Rosenmontag. Am späten Nachmittag brechen wir nach Maasbracht auf. Lausig kalt und der Wind wird beständig stärker. Im Radio hören wir, dass im rheinischen Karneval Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden müssen (z. B. keine Pferde in den Zügen). Auch bei uns wird es immer ungemütlicher. Und immer wieder kräftige Regenschauer.
Im Hafen in Maasbracht werden wir beim Festmachen richtig nass. Wieder unter Deck wärmt uns ein starker Tee und … die Sonne kommt raus. Aber wir wollen uns nicht beschweren, für Ende Februar/Anfang März hat es das Wetter ziemlich gut mit uns gemeint.
Sonntag in Roermond. Grau in grau, 12 Grad, weitgehend niederschlagsfrei. Unsere zwei Begleiter fahren wieder zurück nach Münster und Berlin. Nachdem wir Tobias zum Bahnhof gebracht haben, trinken wir mit Susanne noch einen Kaffee, dann geht es für sie wieder im IC-Bus nach Düsseldorf und dann mit der Bahn nach Münster. Beide, aber vor allem Tobias, hätten noch weiterfahren können. Waren aber natürlich auch ganz happy, bei der Jungfernfahrt dabei gewesen zu sein. Trotz tiefer Temperaturen.
Wir gehen zurück an Bord, machen etwas „klar Schiff“ und beschließen für eine weitere Nacht im Roermonder Hafen zu bleiben.
Am Morgen wird die längst fällige Schiffstaufe vollzogen. Nur mit „Anker spritzen“ und selbstverständlich nicht am Bug zerschellen. Für die Rückfahrt haben wir uns die Nebenstrecke nach Roermond ausgesucht. Sie ist etwas länger aber viel ruhiger. Tobias hat Premiere als „Mittschiffs-Festmacher“. Picobello. Die komplette Crew nutzt während der Fahrt die Dusche an Bord aus. Einhellige Meinung: gibt nichts zu meckern!
Der Stadthafen von Roermond ist relativ voll. Überwiegend Festlieger, die „Passanten“-Plätze sind bis auf zwei kleine Boote leer. Ich bin ganz hin und weg vom tollen Rückfahrtverhalten unserer Kato. Auf leichte Korrekturen mit Bug- und Heckstrahlruder regiert das Schiff sagenhaft präzise.
Die Mädels und Tobias gehen schnell nochmal shoppen. Den Karnevalstrubel lassen wir links liegen.
Die erste längere Fahrt steht an. Wir wollen nach Venlo. Wir nehmen den Lateralkanaal Linne-Buggenum, der westlich von Roermond direkt nach Venlo geht. Zwei Schleusen, diverse Brücken mit bequemer Durchfahrt. In der Schleuse Heel erster Test des Marifon (UKW). Hier in Limburg wird gut Deutsch verstanden und auch gesprochen. Beide Abfertigungen sehr freundlich und schnell. Aber, natürlich, Einfahrt erst nach der Berufsschifffahrt. Unser Luxus an Bord, AIS Sender und Empfänger (Automatic Identification System). Sehen und Gesehen werden. Wenn wir jetzt noch einen Frachter hinter uns auf dem Schirm sehen, brauchen wir uns an der Schleuse nicht beeilen.
Die gestern angekommene Plotterkarte ist noch etwas gewöhnungsbedürftig, lässt aber bereits die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten erahnen. Und, seit wir die Karte installiert haben, können wir auch das neue Marineradio im Salon prima auf dem Plotter auf der Plicht vollumfänglich bedienen.
Das Wetter ist umgeschlagen. Kalt, regnerisch (Nieselregen), z. T. neblig. Im Stadthafen Venlo sind wir das einzige Schiff. Im Stadtkern steppt der (Karneval-)Bär. Venlo, Roermond und Maastricht sind die Hochburgen. Aber auch die kleineren Orte sind gut dabei. Für Berliner nach wie vor ein Rätsel das Ganze.
Die Kato 2 bleibt bei Linssen im Hafen. Wir holen Susanne in Roermond ab. Sie kommt aus Düsseldorf mit dem IC-Bus der DB, der das Designer Outlet Roermond anfährt (und nicht etwa den Bahnhof im Zentrum!). Da wir schon mal da sind, wird ein kleiner Spontan-Shopping-Zug durchs Outlet gemacht.
Zurück in Maasbracht hole ich die eingetroffene Plotterkarte vom Bootsausstatter ab, als Tobias vom Schiff anruft – Wasser in der Heckbilge! Zwei Techniker sind schnell an Bord und pumpen das Wasser aus. Ursache war ein nicht fest genug angeschraubter Druckwasserschlauch am Klo hinten. Bei dieser Gelegenheit wurde auch in der Bug-Nasszelle noch ein tropfender Abfluss des Handwaschbeckens nachgezogen.
Für die Kojeneinteilung testen wir nun auch das Gästebett im Salon. Es lässt sich schnell und leicht einrichten und ist als Doppelbett gut nutzbar. Also, für kurze Zeit können prima sechs Personen auf der Kato 2 übernachten.
Am Vormittag macht sich Philip ans Werk, unseren Fahrradträger zu montieren. Angekündigt hatte er eine Stunde Arbeitszeit, aber es werden dann doch knapp drei. Viel Lob für die Topp-Arbeit von Herrn Grabow, aber der Teufel sitzt bekanntlich im Detail. Die Bohrungen werden noch mit 2-K-Lack gestrichen und das Einsetzen für die Innenverschraubungen ist nicht ganz einfach. Am Ende sind wir mit seiner Arbeit sehr zu frieden und freuen uns, unsere Räder jetzt perfekt an Bord befestigen zu können.
Wir besuchen einen Bootsausrüster in der Nähe, kaufen 2 zusätzliche Fender, eine Reservegasflasche und bestellen eine Navigationskarte für den Raymarine-Plotter. Die Karte soll hoffentlich noch diese Woche kommen, sonst wird es eng. Nächste Woche ist geschlossen wg. Karneval.
Der Nachmittag wird mit einem Roermond-Ausflug ausgefüllt. Immer noch tolles Wetter. Lebhaftes Treiben in der Stadt. Es macht Spaß, durch die Stadt zu bummeln.
Trotz unangenehm tiefer Nachttemperaturen (8-10 Grad) haben wir fantastisch geschlafen. Tobias holt Brötchen und wir frühstücken ausgiebig. Das Wetter wird immer besser. Die Sonne scheint, und wir freuen uns über 25 Grad oben auf der Plicht. Kein Wunder, die Persenning wirkt wie ein großer Wintergarten.
Unsere erste Alleinfahrt geht auf der Maas südlich bis Ohé en Laak mit einem Abstecher in die „weiße Stadt“ Thorn. Man merkt sofort, dass es noch Februar ist. Keine Schwimmstege und die wenigen Anlegemöglichkeiten tragen alle ein „Parken-verboten-Schild“, welches wir natürlich übersehen. Kurzer Stadtrundgang durch das ebenso völlig verschnarchte Thorn und anschließend ein Imbiss auf dem Schiff.
Mit einem tiefroten Sonnenuntergang geht es zurück in den Linssen Hafen. Am Abend wird der Backofen getestet, Lachsquiche. Ofen funktioniert, Quiche schmeckt hervorragend.
Montagmorgen gegen den Strom der Pendler aus Düsseldorf raus nach Maasbracht. Nach etwas über einer Stunde Fahrzeit pünktlich um 9.45 Uhr bei Linssen vor dem Tor.
Empfang durch Rens, der uns den restlichen Tag begleiten wird. Erste Begehung unseres Schiffes. Mit im Gepäck zwei dicke Ordner voll mit Bediensanleitungen. Geduldige Erklärungen der wichtigsten Funktionen. Vieles ist uns bekannt, aber natürlich ist die Technik auf neuestem Stand. Speziell beim Cockpit schwirrt uns der Kopf.
12.00 Uhr, kleiner Lunchbreak. Dann geht es auf Einweisungsfahrt. Bei schönstem Wetter (Sonne, 20 Grad!) bleiben wir dabei im näheren Fahrgebiet auf kleineren Maasseen. Alle drei Bootsführer bekommen die Gelegenheit das Schiff zu fahren. Zurück im Werfthafen längere Übergabeprozedur der Dokumente.
Gegen 17.00 Ende des offiziellen Teils und Start des Einzugs. Die zwei Container, die wir kurz vor Weihnachten beladen haben, stehen im Hafen bereit. Dazu noch der proppevolle Volvo. Irgendwie bekommen wir auch fast alles an Bord und kämpfen uns durch Kartons, Kisten und Taschen. Ist schon erstaunlich, was so alles in der alten Kato war. Irgendwann fallen wir kaputt in die frisch bezogenen Kojen.
Wie schon auf der Hinfahrt: „Strecke machen“. 9.30 Abfahrt, 19.30 Wolfsburg. Die beiden Schleusen kosten Zeit. Auch am Sonntag ist relativ viel Berufsschifffahrt unterwegs und hat (natürlich) Priorität. Wir starten bei fast windstillen, brütendheißem Wetter. Bei Braunschweig kommt zwar 10 Minuten Regen, aber in Wolfsburg wieder schönster Sonnenuntergang.
Die Strecke bietet nicht viel Abwechslung. Am Kanal viele Sonntagsausflügler. Mit Kind und Kegel, aber vor allem per Rad. In der Autostadt tobt noch der Bär. Auf der Seebühne wird der Night-Act vorbereitet. In dem kleinen Wolfsburger Hafen gehen wir zum „Hafen-Italiener“.
Da wir heute weitergefahren sind, ist auch klar, dass der Verkauf nicht vollzogen wurde (Boot ist den Interessenten zu klein, bzw. zu schmal). So ging es um 11.30 wieder ab auf den MLK.
Ein Fahrtag ohne besondere Vorkommnisse. Um 17.30 waren wir bei dem uns bereits bekannten Yachthafen in Hannover. Es ist bewölkt und ab Nachmittag unangenehm drückend warm. Was nach einem aufziehenden Gewitter aussah, wandelte sich am Abend fast noch in einen ganz normalen sonnigen Sommerabend.