Verdun, Mémorial

Verdun (Fleury-devant-Douaumont/Douaumont)

Mo., 16.08.2021, Ausflug zum Mémorial de Verdun (das 2016 neueröffnete Museum) und zum Ossuaire de Douaumont (dem 1932 eingeweihten Beinhaus). Die Strecke aus Verdun geht in die Anhöhen Richtung Douaumont. Knapp acht Kilometer, mit dem Rad relativ schnell erreichbar.

Die Schlacht von Verdun : 21. Februar bis 18. Dezember 1916. 300 Tage und 300 Nächte lang heftige Gefechte. Eine nicht enden wollende Flut von Granaten und Artilleriefeuer. Eine grauenhafte Bilanz: 300.000 Männer – Deutsche wie Franzosen – haben das Leben verloren. Das Mémorial beeindruckt mit einer neuen Museumspräsentation, die Bildung und Erlebniswelten verbindet und lässt die Besucher mitten in das Geschehen des Ersten Weltkriegs und des deutsch-französischen Schlachtfelds eintauchen.

Wir sind beeindruckt von der Detailversessenheit, der Fülle der Sammlungen und der sehr gelungenen, modernen Aufbereitung dieses grausamen Krieges.

Natürlich machen wir noch einen Abstecher zum 2 Kilometer entfernten Beinhaus. Vor knapp 50 Jahren (Ende Dezember 1972) haben wir schon einmal hier Station gemacht. Zusammen mit Peter (in seinem NSU TT) und Michael waren wir auf dem Weg zu einem Kurztrip von Berlin nach Paris. Die bedrückenden Momente von damals sind uns in Erinnerung geblieben und prägen uns noch heute.

Verdun, Stadt

Verdun

Sa./So., 14./15.08.2021, Hochsommer vom Feinsten. Die Temperaturen steigen auf 35 Grad. Wir bummeln am Wochenende durch die Stadt.

Verdun, die alte Bistums- und Festungsstadt und ihr Umfeld waren 1916 Schauplatz der Schlacht um Verdun, die zu den blutigsten Materialschlachten des Ersten Weltkrieges zählt. Verdun gehörte zu Lothringen und somit seit 925 zum Ostfrankenreich, aus dem das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hervorging. Als Freie Reichsstadt fiel es aber 1552 durch den Vertrag von Chambord mit den Trois-Évêchés als Protektorat und 1648, durch den Westfälischen Frieden, endgültig an Frankreich. Im zweiten Weltkrieg stand die Stadt zwischen Juni 1940 und August 1944 unter Kontrolle der Deutschen Wehrmacht.

Heute lebt Verdun (17.000 Einw.) vor allem vom Dienstleistungssektor: Fremdenverkehr, Verwaltung und Bistum. Der Bevölkerungsrückgang ist (ähnlich Sedan) seit Mitte der 1970er Jahre rückläufig. Allerdings ist der Leerstand und die Armut nicht so deutlich sichtbar wie in Sedan.

Mit Begleitung durchs nächste Kraut. Nach Verdun

Dun sur Meuse – Verdun

Fr., 13.08.2021, der Aufbruch um 9.00 Uhr erfolgt wider Erwarten doch nur zu zweit. Zusammen mit „ma Maîtresse“, einem belgischen Boot, das mit einem Paar in unserem Alter besetzt ist, starten wir in die erste Schleuse. Eine automatische, die perfekt funktioniert. Das hatten wir nach der VNF Vorankündigung so nicht erwartet.

Aber dann. Ab der zweiten Schleuse wird manuell bedient und wir erfahren, dass das nun bis Verdun so bleibt. Stets ein kleines Team für drei bis vier Schleusen, dann wird an ein neues übergeben.

Eine lange Tour. Acht Schleusen und über 50 km lang. Und, es geht wieder durchs Kraut. Hauptsächlich sind es die aufgestauten Teppiche vor den oben liegenden Toren der Schleusen. Manchmal nur ein paar 100 Meter, einige sind kilometerlang. Durchs Kraut fährt natürlich immer die Angst mit, es könnten sich zu viele Algen um Welle und Schraube legen. Bug- und Heckstrahlruder benutzen wir in diesen Abschnitten vorsichtshalber gar nicht mehr. Zusätzlich reinigen wir täglich unseren, oft mit „Salat“ gefüllten, Wasserfilter. Die kanalisierte Meuse streckt sich. Der letzte Teil vor Verdun zieht sich über 20 Kilometer.

Letztendlich scheinen wir es wieder gut bewältigt zu haben. „ma Maîtresse“ hatte Pech. Es kommt weißer Dampf aus dem Auspuff. Im Verdun erzählt er uns, dass er Wasser im Motor vermutet und die Ursache den Algen zuschreibt. Für eine Reparatur steht ihm erst in Toul ein nächstmöglicher Servivebetrieb zur Verfügung. Zusätzlich hat er sich an einer zu niedrigen Schleusenbrücke einige Teile von seinem Geräteträger abrasiert. Bei manchen Brücken (Normalpegel-Durchfahrtshöhe 3,50 m) ist extreme Vorsichtig angesagt. Mit gelegtem Mast kommen wir auf 3,45 m. Wenn das nicht reicht, muss das Cabrio runter.

Das Happy-End des Tages ist ein wunderschöner Anleger mitten in der Stadt und fantastisches Sommerwetter. Strom und Wasser direkt am Boot. Und das Beste, alles kostenlos. Merci Verdun.

Eine „Sauerkraut“-Strecke nach Dun sur Meuse

Stenay – Dun sur Meuse

Do., 12.08.2021, der Hochsommer ist zurück. Start gegen 10.00 Uhr, gleich an der Ortsausfahrt Stenay die erste Schleuse (n° 31), problemlos.

Unerwünschte Abwechslung kommt ab der Schleuse n° 30 auf. Ein VNF-Servicetechniker ist vor Ort und bereits für einen vorausfahrenden Belgier in Aktion. Er begleitet auch unsere Schleusung manuell.

Bei der Ausfahrt landen wir in einem dichten Pflanzenteppich. Schon in der Schleuse war das verringerte Drehen von Bug- und Heckstrahl zu bemerken. Danach gingen sie überhaupt nicht mehr. Auch die Antriebswelle samt Schraube machte beängstigende Geräusche. Das ist das erste Mal, dass wir uns in so einer Situation befinden. Ich male mir schon aus, ins Wasser tauchen zu müssen, um die Schlingpflanzen aus den Schrauben zu schneiden. Tempo runter, hin und wieder anhalten und ein Stück im Rückwärtsgang. Der „Teppich“ lichtet sich nach circa 3 km und wir können alle Schrauben wieder frei fahren. Glück gehabt.

Nächste Schleuse (n° 29), der Belgier vor uns ist nicht mehr zu sehen. Also wir rein und … das System reagiert wieder nicht. Mittlerweile wissen wir, dass für diesen Streckenabschnitt die VNF-Zentrale Verdun zuständig ist. Der telefonisch gerufene Mitarbeiter (war wohl noch in der Nähe) kommt prompt. Auch er ist freundlich und hilft uns schnell durch. Aber, er bereitet uns auf die nächsten Engpässe vor. Wir sollen in Dun sur Meuse übernachten. Morgen um 9.00 Uhr soll es dann weiter gehen.

Die Sonne brennt vom Himmel. Ein Spaziergang in der Hitze ist uns zu anstrengend. Wir suchen den Schatten auf dem Boot. Am Anleger des kleinen Dorfes Dun sur Meuse liegt schon der Belgier, eine relativ große Pénichette kommt hinzu und macht vor der geschlossenen Schleuse Halt. Ganz zum Schluss noch ein viertes Boot. Na, das gibt morgen früh Gedrängel an der kleinen Schleuse, in die nur zwei Boote passen.

Stenay

Sedan – Stenay

Di./Mi. 10./11.08.2021, wir machen ein wenig Strecke. Fünf Schleusen, 41 km, von Sedan nach Stenay. Eine Fahrt ohne besondere Vorkommnisse. Die Automatikschleusen funktionieren so, wie sie sollen. Trotzdem sind wir fast sechs Stunden unterwegs.

Stenay ist ein schöner kleiner Ort (2.500 Einw.), der, wie so viele in dieser Region, arg in Kriegszeiten gelitten hat. Während des Ersten Weltkriegs richtete der deutsche Kronprinz Wilhelm sein Hauptquartier im Schloss der Familie Verdier ein. Von September 1914 bis Februar 1918 hielt er sich dort als Befehlshaber des Armee-Oberkommandos 5 mit seinem Stab auf. Am 11. November 1918 wurde die Stadt wenige Stunden vor dem Inkrafttreten des Waffenstillstands von der 89. Infanteriedivision der USA unter hohen eigenen Verlusten durch das Artillerieabwehrfeuer der deutschen Truppen besetzt.

Auch Stenay gibt sich viel Mühe mit der Tourismusentwicklung zu neuen Impulsen zu gelangen.

Sedan. Schön & schrecklich

Pont à Bar – Sedan

So./Mo., 08./09.08.2021, wie verabredet warten wir am Sonntagmorgen ab 9.00 Uhr auf den VNF-Mitarbeiter. Er kommt, leicht verspätet, und muss jetzt auch an der zweiten Schleuse, direkt am kleinen Hafen, helfen. Das System funktioniert, aber das Tor klemmt. Aus Pont à Bar sind wir die einzigen, die losfahren wollen.

Sedan ist auf der Meuse nur drei Automatikschleusen entfernt. Zwei von ihnen machen uns Kummer. Eine müssen wir bei einem heftigen Platzregen nehmen, die zweite ist „Doppelrot“, das heißt, geschlossen. Wieder ein Anlegemanöver (in einer Kurve, mit Pflock) und Fußmarsch. Auch hier ist ein VNF Mitarbeiter ziemlich schnell da und setzt sie wieder in Betrieb.

Der Anleger in Sedan ist kombiniert mit Caravan- und Campingplatz und bietet nicht sehr vielen Schiffen Platz. Allerdings ist er auch nicht sehr frequentiert. Eine Capitainerie gibt es nicht. Der Hafenmeister wird durch Kartenautomaten ersetzt. Wie seelenlos.

Am Nachmittag noch ein kleiner Ausflug in die Stadt. Sedan (16.000 Einw.) ist, nicht nur aufgrund seiner zwei verheerenden Schlachten (1870 und 1940), eine arg geschundene Stadt. Der Rückgang einer ehemals florierenden Textilindustrie und die generelle Lage in einer strukturschwachen Region machten Sedan heute zu einer der ärmsten Gemeinden Frankreichs. Die Bevölkerung sinkt seit Mitte der 1970er Jahre kontinuierlich.

Einige wunderschön anzusehende Bauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert stehen zum Teil wie Solitäre zwischen profanen Neu- oder verlassenen Altbauten. Der Leerstand ist groß. Seit einigen Jahren investiert Sedan in den Tourismus, wobei das Schloss die Hauptrolle spielt.

Am Montag auf dem Plan: das Château de Sedan. Wir nehmen uns die Zeit, es uns ausführlich anzusehen. Die mittelalterliche Burganlage gilt mit ihren 35.000 m² als eine der größten ihrer Art in Europa. Mit Audioguide ausgestattet ziehen wir die sieben Etagen der Burg rauf und runter.

Die Geschichte kurz gefasst: Um 1424 begann Eberhard II. von der Marck-Arenberg mit dem Bau der Burg (ursprünglich ein Benediktinerkloster). In der zweiten Hälfte des 16. und der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts war sie das Zentrum eines unabhängigen Fürstentum innerhalb der Grenzen Frankreichs. 1642 gehen Schloss und Fürstentum an Frankreich (Louis XIII) und das Schloss wird mehr als drei Jahrhunderte ein militärisches Gebiet bleiben.

Seit 1962 als Denkmal klassifiziert wird die Anlage Zug um Zug als Touristenattraktion ausgebaut, einschließlich eines Schlosshotels samt Restaurant in der ehemaligen Kaserne.

Zum Tanken. Mit Hindernissen.

Charleville-Mézière – Pont à Bar

Sa., 07.08.2021, nächstes Ziel wäre ja eigentlich eine Tagestour nach Sedan. Aber das muss warten, denn wir müssen tanken. Zum ersten Mal in diesem Jahr. Die Tankstellen hier in Frankreich sollte man sehr vorausschauend einplanen, wenn man nicht Kanister schleppen will.

Wir haben von Siegfried in Revin den Tipp bekommen, auf den Canal des Ardennes abzubiegen. Dort kommt nach zwei Schleusen der kleine Ort Pont à Bar mit einer Charterbasis und einer Servicestation mit Tankstelle am Kanal.

Der Kanal wäre auch für uns eine Fahroption in den Großraum Paris oder die Bourgogne gewesen, aber, er ist wegen einer(!) Schleusenreparatur in der Mitte immer noch gesperrt. Nach dem der Kanal drei Jahre lang aufwändig erneuert wurde, hat das diesjährige Hochwasser einen Deich in diese Schleuse gedrückt!

Also, wir unterbrechen unsere Strecke und wollen auf den Ardennenkanal. Doch die automatische Meuseschleuse ist „tot“. Nichts bewegt sich. Auf Anrufe beim VNF meldet sich heute (Samstag) nur der Anrufbeantworter. Wir können auch nicht weiterfahren, da wir uns am Reservelimit mit unserem Tank befinden. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als notdürftig am Meuseufer anzulegen und nach Pont à Bar zu laufen (1,5 km) und um Hilfe zu bitten.

Ein Mitarbeiter der Charterfirma ruft für uns die richtige VNF-Nummer (in Givet!) an und, tatsächlich nach einer knappen Stunde fährt ein VNF-Wagen vor und ein Mitarbeiter schleust uns manuell durch. Wir beschließen, die Nacht in Pont à Bar zu bleiben und verabreden uns mit dem VNF-Mann für morgen 9.15 Uhr, damit er uns wieder „manuell“ auf die Meuse bringt. Es erstaunt uns immer wieder, wie freundlich und hilfsbereit die Menschen hier sind.

In Pont à Bar bekommen wir den Tank gefüllt und sind glücklich.

Letzter Tag in Charleville-Mézières

Charleville-Mézière

Fr., 06.08.2021, an unserem letzten Tag schauen wir noch im Museum der Ardennen vorbei. Im Mix eines gigantischen Heimatmuseums wird eine enorme Bandbreite gezeigt. Das Gebäude verbindet in einem recht großen Gebäudekomplex den Place Ducale mit dem Place Churchill.

Eine große Runde drehen wir noch mit dem Fahrrad. Auf die zweite Insel, Mézières, und im großen Außenbogen an den Maasschleifen entlang zurück zum Anleger.

Une journée avec Arthur

Charleville-Mézières

Do., 05.08.2021, ein Tag mit Arthur Rimbaud (* 20.10.1854 in Charleville; † 10.11.1891 in Marseille), dem französischen Dichter, Abenteurer und Geschäftsmann. Heute gilt er als einer der einflussreichsten französischen Lyriker.

„Ist es möglich, dass ein gerade einmal Neunzehnjähriger sein dichterisches Lebenswerk abschließt, das den Gang der lyrischen Dinge für immer verändern und ganze Epochen oder Stilrichtungen – wie den Expressionismus und Surrealismus – entscheidend beeinflussen wird? Ist es möglich, dass dieser Neunzehnjährige danach sein Schreiben unwiderruflich für den Rest seines Lebens einstellt? Es ist möglich.“ schreibt Rüdiger Görner 2004 einleitend in einem Aufsatz zum 150sten Geburtstag Rimbauds.

Charleville gibt dem größten Sohn der Stadt mit zwei Museen den Raum, den er absolut verdient. Dem Musée Rimbaud in der alten Mühle an der Meuse und dem Maison Rimbaud schräg gegenüber am Quai. Wir besuchen beide Häuser und versuchen dem Phänomen Rimbaud und seinen posthumen „Hommages“, vorrangig in der Malerei, der Literatur und der Musik, ein wenig auf die Spur zu kommen.

Der Einfluss des insgesamt nur schmalen Werkes sowie auch der mysteriösen Figur Rimbauds auf die Dichter des Symbolismus und des Expressionismus ist beträchtlich, auch die Surrealisten mit ihrer Idee des nur vom Unbewussten gesteuerten Schreibens, der écriture automatique, orientierten sich an ihm.

Rimbaud beeinflusste im Einzelnen z. B. Van Morrison, der 1985 den Song Tore down a la Rimbaud veröffentlichte, Bob Dylan, Fabrizio De André, Klaus Hoffmann, Henry Miller, Patti Smith, Richard Hell (Television), Jim Morrison, Penny Rimbaud (Crass), Wladimir Wyssozki, Klaus Mann, Georg Trakl, die Beat-Poeten u. a. – Die Vielfalt über die lange Zeit bis heute ist überwältigend.

Nächster Halt Charleville-Mézières

Monthermé – Charleville-Mézières

Mi., 04.08.2021, weiter geht’s. Nach Charleville-Mézières, dem Hauptort des französischen Départements Ardennes. Wieder eine Mini-Etappe ohne besondere Vorkommnisse. In unserer Richtung sind wir, wie schon gestern, alleine unterwegs. Die Ruhe und Beschaulichkeit der Landschaft zieht uns wieder voll in ihren Bann.

Die Stadt Charleville-Mézières liegt an dem Teil der Meuse, die hier vor dem Eintritt in ihr Durchbruchstal durch die Ardennen vier schon etwas eingeschnittene Flussschleifen geschaffen hat. Die erste und die dritte der von den Schleifen umlaufenen Halbinseln wurden mit Schifffahrtskanälen (und den bekannten kleinen Automatikschleusen) durchstochen. Im nördlichen Teil der folgenden Meuseschleife wurde die Residenzstadt Charleville gebaut, deren Kern bruchlos in jüngere Bebauung übergeht.

Der Port de Plaisance in Charleville ist ein perfekt ausgebauter, riesiger, neuer Hafen. Leider mit ebenso großem Manko, einer viel zu niedrigen Einfahrtsbrücke. Einige Schiffe hat es böse erwischt, die gerade noch unter dieser eingefahren sind und nun – bei immer noch zu hohem Pegelstand – nicht mehr rauskommen. Zum Glück für uns gibt es ausreichend Platz am Außenanleger, der gut mit Strom- und Wasseranschlüssen ausgestattet ist. Hier lagen, eng gepackt vor gut drei Wochen zur Hochwasserzeit, etliche Sportboote in der Kanalsperrphase 13 Tage „gefangen“.

Die Räder kommen mal wieder von Bord und wir machen am Nachmittag eine erste Erkundungsfahrt durch die Stadt. Der erste Eindruck ist durchaus vielversprechend. Morgen werden wir sie uns genauer ansehen.

Mini-Tagestour nach Monthermé

Revin – Monthermé

Di., 03.08.2021, wir lassen uns Zeit beim Aufbruch. Für die kleine Strecke nach Monthermé fahren wir die 20 km ausschließlich durch Automatikschleusen. Auf unserem Weg sind wir, mit Ausnahme einer einzigen Begegnung mit einem Sportboot, allein unterwegs.

Das Wetter ist überwiegend bewölkt mit leichten Sonnendurchbrüchen. Erst am Abend kommt ein kurzer, starker Regenguss. Das Ganze bei knapp über 20 Grad. Die Fahrt durch die kurvenreiche Meuse entspannt ungemein.

Monthermé ist ein schöner Zwischenhalt für eine Nacht. Die kleine Gemeinde im Arrondissement Charleville-Mézières liegt an einer herrlichen Meuseschleife und scheint ebenso wie Revin etwas verschlafen daherzukommen. Auf den Berg sind wir allerdings diesmal nicht rauf; die Luftaufnahme ist ein Archivbild.

Week-end à Revin

Revin

Sa.-Mo., 31.07.-02.08.2021, wir beschließen „unser“ Wochenende bis zum Montag in Revin zu verlängern. Die fantastische Anlage bietet uns alle Möglichkeiten und Annehmlichkeiten. Von Wäsche waschen bis Pétanque spielen.

Am Freitag hatten wir noch ein längeres Gespräch mit Christine und Siegfried Günther. Sie lagen mit ihrer „Vagabond“ ebenfalls im Hafen von Revin. Siegfried ist so etwas wie der „Herr des Referenzblogs“ für Boote unserer Klasse und das bereits seit 2014 (vagabond4you.com)! Wir haben uns für die vielen Tipps in seinem Blog bedankt und hatten Gelegenheit, uns über die aktuelle Situation in Frankreich zu informieren.

Gerade, wenn man keine besonderen Pläne hat, gehen die Tage schnell vorbei. Revin ist eine kleine, unspektakuläre Gemeinde mit 6.000 Einw., einer Kirche aus dem 17. Jahrh. und einem Fachwerkhaus, das Maison d’Espagnole, das heute ein Heimatmuseum beherbergt.

Und zum Schluss gab es noch eine „Allez les Bleus“-Aktion von fünf(!) Polizisten, die die am Montag verbliebenen Schiffe am Anleger kontrollierten.

Durch zwei Tunnel nach Revin

Givet – Revin

Fr., 30.07.2021, Aufregung pur. Gleich nach Givet geht es im französischen Canal de l’Est branche nord (Canal de la Meuse) weiter. Er ist 272 km lang, hat 59 Schleusen und 4 kurze Tunnel. Das heißt, der Lauf der Meuse wird im Wesentlichen eingehalten und mit kurzen Kanalabschnitten verkürzt oder umfahren.

In Holland und Belgien ist die Maas recht breit, die Schleusen sind groß und erst ab Frankreich haben sie das „Freycinet-Maß“ (38,5 m Länge und 5 m Breite). Fast alle Schleusen Frankreichs hatten einmal die gleichen Ausmaße. Die Kanäle 1,80 m Tiefgang und 3,50 m Brückenhöhe, ebenfalls im Freycinet-Maß (Charles Louis de Saulces de Freycinet war von 1877-1879 Minister für öffentliche Arbeit).

Für uns heißt das, die Schleusen sind ungewohnt klein. Einige in keinem sehr modernen, gut gewartetem Zustand und mit Hubhöhen von 2 bis 6 Metern wird die Kammer mit teilweise kräftigem Schwall gefüllt.

Unser Start in die Schleuse „Les Trois Fontaines“, die im Anschluß direkt in den Tunnel von Ham führt, ist noch mit einem Schleusenwärter besetzt, der uns die Eingewöhnung leichter macht (holt unsere Leine zum Poller hoch). Zudem sind wir allein unterwegs.

Die unbeleuchtete Tunneldurchfahrt (565 m) ist mit 6,50 m Breite und 4,30 m Höhe eigentlich kein Problem. Aber das gilt natürlich nur die Fahrbahnmitte. Eine sichere Höhe bei unserer Schiffsbreite von 3,50 m liegt wohl bei 3,20 m bis 3,40 m. Ok, wir demontieren bereits in Givet das komplette Dach und legen vor der Schleuse auch den Mast. Damit haben wir 2,95 m Höhe. Mit eingekuppelten Gang geht es mit 6 km/h schön ruhig in der Mitte – besser als gedacht. Nach dem Tunnel noch eine Schleuse mit Wärter, dann kommen nur noch automatische mit Fernbedienung.

An das „Cabriofahren“ kann man sich gewöhnen. Macht einfach Spaß (bei Sonnenschein) – wäre da nicht der Aufwand des Ab- und Aufbaus. Die Tour am Rand der Ardennen ist wunderschön. Wir fahren Meuse-Schleifen (wie an der Mosel und der Saar) und nehmen auch noch den zweiten Tunnel nach Revin.

In einem, wie man sich erzählt, der schönsten Port de Plaisance an der Maas finden wir in Revin, trotz guter Belegung und ohne vorherige Anmeldung, noch einen Platz.

Nun doch, wir sind in Frankreich

Dinant (B) – Givet (F)

Do., 29.07.2021, Start 10.30 Uhr, durch die Schleuse Ansemme (Dinant Süd) geht es im Sauseschritt durch die weiteren Schleusen in Waulsort und Hastière in Richtung Grenze. Die Fahrt geht vorbei an abwechslungsreicher Landschaft, Felsformationen der Ardennen und nicht zuletzt am außergewöhnlichen Kulturerbe der Wallonie, dem Schloss Freÿr-sur-Meuse.

Wir verzichten auf einen letzten Stopp in Belgien und fahren in die Grenzschleuse „Les Quatre Cheminées“ ein, die auch eine Vignettenstation des VNF ist. Auf unsere Nachfrage, wie es um den weiteren Zustand der Meuse bestellt ist, bekommen wir grünes Licht bis Toul/Nancy. Nur der Ardennenkanal (in den Großraum Paris) bleibt auf nicht absehbare Zeit gesperrt. Übrigens, das Thema Covid wird vom Grenzbeamten überhaupt nicht angesprochen, Tests müssen nicht vorgelegt werden und auch unsere Impfzertifikate bleiben ungezeigt.

Wir kaufen eine 30-Tage-Vignette für 125,10 €, eine Nachbuchung, falls die Tage nicht ausreichen, soll man online über die VNF-Website vornehmen können. Die 30 Tage müssten auf jeden Fall reichen, wenn wir nach Nancy über Metz auf der Mosel nach Luxemburg/Deutschland fahren.

Unser Tagesziel, Givet, erreichen wir wenige Kilometern nach der Schleuse. Es soll nur eine Übernachtung sein, wir wollen ein wenig „Strecke machen“. Die kleine französische Gemeinde (6.600 Einw.) wirkt ein wenig verlassen und das trübe Wetter lässt uns nach einem kleinen Rundgang schnell aufs Boot zurückkehren. Ganz nebenbei, für die Übernachtung zahlen wir in der Capitainerie kuriose 4,44 €.