Ausflug zur Festung Ehrenbreitstein

Koblenz

Mi., eine Fahrt mit der Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein. Für uns ein kleines Ritual, wenn wir in Koblenz sind. 2010 eröffnet, geniessen wir immer wieder die Fahrt über den Rhein, die imposante Festungsanlage und den traumhaften Blick auf Rhein und Mosel. Coronabedingt ist noch wenig los und fast alle Veranstaltungen auf 2021 vertagt.

Da wir die Festung wirklich gut kennen, nehmen wir uns die Zeit, einfach nur über das Gelände zu bummeln und den Ausblick zu geniessen. Bis wir auf eine interessante Fotoausstellung stoßen. „Max Jacoby – Leben und Werk eines jüdischen Fotografen im Kulturzentrum Festung Ehrenbreitstein“.

In Koblenz, als Sohn der jüdischen Kaufhausbesitzer Meta und Johann Jacoby, geboren, emigrierte er 1937 nach Argentinien. In den 1950er-Jahren war er Mitglied der Fotografengruppe „La Carpeta de los Diez“, die vornehmlich aus Immigranten bestand. Nach anfänglichem Zögern kehrt er 1957 zurück nach Berlin und arbeitete als freier Fotograf für Presse, Film, Plattenfirmen, Buch- und Zeitschriften-Verlage. Die Ausstellung zeigt sein Leben (* 8. Juni 1919 in Koblenz-Ehrenbreitstein; † 15. März 2009 in Berlin) in einer aussergewöhnlicher Tiefe und Präzision, die uns fasziniert.

Koblenz. Schön, mal wieder hier zu sein.

Koblenz

Di., Koblenz, das 1992 sein 2000-jähriges Bestehen feierte, gehört zu den ältesten Städten Deutschlands. Der ursprüngliche lateinische Name Confluentes (deutsch die Zusammenfließenden) leitete sich von der Lage der Stadt an der Mündung der Mosel in den Rhein am sogenannten Deutschen Eck ab. 1962 überschritt Koblenz die 100.000-Einwohner-Marke und wurde damit zur Großstadt. Teile von Koblenz gehören zum UNESCO-Welterbe: Seit 2002 bildet die Stadt mit ihren Kulturdenkmälern das nördliche Tor zur Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal.

Seit Katja hier über vier Jahre am Stadttheater (2009 bis 2013) engagiert war, haben wir Koblenz etliche Besuche abgestattet und kennen uns in der Stadt gut aus – und freuen uns, die Stadt wieder zu entdecken.

Schleichfahrt auf den letzten Kilometern nach Koblenz

Neuwied – Koblenz

Mo., morgens werden wir von einem heftigen Gewitter geweckt. Doch bevor wir eine Zwangspause in die Planung nehmen, reißt der Himmel auf und die Sonne lacht wieder zwischen den Wolken hindurch. Also starten wir gegen Mittag unsere letzte Rheinetappe.

Und die zieht sich. Man hat den Eindruck, wir werden immer langsamer. Zwischenzeitlich zeigt der Plotter nur noch 2,7 km/h über Grund. Ob es der vor uns liegende Moselzufluss ist, oder wir nur (verkehrsbedingt) in einer sehr ungünstigen Strömungslinie liegen, wir wissen es nicht. Für die 16 Flusskilometer brauchen wir deutlich über vier Stunden. Aber was soll’s. Wir bleiben bei Dreiviertellast, haben Zeit, Koblenz ist nah und ich habe auch keine Lust unser Kühlwasser zum Kochen zu bringen.

Lohn der Mühe: wir bekommen einen prima Liegeplatz in der Marina „Rheinlache“. Einem stillen Seitenarm stadtseitig. Alle Anschlüsse am Steg und Wlan an Bord. Fahrräder können leicht an Land gebracht werden. Perfekt.

Vorletzte Rheinetappe nach Neuwied

Oberwinter – Neuwied

So., nach einem Wasch- und Trödeltag am Samstag geht es sonntagfrüh auf die vorletzte Etappe nach Koblenz. Tagesziel Neuwied. Etwas mehr als unsere übliche Tagesstrecke, was sich aber später noch als gute Entscheidung herausstellen sollte.

Viel Verkehr am Sonntag. Als es richtig eng wird, drei Frachter haben uns gerade überholt, zwei folgen noch und von vorne kommt ein Frachter backbord und ein Ausflugsdampfer steuerbord zu Tal. Wir fahren scharf steuerbord, um uns aus der Verkehrsrinne rauszuhalten.

Plötzlich ein Funkruf (auf Kanal 10): „Sportboot Kato Berlin, bitte abfallen, wir wollen an den Steiger“. Ich antworte dem Dampfer und fange an abzudrehen. Ohne „Ehrenrunde“ können wir gut dem Dampfer Platz machen und aus dem UKW erschallt ein freundliches „Danke“. Na bitte, so geht’s auch!

Unbedingt sehenswert: Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Oberwinter/Rolandseck

Fr., Nur ein einziger Tagespunkt, aber, der hat es in sich. Und nur einen Kilometer von unserem Hafen entfernt.

„Als eines der schönsten Kunstmuseen im Rheinland besticht das Arp Museum Bahnhof Rolandseck durch seine einzigartige Architektur. Bestehend aus dem historischen Bahnhofsgebäude und dem modernen Bau des amerikanischen Architekten Richard Meier, eröffnet das Museum einen beeindruckenden Ausblick über den Rhein auf das gegenüberliegende Siebengebirge.“. Der museumseigenen Beschreibung ist nichts hinzuzufügen!

Unter dem Motto „Total surreal“ startet das Programm 2020 mit der Schau „Die Geburt der Erinnerung – Salvador Dalí und Hans Arp“. Erstmals in einer Ausstellung wird untersucht, welche Gemeinsamkeiten es im Werk des Spaniers Dalí und des deutsch-französischen Künstlers Arp gibt. Wir sind fasziniert und dehnen unsere Besichtigung auf über fünf Stunden aus. Nur unterbrochen von einem ausgiebigen Lunch im Bahnhofsrestaurant.

Ausflug zum Drachenfels

Oberwinter

Do., Erste Aktivität, Tanken. Pünktlich um 9.00 Uhr ist der Hafenmeister an der Zapfsäule. Uns schwant nichts Gutes. Das lange Fahren gegen die Strömung, meist unter „Dreiviertellast“, also mit 2.200 bis 2.300 Touren. Aber wir werden angenehm überrascht. Der Verbrauch liegt jetzt bei 6,7 l/h. Da hatten wir mit deutlich mehr gerechnet.

Mit dem Rad nach Königswinter, dort nehmen wir die Fähre auf die rechte Rheinseite. Hier am Rhein sind die letzten Ausläufer des Siebengebirges. Ein Mittelgebirge, das aus mehr als 50 Bergen und Anhöhen besteht und komplett zum Naturpark Siebengebirge, einem der ältesten Naturparks Deutschlands, gehört. Es ist vulkanischen Ursprungs und vor etwa 25,5 Millionen Jahren im Oligozän entstanden. Heute bietet das Siebengebirge ca. 200 km ausgeschilderte Wanderwege.

Mit der Drachenfels-Zahnradbahn ist man im Nu oben. Sehr komfortabel! Die Aussicht atemberaubend. Das Wetter heiß, aber zum Glück mit frischen Brisen.

Ein anschließender Besuch des Schloss Drachenburg war von sehr zwiespältigen Gefühlen begleitet. Es wurde in Rekordzeit von 1882 bis 1884 im Stil des Historismus (vor allem Neofrühgotik am Außenbau, sowie Neorenaissance bei der Inneneinrichtung) als repräsentativer Wohnsitz für Stephan von Sarter (ein Finanzfachmann und Börsenspekulant aus kleinbürgerlichen Verhältnissen) gebaut. Die Baustile bunt gewürfelt, die Innenausstattung ebenso gemischt. Immer nach dem Motto „Ich habe zwar keinen Geschmack, aber immens viel Kohle“. Ein bisschen Neuschwanstein des Rheinlands.

Warum die Gründerzeitliche Privatvilla 1986 unter Denkmalschutz gestellt und 1990 der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege unterstellt wurde, bleibt uns ein Rätsel. Anyway, einige Details waren durchaus nett anzuschauen. Und die Kaffeepause auf der Aussengalerie mit Blick auf den Rhein ein echtes Highlight.

Nach Bonn wird der Rhein interessanter

Mondorf – Oberwinter

Mi., wir bleiben bei unserer bewährten Tagesstreckenlänge von etwa 25 km. Also von Mondorf an Bonn vorbei bis Marina Oberwinter. Gewählt haben wir dieses Tagesziel, weil wir erstens die nächste Tanke anfahren wollen und zweitens, weil wir unbedingt auf den Drachenfels wollen.

Das Wetter ein Traum. Verkehr wie üblich, Reisegeschwindigkeit bleibt konstant bei 5 bis 6 km/h.

Vier Tage in der rheinischen Provinz

Mondorf

Sa. – Di. Wir entscheiden uns für eine größere Reisepause.

Sa., das erste große Umräumen unseres Vorratskellers steht auf dem Plan. Leere Flaschen raus, neue wieder rein. Ein naher Aldi (Süd) und ein REWE machen’s möglich. Die neuen Satteltaschen am Rad werden erfolgreich auf ihr maximales Fassungsvermögen getestet. Am Nachmittag zum Rhein und zack, ist der Tag vorbei.

So., Per Rad nach Bonn. Die rund 8 km lange Strecke zu unserem Ziel, dem „Haus der Geschichte Bonn“ geht auf einem wunderbaren Radweg am Rhein entlang. Allerdings, heute am Sonntag, stark frequentiert.

Das Museum lohnt sich, obwohl mehr zur Erinnerung als zum Erkenntnisgewinn. Ist ja auch bei unserem Alter kein Wunder!

Der Rückweg geht quer durch die Stadt. Schlecht über Bonn zu sprechen gehörte stets zum guten Ton. Die Stadt mit ihren 300.000 Einwohnern sei zwar nur halb so groß wie der Zentralfriedhof von Chicago, aber doppelt so tot, fand der Bestseller-Autor John le Carre. Na ja, ganz so schlimm fanden wir es dann doch nicht.

Mo./Di., Mein Körper schlägt schon wieder Kapriolen. Bereits gestern tauchten wieder Schmerzen auf. Diesmal mehr von der linken Hüfte. Ich bin ratlos. Liege fast den ganzen Tag. Nur am Abend ein paar Schritte.

Heute, am Dienstag, radeln wir in das direkt an den Hafen anschließende Naturschutzgebiet. Das Radfahren bekommt mir gut. Wenn es so bleibt, geht es morgen weiter nach Oberwinter.

Eine Tagesetappe nach Bonn

Köln – Mondorf (bei Bonn)

Fr., heutige Fahrstrecke 28 Flusskilometer nach Mondorf (Km 659). Schönes Wetter, 5 1/2 Stunden Fahrt und, bis auf die letzte Stunde, sehr viel Verkehr. Bis auf eine Beinah-Kollision mit einer Fahrbahntonne – wir konnten einem überholenden Frachter nicht weiter steuerbord ausweichen – keine weiteren Vorkommnisse.

Mondorf. Sehr schöner, ruhiger Seitenarm mit Marina. Hier teilen sich drei Motorsport- und zwei Rudervereine die kleine Bucht.

Unsere Anlage ist perfekt. Die Räder können problemlos entladen werden, es gibt Wasser und Strom am Steg und starkes Wlan. Nachdem wir gesehen haben, dass es direkt eine Fähre vom rechtsrheinischen Mondorf nach Bonn hinüber gibt, beschließen wir spontan, hier ein paar Tage zu bleiben und mit dem Rad nach Bonn zu fahren. Bonn hat keinen eigenen Hafen.

Köln Stadtrundgang, Teil 2

Köln

Do., Den Start in die Stadt hatten wir uns anders vorgestellt. Von der vollmundigen Werbung, Köln mit der Minibahn ausgiebig zu erfahren, war überaus enttäuschend. Nur eine Kurzstrecke bis zum Dom, über holprige Straßen (schönen Gruß an meine Rest-Hexe!), kaum was von den Stadterklärungen zu hören. Na, ja, man kann nicht immer Glück haben.

Der Stadtrundgang wurde dann aber doch noch richtig schön. Der Ausflug zum alten Buga-Gelände von 1957, der heute Rheinpark heißt, war wunderschön.

Köln Stadtrundgang, Teil 1

Köln

Mi., Die Wärmepflaster fangen an, zu wirken. Es geht mir schon viel besser und wir wollen auf jeden Fall ins Museum Ludwig. Das Mu­se­um be­sitzt heute eine der wichtig­sten Samm­lun­gen von Kunst des 20. und 21. Jahrhun­derts weltweit. Wir fangen mit dem oberen von zwei riesigen Stockwerken (Expressionisten, Picasso Sammlung, Neue Sachlichkeit u. w.) an. Die Brandbreite ist überwältigend. Allerdings fordert sie auch ihren Tribut. Das „zweite Paket im ersten Stock“, die um­fan­greich­ste Pop-Art-Kollek­tion Eu­ro­pas, können wir nur streifen. Unsere Aufnahmespeicher sind für heute voll.

Ausgiebige Ruhepause im Museumscafé, dann der Rückweg durch die Stadt in den Hafen. Dort haben wir einen neuen Backbord-Nachbarn. Eine Linssen aus Hamm mit einem Paar in unserem Alter, die große Pläne haben. Über die Donau ins Schwarze Meer und über das Mittelmeer und durch Frankreich wieder zurück. Eine Reiseplanung, die sich über „4 – 5 Jahre“ erstrecken soll.

Hexe & Regen

Köln

Di., Mir geht es schlecht. Gestern habe ich beim Blick nach dem Ölstand eine unglückliche Drehung gemacht. Ergebnis, ein 1a-Hexenschuss. Eine erste Maßnahme mit Aktivgel brachte zwar eine ruhige Nacht, aber die Schmerzen sind heute morgen noch voll da. Schon in Versuchung, den nächstbesten Orthopäden aufzusuchen, wollte es Monika noch einmal mit einem Wärmepflaster probieren.

Also gehen wir einkaufen. Aber, da ich mich unbedingt bewegen wollte, geht alles in Zeitlupe. Die Schmerzen sind ätzend. Für den kleinen Weg in die Severinstraße brauchen wir über zwei Stunden. Dank Wärmepflaster kann ich mich hinlegen und etwas schlafen. Mittlerweile hat Dauerregen eingesetzt. Na, passt doch alles zusammen.

Hallo Köln

Leverkusen Hitdorf – Köln

Mo., da es bis Köln nur wenige Kilometer sind, wird am Morgen getrödelt, Wasser aufgetankt und noch mit dem Stegnachbarn geschnackt. Diese Gespräche lohnen sich immer. Wir bekommen Tipps für die Stationen zwischen Köln und Bonn und Bonn und Koblenz. Und, von anderen Schiffskollegen die ebenfalls Verdränger fahren, die Bestätigung, dass es nun mal mit diesen Schiffen nicht schneller geht. Unser Trost natürlich, dass wir aber auch erheblich weniger Sprit als die großmotorisierten Gleiter verbrauchen!

Die Redewendung „die Wacht am Rhein singen“ kenne ich noch von meinem Vater, der mir damit dann eine eindringliche Warnung aussprach. Dass dieses nationalistische und kleindeutsche Gedöns sich noch in einem 2005 neuerrichteten Ausflugslokal in Leverkusen-Wiesdorf widerspiegelt, ist uns höchst suspekt.

Wir erreichen den Rheinauhafen in Köln ohne Probleme. Hier liegen wir hinter den drei „Kranhäusern“. Wieder das Problem mit dem sehr tiefliegenden Hafenbecken. Wahrscheinlich werden wir auf dem Rhein unsere Räder überhaupt nicht von Bord nehmen. Aber das ist hier auch nicht nötig – schließlich liegen wir wieder mitten in der Stadt.

Sonntag, tschö Düsseldorf

Düsseldorf – Leverkusen Hitdorf

So., Zurück auf den Rhein. Nächstes Ziel Köln. In einer Etappe nur mit gewaltiger Anstrengung zu schaffen. Aus dem Alter sind wir raus. Also einmal Station gemacht.

In Hitdorf (Ortsteil von Leverkusen). Ein langer Seitenarm (-hafen), der mit einem Steinwall vom Rhein abgetrennt ist. Wetter, na ja. Tour ohne besondere Vorkommnisse.