Cochem im Spätsommer

Traben-Trarbach – Cochem

So.-Di., 12.-14.09.2021, eigentlich sollte es nur eine Minitour von Traben nach Zell werden. Den Heimatort der „Zeller Schwarze Katz“ haben wir aus dem vorigen Jahr noch in guter Erinnerung. Wir sind recht früh in Zell, aber leider sind die wenigen Stadtanleger alle belegt. Da das Wetter prächtig und die Stimmung an Bord gut ist, fahren wir kurzerhand nach Cochem durch.

Auch der Stadthafen in Cochem hat sich nicht verändert. Wohl wissend, dass es im kleinen Hafenbecken keinen Wasseranschluss gibt, wird vor der Einfahrt draußen Wasser gebunkert. Am Innenkai liegen wir weit weg vom einzigen Stromkasten. Also Umparken am nächsten Vormittag. 

Durch die längeren Aufenthalte im Vorjahr sind wir etwas „Cochem-müde“. So ziehen die beiden Renates auf eigene Faust durch die quirlige Mosel-Metropole. Wir nutzen die Fahrräder zum Einkaufen, ansonsten wird auf dem Boot gefaulenzt.

Daheim in „Österreich“

Bernkastel-Kues – Traben-Trarbach

Fr.-So., 10.-12.09.2021, da wir auf jeden Fall sicherstellen wollen, dass der Anleger am Litziger Lay nicht belegt ist, hatten wir uns schon frühzeitig aus Monaise telefonisch bei David angemeldet. Die Etappe von Bernkastel nach Traben-Trarbach ist erneut eine Sonnentour an altbekannten Weinanbaugebieten vorbei ohne jegliche Komplikationen.

Am Freitag erreichen wir den für uns freigehaltenen Anleger an unserem österreichischen Lieblingsrestaurant. Es war fast so, wie wieder nach Hause zu kommen. Im Restaurant sind für den Abend, auch durch eine große Geburtstagsgesellschaft bedingt, alle Tische belegt. Für den Samstagabend ist uns ein Tisch sicher, wir haben einen schönen Abend und die Gelegenheit bis spät in die Nacht mit Ines und David zu plaudern. Die beiden sind von den zwei katastrophalen Hochwassern in 2021 und den Auswirkungen des zweiten Coronajahrs ziemlich geschafft, wollen aber, immer nach dem Motto „schlimmer kann es gar nicht mehr werden“, auf jeden Fall weitermachen.

Monika und Renate spazieren durch Trarbach und kommen mit, nein nicht Wein, sondern mit einem (gift)grünen Pistazienlikör zurück. Beide Renates erkunden dann am Samstag Traben noch ausführlicher während wir uns auf dem Boot eine Auszeit nehmen.

Der Hochsommer ist zurück

Schweich – Neumagen-Dhron – Bernkastel-Kues

Mi./Do., 08./09.09.2021, wir haben uns einen kleinen Fahrplan für die Tour bis Koblenz mit den beiden Renates zurechtgelegt. Von Schweich starten wir in zwei Etappen bis Bernkastel-Kues. Das Wetter ist fantastisch. Richtig Sommer, aber auf dem Wasser nicht zu heiß.

Im Hafen von Neumagen-Dhron hat sich nichts geändert. Die Hafenmeisterin ist unfreundlich bis pampig, die Liegegebühr die teuerste auf der gesamten Mosel/Moselle. Es bleibt ausreichend Zeit für einen kurzen Spaziergang durch den kleinen, ältesten Weinort Deutschlands. Abends wählen wir den naheliegenden „Italiener“ (mit den viel zu großen Pizzen), den wir schon vom vorigen Jahr kennen.

Am Donnerstag eine Ministrecke nach Bernkastel-Kues. Mit dem Vorteil, dass wir fast den ganzen Tag für einen ausgedehnten Ausflug zur Verfügung haben. Monika konnte sich erinnern, dass direkt an der Mosel letztes Jahr ein Boot an einem Einzelanleger eines Hotel und Restaurants lag. Also ran den Anleger und fragen. Volltreffer. Er ist frei und kostenlos („sie würden sich freuen, wenn wir zum Essen kommen“). Bevor wir anlegen, fahren wir noch zum Wasser bunkern in den Hafen im Seitenarm.

Für den Aufstieg zur Burg Landshut gönnen wir uns den „Berg-Express“. Ein alter 911er Mercedes-Allrad-LKW, der die Burgruine in knapp 20 Minuten geräuschvoll aber mühelos erreicht. Die Burgruine steht an der Stelle eines spätrömischen Kastells (4. Jh). 1692 wurde die Höhenburg durch einen unglücklichen Brand zerstört und seither nie wieder aufgebaut. Seit 1920 ist sie im Besitz der Stadt. Der begehbare Bergfried bietet einen herrlichen Ausblick ins Moseltal.

Nach einem ausgiebigen Stadt-(Shopping-)bummel durch den Altstadtkern von Bernkastel lösen wir unser Abendessen-Versprechen beim Hotel „Rosi“ mit einer Runde Pfifferling-Gerichten ein.

Urlaub vom Urlaub

Trier-Monaise – Schweich

Sa.-Di., 04.-07.09.2021, Trier-Monaise ist für uns Urlaub vom Urlaub. Kein Programm, kein Ausflug nach Trier, nur lange schlafen und rumtrödeln. Die größte Aktion ist am Montag noch ein kleiner Bootsputz und ein abendliches Essen beim naheliegenden „Zum Moselaner“. Es wird sich noch bemerkbar machen, dass wir die vor uns liegende Strecke nun innerhalb eines Jahres zum dritten Mal befahren.

Am Dienstag brechen wir nach Schweich auf. Wieder Wartezeit vor der Schleuse Trier, deren zweite, dringend benötigte, Kammer immer noch im Bau ist. Der Rest ist schnell zurückgelegt.

In Schweich ärgern wir uns abermals über die schlechte Hafenorganisation – unser zugesagte Liegeplatz wurde zweimal vergeben. Allerdings waren wir schneller, das folgende Charterboot musste sich in eine enge Box quetschen. Das zum Hafen und Campingplatz zugehörige Restaurant „Am Fährturm“ ist auf Masse angelegt. Ein kleiner Mittagsimbiss war ok, aber wirklich nichts Besonderes.

In Schweich sind wir mit den beiden Renates verabredet, die uns jetzt bis Koblenz begleiten werden. Sie treffen nach einer 11stündigen Bahnfahrt aus Berlin um 20.30 Uhr im Hafen ein. Abendessen an Bord und noch langes Quatschen.

Über Luxemburg nach Trier-Monaise

Metz (F) – Schwebsange (L) – Trier-Monaise (D)

Mi.-Fr., 01.-03.09.2021, wehmütig verabschieden wir uns für dieses Jahr von Frankreich. Die Menschen, die Landschaft, die Ruhe – das jederzeit spürbare Laisser-faire der Franzosen hat uns eingenommen. Obwohl wir noch gute sechs Wochen unterwegs sein werden, träumen wir bereits von einer weiteren Frankreichtour in 2022.

Der erste Streckenabschnitt, Metz – Schwebsange, bringt uns ohne Probleme über 50 km ins Dreiländereck nach Luxemburg. Im recht großen Hafen von Schwebsange wäre eine Voranmeldung gut gewesen. Ein dänischer „Konvoi“ von fünf Booten hatte sich einen großen Teil des Visiteur-Kais gesichert. Aber wir bekommen noch einen Platz. Brauchen wir auch, da wir unbedingt tanken müssen.

Zufall, auf den Tag genau vor einem Jahr waren wir ebenfalls hier. Der Tag ist durch viele Geburtstagstelefonate geprägt, die dann doch mal am Vormittag für einen schönen Radausflug unterbrochen werden müssen. Das steuerfreundliche Luxemburg sorgt für preiswertes Tanken (Diesel 1,23 €/l) und unglaublich billige Zigaretten (sie kosten im Vergleich zu Frankreich nur die Hälfte). Von den zwei Restaurants im Hafen entscheiden wir uns für das kleinere, das Luxemburger Spezialitäten anbietet. Kniddelen (Mehlspeise) und Gromperekichelcher (Reibekuchen/Kartoffelpuffer) waren nur zum Teil super lecker und wir wissen nicht genau, ob es an der Küche oder am Gericht generell lag.

Am Freitag geht’s im Sauseschritt auf der 40 Kilometer langen Grenzmosel nach Trier-Monaise. Bei der telefonischen Voranmeldung müssen wir lange verhandeln bis uns ein Platz zugesagt wird. Wir wollen unbedingt nach Monaise, da im zweiten Hafen, Konz, nur Dalbenplätze (Bug am Steg, Heck an Dalben oder umgekehrt) vorhanden sind und wir so nicht unsere Räder von Bord kriegen. In Monaise hat uns der Hafenmeister eine Lücke am Längsanleger geschoben, in die wir zentimetergenau reinpassen. Ende gut, alles gut.

Metz. Schön, wieder hier zu sein

Metz

So.-Mi., 29.08.-01.09.2021, da wir in Metz schon 2020 für vier Tage waren, beschränken wir uns im diesjährigen Blog auf die Dinge, die wir neu erfahren haben. Für alle, die mehr über Metz wissen wollen, klicken hier, um direkt auf die 2020er Blog-Einträge zu gelangen.

In diesem Jahr sehen wir Metz mit etwas anderen Augen. Es ist so ein bisschen wie die Reise in eine wohlbekannte Ferienwohnung. Der Drang nach „Sehenswürdigkeiten“ ist nicht mehr da. Und um zur Markthalle oder zum Museum zu kommen, muss kein Handy-Navi aufgerufen werden. Es ist einfach schön, wieder hier zu sein.

Highlight ist (wieder einmal) das Centre Pompidou-Metz. Die Ausstellung „Chagall. Le passeur de lumière“ (Überbringer des Lichts) hat am Montag ihren letzten Tag, bevor sie ins Chagall Museum Nizza weiterzieht. Die von Chagall geschaffenen Buntglasfenster sind zum ersten Mal an einem Ort vereint und werden gemeinsam mit einer bedeutenden Zahl von Gemälden, Skulpturen, Keramiken und Zeichnungen aus den Sammlungen des Centre Pompidou, des Musée National Marc Chagall in Nizza, internationalen Museen und Privatsammlungen gezeigt. Wir finden, eine sehr gelungene Ausstellung.

Eine echte Überraschung und überaus spannende zweite Ausstellung im Museum, „Face à Arcimboldo“ (Arcimboldo von Angesicht zu Angesicht) verkörpert den aktuellen Stand der Kunst durch die Augen von 130 Künstlern, die sich bei ihrer Auswahl von dem – vermuteten, unbewussten oder fantasierten – Einfluss leiten ließen, den der lombardische Meister auf ihr Denken und ihre Kunst hatte.

Die Tage in Metz vergehen wie im Flug. Kleine Ausflüge in die Stadt und Einkäufe im Marché Couvert. Es gelingt uns sogar in einem Fachgeschäft eine Backform für Madeleines zu erwerben (als Souvenir und Ansporn, sie zuhause selber zu backen). An unserem letzten Abend in Metz, und damit auch in Frankreich, gehen wir auf Empfehlung des Hafenmeisters in ein gutes, preiswertes Restaurant in der Altstadt, Le Bistrot de G. – excellent!

In einem Rutsch nach Metz

Nancy – Metz

Sa., 28.08.2021, ob wir die Strecke von Nancy bis nach Metz (65 km) in einem Schlag schaffen (wollen), ist bei Abfahrt nicht klar. Ein möglicher Zwischenhalt auf halber Strecke, in Pont-à-Mousson, wird vorsichtshalber mal eingeplant.

Aus Nancy über den Canal de la Marne au Rhin (Ostabschnitt) zurück auf die Moselle. Das zieht sich wieder. Knapp zwei Stunden später sind wir durch. Dann geht es allerdings prima voran. Mal abgesehen von einer längeren Wartezeit an einer Schleuse (auf ein uns folgendes Sportboot). Auf den restlichen Moselschleusen werden wir dann als „Zweierpack“ weitergereicht. Immer freie Einfahrt, wenn wir in Sichtweite der Schleuse kommen. Bis auf einen uns entgegenkommenden Frachter ist kein Schiffsverkehr auf der Moselle feststellbar.

Als wir Pont-à-Mousson erreichen, ist es erst kurz nach 13.00 Uhr und wir beschließen durchzufahren. Um 17.00 Uhr erreichen wir den Port de Plaisance in Metz. Der Hafen ist maximal zur Hälfte belegt. Wir können, wie im Vorjahr, am Seitenanleger festmachen. Der Tag war etwas kühl und sehr unbeständig. Am Abend regnet es. Wir sind froh, dass wir nun einen zusätzlichen Trödeltag in Metz „erfahren“ haben. Unsere Vignettenverlängerung für Frankreich beginnt heute und hat sieben Tage Gültigkeit.

Culture à Nancy

Nancy

Do./Fr., 26./27.08.2021, wir buchen spontan noch einen Tag in Nancy dazu und verschieben unsere Weiterreise auf Samstag.

Unser kleines Kulturprogramm startet am Donnerstag mit den beiden „l’Art Nouveau“-Häusern, dem „Musée de l’École de Nancy“ und der „Villa Majorelle“. Unter den verschiedenen globalen Jugendstilströmungen, die um 1880 entstanden sind, platzierten die Künstler der École de Nancy-Bewegung die Stadt ab Anfang des 20. Jahrhunderts in die Top-Five-Liste europäischer Metropolen. Talentiert, kreativ, originell, vielseitig, Gallé, Majorelle, Prouvé, die Brüder Daum, Gruber, André, Weissenburger (u. v. a.) sind hauptsächlich von der lokalen Flora inspiriert.

Die Villa Majorelle, nur 600 m von der Schule entfernt, ist das Flaggschiff der Jugendstilarchitektur in Nancy. 1902 vom gelernten Möbeltischler und Industriellen Louis Majorelle bezogen, steht sie seit 1996 unter Denkmalschutz. Die Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten gehen derzeit mit der Fertigstellung des zweiten Obergeschosses in die letzte Phase. 2022 soll es komplett wieder für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Am Freitag zum Place Stanislas ins Musée des Beaux-Arts. Die verschiedenen Kunstströmungen des 14. bis 21. Jahrhunderts sind hier vertreten. In den Gemäldesammlungen finden sich Namen wie Perugino, Tintoretto, Caravaggio, Rubens, Delacroix, Monet, Modigliani, Dufy, Picasso u.w. Ein Rundgang führt allmählich hin zu Werken zeitgenössischer französischer bzw. ausländischer Künstler. Bei den Bildhauern trifft man auf Rodin, Maillol, Zadkine, César, Dietman. Die Glassammlung Daum bietet dem Besucher einen Überblick über die hundertjährige Tradition der berühmten Glasherstellung in Nancy.

Nancy, die facettenreiche Herzogsstadt

Nancy

Di./Mi., 24./25.08.2021, um es gleich vorwegzunehmen, Nancy begeistert uns. Die ersten zwei Tage bei strahlendem Sonnenschein geht es kreuz und quer durch die Stadt. Wir haben uns nicht wirklich eine Strategie zurechtgelegt, wie wir für uns Nancy erobern können. Von einer Fahrt mit der Touri-Bimmelbahn mal abgesehen.

Während die Bevölkerung von Nancy nur ca. 105.000 Einwohner beträgt, leben im Arrondissement Nancy ca. 415.000. Bemerkenswert dabei, der hohe Anteil an Studenten. Zwei Universitäten und ein polytechnisches Institut (bestehend aus 10 nationalen Hochschulen) wurden 2011 zu einer einzigen Universität von Lothringen fusioniert. Die 58 Einrichtungen für 60 000 Studenten befinden sich zu 60 % im Großraum Nancy und 40 % in Metz. Kurzum, Nancy ist dynamisch und jung.

Für den Tourismus zählen andere Werte: Nancy, die Hauptstadt der Herzöge von Lothringen, weltbekannt für ihr architektonisches Ensemble aus dem 18. Jahrhundert, welches seit 1983 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt: darunter der Place Stanislas, der Place de la Carrière sowie der Place d’Alliance. Neben dem städtebaulichen Ensemble glänzt Nancy auch mit seinem kulturellen Erbe, denn der französische Jugendstil, die Art-Nouveau-Stilrichtung, hat hier Schule gemacht. 

Wir freuen uns auf Nancy

Toul – Nancy

Mo., 23.08.2021, grau in grau, kühl und Nieselregen. Die rund 35 Kilometer nach Nancy sind etwas tricky – zumindest, wenn man zum ersten Mal diese Strecke fährt. Von den zwei Möglichkeiten, von Toul nach Nancy zu kommen, entscheiden wir uns für die etwas kürzere Nordroute. Also, auf die Moselle, dann zu Tal bis Pompey und zum Abzweig Frouard nach Nancy.

Das Befahren der unterschiedlichen Wasserstraßen ist unproblematisch und wird von den beteiligten Schleusenwärtern freundlich und hilfreich begleitet. Die kurze Strecke auf der Moselle lässt uns tief durchatmen. So gut wie kein Schiffsverkehr und eine himmlische Ruhe. Ein teilweise riesiger Flusslauf fängt uns, trotz Nieselregen, mit einer fantastischen Stimmung ein.

Nach dem Abbiegen auf den Zweigkanal zum Hafen Nancy-Frouard und dem Rhein-Marne-Kanal (Ostabschnitt) erhalten wir an der Schleuse Clévant wieder eine Télécommande. Die letzten Kilometer bis zum Yachthafen Nancy gibt es zwar keine Schleusen mehr, es müssen jedoch (automatisch) Brücken gehoben werden.

Unser Eintreffen am Hafen ist mit ein wenig Zähneknirschen verbunden. Er ist sehr voll und wir werden wieder in eine Box mit „halbem Anlegesteg“ geschickt. Dieses Mal finden wir uns jedoch besser mit der Situation zurecht, zumal die Boxen breiter und die Stege stabiler sind. So können auch die Räder unkompliziert von Bord.

Abhängen in Toul

Toul

Sa./So., 21./22.08.2021, am Samstagvormittag wird erstmal umgeparkt. Vom „Mini“-Ausleger geht es an den Rand des Hafens. Hier können wir die Räder bequem von Bord nehmen und wir liegen auch nicht so dicht – wie die Sardinen in der Büchse – zwischen den anderen Booten.

Die Sonne brennt, ein richtig schöner Sommertag. Da es gestern schon für eine Anmeldung zu spät war, müssen wir das heute tun. Bloß blöd, dass diese am Wochenende nur von 17 bis 18 Uhr besetzt ist. Also fahren wir zuerst mal zum Einkaufen. Danach auf dem Achterdeck faulenzen und um 17 Uhr zur Capitainerie. Wir sind beide vom Vortag noch etwas kaputt und vertagen den kleinen Stadtbummel durch Toul auf Sonntag.

Sonntag lange schlafen und aus dem Frühstück wird ein kleiner Brunch. Es ist grau, deutlich kühler und regnerisch. Das ganz große Gewitter kratzt uns nur mit einem Ausläufer. Um 14.00 Uhr, sagt das Regenradar, ist die Sonne wieder da. Stimmt.

Also, auf nach Toul (15.000 Einw.) Wurde an einer bereits in prähistorischer Zeit bewohnten Stelle durch den gallischen Stamm der Leuker gegründet. 51 v. Chr. von den Römern besetzt. Die Franken beendeten die römische Herrschaft und es begann eine barbarische Zeit mit immer wiederkehrenden Invasionen. Die Stadt wurde mehrmals verwüstet. 1870 im Deutsch-Französischen Krieg von der deutschen Armee belagert, kapitulierte die Festung am 23. September 1870. Im Ersten Weltkrieg fanden hier keine Kampfhandlungen statt. Doch im Zweiten Weltkrieg erlitt im Juni 1940 die Stadt schwere Zerstörungen. 40 % der Altstadt lagen in Trümmern.

Toul heute ist namensgebend für die „Côtes de Toul“, das wichtigste Weinanbaugebiet der ehemaligen Region Lothringen. Die Appelation Côtes de Toul erstreckt sich auf 110 Hektar an den Hängen einer Hügelkette westlich der Stadt. Zugelassen sind die Rebsorten Pinot Noir (Spätburgunder), Gamay und Pinot Meunier (Schwarzriesling) für Rot und Roséweine sowie Auxerrois und Aubin Blanc für Weißwein. Der bekannteste Wein der Region ist der Gris de Toul, ein sehr heller Roséwein.

Nun sind wir schon so lange in Frankreich und machen immer noch den gleichen Fehler: Sonntags geht man nicht in einen Ort! Keine Ahnung, was die Franzosen am Sonntag machen – auf der Straße, in Cafés und Restaurants zeigen sie sich jedenfalls nicht.

Die letzte Etappe auf dem Canal de la Meuse

Commercy – Troussey – Toul

Fr., 20.08.2021, der letzte Fahrtag auf der kanalisierten Meuse. Sollen wir nun lachen oder weinen? Einerseits waren einige Abschnitte fahrtechnisch durchaus anstrengend. An einigen (Fahr-)Tagen haben wir zweimal am Tag den Wasserfilter entleert. Anderseits waren Fluss, Landschaft und besuchte Orte fantastisch. Sicher werden wir erst mit ein wenig Abstand genau wissen, was überwiegt.

Wenn wir heute bei Troussey, wo wir in den Canal de la Marne au Rhin abbiegen, haben wir 272 intensive Kilometer auf dem Canal de la Meuse hinter uns gebracht. Sind durch 59 Schleusen (die insgesamt einen Höhenunterschied von 150 m ausgleichen) und vier Tunnel gefahren. Generell in südlicher Richtung und dem Lauf des Flusses Maas/Meuse folgend.

Bis zum Etappenziel Toul sind es dann noch 18 Kilometer. Unsere Hoffnung auf weniger Algen im Kanal wird nicht erfüllt. Es bleibt grün. An der ersten Schleuse (n° 14) auf dem Canal de la Marne au Rhin, direkt nach dem knapp 900 Meter langen Foug-Tunnel, müssen wir unsere Fernbedienung wieder abgeben. Sie ist ausschließlich für den Canal de la Meuse.

Die letzten 8 Kilometer sind noch 12 Schleusen zu überwinden. Der Schleusenwärter erkundigt sich nach unserem Ziel und schaltet uns die kompletten Schleusen auf „Grüne Welle“. Die extrem dicht aufeinanderfolgenden Schleusen sind bei Eintreffen stets einfahrbereit und von uns nach Einfahrt „per Stange“ zu bedienen. Es stellt sich schnell eine gute Routine ein. Aber das Ganze zieht sich doch ganz schön.

Der Port de Plaisance in Toul ist sehr voll und wir müssen in eine Box, die einen viel zu kurzen Ausleger hat. Beim Anlegen steige ich von Bord, sehe nicht nach unten, und, da ich nicht Jesus bin, versinkt mein linkes Bein bis zur Hüfte im Wasser. Morgen, wenn früh einige Schiffe weiterfahren, suchen wir uns einen besseren Platz.

Im Schneckentempo zu Madeleine

Lacroix-sur-Meuse – Commercy

Mi./Do., 18./19.08.2021, 30 Kilometer Strecke, die uns zu schaffen machen. Die Schleusen (die erste mit Bedienung) funktionieren reibungslos, aber …

… nahezu der komplette Abschnitt geht durch die Algenwelt des Kanals. Wir fahren langsam, sehr langsam. Welle und Schraube machen deutliche Geräusche. Die durchschnittlichen 1,20 m unter Kiel sind voll mit Algen und Pflanzen. Die Schraube betätigt sich als horizontaler Stabmixer. Teilweise gibt unser Tiefenmesser, mangels Resonanzfläche, keine Messwerte mehr ans Instrument.

Unterm Strich ging alles gut. Der kleine Anleger in Commercy ist dicht mit einheimischen Booten. Völlig kaputt und enttäuscht fahren wir 100 Meter weiter und finden zum Glück eine Kaimauer mit Poller. Zwar ohne Versorgung aber direkt hinter einem großen Aldi.

Das Umfeld am Anleger ist ein wenig trist. Aber ruhig. Wir nutzen die Chance, mit dem Einkaufswagen direkt ans Boot fahren zu können und bunkern Getränke ohne Ende. Ein kleiner Spaziergang durch die relativ unspektakuläre Gemeinde (5.400 Einw.) führt uns durch nette Gassen und kleine Plätze.

Das Highlight des Ortes, das Château de Commercy, muss im 18. Jahrhundert ein kleines Traumschloss gewesen sein. Die gigantische Gartenanlage mit einer Burg am Ostende begrenzt, gibt es nur noch auf den Gemälden. Geblieben sind das Schloss mit zwei Flügeln und Ehrenhof, das heute als Rathaus genutzt wird.

Eine Anekdote aus dem Schlossleben:

„Im Jahr 1755 gab Herzog Stanislas Leszczyński, König von Polen im Exil und dank seines Schwiegersohns König Ludwig XV. von Frankreich, ein großartiges Abendessen in seinem bewundernswerten Schloss. Mitten am Abend brach ein Streit zwischen dem Zeremonienmeister und dem Koch aus. Letzterer gab kurzerhand seine Schürze zurück und zog sich unter Mitnahme des Desserts zurück. Das Abendessen und die Lebensfreude der Gäste schienen kompromittiert zu sein. Und der König von Polen lief Gefahr, von ganz Europa verspottet zu werden.

Eine junge Magd, Madeleine Paulmier, schlug vor, ein Kuchenrezept ihrer Großmutter zu backen. Aus Mangel an Besserem war der König gezwungen, zu akzeptieren. Die Festgesellschaft feierte das Gebäck, das in einer so originellen Form daher kam. Der alte Souverän, der den Charme der Jugend schätzte, fragte das Mädchen nach ihren Vornamen und führte ihn galant dem Kuchen zu, wodurch dieses anonyme Mädchen in die Geschichte eingehen und am Ruhm der Stadt teilnehmen konnte. „

So wurde die muschelförmige Leckerei nicht nur das Lieblingsgebäck von Marcel Proust, sondern eine weltweit geschützte Marke, „La Madeleine de Commercy“.

Am Westrand des „Parc naturel regional de lorraine“ nach Lacroix-sur-Meuse

Verdun – Lacroix-sur-Meuse

Di., 17.08.2021, wir sind super pünktlich um 9.00 Uhr an der Stadtschleuse Verdun. Die beiden Schleusenwärterinnen erwarten uns schon. Aus der Schleuse geht es direkt in einen kurzen Tunnel, der den alten Festungswall durchsticht.

Mit der darauffolgenden Schleuse bekommen wir für die heutige Strecke (sechs Schleusen, 30 km) einen festen Begleiter. Wir sind allein aus Verdun gestartet und auch unterwegs begegnet uns kein einziges Schiff. Die Ruhe und die Landschaft lassen uns ins Träumen kommen.

Den „Parc naturel regional de lorraine“ (Naturpark Lothringen) werden wir nun an seiner westlichen Ausdehnung südwärts in zwei Tagesetappen bis nach Toul fahren. Dann, oberhalb von Nancy, nordwärts an der Ostgrenze entlang über die Moselle bis Metz.

Das Tagesziel, Lacroix-sur-Meuse, ist ein kleines Dorf mit einem ordentlichen Anleger (Wasser und Strom). Außer fünf ortsansässigen Booten sind wir die einzigen Anleger. „Programm“ gibt es heute nicht. Wir trödeln, spielen eine Partie Pétanque und lassen es uns gutgehen.