Goedemiddag Nederland

Wesel – Mook

So./Mo. Aufbruch in Wesel um 9.30 Uhr. Ziel ist Nijmegen (Nimwegen). Ungefähr 70 km, immer auf Rhein und Waal zu Tal. Das Wetter ist kühl, überwiegend grau aber trocken. Wir kommen trotz großem Frachteraufkommen zügig durch.

Bei Lobith teilt sich der Rhein. 2/3 des Flussvolumens biegt westlich ab und heißt jetzt Waal. Ein Drittel fließt erst als Pannerdensch-Kanaal, dann als Neder-Rijn, weiter nach Norden, Richtung Arnhem.

Bei den vielen Karten, die wir an Bord haben, fehlt ausgerechnet die ANWB „L“. Die Detailkarte zwischen Grenze Deutschland und der Maas. Kurzentschlossen fahren wir in Nijmegen von der Waal auf gut Glück in einen zentrumsnahen Hafen ein. Extrem langsam (da ja Niedrigwasser) und doch, es passiert. In der Durchfahrt setzen wir weich auf. Kein vor, kein zurück mehr.

Der Schreck hält glücklicherweise nicht lange an. Das hohe Schiffsaufkommen „schaukelt“ uns für vorsichtige Rückwärtsfahrt wieder frei. Da unser Plotter uns keine weitere Anlegestelle mehr anbietet, geht es sofort in die Schleuse Nijmegen und auf den Maas-Waal-Kanaal. Nach 12 Kilometer trifft der Kanal auf die Maas und weiteren 2 km finden wir am kleinen Dorf Mook einen sehr netten Mini-Hafen (10 € pro Nacht).

Wäre am Montag nicht unangenehmer Dauer-Nieselregen, wären wir mit dem Rad nach Nijmegen zurückgefahren. Immerhin, die Hansestadt bezeichnet sich als die älteste Stadt der Niederlande. So bleibt es bei einem kurzen Spaziergang durchs Dorf.

Auf einmal ist der Sommer vorbei

Düsseldorf – Wesel

Fr./Sa., am Fahrtag am Freitag starten wir erst um 11.00 Uhr, da uns der Tankwart nach telefonischer Nachfrage im Crefelder Yachthafen erst gegen 15.00 Uhr bedienen kann. Als wir gegen 12.30 eintreffen, werden wir aber durch einen Vertreter sofort bedient. Also geht es gleich weiter.

Das Wetter ist zwar bewölkt, doch wenn die Sonne durchkommt, noch immer recht warm. Wir fahren bis Wesel durch. So haben wir nur noch eine Etappe bis zur Maas.

Samstag gibt es den ersten Dauerregen am Vormittag bei sage und schreibe 11 Grad. In einer Regenpause fahren wir mit den Rädern ins Zentrum. Wesel hat bei rund 60.000 Einwohnern den Status einer Großen kreisangehörigen Stadt. Dass 97 Prozent des Stadtgebiets 1945 zerstört wurden, ist der Stadt deutlich anzusehen. Alter Gebäudebestand ist nahezu nicht mehr vorhanden. Das macht die Stadt leider ein wenig langweilig. Einige, wenige historische Gebäude konnten noch restauriert oder wieder aufgebaut werden (insbesondere der Willibrordi-Dom).

Wissenswert noch, der bekannteste Sohn der Stadt ist Konrad Duden, dessen Geburtshaus in Wesel-Lackhausen steht.

Was der „Buddy Bär“ für Berlin oder die „Kuh-Kultur“ für Zürich ist der (wie heißt der Bürgermeister von Wesel?) Esel für Wesel. Kaum eine Ecke, an der nicht ein buntbemalter steht. Und im Verkehr: ein grüner Esel auf den Fußgängerampeln. Last not least, einmal jährlich findet seit 2008 in Wesel unter dem Namen „EselRock“ ein Open-Air-Festival mit freiem Eintritt statt.

Drei Tage Düsseldorf

Düsseldorf

Di. bis Do., am Dienstag sind wir mit Axel mittags im Bistro Zicke in der Carlstadt verabredet. Vorher haben wir uns online ein Zeitfenster für die Ausstellung „Peter Lindbergh, Untold Stories“ reserviert.

Dass Lindbergh ein ausgezeichneter Fotograf war (* 23.11.1944; † 03.09.2019), ist Fakt. Die Ausstellung enttäuscht trotzdem. Der recht kleine zur Verfügung stehende Platz im Museum Kunstpalast verleitete ihn in seiner ersten, selbst kuratierten Werkschau wohl zu gigantischen „Plakatwänden“ und mehrreihigen Gruppen-Hängungen. Die Motive verschwimmen und erschweren ein Sich-Einlassen auf ein einzelnes. Seine Model-Inszenierungen aus den späten 80ern sind heute eher irritierend als innovativ.

Axel hat einen hektischen Tag und nicht allzu viel Zeit, es reicht jedoch für eine gemütliche Mittagspause mit einem guten Gespräch. Wir verabreden, es im Herbst in Berlin fortzuführen.

Am Mittwoch steht mal wieder eine „Gaskartuschen-Aktion“ auf dem Plan. Bei Obi in Lierenfeld können wir die leere gegen eine gefüllte austauschen. Am Nachmittag eine gemeinsame Fahrradtour mit Petra in den Südpark (ehemaliges Buga-Gelände von 1987) und am Abend ein geselliges und leckeres Essen bei Petra und Hanno.

Donnerstag, unser letzter Tag in Düsseldorf. Wir fahren mit Petra zur „Urdenbacher Kämpe“. Ein weitläufiges idyllisches Naturschutzgebiet mit Obstbäumen und verschiedenen Geländearten. Da das Gesamtgebiet nur wenig höher als das Rheinufer liegt, wird es bei Hochwasser vom Rhein überflutet und ist ein amtliches Überschwemmungsgebiet für eine Hochwasserentlastung.

Ludwig in Koblenz

Koblenz

Sa., ein entspannter Tag in Koblenz. Wir wollen uns eine Ausstellung im Ludwig Museum ansehen. Das noch relativ junge Museum hat sich der Gegenwartskunst und insbesondere der zeitgenössischen französischen Kunst verschrieben. Grundstock der ständigen Sammlung ist vornehmlich deutsche und französische Kunst nach 1945, die das Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig zusammengetragen und dem Museum als Schenkungen oder Leihgaben überlassen hat. 

Unser besonderes Interesse gilt der Sonderausstellung „Hotspot Songzhuang“, die aktuelle Arbeiten von Ren Rong und Fang Lijung zeigt. Beide leben im Künstlerdorf Songzhuang, in der Nähe von Beijing, wo sich mittlerweile zahlreiche Künstler angesiedelt haben, um der Enge und den hohen Lebenshaltungskosten in Beijing zu entfliehen. Ren Rong lebt und arbeitet vorwiegend in Bonn (seit 1986) sowie in Peking.

Für den Restaurantbesuch am Abend hätten wir mal lieber nicht das historische „Weindorf“ an der Rheinpromenade ausgewählt. Das Essen war in Ordnung, aber nach knapp einer Stunde Wartezeit hatten wir fast keinen Hunger mehr.

Der letzte Tag auf der Mosel

Cochem – Koblenz

Fr., wir starten in Cochem um kurz vor 10.00 Uhr und genießen die letzten 50 Moselkilometer bei herrlichem Spätsommerwetter. Drei Schleusen (Müden, Lehmen, Koblenz), die wir, dank eines belgischen Schleusenöffners „Asdeta“, zügig durchfahren können. Der Rückstrom von der Mosel ist deutlich spürbar, es wollen doch noch zwei Tage vor der zehntägigen Sperrung viele Schiffe die Mosel verlassen.

In Koblenz geht es noch einmal zwei Kilometer zu Berg, dann finden wir in der uns bekannten „Rheinlache“ wieder einen schönen Liegeplatz.

Reichsburg Cochem

Cochem

Do., am letzten Tag in Cochem steht nicht viel auf dem Programm. Einmal rauf zur Reichsburg und ein Bummel (mit Wein- und Sekteinkauf) durch die Stadt.

Die Reichsburg wurde vermutlich um das Jahr 1000 unter Graf Ezzo, dem Sohn von Pfalzgraf Pussilius, erbaut. Im 17. Jahrhundert zerstört und von dem Berliner Kaufmann „Louis Frèdericc Jacques Ravenè“ in den Jahren 1868 bis 1877 im neugotischen Stil wieder aufgebaut. Die Relikte der spätgotischen Burg blieben beim Wiederaufbau ein fester Bestandteil. Sie war 75 Jahre im Besitz der Familie Ravenè und diente ihr als Sommersitz. Im Jahr 1942 wurde die Burg Eigentum des Deutschen Reiches und seit 1978 ist sie im Besitz der Stadt Cochem und wird von der „Reichsburg GmbH“ verwaltet. Nach dem Denkmalschutzgesetz von Rheinland-Pfalz ist sie ein geschütztes Kulturdenkmal. Wir beschränken uns auf eine Außenbesichtigung.

Am Abend kehren wir noch in die direkt am Hafen liegende Weinkellerei Hieronimi auf einen Abschiedsschoppen ein.

Das Fazit unserer Mosel-Saar-Tour fällt überaus positiv aus. Eine herrliche Landschaft, nette Leute, malerische Orte und viele schöne, neue Eindrücke. Wäre da nicht die sich unangenehm langsam ziehende Fahrt zu Berg auf dem Rhein … könnte man (und frau) das glatt mal wiederholen.

Mit Zwischenstopp nach Cochem

Traben-Trarbach – Senheim – Cochem

Di./Mi., damit wir nicht in den Stress der Moselsperrung geraten (ab So., 20.09.20, 0.00 Uhr) fahren wir nur mit einem Zwischenstopp in Senheim in zwei Etappen nach Cochem. Der Yachthafen in Senheim (im Seitenarm der Mosel ) zeigt sich als Monster mit riesigem Camping- und Caravangelände. Wir können uns nicht mit dem Hafen anfreunden. Müssen es aber auch nicht. Am nächsten Morgen geht es zügig weiter.

Unsere Befürchtung, dass der Hafen in Cochem voll sein könnte, bestätigt sich nicht. Fast das Gegenteil, am Abend haben lediglich drei Schiffe festgemacht. Für heute beschränken sich unsere Aktivitäten auf einen kleinen Einkauf – und gut ist.

Burgruine Grevenburg

Traben-Trarbach

Mo., unser letzter Tag in Traben-Trarbach. Wir radeln auf die Trarbacher Seite, stellen die Räder auf der Promenade ab und gehen den Bergweg auf 240 m Höhe rauf. Gott sei Dank liegt der Bergaufstieg auf der Schattenseite. Bei weit über 30 Grad brauchen wir über eine Stunde bis wir oben sind.

Erbaut um 1350 von Graf Johann III., einem Sohn der legendären Gräfin Loretta, war bis 1437 Stammsitz der Grafen von Sponheim. In den Kriegswirren des 17. und 18. Jahrhunderts wechselte die Burg dreizehnmal den Besitzer. 1734 wurde sie von den Franzosen erobert und zerstört. Die Burgruine bietet einen herrlichen Blick auf die große Moselschleife.

Obwohl wir bereits gestern im Litziger Lay essen waren, gehen wir zu einem kleinen „Abschiedsessen“ noch einmal rüber. Ines und David, die jungen, österreichischen Wirtsleute, setzen sich zum Schluss wieder an unseren Tisch und erzählen von ihren ersten fünfzehn Monaten mit dem Restaurant. Hochwasser und Corona haben es ihnen schwer gemacht. Den guten Ruf, den sie sich trotz allem bereits erarbeiten konnten, ermutigt sie aber weiterzumachen. Wir drücken ihnen die Daumen.

32 Grad in Traben-Trarbach

Trier Monaise – Bernkastel-Kues – Litziger Lay (Traben-Trarbach)

Fr. bis So., am Freitag geht es in einem Zug nach Bernkastel. Nur kurz mit einem Tankstopp in Neumagen-Dhron und einer etwas längeren Wartezeit an der Schleuse Zeltingen (viel Frachtverkehr) unterbrochen. Da wir relativ spät in Bernkastel eintreffen, legen wir kurzerhand an einem Anleger direkt an der Mosel an.

Samstag früh losgefahren und bereits gegen 12.00 Uhr bei unserem Lieblingsanleger vor dem Litziger Lay eingetroffen. Vorsichtshalber hatten wir uns telefonisch angekündigt. Es ist Wochenende und traumhaftes Hochsommerwetter. Dementsprechend sind an der Mosel „Himmel und Menschen“ unterwegs.

Am Sonntag gibt es mal wieder einen Radausflug. An der Mosel entlang durch die kleineren Moseldörfer Kröv, Kinheim, Kindel und Wolf. In Kröv wurde uns ein Besuch der Eisdiele „Marcello’s Eiseck“ empfohlen (1. und 2. Plätze in RP). In der Tat, der Besuch hat sich gelohnt.

Es macht Spaß, durch die kleinen Dörfer zu radeln. Allerdings ist auch hier am Sonntag doch recht viel Ausflugsverkehr. Vom anstehenden Beginn der diesjährigen Weinlese ist noch nichts zu sehen.

PS.: Danke sagt Monika den pflanzenkundigen Blog-Leser*innen (Thomas, Petra L. und Axel W.) für die kenntnisreichen Zusendungen unserer Blumenfrage aus Remich!

Aus Frankreich über Luxemburg zurück nach Trier

Metz (F) – Schwebsange (L) – Remich (L) – Trier Monaise (D)

Di. bis Do., Dienstag treten wir schweren Herzens unsere Rückreise an. Metz ist wunderschön und wir werden wiederkommen. Die Fahrt bis ins luxemburgische Schwebsange verläuft problemlos. Einen Großteil der Strecke verhilft uns die Vorausfahrt eines Frachters, jeweils hinter ihm in die Schleusen einfahren zu können.

Am Mittwochmorgen geht es sofort weiter. Allerdings liegen wir gut in der Zeit und machen Halt in Remich. Der kleine Sportbootanleger an der Hauptpromenade hat eine elektronische Tafel, die anzeigt, ob und wie lange ein Platz frei ist (kann man auch im Voraus reservieren).

Aber, … die luxemburgische Wasserstraßenverordnung schreibt eine befähigte (!) Person dauerhaft an Bord vor. Ist also ein Problem, wenn man zu zweit unterwegs ist und gern auch gemeinsam etwas in der Stadt unternehmen möchte.

Ich rufe bei der Verwaltung an und uns wird freundlich beschieden, dass das „eine die Verordnung“ ist und das „andere eine Duldung“ ist, durchaus das Boot „mal“ alleine zu lassen. Zur Sicherheit malen wir noch ein Schild mit meiner Mobilnummer und kleben es ins Fenster. Im insgesamt zweistündigen Ausflug passiert nichts und wir haben bei der Rückkehr auch kein „Ticket“ am Schiff.

Am späten Nachmittag sind wir wieder im Hafen von Trier Monaise und erwischen unseren freundlichen Hafenmeister kurz vor Dienstschluss. Mittlerweile kennt er uns und weist uns einen extra schönen Liegeplatz zu.

Donnerstag ist Einkaufs- und Trödeltag an Bord.

Metz (4), der letzte Tag

Metz

Mo., wir lassen uns noch einmal durch die Stadt treiben. Per Fahrrad geht es kreuz und quer um und durch Metz. Kein wirkliches Ziel vor Augen suchen wir ein paar Punkte, die wir noch nicht gesehen haben.

Die innere Stadt ist relativ klein und schnell zu durchfahren. Da Montag – d. h., dass u. a. nahezu alle öffentlichen Gebäude geschlossen sind – wird es ein eher „klassisches Sightseeing“.

Metz (3) am Sonntag

Metz

So., das Centre Pompidou-Metz (CPM) ist als Zentrum für alle Formen zeitgenössischer Kunst eine Dependance des Centre Georges Pompidou in Paris, mit dem es Sammlungen und Gründungsphilosophie teilt. Es besteht seit 2010 und ergänzt die Attraktivität von Metz auf eine wunderbare Weise.

Wir wollen unbedingt die aktuelle Ausstellung „Der Himmel als Atelier. Yves Klein und seine Zeitgenossen“ sehen und fahren mit dem Rad zum südwestlichen Stadtrand von Metz.

Welcher Künstler kann schon von sich behaupten, eine eigene Farbe entwickelt zu haben? Yves Klein (1928 – 1962) konnte dies. Nicht nur wegen seines einzigartigen „Yves-Klein-Blau“ zählt er zu den wichtigen Figuren der französischen Kunstszene der Nachkriegszeit. „Atelier Himmel“ offenbart die von ihm außerhalb der Bewegung der Neuen Realisten mit einer Konstellation von Künstlern – Gutai in Japan, Spatialisten in Italien, ZERO in Deutschland und die Gruppe NUL in den Niederlanden – entwickelte ästhetische Verbundenheit. Die Ausstellung beeindruckt in einer großen Vielfalt die verbindende Zusammenarbeit der beteiligten Künstler und Gruppen.

Insgesamt zeigt das CPM vier Ausstellungen, die wir bis auf eine durchlaufen. Fazit: Excellent!

Metz (2)

Metz

Sa., auf dem Programm stehen ein Einkauf von fehlenden Lebensmitteln, ein kleiner Stadtspaziergang und um 15.00 Uhr eine 1 1/2 stündige Stadtführung.

Metz (1)

Metz

Fr., lange schlafen, bei der Capitainerie anmelden und erste Annäherung an Metz.

Die an der Mosel gelegene Stadt mit knapp 120.000 Einwohnern ist die Hauptstadt des Départements Moselle und war zuvor Hauptort der früheren Region Lothringen, die seit 2016 in der Region Grand Est aufgegangen ist.

Die Jahre der Zugehörigkeit zum Deutschen Reich bis 1918 haben sich stark auf das Metzer Stadtbild ausgewirkt und machten sich vor allem in der militärischen und zivilen Architektur geltend (z. B. Bahnhof und Hauptpost). Bis heute kann man leicht das „deutsche“ oder „preußische“ vom „französischen“ Metz unterscheiden. Diese Dualität gehört zur Geschichte der Stadt, ähnlich wie in Straßburg. Im Gegensatz zu Straßburg, wo mehrheitlich Deutsch gesprochen wurde, war und blieb Metz eine mehrheitlich französisch geprägte Stadt.

Wir sind angenehm überrascht, wie dicht wir mit unserem Boot an der Stadtmitte liegen. Mit einem zehnminütigen Spaziergang sind wir an der Kathedrale. Sie ist auch unser erster Anlaufpunkt, zumal das Tourist-Office direkt dahinter liegt.