeigt sich mit Sonne und Regen noch sehr wechselhaft. Aber es wird doch schon ein wenig wärmer.
Wir sind mit der Familie verabredet. Erst zum Kaffee zu Janina, Frank, Mathilda und Palina. Zum Abendessen sind wir von Martin und Meini eingeladen. Wir werden rundum verwöhnt.
Ein wunderschöner, letzter Tag in Münster bevor unsere Reise morgen früh weitergeht.
Fr./Sa. Das Wetter kippt. Waren es gestern noch 28 Grad, sackt das Thermometer über Nacht auf 16 Grad runter. Freitagmittag ist es wenigstens noch trocken. Per Rad geht es in die Stadt ins Kunstmuseum Münster. Die Ausstellung vereint auf zwei Stockwerken die vier großen Künstler des Museums: Pablo Picasso, Georges Braque, Marc Chagall und Henri Matisse. Wir sind pünktlich um 11.00 Uhr zur Öffnung vor Ort. Positiver Corona-Nebeneffekt: Wenige Besucher, nur vier Personen pro Saal. Sehr angenehm, so durch die Ausstellung gehen zu können.
Der Freitagnachmittag bringt eine unangenehme Überraschung. Nachdem wir im strömenden Regen in den 3 km entfernten Yachthafen Monasteria eingefahren sind (um vorsichtshalber die Batterien für eine Nacht wieder richtig vollzuladen), erfahren wir auf telefonische Nachfrage, dass der Hafen noch geschlossen ist. Na dann, wieder zurück in den Stadthafen.
Bei der Rückfahrt wird der Motor wieder heiß. Ein Check am Samstag bringt nach Rücksprache mit Linssen keine wesentlich neuen Erkenntnisse. Aber dank Rennie finden wir per FaceTime-Videochat die Entlüftungsschrauben des Kühlwassersystems. Vorerst ist alles wieder ok, wir werden es aber im Blick behalten, bevor wir auf den Rhein gehen.
Das Wetter wird wieder besser. Und unser Solarpanel erhält uns prima den Batteriestatus.
Eine Kurzstrecke auf dem Dortmund-Ems-Kanal von knapp 40 km bis Münster Stadthafen. Wetter hochsommerlich. Wenig Verkehr. Mit einem kurzem Wassertankstopp in der Alten Fahrt Fuestrup geht es dann ohne Wartezeit in die Schleuse Münster.
Sonnenanbeter und Badelustige an beiden Seiten des DEK. Etwas Übermütige schwimmen zwischen den Schiffen von Ufer zu Ufer.
Im Stadthafen der gewohnte Anblick. Nur wenig Neues ist seit dem letzten Jahr hinzugekommen. Die Großbaustelle an der Einfahrt auf der rechten Seite zeigt auch nicht viel Bewegung. Mehr zu sehen dafür an der Südseite des Hafenbeckens. Die zweite gläserne Manufaktur (neben der Hafenkäserei) ist schon deutlich erkennbar: die „cibaria limani“, eine BioVollkorn-Bäckerei aus Münster will hier ihr Handwerk bereits im Sommer 2020 sichtbar machen. So wächst mit Käserei und der Zentrale des SuperBioMarktes ein kleines Hafen-Bio-Zentrum zusammen.
Bei diesem herrlichen Wetter ist die Hafenpromenade dann ab dem späten Nachmittag rappelvoll. Nahezu alle Restaurants, Cafes und Biergärten sind geöffnet. Die Einhaltung der Corona-Regeln wird überwiegend ernst genommen.
Die Zeit ist schnell rumgegangen. Ein letzter gemeinsamer Kaffee am Vormittag, dann trennen sich die Wege wieder. Unsere Mindener ostwärts heim und wir westwärts weiter. Wir verabreden uns auf ein Wiedersehen später im Jahr in Berlin.
Bis Münster durchfahren ist uns dann doch zu viel für den halben Fahrtag. Also nur bis zum „Nassen Dreieck“, sprich den Mittellandkanal auf Kilometer Null und ein mal um die Ecke.
Alles ist prima, das Wetter fantastisch. Vor uns ein Schubverband, den wir eigentlich nicht überholen wollen. Es gibt zu viel Frachtverkehr und reichlich kleine und große Sportboote. Also bleiben wir hinter ihm. Bis uns ein weiterer, schneller Frachter hinter uns immer dichter kommt.
OK, dann überholen wir doch mal. Vollgas auf 14 km/h und, mitten im Überholvorgang kommt vom Motor die Warnmeldung „Wasser kocht“! Gott sei Dank backbord eine Ausweichbucht und sofort runter vom Gas. Der Motor sagt Danke und wir in absoluter Schleichfahrt bis zur nächsten Anlegemöglichkeit hinter den Frachtern her.
Die lange Fahrt hinter dem Schubverband, der gewaltig das Kanalwasser aufwühlt, hat unseren Kühlwasserfilter „dicht gemacht“. Nach fünf Minuten war alles behoben. Aber komisch war’s nicht.
Für unsere Mindener Freunde ist es der erste Bootsausflug in diesem „etwas anderem Jahr“. Und wir freuen uns, etwas mit ihnen zusammen unternehmen zu können. Bad Essen ist nur rund 35 km von Minden entfernt und uns allen wohlbekannt.
Der neue Hafen hat (im Gegensatz zum Mindener Yachthafen) noch strenge Corona-Auflagen. Nur jeder zweite Steg darf belegt werden. Da bei diesem schönen Wetter und den Lockerungen reger Schiffsbetrieb herrscht, war es gut, dass wir reserviert hatten.
In der kleinen Stadt sind Pfingstausflügler dicht an dicht unterwegs. Viele mit dem Auto, aber auch etliche Fahrradgruppen und natürlich jede Menge Biker. Also, an der Eisdiele heisst es, schön in Corona-Abstand anstellen.
Auch die „Kaffeemühle“, ein schönes, altes Restaurant mit Biergarten hat wieder offen. Wir sichern uns einen Tisch für die zweite Abendschicht ab 19.15 Uhr. Das Essen ist sehr gut, der Service noch nicht ganz auf Betriebstemperatur.
Fr./Sa., in zwei Etappen 120 km von BS-Thune nach Minden. Monikas Geburtstag wird in diesem Jahr mit einem profanen Fahrtag „gefeiert“.
Freitag, wir starten relativ früh. Es geht zügig einem holländischen Frachter hinterher, der mit seinen 10 – 11 km/h den Takt vorgibt. An Braunschweig vorbei und durch Hannover durch. Die Marina in Hannover lassen wir links liegen und vertagen das Tanken auf die kleine Bunkerstation am Abzweig nach Linden.
Hier haben wir Glück, dass der Tankwart noch einen Frachter in der Anmeldung hat und uns gegen 18.00 Uhr bedient. Eigentlich hätten wir noch genug Treibstoff an Bord, aber die Gelegenheit ist günstig und der Literpreis mit 1,39 einigermaßen moderat. Kurz darauf ist in Haste Feierabend.
Samstag ist Kurzstrecke angesagt. Immer noch Kaiserwetter. Die fehlenden 45 km bis Minden sind ruckzuck erledigt. Kein Frachter vor uns in Sichtweite. Wir können unseren eigenen Takt fahren und sind bereits um 12.30 Uhr im Mindener Yachthafen.
Am Nachmittag kommen Brigitte, Thomas und Lena in den Yachthafen. Für Pfingsten gibt es einen Wechsel auf ihrer „Marida“. Am Abend hat Thomas einen Tisch fürs Hafen-Barbeque für uns reserviert. Das Wetter ist toll, das BBQ gut besucht. Die Coronaregeln werden natürlich eingehalten. Nur zwei Haushalte am Tisch und die Maske darf nur am Tisch abgenommen werden. Es wird ein netter Abend, der in kleiner, lustiger Runde auf der Kato 2 ausklingt.
Gegen 9.30 Uhr das OK, die Strecke ist wieder frei. Wir sind ganz hinten und können noch am grössten Pulk der Frachtschiffe steuerbord vorbei nach vorne.
Wir lernen, auch Berufsschiffer sind nur Menschen und streiten sich wie die Kesselflicker über UKW darüber, wer zuerst losfahren darf. Die Regel, wer zuerst da war, darf auch zuerst losfahren, kann natürlich nicht eingehalten werden, wenn die Päckchen hintereinander am Ufer aufgebaut werden.
Nach der Brückenbaustelle kommt auch noch knapp 1000 Meter weiter eine „normale“ Baustelle mit Engdurchfahrt.
Unser Vorstoß in die vorderen Bereiche sichert und einen guten Platz zwischen zwei Frachtern, den wir bis zur Schleuse Sülfeld (bei Wolfsburg) nicht mehr verlassen. Über die zwei großen Kammern wird die Kette der Schiffe sehr deutlich vereinzelt.
Wir fahren noch bis Thune, einem Vorort von Braunschweig, in einen großen Anlegebereich für Sportboote. War ein anstrengender Tag, 7 1/2 Stunden für 59 km in Verfolgungsfahrt.
77 km, 7 Stunden, zwei Schleusen. Wie gestern kommen wir hervorragend durch die Etappe.
Etwas verwirrend war die Order vom Schleusenwart Hohenwarthe. Obwohl wir nur zwei Sportboote für die riesengroße Kammer waren, kam die Meldung: wir sollen explizit an den Schwimmerpoller backbord Nr. 7 und der Segler soll bei uns „Backe ins Paket“. Sehr ungewöhnliche Anordnung.
Die heutige, vor uns liegende, Streckensperrung eines MLK-Abschnitts war in Calvörde überdeutlich sichtbar. Geschätzt 30 bis 40 Frachter lagen in Paketen in Wartestellung. Morgen früh um 6 soll es (vielleicht/hoffentlich) weitergehen. Wir sind dann mal auf den „Massenstart“ gespannt. Und, wie gut wir da mittendrin durchkommen. Aber, wir haben ja Zeit!