Zurück auf die Schelde

Gent – Dendermonde

Heute gibt es nicht wirklich viel Berichtenswertes. Der Start aus Gent führt wieder schnell zur Gezeitenschleuse Merelbeke.

Es gilt wieder die Gezeitentabelle zu berücksichtigen. Mittlerweile haben wir auch den „Tiden-Bildschirm“ auf unserem Raymarine Plotter „entdeckt“ – und brauchen nicht mehr ins Internet!

Aber, die Schleusenwärter meinen es nicht gut mit uns. Einen Frachter lassen sie in die Steuerbordkammer – ohne anschließend auf „Grün“ für die Sportschifffahrt zu stellen. Auf Marifon-Anfrage wird nicht geantwortet und die Schleusenwand schließt sich wieder.

Also zurück, in die Backbordkammer und warten. Es kommen zwei Frachter, die einfahren. Dann, tatsächlich „Grün“ für uns. Das Ganze zieht sich über eineinhalb Stunden.

Dendermonde ist für uns diesmal nur ein „Schlafanleger“.

Entspannung pur in Gent

Gent

Schön, wenn man eine Stadt schon ein wenig kennt. Einkäufe erledigen sich im Handumdrehen, „HotSpots“ kann man meiden und es ist die Zeit da, alles sehr gemächlich anzugehen ohne Angst haben zu müssen, etwas Herausragendes verpasst zu haben.

Wir entscheiden uns am Nachmittag noch ins S.M.A.K. Stedelijk Museum voor Actuele Kunst (Municipal Museum of Contemporary Art) zu gehen.

In diesem Jahr feiert das S.M.A.K. sein zwanzigjähriges Bestehen und zeigt erstmals einen Teil der Sammlung im vollständigen Museumsgebäude. 200 Werke führen durch das Labyrinth der zeitgenössischen Kunst.

Ein Fahrtag nach Gent

Brügge – Gent

Da unser Liegeplatz in einem Seitenkanal mit Brücke liegt, werden alle abreisenden Schiffe von der Hafenmeisterin gebeten, gemeinsam um 9.00 Uhr loszufahren. Mit dem Gegenangebot, dann, je nach Fahrtrichtung, für ein „Weiterreichen“ an allen weiteren Brücken zu sorgen.

Natürlich sind wir pünktlich vor der Zugbrücke und kommen damit zügig aus dem Stadtgebiet von Brügge. Es geht wieder über den Oostende-Gent-Kanal und der Genter Ringfahrt. Relativ früh können wir unseren „alten“ Liegeplatz in Gent einnehmen.

Brügge, der Wendepunkt

Brügge

Der letzte Tag in Brügge. Eine Radtour außen um die Stadt herum. Wenn man zügig fahren würde, wäre es in einer Stunde getan. Aber immer mal wieder stoppen, die Stadttore anschauen und kleine Abstecher in die Stadt, dauert natürlich länger.

Jetzt sind wir am Wendepunkt unserer (Nord-)Belgienfahrt angelangt. Die Rückfahrt (Gent, Antwerpen) steht an. Brüssel werden wir wohl auf ein anderes Mal vertagen.

Brügge mit Sonne

Brügge

Gut, dass es erst Dienstag ist. Die Touristenströme sind bereits heftig unterwegs. Wir wollen uns das nicht wirklich vorstellen, wenn die „Städtereisenden“ zum Wochenende kommen.

Der Zugangsbereich zum Belfried ist um 9.45 Uhr noch fast leer. Das kann sich schnell ändern. Nur 50 Personen werden jeweils eingelassen. Der Aufstieg über knapp 400 Stufen ist im oberen Bereich sehr eng und der „Gegenverkehr“ nicht geregelt. Wie so häufig auf Türmen, der Ausblick entschädigt für die Anstrengung.

Eine Stunde später hält sich der Andrang an den Anlegern der Bootstouren ebenfalls noch in Grenzen. Nach 10 Minuten Wartezeit geht es 30 Minuten durchs mittelalterliche Brügge.

Der Rest des Tages wird improvisiert. Deshalb heute eine kleine Bilderflut.

Brügge sehen und Schokolade essen*

Brügge

Brügge (niederländisch Brugge, französisch Bruges), Hauptstadt der Provinz Westflandern. Da Brügge nie durch Kriege oder großflächige Brände zerstört wurde, sind mittelalterliches Stadtbild und historische Gebäude sehr gut erhalten. Der mittelalterliche Stadtkern wurde 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. 2002 war Brügge Europäische Kulturhauptstadt.

Das Wetter ist trübe und grau, aber trocken. Wir lassen uns treiben.

In Brügge kommen auf 120 000 Einwohner 50 Chocolaterien. 2016 besuchten 1,7 Millionen Touristen die flämische Stadt. Es gibt mehr Schokoladenläden als Apotheken. Marzipan mit Wasabi, Karamell mit Cabernet. Die Flamen haben den Kakao im Blut (*schrieb der Tagesspiegel vor 2 Jahren). Auch wir kommen aus dem Staunen nicht raus.

In unseren Stadtspaziergang integrieren wir den Besuch der Dali Ausstellung in der Galerie Xpo im Belfort. Die relativ kleine Galerie zeigt (etwas beengt) viele Zeichnungen und einige Skulturen über seine gesamte Schaffenszeit. Nicht schlecht, würde auch einem großen Museum gut stehen.

Morgen soll die Sonne wieder scheinen. Dann gibt es eine Kanalfahrt.

Im Regen nach Brügge

Gent – Brügge

Ein trüber, regnerischer Sonntagmorgen. 9.00 Uhr Abfahrt aus dem Stadthafen. Über die Genter „Ringfahrt“ geht es auf dem Oostende-Gent-Kanal rund 47 km nach Brügge.

Dreiviertel der Strecke sind wir nahezu allein unterwegs. Erst kurz vor Brügge kommen uns einige Sportboote und zwei kleine Flusskreuzfahrschiffe entgegen. Der Kanal ist hochgradig langweilig, zeigt am Ufer wenig Sehenswertes und das Nieselregenwetter trägt sein Übriges dazu bei.

Der Innenstadthafen von Brügge ist nur drei Stadtbrücken entfernt. Nach der ersten werden wir erfreulicherweise „weitergereicht“. Das ist deshalb gut, weil die Belgier zwar den entsprechenden Marifon-Kanal am Ufer anzeigen aber kaum auf UKW-Anrufe antworten.

Gent am Samstag

Gent

Wie zuhause geht’s am Samstag zuerst zum Einkaufen. Dann in den Park. Die größte grüne Lunge, zwischen Schelde und Leie, der Citadelpark. Der Stadtpark wurde im Jahr 1875 auf dem Gelände der ehemaligen holländischen Zitadelle von Gent errichtet. Lebhafter Besuch, mit Kind und Kegel.

Zwei Museen gehen heute nicht mehr. Wir vertagen das „SMAK“, ein zeitgenössisches Museum, auf das nächste Mal (bei der Rückfahrt) und entscheiden uns für das „STAM“, das Gen­ter Stadt­mu­se­um – Gent heute, gestern und morgen.

Gent – Day & Night

Gent

Mit dem Rad durch die Stadt. Wir bleiben im historischen Viertel und steuern die „Stadtburg“ an. Das Wetter könnte ein wenig besser sein. Aber es bleibt trocken.

Die Burg Gravensteen (Grafenstein, Gruß an Frank) ist die Burg der Grafen von Flandern. Sie ist eine der größten Wasserburgen Europas. Es ist die einzige erhalten gebliebene mittelalterliche Wasserburg mit einem nahezu vollständig intakten Verteidigungssystem in Flandern.

Zum Glück nehmen wir einen Audioguide. Die sehr kurzweilige Führung wurde von dem Genter Comedian Wouter Deprez (auch in deutsch) eingesprochen und führt uns auf Entdeckungsreise in und um die Burg herum – selten so viel auf einer Führung gelacht.

Am Abend muss noch ein Spätspaziergang her. Besonders sehenswert, Gent bei Nacht. Die ganze Innenstadt wird mit einem ausgeklügelten Illuminationskonzept mit passiver Beleuchtung illuminiert. Sehr schön.

Gent/Gand/Ghent

Gent

Gent (niederländisch], Gand (französisch), Ghent (englisch ), ist die Hauptstadt der belgischen Provinz Ostflandern. Gent entstand aus keltischen Ansiedlungen im Gebiet des Zusammenflusses von Schelde und Leie. Im Mittelalter wuchs Gent durch den blühenden Tuchhandel zu einer der größten und bedeutendsten Städte Europas heran.

Wir sind vom historischen Kern schwer beeindruckt. Sind die Belgier sonst moderner Architektur überaus aufgeschlossen, hier in der Stadtmitte werden die „alten Höhen“ respektiert und die Moderne bis maximal zur Traufhöhe der alten Bürgerhäuser errichtet.

Wir nehmen uns Zeit. Starten zwar mit den Rädern, aber nach kurzer Strecke stellen wir sie ab. Im inneren Kern ist alles fußläufig gut erreichbar und wesentlich besser zu erkunden.
Dem Angebot einer Bootstour durch Gent können wir aber nicht widerstehen. 40 Minuten durch die kleinen Kanäle unter niedrigen Brücken hindurch. Wunderschön und bei traumhaften Wetter.

Auf dem anschließenden Spaziergang durch die Stadt werden wir vor der Sint-Baafskathedraal von zwei Holländerinnen zum einem, in einer dreiviertel Stunde beginnenden Chorkonzert, eingeladen. Der Einladung kommen wir gerne nach. Nochmal „vor die Tür“ eine rauchen und dann ins einstündige Konzert. Die große Kirche ist nur zu einem Viertel gefüllt. Der riesige Chor ist mit hohem Engagement dabei, die Sopranistin ziemlich gut. Die Stunde vergeht im Fluge.

Heute Abend könnten wir noch ein Jazzkonzert besuchen. Es ist uns jedoch zu viel. Schon gestern haben wir darüber gesprochen, dass wir noch mehr „entschleunigen“ müssen – um die vielen neuen Eindrücke nachhaltiger verarbeiten zu können.

Der zweite Teilabschnitt nach Gent

Dendermonde – Gent

Traumwetter. Wir können uns mit der Abfahrt Zeit lassen. Laut Tidentabelle (die Zeiten werden immer ab Antwerpen angegeben) hilft uns die Flut erst ab ca. 11 Uhr um bequem „zu Berg“ zu fahren. Heute ist wenig Frachtverkehr. Sportschiffe begegnen uns nicht. Der zweite Teil unserer Scheldefahrt (Antwerpen – Gent sind insgesamt rund 75 km) dauert trotz „Tide-Schub“ doch vier Stunden.

Unser Wunschhafen ist fast im Zentrum. Wir ahnen, warum Gent auch als das Venedig Flanderns bezeichnet wird. Die Wasserwege werden immer schmaler und in den Abzweigen sind die (festen) Brücken für unsere Höhe unpassierbar. Wir freuen uns auf morgen.

Ein Tag in der belgischen Provinz

Dendermonde

Vom Anleger aus gesehen ist das andere Ufer nicht sonderlich spannend. Unsere Erwartungen an den Ort sind gering und beschränken sich auf ein paar kleine Einkäufe und die Suche nach einem Geldautomaten.

Weit gefehlt. Die Ostflämische Stadt aus dem 11. Jh entpuppt sich als kleines Juwel. Nach der Verwüstung nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges durch das deutsche Militär, das die Stadt in Brand setzte, ist der Stadtkern liebevoll wieder aufgebaut worden. Die Hälfte aller Häuser im Stadtkern wurde 1914 zerstört.

Der Tagesausflugstourismus herrscht vor und wächst. Nach Gent und Oudenaarde ist Dendermonde das drittattraktivste touristische Ziel in Ostflandern. Diese Zahlen stiegen durch den Umzug des Ros Beiaard im Mai 2010 sprunghaft an. Beliebt sind auch die durch Dendermonde laufenden Fahrradrouten, die Ros Beiaard-Route und die Reuzenroute. Dazu später mehr.

Auf der Schelde

Antwerpen – Dendermonde

Pünktlich um 8.00 Uhr machen wir uns startklar um das Willemdock zu verlassen. 8.30 Uhr Londenbrug, eine halbe Stunde später die Siberiabrug. Nun sind wir wieder auf dem Albertkanaal und müssen nur „um die Ecke“ zur Royerssluis. Aber die Schleuse ist von Frachtern stark frequentiert. Eine Schleusung auf die Schelde (von max. vier Frachtschiffen plus X Sportschiffen) dauert eine knappe Stunde. Sportbootanleger gibt es nicht, und so fahren wir mit vier anderen, wartenden Booten ein bisschen verloren auf dem Albertkanal hin und her und versuchen dabei den Frachtern nicht in die Quere zu kommen.

Die Schelde ist ein Tidefluss, also ein Flussabschnitt, der unter dem Einfluss der Tide wechselnden Wasserstand (Ebbe und Flut) hat. Wegen des geringen Gefälles des Flusses reicht der Gezeiteneinfluss 100 km weiter flussaufwärts. Unser nächstes Ziel, Gent, ist ca. 80 km von Antwerpen entfernt. Bei einer maximalen Strömungsgeschwindigkeit von 5 – 6 km/h ist es somit angebracht, die ansteigende bzw. rücklaufende Flut unterstützend zu nutzen.

Da wir durch die Verzögerungen in Antwerpen an den Dock-Brücken und der Schleuse erst zu spät auf die Schelde kommen, können wir staunend fünf Kilometer vor Dendermonde beobachten, wie sich die Strömung umkehrt. Jetzt weiter gegen die Strömung zu fahren ist unklug und wir machen aus der Not eine Tugend und bleiben in Dendermonde.

Sonntag in Antwerpen

Antwerpen

Vor dem sonntäglichen Ausflug ist Hausarbeit angesagt. Wäschewaschen und einmal Hin- und Herparken im Willemdock zum Tanken (das geht morgen früh nicht mehr, weil wir pünktlich starten müssen).

Am Mittag dann am Schelde-Ufer entlang nach „Het Zuid“. Für unser Ziel, dem Middelheimpark hätten wir wesentlich mehr Zeit mitbringen müssen. Aber ein erster Spaziergang macht Freude auf mehr, wenn wir auf der Rückfahrt nach Rotterdam wieder über Antwerpen kommen.