Wir machen „Dörfer-Hopping“. Von Muiden nach Weesp. Eine Ministrecke. Weesp liegt, wie auch schon Muiden, in der Provinz Nordholland. Nur noch etwa 15 km östlich von Amsterdam entfernt.
Wir finden im inneren Bereich keinen freien Liegeplatz mehr und fahren durch die drei Brücken durch die Stadt durch. Gleich hinter der letzten Brücke gibt es einen schönen, ruhigen Liegeplatz. Vor dem letzten Vorrundenspiel von Duitsland machen wir noch einen kleinen Stadtbummel.
Das Spiel war nur schwer anzuschauen. Es fühlt sich an, wie zu seligen Zeiten eines Jupp Derwall. Einfach nur ideenlos.
Zweiter Tag in Muiden. Einziger „Programmpunkt“, das Muiderschloß. Wir betreten das 17. Jahrhundert, die Zeit des berühmtesten Bewohners der Burg Muiderslot: Schriftsteller, Dichter und Historiker P.C. Hooft.
Die Museumsräume sind ausschließlich im Rahmen einer Führung zugänglich, die aber in dem Moment beginnt, wo wir den Hof betreten. Die Gemächer geben ein gutes Bild davon ab, wie die Menschen im 17. Jahrhundert in einer Burg lebten. Ihre Gemälde, Möbel und Utensilien. Wir durchlaufen das Wohn- und Schlafgemach, das Bischofsgemach, die Schlossküche, den Rittersaal und das Prinzengemach. Leben im „goldenen“ Zeitalter.
Die restlichen Räume sind frei zugänglich. Nach einem Kaffee, der uns zum ersten Mal von einer schlecht gelaunten Servicekraft gemacht wird (bisher sind wir ausschließlich(!) sehr freundlichen und höflichen Holländern begegnet), geht es noch ins Wasserschild. Typisch Holland, ein sehr moderner Bau mit Multimedia-Wand und einer Wasserinstallation. Kurzer Stopp beim Falkner und ein Abstecher in den interessanten Kräutergarten – und ab an die Schleuse zum Eisessen.
Das triste Wetter begleitet uns noch den halben Tag. Der Wind hält sich allerdings in Grenzen. Langsam klart es auf. Über die aneinanderhängenden Seen (Eemmeer, Gooimeer) geht es … na, dreimal dürft ihr raten, … wieder übers Ijmeer nach Muiden.
Die Sonne scheint und wärmt Leib & Seele. Und auch der Wetterbericht bringt für diese Woche den Sommer zurück. Wir beschließen spontan, hier zwei Tage zu bleiben. Der kleine 6000-Seelen-Ort hat Charme und das Muidenschloß, eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Niederlande, das wir morgen besichtigen wollen.
Wir verlassen Kampen über die Ijssel und (wieder mal) über eine Ecke des Ijsselmeers. Sehr hilfreich, die neue Fahr-App über GPS. Für nur 7,99 ersetzt es uns die beiden fehlenden Seekarten aus unserem Hollandkartensatz.
Das Wetter ist grau und kalt. Die Strecke langweilig hoch drei, aber wir machen „Strecke“. Die Fahrt geht über Ketelhaven bis Harderhaven. Es kommt uns in gefühlten 3 Stunden nur ein Boot entgegen.
Als wir in Harderwijk einlaufen fängt es an zu regnen. Feiner, gemeiner Nieselregen. Trotz allem machen wir nach der langen Fahrerei noch einen Spaziergang. Nettes Städtchen dieses Harderwijk. Wir beschließen auf der Rückfahrt den Ort vielleicht noch mal mit Sonnenschein zu genießen. Selbst das Dolfinarium (Meerestierpark mit Shows) veranlasst uns nicht, noch einen Tag dranzuhängen.
Mal wieder ein (kleiner) Museumstag. Wir besuchen das Stedelijk Museum Kampen (Städtisches Museum Kampen). Dass in Kampen hinsichtlich Geschichte nicht gekleckert, sondern geklotzt wurde, zeigt das Museum mit vier Hauptthemen: Wasser, Religion, Recht und das Haus Oranien. Die Abteilung Wasser dokumentiert die alte Hanse, den Aufstieg und Fall der Hansestadt und den Anstieg des Meeresspiegels in unserer Zeit. Das „Recht“ findet sich hervorragend im alten Gerichtssaal und kleinen Nebenräumen untergebracht. Und das „Huis van Oranje“ wird mit überlebensgroßen Porträts aller König*innen (und der unendlichen Liebe der Holländer*innen zu ihrem Königshaus) dargestellt.
Eine Sonderausstellung einiger Werke von Jeroen Henneman erinnerten uns stark an M.C. Escher, dessen Werke wir in Leeuwarden gesehen haben. Der Besuch in der ehemaligen Synagoge war dann nicht mehr sehr ergiebig. Die Bilder von Willem den Ouden rissen uns nicht vom Hocker und die Erinnerungen an die Kampener Juden sehr sparsam.
Nachtrag: „Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei“ – bis zur 94. Minute. Na, noch mal Schwein gehabt.
Kampen ist eine ehemalige Hansestadt in der Provinz Overijssel mit 34.000 Einwohnern. An der IJssel, dem nördlichsten Mündungsarm des Rheins in die Nordsee (sie zweigt bei Westervoort in der Nähe von Arnheim vom Nederrijn ab und mündet bei Kampen in das IJsselmeer).
Im Passatenhaven haben wir keinen Liegeplatz mehr gefunden und mussten in den benachbarten Bootshafen (an die Kaimauer) ausweichen. Wir erledigen zuerst unsere notwendigen Einkäufe. U. a. mit Vla, dieser typisch niederländischen Süßspeise (nicht zu verwechseln mit dem spanischen Flan) ist Pudding ähnlich – aber sämig und nicht fest – und kommt in vielen Geschmacksrichtungen daher. Wir entscheiden uns für „Duppel Vla“, Vanille und Schokolade. Kann man/frau sich dran gewöhnen!
Am Abend haben wir uns zum ersten Mal mit unseren weiteren Tourplänen beschäftigt. Eigentlich dachten wir, wir hätten Zeit ohne Ende. Pustekuchen. Wir müssen uns überlegen, ob wir nach Südholland wollen (Limburg, zu der Werft unseres Begehrens) oder nach Amsterdam, um dann langsam an eine passende Rückstrecke zu denken. Beides geht nicht. Wir entscheiden uns für Amsterdam.
Lemmer – Emmeloord – Marknesse – Zwarte Meer – Kamperzeedijk-West
Kurzer WM-Exkurs: Obwohl nicht bei der WM, interessieren sich doch ziemlich viele Holländer für die Spiele. NPO 1, ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender bringt alle Spiele, mit Vor- und Nachberichterstattung in Expertenrunde. Und in vielen Kneipen laufen die Spiele auf dem Großbildschirm. Das hatten wir auf unserer Hollandtour 2006 schon ganz anders. Damals schied Holland im Achtelfinale aus und ab da interessierte sich kein Schwein mehr für den Rest der WM.
Mit der Ausfahrt aus Lemmer verlassen wir Friesland und fahren in die Provinz Flevoland ein. Die zwölfte und jüngste Provinz der Niederlande besteht fast ausschließlich aus Land, das erst im 20. Jahrhundert dem IJsselmeer abgewonnen wurde. Wir müssen einen Mini-Bogen übers Ijsselmeer fahren und werden von einem Kailieger vor Starkwind gewarnt. Geben zu erkennen, dass wir nicht zum Meer wollen sondern gleich zur Schleuse nach Emmeloord abbiegen. Darauf bekommen wir einen Daumen nach oben.
Dass uns der Starkwind auch im Inland zu schaffen macht, spüren wir bald darauf. Beim Warten auf Brücken und Schleusen tanzt unsere Kato im Wartebereich. Einige Brücken bei Emmeloord können wir auch geschlossen passieren (Durchfahrthöhen 2,50 m).
Die Überfahrt übers Swarte Meer und vor allem die schmale Querfahrt an der Südseite wird zur Belastungsprobe. Starkwind von steuerbord. Der Kahn krängt heftig und Monika hängt sich mittschiffs zur Entlastung (wie auf einem Segelboot) auf Luv. Als wenn das nicht schon genug wäre, erwischt uns noch ein Regen- und Hagelschauer. Wir geben völlig durchnässt auf und fahren einen Dreier-Anleger mitten in der Pampa an. Fast vor der Tür eines Bauernhofes.
Wir versuchen, unsere leeren Wasser(plastik)flaschen loszuwerden. Das klappt hier in Holland nur sehr schlecht. Jumbo, Albert Hein, Lidl usw. nehmen nur ihre eigenen Marken zurück. So kehren wir von jedem Neukauf immer wieder mit Leerflaschen zurück, deren Ursprung wir uns nicht gemerkt haben. Plastikcontainer sind ebenfalls Mangelware.
Dann geht’s aufs Rad. Am Lemster Strand vorbei, der wirklich riesig ist, zum Woudagemaal im Dorf Tacozijl. Das größte niederländische Wasserbauprojekt des 20. Jahrhunderts, als dessen Folge unter anderem das IJsselmeer als ein Restmeer übrigblieb und die neue Provinz Flevoland aus dem Meer emporstieg. Es ist das größte und einzige noch arbeitende Dampfpumpwerk der Welt. Die Station kann 6 Millionen m³ Wasser pro Tag abpumpen. Das ist in zwei Tagen der gesamte Inhalt des Snekermeers.
Über ein großes InfoCenter können Rundgänge im Pumpwerk gemacht werden. Aber nur mit einer Begleitperson, die abwartet bis sich kleinere Besuchergruppen angesammelt haben. Heute ist der Besuch eher spärlich und so dauert es eine Weile bis wir los können. Die Führung ist in holländisch. Gut, dass wir uns gestern schon eine App der Führung auf deutsch aufs Handy geladen haben. Ein beeindruckendes Industriedenkmal, das noch zweimal pro Jahr (oder bei Hochwasserkatastrophen) in Betrieb genommen wird.
Auf der Rückfahrt kommt mal wieder die Sonne so richtig raus. Aber 23 Grad Luft- und geschätzte 16 bis 18 Grad Wassertemperatur laden noch nicht wirklich zum Baden ein.
Am Freitag, Samstag und Sonntag sind „Lemster Visserijdagen“. Wir befürchten viele „Attraktionen“, wenig Fischmarkt und viel Gedränge auf kleinem Raum. Also werden wir unseren Liegeplatz morgen Richtung Emmeloord verlassen.
Das Wetter ist grau in grau. Zeitweise leichter Nieselregen. Aber wir wollen ein Stück weiter fahren. Mit leichter Brise geht es über das Tjeukemeer (in den heutigen Fotos ist ein schönes von gleicher Stelle aus 2006) und über den Prinses-Magriet-Kanal nach Lemmer.
Der 10.000-Seelen-Ort an der Südgrenze der Provinz Friesland ist in den Sommermonaten ein sehr belebter Badeort. Direkt am IJsselmeer gelegen zieht die kleine Hafenstadt viele Touristen aus den gesamten Niederlanden an. Dieses „Sylt-Feeling“ spiegelt sich natürlich auch in den Preisen der vielen Restaurants am Stadtkanal wider. Das Örtchen selbst hat einen sehr kleinen Stadtkern, der schnell fußläufig abgearbeitet ist.
Eine kleine Fahrradtour entfernt liegt ein Unesco Weltkulturerbe: die Ir. D. F. Woudagemaal. Die größte Dampfpumpstation, die jemals gebaut wurde, steht seit 1998 auf der UNESCO Liste. Die werden wir uns morgen anschauen.
Ein neuer, unaufgeregter und ruhiger Tag. Eine kleine Strecke von Heerenveen an den Südrand des Tjeukenmeers (nächstes Ziel Lemmer, aber nicht in einer Tagestour). Der letzte Ort vor dem See ist Echtenerbrug. Rappelvoll mit Liegeplätzen in drei Yachthäfen und am Kanalrand. Viele Ganzjahreslieger, die den See als Naherholungsgebiet nutzen.
Bei der Brücke gab es etwas, von dem wir schon dachten, es sei abgeschafft. Das Bruggeld. Nach bisher gefühlten 100 Brücken ohne, erreichen wir nun die erste in Echtenerbrug – mit stolzen 2 Euro. Unsere Internetrecherche ergab, dass Friesland nicht nur das komplette Bruggeld abgeschafft hat bzw. abschaffen will. Auch das Umbauen auf ferngesteuerte Brückenbedienung soll kontinuierlich weiter vollzogen werden. Ziel: weniger Staus, weniger Wartezeiten und geringere Personalkosten.
Im Hafen angekommen, probieren wir natürlich gleich DVB-T2. Prima Empfang, scheiß Spiel. So kann’s kommen.
Auf unserem Weg nach Heerenveen müssen wir wieder zurück übers Sneekermeer. Diesmal bei schönem Wetter. Da Wochenende, ist richtig was los. Raus aus der Stadt, rauf auf den See, ist das Motto.
Über Terherne erreichen wir Heerenveen in knapp 3 Stunden. Wir fahren durch einen kleinen Seitenkanal mit 3 festen Brücken (2,60 m Durchfahrtshöhe). Da heißt es, Bimini, UKW-Antenne und Mast runter und bei der Durchfahrt in die Knie gehen und Kopf einziehen. Zur Belohnung für den Aufwand: Anleger direkt in der Innenstadt! Kleiner Stadtrundgang und, wichtig, Vorräte auffrischen. Der Rest ist unspektakulär.
Kleine, malerische Stadt (28.000 Einwohner) aber absolute Hochburg im Wassersporttourismus. Das merkt man/frau schon bei der Einfahrt. Wir passieren mehrere namhafte Yachtwerften (Aquanaut, Vivante, Thomasz, Brandsma, SK-Jachtbouw, Jetten u. a.) sowie Yachtmakler/Importeure (Valk, Jansma). Viele davon aber ausserhalb unseres Budgets.
Wir laufen durch die Stadt. Am Wassertor, dem Wahrzeichen, finden wir ein weiteres „11Fountains“-Objekt, „Das Horn von Sneek“ von Stephan Balkenhol. Durch Sneek führt die Strecke der „Elfstedentocht“, des berühmten Eisschnelllauf-Marathonrennens entlang der elf friesischen Städte (über zugefrorene Kanäle und kleine Seen führt die fast 200 km lange Strecke, zuletzt 1997).
Noch sind wir im Frühsommer, der Schiffsverkehr hält sich in Grenzen. Im Hochsommer ist hier der Teufel los – wir erinnern uns an unsere Tour 2006, als wir im Juli durch Sneek gefahren sind. Da kann man/frau fast trockenen Fußes über das Wartebecken vor der Stadtbrücke laufen.
Ein interessanter Theaterbau macht auf sich aufmerksam. Und ein paar Schritte weiter erwartet uns hinter einem unscheinbaren Eingang eine extrem gelungene, riesige Glasüberbauung zwischen Kirche und angrenzenden Häusern; ein Kulturzentrum.
Eigentlich stand nur ein kleiner Snack auf dem Programm. Das Angebot eines „Spaans Tableau“ war jedoch zu verlockend und wenig später hatten wir eine ziemlich gute Tapas-Platte vor uns stehen.
Da wir beide eher Shopping-Muffel sind, waren wir zeitig wieder auf dem Boot. Gestern Abend haben wir uns die alten Hollandfotos noch mal von der Festplatte angesehen und spontan eine „2006er-Gedächtnis-Fahrt“ (zumindest bis Muiden) beschlossen. Also, morgen geht es nach Heerenveen.
Frühstück bei herrlichstem Sonnenschein. Doch dann kommt Wind auf. Immer mehr. Wir verlassen die »Staande Mast Route« (ein Schifffahrtsweg, der auch von Segelbooten und Motorschiffen mit Mast- oder Aufbauhöhen über 6 m befahren werden kann) und nehmen die kleine Ortsdurchfahrt von Warga. Hier ist wettermäßig noch alles in Ordnung.
Aber bereits über das Pikmar (Vorbeifahrt Grou) nimmt der Wind an Stärke zu. So wird die Überfahrt über das Sneekermeer feucht fröhlich. Steife bis stürmische Brise bieten das Gefühl, wie durch eine Waschanlage zu fahren. Aber ok, es muss auch solche Tage geben.
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