Der zwölfte Tag

Haren – Rütenbrock – Ter Apel

Der Kanal ist offen, wir fahren um 9.30 Uhr los. Die 5 EUR Passage-Gebühr wird beim Schleusenwärter in Haren bezahlt. Die weitere Fahrt mit 4 Schleusen und 12 Brücken begleitet und steuert er per Video. Der Haren-Rütenbrock-Kanal (HRK) ist ein 13,5 km langer Kanal und die einzige schiffbare Verbindung zwischen D und NL nördlich des Rheins. Eigentlich soll er nur mit 5 km/h befahren werden aber der Schleusenwärter meinte, wir sollen nach eigenem Gusto fahren. Trotzdem zieht sich das Ganze natürlich. Wir sehen das ganz entspannt, wir haben Zeit. Die vielen Wartestationen lassen eine schnelle Fahrt eh nicht zu.

Der Tag fängt etwas kühl und wolkenreich an, geht aber Stunde für Stunde wieder in den Sommermodus. In Holland angekommen ist es wieder richtig warm!

Im Hafen „De Runde“ in Ter Apel angekommen, machen wir mit Henk die Formalitäten klar. Heute zu dritt an Bord, dann 3 Wochen Liegezeit bis wir wiederkommen. Zum Superpreis (weniger als die Liegegebühr in Ferch)! Um 18.30 kommt Susanne an Bord, die uns morgen mit nach Münster nimmt. Die Zeit ist schnell vergangen, der letzte Abend auf dem Schiff. Früher war das ein kompletter Jahresurlaub – heute nur der Anfang einer großen Hollandtour.

Der elfte Tag

Haren („Zwangsruhetag“)

War ja klar. Feiertag ist Feiertag, und nicht Fahrtag. Der Kanal nach Holland ist zu. Regen von 9.00 bis 12.00 (wäre somit wohl auch keine erfreuliche Kanalfahrt geworden). Dann klart es auf und wir nehmen die Räder und machen einen Ausflug zum nahegelegenen Freizeitzentrum Schloss Dankern.

Eine riesige Anlage mit Freizeitpark, Ferienhäusern, See und den vielfältigsten Angeboten. Trotz des bescheidenen Wetters recht gut besucht. Vorrangig Familien mit kleineren Kindern, die sich „wie Bolle amüsieren“.

Zurück in Haren. Tote Hose, bis auf ein paar Männergruppen auf dem obligatorischen „Vatertags-Trip“. Den Rest des Tages gammeln wir an Bord und freuen uns auf die morgige Kanaltour.

Der zehnte Tag

Hanekenfähr (Lingen) – Meppen – Haren

Kurze Fahrt (ca. 35 km), aber drei Schleusen. Heute mal ohne vorausfahrenden Frachter. Schon um 14.30 Uhr in Haren in einer sehr großen und schönen Marina gelandet. Schnack mit dem Hafenmeister und großer Ausflug nach Haren. Nettes kleines Städtchen, dem der holländische Einfluss schon deutlich anzusehen ist. Es stehen kleinere Reparaturarbeiten an (achtern ist der morsche Flaggenmast abgebrochen und schwimmt jetzt samt Flagge im DEK). Eine Maststange gibt’s bei Hagebau, inkl. Haken und Mini-Klampe. Die deutsche Fahne im Dänischen(!) Bettenlager (vorrätig wg. WM!). Gestern hatte Monika schon unsere Espressomaschine erfolgreich an Bord repariert, die keinen Kaffee mehr brühen wollte!

Unsere größte Sorge, dass im Internet steht, der Haren-Rütenbrock-Kanal (die Verbindung nach NL) sei an Feiertagen geschlossen. Ist eigentlich ein fester Terminwunsch in unserer Tourplanung. Morgen wissen wir mehr.

Das Wetter ist immer noch ein Traum. Morgen soll’s allerdings regnen.

Der neunte Tag

Münster – Riesenbeck – Rheine – Hanekenfähr (Lingen)

Ein langer Fahrtag. 9.30 bis 21.30. In Münster stattete uns die „Trachtengruppe“, (wie der andere Berliner in der Schleuse so schön bemerkte) wie vor 10 Jahren wieder einen Besuch ab. Aber da die Wasserschutzpolizei nicht mitbekommen hatte, dass wir vom Schleusenwärter bereits freie Schleuseneinfahrt bekommen hatten, kamen sie diesmal nicht an Bord, sondern begnügten sich damit, schnell ihre Standardfragen (ohne Kontrolle auf Richtigkeit) runter zu spulen.

Erstmal 40 km zurück nordwärts, zum Beginn des MLK. Dann kommt die große Schleusenparade auf dem DEK. Immer schön hinter einem trödelnden Tanker. Ein Tag, an den man eigentlich nur „Strecke“ macht.

Das Schlimmste aber, das Nichtvorhandensein von Liegeplätzen. Ab Schleuse Altenrheine gab es keine geeigneten Möglichkeiten mehr. Also weiterfahren. Und an den Schleusen warten. Und weiterfahren. Mit dem restlichen Tageslicht endlich kurz vor Lingen einen Seitenarm mit Anlegern gefunden (Bilder morgen). Todmüde in die Kojen gefallen.

Der achte Tag

Münster (Ruhetag)

Entspannter Tag mit Einkaufen und einem Besuch der Hafenkäserei (vor der wir direkt lagen). Mit dem Rad zu „Sannes-Super-Spa“, mal wieder richtig duschen und relaxen. Die Ärmste musste schon um 4.00 Uhr in der Früh aufstehen um pünktlich bei der Prüfungsabnahme in Lippstadt zu sein. Was sie aber nicht hinderte, uns den Aufenthalt perfekt vorzubereiten.

Nach einem Umzug aus dem Stadthafen zum Monasteria Yachtclub (wir brauchen Wasser und Strom) holt uns Susanne zur Vernissage ab. Meinhard Schulte „himmelwasserland“ in der Kanzlei HLB Dr. Schumacher & Partner, Malerei und Zeichnung. 23 Werke in der Ausstellung, sehr positive Resonanz, und recht vielversprechende Gespräche. Meini ist zufrieden mit der Ausstellung und der Location.

Der siebte Tag

Riesenbeck – Ladbergen – Münster

Eine recht kleine Etappe. Knapp 40 km bis Münster. Direkte Durchfahrt hinter einem Frachter in die Schleuse Münster. Obwohl erst um 10.00 Uhr losgefahren, schon um 14.00 im Stadthafen. Endlich kommen unsere Räder voll zur Geltung.

Nach einem Besuch bei Susanne und anschließend bei Janina, zurück in den Hafen zum gemeinsamen Familienessen. Martin schließt sich an. Meini wartet bereits am Restaurant. Mathilda und Palina im Anhänger. Frank hat leider Dienst.

Eine gesellige Runde, es wird später als gedacht. Morgen sehen wir alle wieder.

Der sechste Tag

Lübbecke – Bad Essen – Bramsche – Hörstel – Riesenbeck

9.00 Uhr, die Vereinsmitglieder des MYC Lübbecke treffen sich zum Arbeitseinsatz. Der vordere Anleger bekommt neue Schutzbohlen, damit die hiesigen Fahrschüler (SBF Binnen Motor) das Anlegen üben können. Und wir fahren los. Es sollte ein Tag werden, an dem so gar nichts (mit dem Schiff) passierte. Gott, wie langweilig.

Bad Essen bietet mit seinem neuen Hafen „Einkaufen der ganz kurzen Wege“. Kurzum, wir nutzten die Gelegenheit literweise Wasser, Wein, und andere Getränke aufzufüllen.

Wieder ein Frühsommertag. Vorbei an einer Regatta-Veranstaltung verließen wir gegen 17.30 Uhr den MLK bei Kilometer Null („Nasse Dreieck“) und biegen in südlicher Richtung in den Dortmund-Ems-Kanal (DEK) in Richtung Münster ab. Bei DEK-Kilometer 105, Riesenbeck, finden wir einen Anleger, den wir uns mit 25 Wohnmobilen „teilen“.

Der fünfte Tag

Hannover – Seelze – Minden – Lübbecke

Von schönstem Sonnenschein geweckt, war Kalle bereits Einkaufen und Brötchen holen. Wir nutzen die Gelegenheit und tanken noch einmal richtig voll. Um 10.00 Uhr geht Käptn Kalle von Bord. Danke für deine tolle Mithilfe, du bist jederzeit wieder herzlich willkommen!

Wenn wir schon mal den Kühlwasserfilter (am Morgen) reinigen: Prompt hatte sich eine Luftblase gebildet, die nach 500 m Fahrt zum rechts ranfahren und Entlüften zwang (Motor heiß). Nun aber los. Bis 12.00 ging alles gut, dann „Neues aus dem Motorraum“: Motor zieht nicht mehr, Qualm im Schiff (Abgase) und Wasser (Kühlwasser) in der Motorbilge. Kleine Ursache, große Wirkung, die Spannringe von der Auspuffleitung waren abgerutscht. Also wieder rechts ran, Wasser schöpfen und Schlauch wieder neu verspannen. Alles in Allem 40 Minuten Zwangspause.

Der Rest des Tages hätte dafür schöner nicht sein können. Je weiter es in den Westen geht, desto mehr wunderschöne Gehöfte am Kanal und herrliche Aussichten. Sonne satt und fast planmäßig um 18.15 Uhr (nach 82 km) in einer sehr schönen kleinen Marina (mit einem Klasse Italiener im Vereinshaus) in Lübbecke.

Der vierte Tag

Wolfsburg – Braunschweig – Peine – Hannover (List)

Eine ziemlich lange Tagesstrecke von 83 km. Bei einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 5,5 kn (10,2 km/h) also ca. 8 Stunden. Bei pünktlicher Abfahrt um 9.00 Uhr somit gegen 17.00 Uhr Eintreffen in Hannover. Eine Rechnung, die natürlich nicht aufgehen konnte, da zwei Schleusen, Sülfeld und Anderten, auf der Strecke liegen.

Je weiter wir in den Westen kommen sind Sportboote nur „lästiges Beiwerk“. Absolute Priorität hat die Berufsschifffahrt. Und so mussten wir bei beiden Schleusen auf Frachter warten, nach denen wir zuletzt in die Schleusen einfahren durften. Fazit: Wir kamen (nach telefonischer Voranmeldung) zwei Minuten vor Dienstschluss des Hafenmeisters in Hannover an, 19.58 Uhr!

Kalles letzten Abend an Bord genossen wir mit Lachstorte, die Monika am Vortag schon vorbereitet hatte, und es gab bei den beiden Kartensüchtigen eine letzte Partie Streitpatience.

Der dritte Tag

Bülstringen – Buchhorst (ehem. GüSt.) – Wolfsburg

Unspektakulärer Streckenabschnitt mit Vorbeifahrt an der ehemaligen Grenzübergangsstelle Buchhorst/Rühen auf dem Mittellandkanal. An der langen Reihe von Anlegestegen ahnt man noch, wie es wohl hier vor der Wende ausgesehen haben könnte.

Zur Erinnerung: Für Fahrgastschifffahrt in der Personenbeförderung bzw. im privaten Bootsverkehr gesperrt! Privatboote im Transit von/nach Westberlin musten auf Frachtschiffe verladen/transportiert (geschleppt) werden. Ein Wahnsinn.

In Wolfsburg Kurzausflug zur Autostadt. Vorbei an der Volkswagen Arena sind es nur ca. 600 m bis man auf dem VW Gelände ist. Eine Monsterausstellung aller Marken des Konzerns und ein Eventgelände. Fast ein wenig aus der Zeit gefallen, wenn man überlegt, dass der automobile Individualverkehr stark im Umbruch ist. Das stört hier aber keinen, hier werden die PS-Boliden noch abgefeiert.

Recht schön, dass der Pavillon „Zeitreise“ die Autos nicht auf VW beschränkt. So konnten wir auch fast unsere alten Autos nochmal in Natura sehen (R4, R16, T2-Bully …). Mein persönlicher Liebling, eine alte Lambretta.

Der zweite Tag

Genthin – Burg – Hohenwarthe – Bülstringen

10.00 Uhr Start in Genthin. Wieder starker Wind, 16 Grad. Das Fahrgebiet wird eintöniger. Kein Vergleich mit den Brandenburger Gewässern. Ab jetzt geht es nahezu nur noch geradeaus.

Direkt hinter einem Frachter konnten wir in die Schleuse Hohenwarthe einfahren. Dank Schwimmpoller muss nur ein Mal belegt werden und es geht 19 m hoch. Als Letzter in der Kammer kam dann beim Rausfahren Panik auf: Die Maschine nahm kein Gas mehr an. Hilfloses Treiben in der Kammer. Doch die Crew reagierte souverän. Auf mein Rufen: „Monika rein, Bodenbretter überm Maschinenraum hoch, Kalle gib‘ mit der Hand am Zug Gas!“ retteten wir die Situation. Über Funk das Problem gemeldet, hatte der Schleusenwart noch beruhigend gesagt „seht mal zu, dass ihr irgendwie rauskommt, dann könnt ihr steuerbord gleich festmachen“.

Gesagt, getan. Eine Mutter hatte sich gelöst, die den Gaszug mit der Gasstange verbindet. Also neue Mutter ran (diesmal mit Kontermutter) – und auf den Schreck ’nen Schnaps.

Die restliche Strecke war dann ohne weitere Probleme. Bis zum Tagesziel Bülstringen in der Abendsonne.

Am Abend noch das recht spannende Champions League Spiel Bayern vs Real. Ohne Happy End für die Bayern.

Der erste Tag

Golm – Paretz – Brandenburg a.d.H. – Plaue – Genthin

Beim Verlassen des Grundstücks drückte mir Inge noch einen Brief vom Segelverband in die Hand. Und, Überraschung: der neue Bootsführerschein war schon da.

Da wir erst mit der U7 und dem RE1 nach Werder anreisen mussten, war an ein Ablegen vor 11.30 Uhr nicht zu denken. Dann ging es aber endlich los. Bei (noch) strahlendem Sonnenschein das erste Teilstück havelabwärts bis Paretz. Langsam wurde es windiger und wolkenreicher.

Bis Vorstadtschleuse Brandenburg hielt sich das Wetter noch, dann zog sich der Himmel zu und es wurde stürmischer. Sofortige (!) Einfahrt in die Schleuse und anschließend über den Silokanal zum Plauer See. Die Überfahrt war von heftigen Windböen und zeitweisem Regen begleitet.

Wassertankstellen sind rar gesät. Und unser verspäteter Aufbruch hat das Auftanken etwas aus dem Fokus genommen. Um so schöner, dass uns der Hafenmeister in Genthin einen Bollerwagen mit drei 25 l Kanistern und eine Schüttelpumpe zur Verfügung stellte. Damit gings zweimal an die Tanke und schon waren 43 € gespart. Na bitte!

Letzte Vorbereitungen

Golm/Potsdam

Das Schiff ist im Wasser. Aber was waren das wieder für anstrengende Tage zuvor. Micha musste noch ein Loch zuschweißen (altes Sumlog raus), die Küchenbilge streichen, neuer Belag für die Plicht verlegen und einiges mehr.

Das Kranen hatte es auch an sich. Erst explodierten die Kranbatterien (durch Kurzschluss) mit gewaltigem Knall – zum Glück hat es Herrn Grabow nur etwas am Arm erwischt – und dann konnte das Schiff nicht mit dem Wagen aus der Lücke geholt werden (die Ausleger waren um 2 cm zu breit). Also den Kran an die Lücke ranfahren und in Millimeterarbeit ins Wasser setzen.

Am Sonntag wird Kalle in froher Erwartung abgeholt. Die Vorräte und das Gepäck geht an Bord. Beim Wasser bunkern waren wir noch guter Dinge bald wieder nach Neukölln fahren zu können, aber dann doch noch Stress beim Ölwechsel mit dem Dieselfilter (Gewinde passte nicht, neuen besorgen – am Sonntag!) und das Wieder-Abpumpen des zu viel befüllten Öls war auch nicht ohne. Dafür ließ sich aber ein guter Platz für die Fahrräder finden.

Kurzum, um 20.30 waren wir wieder in Neukölln, schlafen noch einmal zuhause und stechen morgen früh in See.

Seemanns Braut ist die See …

Berlin, Havel am Großen Fenster

SBF-See-Prüfung, Teil 2, Motor-Fahrprüfung am Großen Fenster am Wannsee. Wieder mit der Segelschule Hering, die mich schon erfolgreich zu den Binnenscheinen und den Funkzeugnissen UBI und SRC geführt hat.

Nach der ungleich schwereren Theorieprüfung am 22.03.18 (brutales Auswendiglernen und Navigationsaufgaben, die nach anfänglichen Einarbeitungsschwierigkeiten zum guten Schluß richtig Spaß gemacht haben), heute nun der wesentlich leichtere Teil.

Knotenprüfung wurde wg. vorhandenem Binnenschein erlassen. Bei trübem Wetter, leichter Brise und 14 Grad waren neben den Standardmanövern lediglich die Basis-Schallzeichen und das Fahren nach Kompass inkl. Kreuzpeilung gefragt. Nach einer knappen Viertelstunde (für zwei Prüflinge) war es auch schon wieder vorbei. Bestanden! Der alte „Lappen“ wurde eingezogen. Die neue, kleine Plastikkarte, die dann alle Scheine beinhaltet, kommt in ca. drei Wochen per Post.

Okay, jetzt sind die Seeschifffahrtsstraßen kein Problem mehr. Ob in Amsterdam queren oder von Stettin – an der Ostseeküste entlang – nach Danzig. Nur das seetaugliche Boot fehlt noch. Schaun mer mal – im nächsten Jahr.