Mo.-Mi., 26.-28.07.2021, das Wetter bleibt wechselhaft, wir leben in die Tage. Kümmern uns um den Haushalt an Bord, lesen und faulenzen, fahren oder spazieren durch die kleine Stadt.
Unter anderem stand ein Austausch der Gasflasche an. Und da war es wieder, unser altes Problem – wo bekommen wir eine neue (für die Reserve) her? Nach langer Fahrradrundfahrt (einen online angezeigten Baumarkt gibt es seit Jahren nicht mehr, ein anderer, am anderen Ende der Stadt, führt unseren Typ nicht mehr) geben wir auf und vertagen das Thema. Schließlich haben wir 4 bis 5 Wochen Zeit, bevor wir erneut wechseln müssen.
Der Trubel in der Stadt findet in Wellen statt. Am Wochenende natürlich der Höhepunkt. Die ersten drei Tage der Woche ist es doch sehr verhalten. Was uns natürlich freut.
Morgen geht es weiter, bis kurz vor die französische Grenze. Dann wird es spannend. Da im Internet die aktuellen Wasserstraßenverhältnisse nicht zu recherchieren sind, erhoffen wir uns vom VNF (Voies navigable de France) direkt an der Grenzschleuse im persönlichen Kontakt eine verbindliche Auskunft. Noch haben wir den Plan bis Toul/Nancy zu fahren nicht aufgegeben.
So., 25.07.2021, wie schon in Namur, so auch hier: am nächsten Tag scheint die Sonne und außer der betroffenen Straße wirkt die Stadt, als wäre nichts gewesen. Das belgische THW, die Feuerwehr und zahlreiche Helfer sind aktiv vor Ort. Dinant ist eine Touristenhochburg und am nicht betroffenen Ostufer findet ein ganz normaler Ausflugssonntag statt.
Also laufen wir mit einem schlechten Gewissen (das es uns so gut geht) auch mal los. Das La Maison de Monsieur Sax ist keine 200 m von unserem Anleger entfernt. Adolphe Sax (*6. November 1814 in Dinant; † 7. Februar 1894 in Paris), ein belgischer Erfinder, Instrumentenbauer und Musiker; er war der Entwickler der Saxhörner und des Saxophons. Das Saxophon ist heute das Markenzeichen der Stadt und als Skulptur überall in der Stadt vertreten. Das Museum ist wirklich sehr klein und in kurzer Zeit durchlaufen.
Mit so einem Erbe versehen legt Dinant nicht nur seinen akademischen Schwerpunkt auf die Musik. Im Sommer (Juli und August) sind die „Dinant Jazz Weekends“ fester Bestandteil seit nunmehr 19 Jahren.
Wir laufen um 14.00 Uhr zum Veranstaltungsort „La Tour de Monsieur Sax“, der relativ kleinen Freilichtbühne, und hören, mit großem Vergnügen, das einstündige, kostenlose Konzert eines hiesigen Nachwuchsquartets. Spontan beschließen wir, die sehr preiswerten (25 € pP) drei Hauptkonzerte zu besuchen. Eine wunderbare Entscheidung. Es wird ein sehr kurzweiliger Nachmittag/Abend (17.00, 19.00 und 21.00 Uhr), der uns viel Spaß macht.
Sa., 24.07.2021, für den ganzen Tag ist Regen angesagt. Zunächst ist das Gegenteil der Fall. Es wird nach einem grauen Morgen immer schöner.
Mittags startet an der Croisette (Uferpromenade in Dinant) die fünfte und letzte Etappe der diesjährigen Tour de Wallonie. 192 km nach Quaregnon, dann holt sich der 20-jährige US-Amerikaner Quinn Simmons (Trek) den Gesamtsieg 2021 und damit seinen zweiten Profisieg.
Bei Dinant (13.000 Einw.) durchbricht die Meuse in einem felsigen Tal die Ardennen. Die Bedeutung Dinants im Mittelalter beruhte auf dem seit dem 12. Jahrhundert blühenden Messinghandwerk. Im Jahr 1466 zerstörten die Truppen von Karl dem Kühnen Dinant. Daraufhin verließen viele Kupfermeister die Stadt, ließen sich in anderen Städten des Maastals nieder oder zogen in Richtung Aachen.
Zum Beginn des Ersten Weltkrieges, am 23. August 1914, wurden 674 Einwohner der Stadt von sächsischen Truppen der kaiserlichen deutschen Armee wegen angeblicher Freischärlerei getötet und 750 Gebäude zerstört (Massaker von Dinant). Erst 2001 erkannte die Bundesrepublik Deutschland ihre moralische Verpflichtung an und bat bei den Nachkommen der damaligen Opfer offiziell um Entschuldigung.
Wir fahren mit der Seilbahn (alternativ zum 1577 in den Fels gehauenen 408stufigen Treppenaufstieg) zur Zitadelle. Zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde als Festung für Verteidigungs- und Schutzaufgaben umfangreich ausgebaut. Ihre Einzelanlagen sind zum Ende des 20. Jahrhunderts rekonstruiert worden und dienen als Museum. Zusammen mit den Zitadellen von Huy und Namur ist die Festung Dinant Teil der so genannten Maas Zitadellen.
Als wir am Nachmittag wieder zurück an Bord sind, ziehen dunkle Regenwolken auf. Um 18.30 Uhr setzt ein starker Gewitterregen ein. Nach 45 Minuten ist der Spuk vorbei. Allerdings mit katastrophalen Folgen. Auf der Westseite der Meuse (wir liegen am Ostufer) stürzen aus den Abhängen Wasser-, Schlamm- und Geröllmassen und bündeln sich in einer Straße. Autos werden zusammengeschoben, die Straße aufgerissen und das Wasser sucht sich seinen Weg zum Teil durch die Häuser in die Meuse.
In der ganzen Stadt gibt es für einige Stunden keinen Strom mehr. Zum Glück für alle Bewohner und Touristen ist er gegen 21.00 Uhr wieder da.
Fr., 23.07.2021, 9.30 Uhr geht es los. In Anfahrt auf die Schleuse wechselt die Ampel von Rot auf Grün – ohne VHF Anmeldung unsererseits. Das Beste, das bleibt so den Tag über. Sechs Schleusen lang werden wir „weitergereicht“.
35 km, die Strecke ist abwechslungsreich. Sind wir in den ersten zwei Schleusen allein, so treffen wir vor der Schleuse „Rivière“ auf, vor uns losgefahrene, bereits wartende Boote. Zwei Wohn-Péniche unter englischer Flagge, die wir aus Namur kennen. In der Kammer liegen sechs Sportboote fest, die Talschleusung lässt sich nicht auslösen. Techniker kommen und nach 1 1/2 Stunden ist der Schaden behoben. Hinter uns kommt noch ein kleineres Boot und somit nehmen wir die nächsten vier Schleusen bis Dinant jeweils im Viererpack.
Das Wetter ist herrlich, allerfeinstes Sommerwetter. Hoffentlich fallen die angekündigten drei Regentage nicht wieder allzu heftig aus.
Einen Anleger (mit Versorgungsanschlüssen) in Dinant zu finden ist, wenn man den Ort nicht kennt, gar nicht so einfach. Einfache Schilder mit „Visiteurs“ wären da sehr hilfreich. Beim Anlegen sehen wir, dass alles gut organisiert ist und die Liegeplätze am Ostufer direkt vor dem Ortskern alle frei sind.
So.-Do., 18.-22.07.2021, alors, es kann weitergehen. Jetzt sind aus unserem geplanten dreitägigen Stopp elf lange Tage geworden. Am Anfang des Hochwassers mit Abenteuer. Gegen Ende mit dem Wunsch, doch bald wieder weiterfahren zu können,
Heute Morgen, Donnerstag, lassen wir es, wie jeden Morgen hier in Namur gemächlich angehen. Gegen 10 Uhr kommt Bewegung in unsere „Liegegruppe“. Und tatsächlich, die ersten Boote brechen zur Schleuse auf. Gegen Mittag sind wir die Letzten (bis auf drei einheimische Boote). Obwohl wir uns auf eine Weiterreise gefreut haben, sind wir zugleich überrascht von der unerwarteten sofortigen Möglichkeit. Kurzerhand vertagen wir unsere Abfahrt auf morgen.
Ein Auffrischen unserer Vorräte steht noch an. Noch mal Wasser bunkern und die Räder wieder an Bord nehmen.
Wir hatten uns ganz gut eingerichtet. Die Wege zum Einkaufen und in die Stadt waren uns vertraut geworden. Das Radfahren in den engen Gassen der Altstadt, die leider nicht autofrei ist, ging immer besser und das Entdecken einiger besonderer Ecken und Sehenswürdigkeiten macht einfach Spaß.
Die Fotos des heutigen Blogs zeigen einen kleinen Querschnitt unserer Aktivitäten der letzten fünf Tage.
Fr./Sa., 16./17.07.2021, wann können wir wohin und auf welchem Weg wohl weiterreisen? Aber der Reihe nach:
Der Regen hat am Donnerstagabend aufgehört. Am Freitag sind wir vorsichtig optimistisch und checken aus dem (schrecklichen) Hotel aus. Nehmen aber vorsichtshalber eine Option für eine zweite Nacht.
Am Boot sehen wir, dass wir fast die Letzten sind, die zurück an Bord gehen. Der langsam fallende Pegel lässt uns, nach einem Rundgang samt kleinem Einkauf, zum Entschluss kommen, ebenfalls zurück aufs Boot zu kehren.
Im Lauf des Tages wird es deutlich freundlicher. Erste einsame Sonnenstrahlen durchbrechen die dünner werdende Wolkendecke. Am späten Nachmittag bemerken wir, dass sich die Wehre mit der sinkenden Strömung ebenfalls neu justieren. Sie bleiben allerdings immer noch einen Spalt offen.
Aufgabe für Freitagnacht: das Boot „mit Spiel“ vertäuen, damit mit dem sinkenden Pegel genug Leine vorhanden ist. Wir beschließen zwei Nachtkontrollen (Ladies first, ich gegen 4.00 Uhr), da im fallenden Wasserstand ein kleiner, ca. 20 cm breiter, Wandvorsprung mit den Fendern „übersprungen“ werden muss.
Samstag werden wir mit Sonne geweckt. Schlagartig haben wir wieder bestes Hochsommerwetter. Verrückt. Die Nacht war ein wenig kurz – aber alles gut überstanden!
Die Meuse hat ihren alten Pegel fast wieder erreicht. Wir fahren von der hohen Kaimauer an der Schleuse zurück an unseren alten Liegeplatz. Da es im Moment überhaupt nicht klar ist, wann und wie es weitergeht, bringen wir auch die Räder wieder an Land. Die Wehre der Écluse de La Plante (Schleuse Richtung Dinant) sind immer noch offen, dementsprechend die Strömung hoch.
Da uns bisher niemand sagen kann, wie es weitergeht, rechnen wir damit, noch einige Tage in Namur festzusitzen. Also, das Beste draus machen. Mit dem Rad durch die Innenstadt, die sich absolut nicht anmerken lässt, das es noch gestern ein Hochwasserchaos gegeben hat. Das herrliche Sommerwetter lässt die Stadt mit Menschen nahezu überquellen. Nur direkt an den Ufern sind die Säuberungs- und Aufräumarbeiten in vollem Gange.
Am Abend kommt noch der Hafenmeister bei allen Booten vorbei, erklärt, dass die Liegegebühren ausgesetzt sind und verteilt noch Gratis-Jetons für Strom und Wasser. Morgen vormittag werden wir mal schauen, ob die Versorgung mit beidem auch technisch schon wieder möglich ist.
Do., 15.07.2021, heute regnet es den dritten Tag. Unser Anleger am Kai säuft langsam aber sicher ab. Gestern Abend wurden wir von einheimischen Bootsfahrern gewarnt, unsere Räder über Nacht auf dem Kai zu lassen. Also, rauf mit den Rädern und einer sehr unruhigen und kurzen Nacht entgegen.
Am Morgen wird klar, hier können wir nicht liegenbleiben. Die Meuse hat mittlerweile eine Fließgeschwindigkeit von 6 km/h und steigt konstant.
Fast alle Kailieger starten zum Liegeplatzwechsel. Die hohe Kaimauer im Zufahrtsbereich der Schleuse ist nur einen Kilometer entfernt und bietet ausreichenden Platz. Das Fahren gleicht einem Slalomlauf zwischen Baumstämmen, Kanistern und jede Menge Unrat. Die Nettogeschwindigkeit gegen den Strom kommt uns bekannt vor. 4 km/h – wie letztes Jahr auf dem Rhein zu Berg.
Nach gelungenem Manöver freuen wir uns über den sicheren Platz vor der Schleuse. Aber …
… zu früh gefreut. Die belgische Polizei kommt vorbei und fordert alle Bootsinsassen auf, sich innerhalb einer Stunde in ein Landquartier (B&B/Pension/Hotel) zu evakuieren. Es wurden für den gesamten Abschnitt Dinant-Liège alle Wehre geöffnet, um einzelne örtliche Überschwemmungen zu verhindern.
Wir buchen ein naheliegendes Hotel, vorerst für eine Nacht. Morgen sehen wir weiter.
Der Montag war schon schlecht, heute ist es noch schlimmer. 18 Grad und strömender Regen lässt uns an Bord verharren. Nur in einer Regenpause geht es schnell mal zum Einkaufen in die Stadt und zur gegenüberliegenden Capitainerie. Wir verlängern unseren Aufenthalt in Namur, da wir gerne noch mehr von der Stadt sehen wollen.
Einziges „Highlight“, ein Besuch der belgischen Schifffahrtskontrolle. Zwei Mann hoch, sehr freundlich, sehr gründlich – aber, natürlich, ohne jegliche Beanstandung. Zum Schluss bekommen wir noch ein Testat (auf einer amtlichen Visitenkarte), das uns jetzt ein Jahr lang vor weiteren Prüfungen bewahrt.
So., 11.07.2021, da wir schon am Mittag angelegt haben und die Sonne herauskommt, machen wir uns noch zu einem Spontanausflug durch die Stadt auf.
Namur ist mit seinen rund 112.000, fast ausschließlich französischsprachigen, Einwohnern die Hauptstadt der Wallonie und der gleichnamigen Provinz.
Eine extrem wechselhafte Geschichte (spanische, niederländische und französische Besatzung) musste die Stadt im Laufe der Jahrhunderte über sich ergehen lassen. Nicht zuletzt war sie in beiden Weltkriegen Hauptangriffsziel und schlussendlich bei der deutschen Ardennenoffensive im Dezember 1944 und bei der Gegenoffensive der US-Truppen an der Frontlinie.
Namur liegt an der Einmündung der Sambre in die Maas, etwa 65 Kilometer südöstlich der belgischen Hauptstadt Brüssel. Der Hafen von Namur befindet sich mitten im dichtesten schiffbaren Wasserstraßennetz der Welt, dem großen Rhein-Maas-Schelde-Mosel-Becken (20.000 Kilometer).
So., 11.07.2021, wir brechen (für unsere Verhältnisse) sehr früh (8.00 Uhr) auf. Wieder eine kurze Strecke (30 Km), zwei Schleusen – trauriges Wetter. Der frühe Start am Sonntagmorgen sorgt allerdings für eine seltsam leere Meuse.
So gut wie kein Frachtverkehr. Und auch Sportboote sind nur vereinzelt unterwegs. Das Passieren der beiden Schleusen (Andenne Seilles und Les Grands Malades) erfolgt im Schnelldurchgang. Da wenig Verkehr, nutzen die Schleusenwärter die Möglichkeit ihre Schleusen nur „halbiert“ („Petit Bassin“) zu betreiben. Hat für uns auch den Vorteil, dass es nur halb so lang dauert.
Der Anleger in Namur, Port de Jambes, ist sehr gut besucht. Wir gehen ans gegenüberliegende Ufer, längst zum Kai. Hier bekommen wir die Räder besser von Bord. Strom- und Wasseranschlüsse sind vorhanden, allerdings nur sehr wenige. Gegebenenfalls müssen wir im Lauf der nächsten Tage noch einmal umparken.
Do.,/Fr., 8./9.7.2021, Huy befindet sich ca. 30 km südwestlich von Liège und gehört mit seinen gut 20.000 Einwohnern ebenfalls der Euregio Maas-Rhein an. Während der Besetzung Belgiens im Zweiten Weltkrieg diente die Zitadelle von Huy den deutschen Besatzern als Internierungslager. Von Juni 1941 bis September 1944 wurden rund 6.000 Belgier, 1.240 Franzosen und mehrere ausländische Zivilisten in der Zitadelle gefangen gehalten, verhört und von hier aus in nationalsozialistische Konzentrationslager deportiert. Der seit 1976 unter Denkmalschutz stehende Zitadellenkomplex beherbergt das „Museum des Widerstands und der Konzentrationslager“.
Der Ortsteil Tihange ist Standort des Kernkraftwerks Tihange. Zusammen mit dem Atomkraftwerk Doel in Flandern werden mit den insgesamt sieben Reaktoren 58 Prozent der elektrischen Energie Belgiens generiert. Ein Ausstieg aus der Kernenergie ist bis zum Jahr 2025 vorgesehen. Allerdings wird der einstige Beschluss immer noch kontrovers diskutiert, mangels der Produktionsmöglichkeiten aus erneuerbaren Energien (derzeit nur ungefähr 10%) und damit nicht zuletzt wegen der Sorge vor einem Stromengpass in Belgien oder gar einem Blackout.
Der kleine Ort, dessen altes Zentrum sich an der rechten Meuseseite befindet, hat durchaus einige pittoreske Gassen rund um den Markt. Unser Interesse gilt zunächst der Zitadelle.
Mi., 07.07.2021, der Tag beginnt mit herrlichem Sonnenschein, wir machen uns auf den Weg. Kurze Strecke, 33 Km, zwei Schleusen. Die Wartezeiten an den Schleusen sind marginal. Nach gut vier Stunden laufen wir in den Royal Yacht Club de Huy, Port de Statte, ein.
Ein schöner, kleiner Hafen mit einer charmanten, sehr freundlichen Hafenmeisterin. Wir beschließen, fürs Erste zwei Tage hier zu bleiben.
Di./Mi, 05./06.07.2021, Einkaufen (Getränke und Lebensmittel) muss sein. Aber mit den Stadtspaziergängen lassen wir uns ohne jegliche Pflichten durch die Stadt treiben. Der Architekturmix von Liège erstaunt immer wieder. Es ist ein unglaubliches Durcheinander der Bauhöhen und Baustile. Wesentliche Teile der Stadt sind im Umbruch und viele Baustellen zeigen, dass man es eilig hat. Ein städtebauliches Konzept ist dabei nicht wirklich zu erkennen. Der Autoverkehr ist auf einigen Achsen erheblich, Fahrradwege sind oder werden angelegt aber so manches liegt noch im Argen. Immerhin, das Miteinander verläuft respekt- und rücksichtsvoll.
Die Altstadt „Le Carré“, rund um die Cathédrale Saint-Paul de Liège, hält wunderschöne, kleine Straßen und Plätze zum Entdecken und Verweilen bereit. Leider spielt das Wetter nicht so richtig mit. Dienstag mit viel Regenschauern und am Mittwoch bläst ein kräftiger Wind.
Unser Fazit, Liège ist durchaus auch für eine kurze Städtereise absolut empfehlenswert.
Sa./So. 03./04.07.2021, am Samstag sind wir aktiv in der Stadt unterwegs, am Sonntag dürfen wir uns dank Gewitter und langen Regenphasen ohne jegliche weitere Verpflichtung dem süßen Nichtstun an Bord hingeben.
La Boverie, ein relativ kleines und wunderschön auf der Meuse-Insel inmitten eines Parks gelegenes Museum. Ein 2010 beauftragter Ausbau und Instandsetzung des ehemaligen Palais des Beaux-Arts, der anlässlich der Weltausstellung von 1905 errichtet wurde. Der Auftakt zur Schaffung des Pols für Bildende Künste der Metropole im Zentrum der neuen städtischen Achse, die Guillemins über die Meuse hinweg mit der Médiacité (eine Mega-Monster-Shopping-Mall) verbindet.
Gezeigt wird eine eine Doppelausstellung von zwei Künstlern der Kunstszene Lüttich: Jean-Pierre Ransonnet (Lierneux, 1944) und Alain Denis (Lüttich, 1947). Ihre seit den 60er Jahren entstandenen Werke gehörten zunächst den Richtungen Konzeptkunst (Ransonnet) und Pop Art (Denis) an. Später hat sich jeder der beiden Künstler aber in sehr unterschiedliche Richtungen entwickelt. Der Bogen der ausgestellten Arbeiten spiegelt ihre Entwicklung von den Anfängen bis in die heutige Zeit umfangreich ab.
Ein Stockwerk des Gebäudes nimmt die Sammlung des ehemaligen Museums der Schönen Künste auf. Lambert Lombardus, Gérard de Lairesse, Ingres, Gauguin, Chagall, Picasso, Evenepoel, Delvaux, Magritte und andere namhafte Maler zeugen von der Modernität der Kunst zu jeder Zeit, von der Renaissance bis heute. Ein Rundgang, der mit einer unglaublichen Vielfalt aufwartet.
Der neue Bahnhof Liège Guillemins steht für den unbändigen Willen, Liège in eine neue Zukunft zu führen. Kommt uns aus Berlin alles sehr bekannt vor. Planungsbeginn 1996, Eröffnung 2009. Mit dem spanisch-schweizerischen Stararchitekten Santiago Calatrava gelingt der große Schlag, der europaweit Aufmerksamkeit findet. Allerdings hat dieses städtebauliche UFO noch heute nur wenig Einbindung in die nähere Umgebung. Die Bauarbeiten einer neuen „Bahnhofscity“ sind noch lange nicht abgeschlossen und erinnern uns stark an die Situation Berlin Südkreuz. Zumal stehen, wie bei uns, voraussehbar die Interessen der jetzigen Bewohner des Viertels an bezahlbarem Wohnraum und der Wahrung des bisherigen sozialen Umfelds gegenüber. Immerhin, per Thalys und ICE ist Liège ins europäische Schnellbahnnetz eingebunden, das Reisezeiten von z. B. einer knappen Stunde nach Köln ermöglicht.