Die Drei-Tage-am-Stück-Strecke

Saint-Dizier – Joinville – Froncles – Chaumont

Fr.-So., 23.-25.06.2023. Nach der Pause in Saint-Dizier wollen wir mal wieder ein wenig Strecke machen. Der Kanal ist noch lang. Die jetzt kommenden drei Abschnitte sind wie eine lange Sonntagnachmittagsbootsfahrt in schöner Landschaft. Still, beruhigend, in ländlichem Gebiet ohne nennenswerte Aufreger, weder auf dem Wasser noch am Ufer.

Wenn man morgens allein in die erste Schleuse einfährt, bleibt es auch für den ganzen Tag so. Schiffsverkehr ist quasi nicht vorhanden. Frachter schon garnicht, Sportboote auch in der Begegnung sehr selten. Häufig dann Segler, die den Kanal als Süd-Nord-Verbindung zum Mittelmeer nutzen.

Freitag, Saint-Dizier – Joinville. 9.30 los, 18.00 Uhr Anleger in Joinville. 31 km, 13 Schleusen. Der Tag beginnt mit einer einstündigen Wartezeit an einer defekten Brücke. Insgesamt müssen wir an diesem Tag drei Mal den VNF um Hilfe bitten.

Der Anleger in Joinville ist nett, kostenlos und mit allen Anschlüssen versehen, die wir aber nicht in Anspruch nehmen. Auf den ansonsten üblichen Ortsrundgang verzichten wir. Der lange Fahrtag und die Hitze machen mir zu schaffen. Gut, dass unsere Vorratskammer bestens gefüllt ist.

Samstag, Joinville – Froncles. 9.30 los, 14.00 Uhr Anleger in Froncles. 25 km, 10 Schleusen. Es ist brütend heiß und wir sind heilfroh, dass wir unser Tagespensum verkürzt haben. Die „Krautpassagen“ nehmen schon wieder zu. Häufig muss im Rückwärtsgang das Kraut von der Welle. Am frühen Abend gibt es dann doch noch einen kleinen Ortsrundgang, ein bisschen Bewegung tut dann doch recht gut.

Sonntag, Froncles – Chaumont. 9.00 los, 14.30 Uhr Anleger in Chaumont. 27 km, 11 Schleusen. Wieder sind wir allein unterwegs. Und genießen es, die Schleusen in unserem eigenen Tempo und Stil durchfahren zu können. Keine besonderen Vorkommnisse.

Die Hitze bleibt, das Kraut stellenweise auch. Erstaunlich dabei, dass unser Wasserfilter nach jedem Fahrtag zwar aussieht wie ein überfüllter Blumentopf – aber das Kühlwasser immer noch stabil fließen lässt. Der Anleger in Chaumont (mit Caravanstellplätzen) ist ok, die Liegegebühren mit rund 10 € die Nacht sehr moderat.

Saint-Dizier. Es wird Zeit für eine große Pause

Saint-Dizier

Sa..-Do., 17.-22.06.2023. Da Saint-Dizier nach der Stadtschleuse für uns überraschend einen sehr langen Kai mit perfekter Versorgung anbietet, parken wir am Samstag erstmal um. Liegegebühren werden nicht erhoben, Jetons für Strom und Wasser werden ebenfalls kostenlos abgegeben. Tolle Voraussetzungen hier eine deutliche Fahrpause einzulegen.

Dizier ist eine mittelgroße Gemeinde (23.000 Einw.) im dünnbesiegelten Nordosten Frankreichs. Auch sie kämpft mit einem heftigen Bevölkerungsrückgang, seit den 1980ern ist sie um ein Drittel empfindlich geschrumpft. Der im Westen dicht an der Stadt gelegene Militärflughafen tut sein übriges, dass es, je nach Windrichtung, schon sehr laut am Himmel werden kann.

Dizier gibt sich sichtbar sehr viel Mühe, die kleine Stadt auch gegen den Trend weiterzuentwickeln. Der neue Bahnhof (TER-Verbindungen) ist ein kleines Schmuckstück. Die neue Markthalle, die sehr gut besuchte Schwimmhalle, das Muse und ein Kulturzentrum am Quai zeugen von dem Glauben an die Gemeinde.

Wir leben die Tage kaum anders, wie zuhause. Ein bisschen Hausarbeit, Einkaufen, Lesen –also, wir lassen es uns einfach gut gehen. Das Wetter ist leicht umgeschlagen. Seit Montag tauchen am Abend Gewitter auf. Tagsüber bleibt es schwül und heiß. Erst mit dem Regen am Donnerstag gehen auch (endlich!) die Tagestemperaturen runter.

Mittwoch, weltweit Fête de la Musique, natürlich auch in Saint-Dizier. Ab dem Nachmittag ist man auf den Beinen. Überall in der Stadt ist Musik. Es herrscht eine sehr heitere, ausgelassene Stimmung. Das Ganze hat Volksfestcharakter. Würde nicht gegen 23 Uhr der Nieselregen in einen starken Regen übergehen, es wäre wohl eine lange Nacht geworden.

Es war eine schöne Zeit hier. Morgen geht es wieder „auf Strecke“.

Ein Kanalabschnitt, der uns viel abverlangt

Châlons-en-Champagne – Goncourt – Saint-Dizier

Do./Fr., 15./16.06.2023. Es geht weiter über den Canal latéral à la Marne bis zum Abzweig auf den Canal entre Champagne et Bourgogne bei Vitry-le-François. Die Strecke bis Vitry zieht sich mal wieder. Die 32 km mit 9 Schleusen lassen sich zwar normal gut bewältigen, jedoch die Sommerhitze und die Eintönigkeit ermüden.

Ein erhoffter Halt in Vitry ist unmöglich. Der Mini-Hafen liegt in einem winzigen Seitenarm, der restlos voll ist und uns zum Rückwärtsfahren zwingt. Die Umgebung ist unterirdisch. Die an der Strecke liegenden Kais sind mit Frachtern belegt. Wir fahren zur nächsten Schleuse, die so versteckt liegt, dass wir sie erst in der zweiten Anfahrt wahrnehmen.

Und tatsächlich, auf einmal sind wir in der Eingangsschleuse des Canal entre Champagne et Bourgogne. Die Prozedur zum Empfang einer neuen Télécommande ist zwar auf einem Hinweisschild beschrieben, wird allerdings mit einer Sprechanlage ausgeführt. Die Übertragungsqualität ist miserabel, natürlich auf Französisch und die „Formularangaben“ elend lang. Egal, nach gefühlten 15 Minuten ist alles erledigt und die Fernbedienung wird vom Automaten freigeben.

Was wird nicht ahnten, wir fahren ins Kraut. Nach drei Schleusen ist Schluss für den Fahrtag. Wir machen zur Übernachtung auf freier Strecke fest.

Am Freitag wird unsere Willenskraft, wirklich diesen Kanal weiterzufahren, auf eine harte Probe gestellt. Das Kraut ist dicht und nur sehr langsam zu durchfahren. Zigmal müssen wir vor- und zurücksetzen um die Pflanzen von der Welle zu kriegen. Erst die letzten Schleusenabschnitte vor Saint-Dizier wird es besser. Wir hoffen sehr, dass es danach wieder einfacher wird.

Streckenverlauf des Canal entre Champagne et Bourgogne

Châlons-en-Champagne

Châlons-en-Champagne

Di./Mi, 13./14.06.2023. Châlons-en-Champagne (45.000 Einw.), Hauptstadt des Départements Marne und ehemalige Hauptstadt (chef-lieu) der bis 2015 bestehenden Region Champagne-Ardenne, die heute zur Region Grand Est gehört. Auch ihre lange Geschichte reicht bis weit in die Römerzeit zurück (Gallia Belgica).

Die durchaus vielfältigen Angebote beschränken wir aufgrund der kurzen Liegeplatzmöglichkeit auf das Auffüllen unserer Vorräte sowie einige Streifzüge durch die Stadt.

So wird ein Besuch des Musée des Beaux Arts et d’Archéologie, mit seinen 130.000 Ausstellungsstücken eines der ältesten Museen Frankreichs, oder die Keller des renommierten Champagner Herstellers Josephe Perrier einem späteren Besuch vorbehalten bleiben.

In zwei Tagestouren von Reims nach Châlons-en-Champagne

Reims – Condé-sur-Marne – Châlons-en-Champagne

Mo./Di., 12./13.06.2023. Es dauert ein bisschen, bis wir die Kanalnamen in diesem Gebiet einigermaßen „gelernt“ haben. Es gilt aufzupassen, wohin wir wollen. Eigentlich nur „immer südlich“. Unser nächstes Ziel ist Châlons-en-Champagne.

Der Fahrtag am Montag endet kurz vor Condé-sur-Marne. Nur zur Übernachtung. Die Strecke zog sich zwar ein bisschen, war allerdings völlig problemlos. Der lange Tunnel „Souterrain Mont-de-Billy“ ließ sich recht einfach passieren.

Am Dienstag dann der zweite Teil bis Châlons-en-Champagne. Zusammen mit einem deutschen Segler sind drei Schleusen und die restlichen 16 km schnell bewältigt.

Der Port de Plaisance in Châlons ist gut belegt. Zum Glück bekommen wir vor den Boxen einen Liegeplatz am Kai. Leider nur für zwei Übernachtungen, dann müssen wir den Platz für eine große Hotel-Peniche freimachen.

Eine Woche Reims (2)

Reims

Di.-Mo., 06.-12.06.2023. Reims gefällt uns richtig gut. Die Stadt ist um eine engagierte Restaurierung seiner alten Strukturen bemüht und weiß auch gleichzeitig neue Architektur gelungen zu integrieren.

Wie schon so häufig, wenn man nicht von früh bis spät auf den Beinen sein will (und kann), es bleiben immer nur einige Eindrücke möglich. Für ein weitergehendes Kennenlernen von Reims sollten wir noch einmal wiederkommen.

Durchaus Highlights, die beiden multimedialen Bespielungen zweier Kirchenfassaden. Die Basilika jeweils donnerstags und freitags, die Kathedrale samstags und sonntags jeweils um 22.45 Uhr für eine gute Viertelstunde. Auch wenn man von Berlin (Festival of Lights) mit wesentlich mehr Einzelorten und einem ungleich größeren Aufwand verwöhnt ist, so erfreuen und überzeugen uns doch diese beiden Vorführungen.

Wir lassen unsere Reimsvisite mit dem Wochenende ruhig ausklingen und setzen unsere Reise am Montagvormittag fort.

Eine Woche Reims (1)

Reims

Di.-Mo., 06.-12.06.2023. Reims ist mit seinen 220.000 Einw. eine wirkliche Perle in der Champagne im Nordosten Frankreichs, etwa 130 Kilometer von Paris entfernt.

Reims ist der Sitz der Unterpräfektur des Arrondissements Reims im Département Marne in der Région Grand Est. Die Stadt ist Sitz eines Erzbischofs und besitzt seit 1971 (wieder) eine Universität. In Reims werden Champagner, aber auch Textilien, Nahrungsmittel sowie Ausrüstungsgegenstände für die Raumfahrt hergestellt. Die Geschichte der Stadt reicht bis in die Zeit vor der römischen Herrschaft zurück.

Zweifelsohne ist der Champagner das Pfund, mit dem in Reims gewuchert wird. Er lagert zum Teil in Kellern und Tunneln, die schon zu Zeiten der Römer in den Kalkfelsen gegraben wurden. Einige der grossen Champagnerhäuser bieten natürlich Besichtigungen und Verkostungen an (De Cazanove, Demoiselle Vranken, Lanson, G.H Martel & Cie, G.H. Mumm, Pommery, Ruinart, Taittinger, Veuve Clicquot Ponsardin). Wir sind noch nicht sicher, ob wir uns so ein Programm gönnen wollen. Erstens weil wir (mit wenigen Ausnahmen) keine Champagnertrinker und zweitens, schon überhaupt nicht, -kenner sind.

Aber auch ohne Champagner gibt es in Reims eine Menge zu entdecken. Die Gegend von Reims ist seit frühester Zeit besiedelt; so finden sich in der Umgebung bronzezeitliche Urnenfelder. Um 80 v. Chr. gründeten die Kelten eine städtische Siedlung (oppidum), die sie Durocorter – „runde Burg“ – nannten. Die Römer latinisierten diesen Namen zunächst zu Durocortorum. Nach der Eroberung durch die Römer im Gallischen Krieg wurde die Stadt in Civitas Remorum umbenannt und war Hauptstadt der römischen Provinz Belgica, benannt nach den Remern, dem hier ansässigen, romtreuen Unterstamm der Belger.

Der letzte Abschnitt des Canal des Ardennes

Rethel – Cormicy – Reims

Mo./Di., 05./06.06.2023. Abfahrt aus Rethel Punkt Neun. Der Konvoi mit den Holländern ist noch mit Einkaufen beschäftigt. Wir finden es gut, allein auf Strecke zu gehen (außerdem passen i.d.R. eh nur zwei Schiffe in die Schleusenkammer).

Es ist eine Fahrt durch die Einsamkeit. Bis zum Ende des Kanals sehen wir, ausser einer ruhigen, schönen Landschaft mit vielen bewaldeten Abschnitten, nichts, was uns groß zum Verweilen animieren könnte.

Anleger sind selten, nette Anleger Mangelware und Anleger mit Versorgung (Strom, Wasser) gibt es überhaupt nicht. Am Ende des langen Tages wird uns nicht ein einziges Schiff begegnet sein.

Der Übergang vom Canal des Ardennes in den Canal latéral à l’Aisne befindet sich bei Vieux-lès-Asfeld. Vom neuen Canal biegen wir allerdings bereits nach wenigen Kilometern in Berry-au-Bac schon in den Canal de l’Aisne à la Marne ein. Dieser Weg eröffnet weitere Verbindungen in den Süden Frankreichs.

Unser Fazit zum Canal des Ardennes (den wir nach 7 Tagen wieder verlassen): Landschaftlich wunderschön, aber auf Dauer ein wenig eintönig. Von den Gemeinden an der Strecke waren wir etwas enttäuscht. Da sind wir von den Orten am Canal du Nivernais oder am Canal de la Meuse deutlich mehr verwöhnt worden.

Am Canal de l’Aisne à la Marne finden wir einen netten Anleger, so dass die Weiterfahrt nach Reims am Dienstag nur noch ein Katzensprung ist.

Durchs Kraut nach Rethel

Attigny – Rethel

Fr.-So., 02.-04.06.2023. Freitag, Minitour bis Rethel. Zwar nur ca. 20 km lang, aber „durchs Kraut“ – also, im Schneckentempo. Zeitweilig sinkt unsere Reisegeschwindigkeit auf unter 5 km/h. Nur vier Schleusen bis Rethel. So gut wie kein Schiffsverkehr. Wetter erstklassig.

Die landschaftliche Schönheit des Kanals tritt in die zweite Reihe zurück. Ein gutes Stück Aufmerksamkeit gilt heute der Fahrrinne. Am Anfang der Strecke sind es nur die Ränder, jedoch geht das Kraut bald über die komplette Breite. Der Tiefenmesser zeigt zeitweilig „-,-„, obwohl unter dem Kiel (wahrscheinlich) noch mindestens 70 bis 100 cm Wassertiefe sind.

Und doch, bei einem entgegenkommenden Boot geraten wir zu sehr in den Uferbereich. Die Schraube „brummt“, wir treiben sehr langsam wieder in die Kanalmitte und müssen durch Rückwärtsfahren erstmal unsere Wasserpflanzensammlung an Schraube und Welle wieder los werden. Die permanente Kontrolle, ob der Kühlwasserfilter noch genügend Durchfluss hat, ist Pflicht. Bis zum Anleger in Rethel schaffen wir es noch, dann ist er randvoll.

Rethel (7500 Einwohner) liegt am Fluss Aisne, sowie am parallel verlaufenden Canal des Ardennes. Der Fluss Saulces, der im Stadtgebiet weitgehend unterirdisch verläuft, mündet hier in die Aisne. Die kleine Stadt hat sogar einen TGV-Halt auf der Strecke Paris-Sedan. Und, in Rethel beginnt die „Voie Verte“ (Grüne Straße, Eifel-Ardennen). Die untere Altstadt hat einige durchaus malerische Ecken und wird durch das prächtige Rathaus und die relativ große kath. Stadtpfarrkirche Saint-Nicolas geprägt.

Unser Anleger hat seine besten Tage hinter sich. Eine lange Kaimauer hält zwar Säulen für Strom und Wasser bereit – aber leider funktionieren sie nicht mehr. Wir liegen hier allein, ein Liegegeld wird nicht erhoben.

Das Tourismusbüro ist schwer zu finden und eine Nachfrage im Rathaus hält nur einen Stadtplan-Flyer für uns parat. Immerhin, mit diesem brechen wir am Samstag zu einem Radausflug zum Belvédère und anschließend bis in die höher gelegenen Randzonen auf. Allerdings finden wir hier nur die leider üblichen „Einkaufszentren auf der grünen Wiese“.

Das Probieren der lokalen kulinarischen Spezialität „Boudin blanc de Rethel“ (eine Weißwurst aus den edleren Teilen des Schweins – Schinken, Schulter, Brustfleisch  und Schweinespeck) müssen wir vertagen. Das einzige Restaurant, die sie anbietet, hatte bei unserem Versuch leider geschlossen.

Der Sonntag ist Lese- und Gammeltag. Und verbunden mit kleinem „Hafenkino“. Ein Konvoi aus fünf holländischen Booten gesellt sich zu uns.

Von der Meuse auf den Canal des Ardennes

Charleville-Mézières – Pont-à-Bar – Le Chesne – Attigny

Di./Do., 30.05./01.06.2023. Die Strecke am Dienstag ist kurz und wird zügig zurückgelegt. Mittags verlassen wir die Meuse, biegen in den Canal des Ardennes ein und legen an der Tank- und Servicestelle in Pont-à-Bar an. Im Büro treffen wir auch Bénédicte wieder. Es ist unser erster Tankstopp in dieser Saison. Verbrauch erfreulich, 3 1/2 l/h – wir sind zufrieden. Wir nutzen die Gelegenheit, noch ein paar Kleinigkeiten fürs Boot sowie zwei fehlende Streckenkarten zu kaufen. Nur ein Gasflaschenaustausch ist hier leider nicht möglich.

Die Vorfreude ist groß, endlich wieder einmal in ein uns unbekanntes Gebiet. Es geht in den Canal des Ardennes. Zwischen 1827 und 1835 eröffnet, stellt er die schiffbare Verbindung vom Maastal zum Marnetal her. Von 1842 bis 1845 kam es zu Verbesserungen, insbesondere durch die Anlage des Stausees und des künstlichen Sees Bairon. Der 88 Kilometer lange Kanal verfügt über 44 Schleusen (37 auf der Aisne-Seite und 7 auf der Maas-Seite) sowie einen Tunnel bei Saint-Aignan. Die Schleusen sind dem Freycinet-Maß angepasst (38,5 m Länge und 5 m Breite, die Kanäle 1,80 m Tiefgang und 3,50 m Brückenhöhe).

Mittwoch: Pont-à-Bar – Le Chesne. Der Kanal führt durch ländliches Gebiet und passiert selten einmal ein Dorf. Die Natur um uns herum ist unglaublich üppig und strahlt eine irre Ruhe aus. In Le Chesne, eine 900-Seelen-Gemeinde, die seit 2016 mit anderen Gemeinden zusammengelegt wurde und nun  „Bairon et ses environs“ heißt, legen wir an. Morgen soll es im Non-Stopp-Verfahren mit der Schleusentreppe weitergehen.

Donnerstag: Vom Scheitelpunkt des Kanals Le Chesne nach Semuy sind auf 9 km 26 Schleusen zu überwinden. Bei der ersten melden wir uns per Télécommande an, alle weiteren agieren automatisch. Im 2er-Team, zusammen mit einem Paar aus Basel, geht es bergab.

Die sogenannte Schleusentreppe ist vollautomatisiert (s. oben in der Karte, die weiße Strecke) und funktioniert bis auf zwei Störungen gut. Bei den Unterbrechungen sind die VNF Techniker stets schnell per Auto zur Stelle. Allerdings stellen wir fest, dass die immer gleichen Abläufe total ermüdend sind und Pausen so gar nicht in den Gesamtablauf passen. Zum Glück geht es zu Tal. Bei dem fast einheitlichen 3 m-Hub ist das Belegen des Pollers wesentlich bequemer, wenn man abwärts fährt. In den Kammerwänden sind keine Befestigungsmöglichkeiten.

So sind wir froh, am frühen Nachmittag die Schleusentreppe überwunden zu haben. Wir legen im nächstmöglichen Ort, Attigny, an. Die beiden Schweizer fahren weiter. Attigny ist Le Chesne sehr ähnlich. Im ländlichen Gebiet der Region Grand Est sind die Gemeinden eher Graue Mäuse und ziemlich unspannend. Die auf einer Anhöhe gelegene Königspfalz Attigny hatte ihre Hochzeit im 8. und 9. Jh als eine der wichtigen Residenzen der karolingischen Kaiser und Könige. Ihr Schicksal: Die Pfalz wurde im Jahr 978 von Kaiser Otto II. niedergebrannt und danach nicht wieder aufgebaut.

Pfingsten in Charleville-Mézières

Joigny – Charleville-Mézières

Fr.-Mo., 26.-29.05.2023. Im Gefühl einer extrem kurzen Fahrt bis Charleville leisten wir uns ein langes Ausschlafen mit einer Abfahrt aus Joigny am späten Mittag. Allerdings haben wir die Rechnung ohne die vor uns liegende „Doppelrot-Schleuse“ gemacht. Eine vorausfahrende Péniche kam noch durch. Bei uns schaltet sie wieder auf Doppelrot, das bergseitige Tor geht nicht zu.

Ein VNF-Techniker kommt nach einer knappen Stunde. Wir fahren nach seiner Reparatur ein – und er fährt wieder weg. Ergebnis: jetzt geht das talseitige Tor nicht zu. Ok, er kann ja noch nicht weit sein. Relativ schnell ist er nach einem erneuten Anruf zurück, wir können schleusen und sind froh, diese Problemschleuse endlich bezwungen zu haben.

In Charleville begrüßt uns ein völlig belegter Außensteg. Ohne das Verdeck zu legen, probieren wir durch die niedrige Brücke in den Innenhafen zu kommen. Und tatsächlich: in der Mitte bleiben uns geschätzt noch 5 Zentimeter freie Höhe. Der große Innenbereich bietet dann freie Wahl, er ist nur spärlich belegt.

Auch Charleville-Mézière hatten wir 2021 ausgiebig erkundet. Neue Entdeckungen stehen somit nicht an. Auf dem Hauptplatz von Charleville, dem Place Ducale, ist über Pfingsten die „Fête de la Bière“ – 130 Biere vom Fass, 50 Brauereien. Der schöne große Patz wird von den Bierzelten unangenehm dominiert. Auch die Musik auf der Hauptbühne ist nicht nach unserem Geschmack.

Zu unserem Bier kommen wir dennoch. Auf der Rückfahrt in einer Seitenstraße an einem alternativen Büchercafé: draußen spielt eine Street-Brass-Band, drinnen gibt es u. a. auch „Cuvée d’Arthur“. Perfekt.

Pfingstmontag ist großer Radausflugtag. In einem weiten Bogen geht es bei herrlichstem Wetter um die beiden Stadtinseln Charleville und Mézières. Ein schickes Geburtstagsessen muss leider verschoben werden. Das ausgewählte Restaurant ist heute geschlossen – so, wie viele andere auch. Überhaupt sind heute beide Stadtteile seltsam menschenleer. Kein Problem, als der Hunger am Größten, war eine nette Pizzeria im Süden von Mézières am Nächsten.

Ruhepause in Revin

Givet – Revin – Joigny sur Meuse

So.-Do., 21.-25.05.2023. Eine Tagesetappe von Givet nach Revin (in den unangefochten schönsten Hafen der Maas/Meuse). Eine Strecke, die mit der 2021er Tour noch das Abenteuer ins Unbekannte (Tunnel mit Cabrio, z. B.) bedeutete.

Kurz nach Givet wird eine große, nicht schiffbare Maasschleife mit dem Souterrain de Ham (einem 565 m langen Tunnel) an der engsten Stelle verkürzt. Im Bogen der Schleife liegen die AKWs von Chooz. Erst seit wenigen Tagen sind beide Reaktoren wieder am Netz. Tja, wie schon gesagt, Belgier und Franzosen haben eine grundsätzlich andere Einstellung zum Atomstrom.

Die Tage in Revin vergehen viel zu schnell. Aufräumen, Einkaufen, Wäschewaschen und etwas Müßiggang. C´est tout.

Donnerstag wollen wir eigentlich bis Charleville-Mézière durchfahren. Aber die letzte Schleuse, Joigny-sur-Meuse, zeigt „Doppelrot“, geschlossen. Da wir keine Lust haben, auf den VNF zu warten, nehmen wir den Anleger in Joigny zum Übernachten.

Von Dinant (B) nach Givet (F) mit Stopp am Château de Freÿr

Dinant – Château de Freÿr – Givet

Sa., 20.05.2023. Früh schwillt der Trubel in Dinant auch am Samstag an. Für uns ist es Zeit, aus Dinant aufzubrechen. Wir wollen, bevor es am Nachmittag nach Frankreich geht, zum Château de Freÿr, das auf dem Weg liegt.

Mit nur einer Schleuse (Anseremme) eigentlich ein Katzensprung. Allerdings brauchen wir für die Durchfahrt fast eine Stunde. Nach dem Öffnen sind wir zwar in der Kammer, dann aber warten wir. Erst auf einen, dann auf einen zweiten und dritten … bis wir endlich zu viert geschleust werden. War eine gute Entscheidung, bereits um 9 Uhr zu starten. So haben wir immer noch die Möglichkeit zur Öffnung von Freÿr um 11 Uhr pünktlich da zu sein.

Es erwartet uns eine kleine Hochburg der Renaissance mit dreihundertjährigen Orangenbäumen. Das Schloss, dessen Gebäude-Ensemble zum Kulturerbe der Wallonie gehört, wird von der Maas gesäumt und ist in eine herrliche, hügelige Kulisse eingebettet.

Das Bauwerk, auf den Ruinen einer ehemaligen, 1554 zerstörten Festung errichtet, war zuerst ein Herrensitz im Renaissancestil, bevor es im 17. und 18. Jahrhundert erweitert und umgestaltet wurde. Diese ehemalige Sommerresidenz der Herzöge von Beaufort-Spontin besitzt ein kultiviertes und multikulturelles Interieur. Ihre harmonischen Salons wurden von den zahlreichen Generationen, die diese Räumlichkeiten bewohnten, möbliert und ausgeschmückt. Die Familie gehört zum lothringischen Uradel und erscheint urkundlich zuerst 1005.

Die Gärten von Freÿr, die durch die Arbeit des Gärtners Le Nôtre beeinflusst wurden, der namentlich in Versailles gewirkt hat, glänzen mit ihrer Schönheit und ihrer perfekten Anordnung. Die 300 Jahre alten Orangenbäumen versetzen uns in Staunen.

Da die Cafeteria im Schloss zwar nett aussah, aber nur aus Getränkeautomaten bestand, haben wir eine ausgiebige Pause aufs Schiff verlegt. Die Grenzschleuse „Quatre Cheminée“ erreichen wir gegen 15.30 Uhr. Eine halbe Stunde später beenden wir unseren Fahrtag im französischen Givet.

Dinant. Zwei Tage als Zugabe

Dinant

Do/Fr., 18./19.05.2023. An Himmelfahrt füllt sich Dinant schon recht früh mit Ausflüglern aller Art. Per Auto, Motorrad, Bahn, Bus, Rad und Boot wird angereist. Die kleine Stadt geht in ein anstrengendes, sehr langes Wochenende. Wir flüchten per Rad am Donnerstag aus der Stadt „aufs Land“.

Im 9 km entfernten Dorf Foy-Notre-Dame gibt es ein großes Nachmittagskonzert in der kleinen Dorfkirche. Man feiert 2023 das 400jährige Bestehen der Kirche. Heute mit einem Konzert unter der Leitung von Alain Crepin. Crepin (*1954) ist ein berühmter belgischer Komponist und Dirigent. Er dirigiert das Kammerorchester Casco Phil aus dem belgischen Mechelen mit zwei hervorragenden Solistinnen:

Mozart – Violinkonzert Nr. 5 A-Dur in drei Sätzen, mit der Violistin Sylvia Huang
J. Haydn – Zweite Symphonie, Casco Phil
A. Glasunow – Konzert für Saxophon & Streichorchester, Asya Fateyeva, und als Zugabe im Solo eine Bach-Kantate.

Ein unglaublich gutes Konzert (für ganz kleines Geld), das wir so in der belgischen Provinz nicht erwartet hatten.

Der Freitag ist ein Einkaufs-, Aufräum- und Blogschreibentag ohne weitere Aktivitäten.