Sa., früh aufgestanden und zwecks Fahrrad-Reparaturversuch nach Zewen. Leider ohne Erfolg. Der Schließzylinder der Batterie hat wohl eine Macke und somit kann die Batterie nicht mehr vom Rad genommen werden. Zum Glück kann sie aber zum Aufladen am Rad verbleiben.
Trier wurde vor mehr als 2000 Jahren unter dem Namen Augusta Treverorum (ab der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts Treveris) gegründet und beansprucht den Titel der ältesten Stadt Deutschlands für sich. Trier beruft sich hierbei auf die längste Geschichte als bereits von den Römern anerkannte Stadt, im Gegensatz zu einer Siedlung oder einem Heerlager. Heute ist Trier mit 110.000 Einw. die viertgrößte Stadt von Rheinland-Pfalz.
Fr., Start in Neumagen am späten Vormittag. Nach dem Schock bei der Bezahlung (knapp 54 € für zwei Nächte) sollte es nur eine kurze Strecke bis nach Schweich werden. Eine Schleuse (Detzem), 26 km.
Am Standort der Linssen Vertretung Kreusch wollten wir eigentlich eine neue Gaskartusche kaufen und uns noch ein paar Tipps holen. Aber die Enttäuschung bei der Hafeneinfahrt war groß. Sehr lieblose, „unbetreute“ Hafenanlage. Viel Betrieb durch den anliegenden Camping- und Caravanpark und grottige Bewertungen für die Gastronomie. Es fiel uns nicht schwer, den Hafen schnellstens wieder zu verlassen.
Also noch eine Schleuse mehr (Schleuse Trier) und 20 km weiter bis zum Yachthafen Trier Monaise, ca. 6 km nach Trier Mitte. Hier ist es so, wie wir uns das wünschen. Ein freundlicher, hilfsbereiter Hafenmeister (mit Brötchenbelieferung am Samstagmorgen), Strom und Wasser am Steg, nicht allzu viel Betrieb, nur wenige Gastlieger. Wir bereuen unsere Wahl keine Sekunde.
Do,. Noviomagus Treverorum (lat.), der Name des kleinen Moseldorfes Neumagen, ist keltischen Ursprungs. Er geht zurück auf das keltische Wort magos für „Feld“, „Ebene“ und das keltische Adjektiv novios für neu. Auf Anhöhen zwischen Neumagen und dem Unterlauf der Dhron sind verschiedene römische Siedlungsstellen archäologisch belegt.
Der von der Gemeinde erarbeitete Neumagen-Rundweg erschließt den Verlauf, wie die noch sichtbaren Mauerreste des spätantiken Kastells und lässt sich schnell als „Lauschtour“ per App herunterladen. Wir spazieren einmal 800 m um die ehemalige Festung von Kaiser Konstantin (274 – 337) herum, Dauer eine knappe Stunde.
Mo./Di./Mi wir nutzen eine kleine, zweitägige Reiseauszeit zur Recherche für die Festlegung des „August-Liegepatzes“, unseren weiteren Tourverlauf und die Buchung des Winterliegeplatzes 2020/21. Pausieren werden wir Ende Juli auf der Saar in Merzig. Und für das Winterlager können wir einen Platz bei Van der Laan in Maasbracht bekommen.
Heute, Mittwoch, geht es eine Etappe weiter. Neumagen wird angesteuert, nicht zuletzt weil hier eine Wassertankstelle ist. Strecke kurz, Wetter ok, Schleuse (Wintrich) einfahrbereit (solo!). Die Marina Mittelmosel in Neumagen vereint Camping- und Caravanplatz mit Bootshafen. Auf die Bedienung der Zapfsäule müssen wir nicht lange warten. Auf der Mosel ist der Verbrauch wieder deutlich gesunken. Wir nähern uns wieder unserem Normalverbrauch von 4,5 bis 5 l/h.
Gebucht haben wir zwei Nächte und werden uns morgen mit dem kleinen Moselort näher beschäftigen.
So., fast ein wenig wehmütig brechen wir vom Litziger Lay auf. Das waren zwei wunderbare Tage hier. An unserem nächsten Ziel, Bernkastel-Kues, sind wir mit Hanno verabredet, der Petra wieder abholt.
Keine besonderen Vorkommnisse auf der 20 km-Kurzstrecke. Wetter 1A. Der Sportboothafen liegt etwas außerhalb und leider kriegen wir die Räder nur sehr schlecht an Land. Aber natürlich ist auch ein Spaziergang in die Stadt möglich.
Also gehen wir zu Fuß nach Bernkastel-Kues, ein staatlich anerkanntes Heilbad und Geburtsort des mittelalterlichen Kirchenmanns und Philosophen Nikolaus von Kues (Cusanus). Einwohner etwas über 7800. Die Stadt in der heutigen Form entstand am 1. April 1905 durch den Zusammenschluss der Stadt Bernkastel mit dem gegenüberliegenden Winzerdorf Kues.
Der Stadtbummel endet vor einem Winzerlokal, wo wir alle noch einen „Petra-Abschiedstrunk“ mit Moselsekt und -wein genießen. Sind schnell rumgegangen, ihre Tage an Bord.
Sa., ein herrlicher Sommertag. Petra mietet sich in Trarbach ein Rad und wir starten zu einer Radtour bis Ürzig. Auf der rechten Moselseite verläuft ein z. T. hervorragender Radweg. Bei Lösnich wechseln wir die Seite. Ungewollt geht es ein Stück mitten durch die unteren Hänge eines Weinbergs.
Eigentlich waren wir auf der Suche nach einer Bäckerei und/oder einem Café. Aber am Samstag nach 14 Uhr waren die in Lösnich und Ürzig bereits geschlossen.
Also kehren wir in Ürzig im „Mosel Pavillon“ ein. Die Angebote auf der Karte sind etwas aus der Zeit gefallen. Sie haben ein bisschen was von Clemens Wilmenrod (ein deutscher Schauspieler und ab 1953 der erste deutsche „Fernsehkoch“. Er gilt als der Erfinder des Toast Hawaii). Aber wir haben Hunger.
Als wir am Nachmittag wieder nach ca. 30 gefahrenden Kilometern in Trarbach zurück sind, streichen wir den Besuch im Buddha-Museum. Die europaweit einmalige Dauerausstellung zur buddhistischen Ikonografie, u. a. mit 2000 Buddha-Figuren, muss auf ein anderes Mal verschoben werden. Schließlich haben wir einen reservierten Tisch bei „unserem Österreicher“ um 19.30 Uhr.
Der Abend krönt einen bis dahin schon sehr schönen Tag. Sehr gut gegessen und viel gelacht (u. a. über das Pferd im Wappen von Traben – aber das ist eine andere Geschichte).
Fr., 25 km Tagesstrecke, eine Schleuse (Enkirch, erneut ohne Wartezeit). Tagesziel Traben-Trarbach. Die deutlich vor der Stadt liegende Hafenanlage eines Verbandvereins hat keinen Gästeliegersteig mehr frei. Zum Glück. Denn nur zwei Kilometer weiter entdecken wir einen Einzelsteg, direkt vor einem Restaurant.
Ein traumhaft schöner Liegeplatz! Das „Litziger Lay“ ist ein österreichisches Restaurant, dessen junger Wirt uns überaus freundlich mit der „Liegeabwicklung“ behilflich ist. Seinem Vermieter gehört auch der Steg. Für nur 10 Euro pro Nacht können wir bleiben. Als „Bonus“ bekommen wir auch gleich das Passwort vom Restaurant-Wlan. Da für den Abend bereits alle Plätze im Restaurant ausgebucht sind, reservieren wir einen Tisch für Samstagabend.
Do., Abfahrt aus Cochem, nachdem wir noch am Außenkai Wasser nachgetankt haben. Kurze Strecke, zwei Schleusen. Beim Start zeigt sich der Himmel noch grau in grau. Es wird jedoch immer wärmer. Am Ende des Tages werden wir bei 30 Grad (unter Deck) ins Bett gehen.
Der Verkehr ist äußerst gering. Die beiden Tagesschleusen (Bruttig-Fankel und St. Aldegund) können fast ohne Wartezeiten angefahren werden. In Zell hat der ortsansässige Motorsportclub geschlossen, gibt uns aber einen Tipp für zwei Sportbootanleger direkt hinter den Fahrgastschiffanlegern. Und tatsächlich, einer der beiden ist noch frei.
Dank früher Ankunft haben wir ausreichend Zeit, Zell zu erkunden. Kein Vergleich zu Cochem. Kleiner und romantischer. Zell (4.100 Einw.) ist erheblich geprägt vom Weinbau und mit 331 Hektar bestockter Rebfläche nach Piesport (413 Hektar) größte Weinbaugemeinde der Mosel. Es wird traditionell überwiegend Riesling angebaut. Überregional bekannt ist die „Zeller Schwarze Katz“. Ein Markenzeichen, das in Zell in Läden, Schildern und Wänden überstrapaziert gezeigt wird.
Mi., Zeit zum Herumtrödeln und Auffrischen unserer Vorräte. Am frühen Nachmittag kommen Petra und Hanno nach Cochem. Petra wird uns ein paar Tage begleiten. Hanno hat leider Termine in Düsseldorf und startet relativ schnell wieder zur Heimfahrt.
Wir gönnen uns mit Petra ein kleines „Best-of-Cochem“, obwohl das Wetter uns nicht wohlgesonnen ist. Also einmal rauf zum Pinnerkreuz und ein Minibummel durch die Altstadt.
Di., wir tauchen ein in die Zeit des Kalten Kriegs und besuchen den ehemaligen Geheimbunker der Deutschen Bundesbank in Cochem. Jahrzehntelang eines der bestgehüteten Geheimnisse der BRD. Gebaut um einen Atomkrieg zu überstehen, lagerte hier eine geheime Notstandswährung.
Zwischen den Moselhängen, versteckt im Wohngebiet von Cochem-Cond, lagerten hier während der Zeit des Kalten Krieges in einer unterirdischen Bunkerfestung 15 Milliarden D-Mark einer Ersatzwährung, die bei einem Wertverlust der Mark durch eingeschleustes Falschgeld die deutsche Währung ersetzt hätte. Der Bunker wurde von 1964-1988 geheim gehalten. Die Bevölkerung wusste zwar, dass es einen Bunker in Cochem gibt, allerdings waren Sinn und Zweck selbst den Nachbarn vollkommen unbekannt. Zudem war der Bunker durch die beiden Tarnwohnhäuser, die offiziell als Schulungszentrum für Bundesbankmitarbeiter genutzt wurden, perfekt getarnt.
Wir werden von einem überaus stolzen Museumsführer darüber informiert, dass selbst die allwissende Stasi keine Ahnung vom Bunker gehabt haben soll.
Mo., Cochem hat eine lange Geschichte und war schon zu Zeiten der Kelten und Römer besiedelt. Im Jahr 886 wird es erstmals als Villa cuchema in einer Urkunde erwähnt. Heute ist Cochem mit etwas mehr als 5.000 Einwohnern (Landkreis Cochem-Zell 62.000 Einw.) die kleinste Kreisstadt Deutschlands. Wenn man dann die jährlich weit über 700.000 Gäste für den Landkreis Cochem-Zell dagegen stellt, weiß man, wovon die Region lebt.
Die Bedeutung des Weinbaus in der Region war in den letzten Jahrzehnten stark rückläufig. Während sich die Zahl der Winzerbetriebe im Vollerwerb früher in einem dreistelligen Bereich bewegt hat, ist sie heute auf weniger als Zehn abgesunken. Schon lange arbeitet die Mehrheit der Bevölkerung in anderen Wirtschaftszweigen. Während viele Hänge im Stadtgebiet bis in die 1970er- und 1980er-Jahre noch mit Reben bepflanzt waren, wurden die meisten der ehemaligen Weinbergslagen inzwischen von der Natur zurückerobert. Auffällig in Service und Gastronomie, viel Servicepersonal aus vorrangig Osteuropa.
Wir haben die Wahl, uns Cochem von oben anzusehen – Reichsburg oder Pinnerkreuz. Wir brauchen mal etwas anderes als „Burg“, deshalb geht es mit der Sesselbahn rauf zum Pinnerkreuz.
So., lockere 24 km-Tour bei überwiegend sonnigem Wetter. Wie schon am Vortag staunen wir, wie schnell wir vorankommen. Irgendwie steckt uns die Rhein-Bergfahrt immer noch in den Knochen. Obwohl Sonntag, ist nicht viel auf der Mosel los. Einige wenige Frachter, ein paar Ausflugsschiffe, ebenso kaum Sportschiffe.
Die einzige Schleuse heute, Müden, lässt uns nach kurzer Wartezeit – auf einen kleinen Baufrachter – sofort in die Kammer. Die separaten Sportbootschleusen sind wohl alle zu schmal für unsere Kato 2. Kleines Problem in den großen Kammern dabei, alle bisherigen bauten sehr viel Druck durch das einströmende Wasser auf, so dass erheblich Zug auf die Mittelleine kommt. Wir lösen das, mit Monika am Steuerstand, ich an der Leine. Funktioniert gut.
Der Stadt-Yachthafen Cochem ist lediglich ein banaler Anleger mit einer einzigen Stromversorgung und einem Wasseranschluss am Außenkai. Aber, mit extraschönem Blick auf Altstadt und Reichsburg. Wir sind zufrieden.
Sa., wir müssen von der Rheinlache zwei Kilometer zurück. Den Rhein zu Tal , bis zum Deutschen Eck. Welch ein Genuss, Speed over ground (bei 2.200 Touren) fast 18 km/h! Das macht Lust auf mehr (vielleicht bei der Rückfahrt?)!
In die Koblenzer Schleuse können wir sofort und alleine einfahren. Da wir relativ früh losgefahren sind, machen wir schnell Strecke. Es ist außerordentlich angenehm, mal wieder eine Reisegeschwindigkeit von 11 km/h bei normaler Tourenzahl zu haben.
Die Mosel zeigt schon auf den ersten Kilometern, wie schön sie ist. Mit Ausnahme der Moseltalbrücke nahe Winningen. Ein 136 m hohes Monster, das seit 1972 mit der Bundesautobahn 61 den Hunsrück mit der Eifel verbindet.
Danach eine traumhaft schöne Landschaft, riesige Weinberge und nette kleine Orte. Wir nehmen noch die Schleuse Lehmen und erreichen Brodenbach bereits gegen 13.00 Uhr. In der Schleuse gibt es für Monika noch richtig Arbeit, als das vor uns liegende Flusskreuzfahrtschif aus unerfindlichen Gründen noch mal Gas gibt. Wir driften von der Schleusenwand weg, unser Kahn ist kaum noch zu halten. Nur zu zweit und mit Motorunterstützung holen wir unsere Kato zurück an die Wand. Das Ganze wurde noch erschwert, weil wir ein Sportboot steuerbord im Paket hatten. Ist letztendlich aber alles gut gegangen.
In Brodenbach ergattern wir den letzten freien Liegeplatz und geniessen den restlichen ersten Tag auf der Mosel.
Do./Fr., die Tage verfliegen. Nach einem Gammeltag am Donnerstag gibt es am Freitag noch einen Radausflug rund 6 Kilometer rheinaufwärts zum Schloss Stolzenfels.
Schloss Stolzenfels thront auf der linken Seite des Rheins gegenüber der Lahnmündung. Das neugotische Schloss ist das herausragendste Werk der Rheinromantik. Die ursprünglich um 1244 errichtete Zollburg des Trierer Erzbischofs Arnold von Isenburg wurde 1689 im pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen zerstört und diente im 18. Jahrhundert sogar als Steinbruch. Nachdem die Ruine 1802 in den Besitz der Stadt Koblenz überging, schenkte diese sie 1823 dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. Der ließ die Anlage nach den Plänen des Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel ab 1836 für sich und seine Ehefrau Elisabeth Ludovika von Bayern als Sommerresidenz wieder aufbauen.
Zurück in unserem Hafen bekommen wir von einem Stegnachbarn noch viele Empfehlungen für unsere morgige Weiterreise. Nun soll es endlich auf die Mosel gehen.
Langsam machen wir uns auch Gedanken, wohin wir eigentlich in dieser Saison noch hin wollen. Möglich wäre, die Mosel komplett zu durchfahren – über Metz und Nancy – und dann im Bogen nach Straßburg. Na, mal sehen. Es ist nur ein erster Gedanke.