Amsterdam

Amsterdam

Das Rijksmuseum kleckert nicht, es klotzt. In jeder Beziehung. Gebäude, Ausstellungsebenen und natürlich die Exponate – zu viel für einen einzelnen Besuch. Heute am Freitag ist es nicht überfüllt. Wir können uns in Ruhe vieles ansehen. Natürlich gut gefragt, der zweite Stock mit den alten Holländern. Im Fokus: die Nachtwache.

Nach ca. 3 Stunden sind wir nicht mehr aufnahmefähig. Raus, einen Kaffee trinken und eine rauchen. Die Rückseite hat einen wundervollen kleinen Garten und ist gleichzeitig Tor zu weiteren Museen. Hier tobt das (Touristen-)Leben. Die anderen Museen müssen auf einen nächsten Amsterdambesuch warten.

Da wir aufgrund der niedrigen Brücken (und dem unheimlichen Gewühl an Booten) die inneren Grachten nicht befahren können, buchen wir noch eine Grachtenfahrt. Völlig entspannt schauen wir u. a. unserem Bootsführer zu, wir er den langen Kahn traumwandlerisch sicher beherrscht. Gefühlt fahren an die 50 Touriboote gleichzeitig durch die Grachten.

Wir lassen unseren heutigen Ausflug in der Innenstadt mit einem Heiniken und einem kleinen Imbiss ausklingen. Die Sonne brennt und die Kinder amüsieren sich an einem Brunnenplatz.

Am Ziel: Mit 10 km/h von Berlin nach Amsterdam

Weesp – Amsterdam/Rijnkanaal – Amsterdam

Nach kurzer Ausfahrt aus Weesp geht auf einen quirligen, stark befahrenen Amsterdam/Rijnkanaal bis zum Liegeplatz. Östlich vom Zentrum von Amsterdam.

In der Marina ist alles „ferngesteuert“. Den Hafenmeister gibt es nur per Telefon. Anmeldung, Abrechnung, Strom, Wasser und Pincode für den Zugang und die Sanitärräume – alles per App. D. h., ohne Smartphone geht gar nichts. Wir müssen einmal umparken, da die Bereiche (Dauerlieger und Passanten) nicht gekennzeichnet waren. Wir stellen fest, ein freundlicher Hafenmeister, der uns heran winkt und bei einem kleinen Schnack alles kurz erläutert, ist nicht zu ersetzen. Das Ganze auch mit einem stolzen Liegepreis. Zahlen wir sonst zwischen 9 und 15 Euro pro Nacht, sind es hier 25 Euro (ohne Extras). Aber ok, dafür bekommen wir nun wirklich kein Hotelzimmer.

Natürlich geht es mittags gleich noch einmal aufs Rad. Wir fahren zum Rijksmuseum (Tickets haben wir schon für morgen gebucht), trödeln durch die Innenstadt und fahren mit der kostenlosen Fähre über das Ij nach Amsterdam Nord. Die Gegend um den Bahnhof und speziell die Nordseite erkennen wir nicht wieder. 2006 waren hier noch etliche Brachstellen. Aber klar, der Großraum Amsterdam hat schließlich auch 1,4 Mio. Einwohner und wächst beständig.

Mit dem Fahrrad kommen wir sicher durch die Stadt. Zwar müssen sich Fahrräder und Kleinroller und -mopeds den Radweg teilen. Nahezu alle fahren ordentlich und wenn nicht, achten sie zumindest auf andere. Fahrradhelme sind weit und breit nicht zu sehen. Es herrscht eine sehr hohe Rücksichtnahme (wie wir es schon in Groningen erlebt haben). Kampfradler sind uns noch nicht begegnet. Dafür ungewöhnlich viele Rennradfahrer und … DHL mit Lastenfahrrädern.

Weesp

Muiden – Weesp

Wir machen „Dörfer-Hopping“. Von Muiden nach Weesp. Eine Ministrecke. Weesp liegt, wie auch schon Muiden, in der Provinz Nordholland. Nur noch etwa 15 km östlich von Amsterdam entfernt.

Wir finden im inneren Bereich keinen freien Liegeplatz mehr und fahren durch die drei Brücken durch die Stadt durch. Gleich hinter der letzten Brücke gibt es einen schönen, ruhigen Liegeplatz. Vor dem letzten Vorrundenspiel von Duitsland machen wir noch einen kleinen Stadtbummel.

Das Spiel war nur schwer anzuschauen. Es fühlt sich an, wie zu seligen Zeiten eines Jupp Derwall. Einfach nur ideenlos.

Muiderslot

Muiden

Zweiter Tag in Muiden. Einziger „Programmpunkt“, das Muiderschloß. Wir betreten das 17. Jahrhundert, die Zeit des berühmtesten Bewohners der Burg Muiderslot: Schriftsteller, Dichter und Historiker P.C. Hooft.

Die Museumsräume sind ausschließlich im Rahmen einer Führung zugänglich, die aber in dem Moment beginnt, wo wir den Hof betreten. Die Gemächer geben ein gutes Bild davon ab, wie die Menschen im 17. Jahrhundert in einer Burg lebten. Ihre Gemälde, Möbel und Utensilien. Wir durchlaufen das Wohn- und Schlafgemach, das Bischofsgemach, die Schlossküche, den Rittersaal und das Prinzengemach. Leben im „goldenen“ Zeitalter.

Die restlichen Räume sind frei zugänglich. Nach einem Kaffee, der uns zum ersten Mal von einer schlecht gelaunten Servicekraft gemacht wird (bisher sind wir ausschließlich(!) sehr freundlichen und höflichen Holländern begegnet), geht es noch ins Wasserschild. Typisch Holland, ein sehr moderner Bau mit Multimedia-Wand und einer Wasserinstallation. Kurzer Stopp beim Falkner und ein Abstecher in den interessanten Kräutergarten – und ab an die Schleuse zum Eisessen.

Muiden

Harderwijk – Eemmeer – Gooimeer – Ijmeer – Muiden

Das triste Wetter begleitet uns noch den halben Tag. Der Wind hält sich allerdings in Grenzen. Langsam klart es auf. Über die aneinanderhängenden Seen (Eemmeer, Gooimeer) geht es … na, dreimal dürft ihr raten, … wieder übers Ijmeer nach Muiden.

Die Sonne scheint und wärmt Leib & Seele. Und auch der Wetterbericht bringt für diese Woche den Sommer zurück. Wir beschließen spontan, hier zwei Tage zu bleiben. Der kleine 6000-Seelen-Ort hat Charme und das Muidenschloß, eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Niederlande, das wir morgen besichtigen wollen.

Harderwijk

Kampen – Ketelhaven – Harderhaven – Harderwijk

Wir verlassen Kampen über die Ijssel und (wieder mal) über eine Ecke des Ijsselmeers. Sehr hilfreich, die neue Fahr-App über GPS. Für nur 7,99 ersetzt es uns die beiden fehlenden Seekarten aus unserem Hollandkartensatz.

Das Wetter ist grau und kalt. Die Strecke langweilig hoch drei, aber wir machen „Strecke“. Die Fahrt geht über Ketelhaven bis Harderhaven. Es kommt uns in gefühlten 3 Stunden nur ein Boot entgegen.

Als wir in Harderwijk einlaufen fängt es an zu regnen. Feiner, gemeiner Nieselregen. Trotz allem machen wir nach der langen Fahrerei noch einen Spaziergang. Nettes Städtchen dieses Harderwijk. Wir beschließen auf der Rückfahrt den Ort vielleicht noch mal mit Sonnenschein zu genießen. Selbst das Dolfinarium (Meerestierpark mit Shows) veranlasst uns nicht, noch einen Tag dranzuhängen.

Kampen, zweiter Tag

Kampen

Mal wieder ein (kleiner) Museumstag. Wir besuchen das Stedelijk Museum Kampen (Städtisches Museum Kampen). Dass in Kampen hinsichtlich Geschichte nicht gekleckert, sondern geklotzt wurde, zeigt das Museum mit vier Hauptthemen: Wasser, Religion, Recht und das Haus Oranien. Die Abteilung Wasser dokumentiert die alte Hanse, den Aufstieg und Fall der Hansestadt und den Anstieg des Meeresspiegels in unserer Zeit. Das  „Recht“ findet sich hervorragend im alten Gerichtssaal und kleinen Nebenräumen untergebracht. Und das „Huis van Oranje“ wird mit überlebensgroßen Porträts aller König*innen (und der unendlichen Liebe der Holländer*innen zu ihrem Königshaus) dargestellt.

Eine Sonderausstellung einiger Werke von Jeroen Henneman erinnerten uns stark an M.C. Escher, dessen Werke wir in Leeuwarden gesehen haben. Der Besuch in der ehemaligen Synagoge war dann nicht mehr sehr ergiebig. Die Bilder von Willem den Ouden rissen uns nicht vom Hocker und die Erinnerungen an die Kampener Juden sehr sparsam.

Nachtrag: „Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei“ – bis zur 94. Minute. Na, noch mal Schwein gehabt.

Kampen

Kamperzeedijk-West – Kampen

Kampen ist eine ehemalige Hansestadt in der Provinz Overijssel mit 34.000 Einwohnern. An der IJssel, dem nördlichsten Mündungsarm des Rheins in die Nordsee (sie zweigt bei Westervoort in der Nähe von Arnheim vom Nederrijn ab und mündet bei Kampen in das IJsselmeer).

Im Passatenhaven haben wir keinen Liegeplatz mehr gefunden und mussten in den benachbarten Bootshafen (an die Kaimauer) ausweichen. Wir erledigen zuerst unsere notwendigen Einkäufe. U. a. mit Vla, dieser typisch niederländischen Süßspeise (nicht zu verwechseln mit dem spanischen Flan) ist Pudding ähnlich – aber sämig und nicht fest – und kommt in vielen Geschmacksrichtungen daher. Wir entscheiden uns für „Duppel Vla“, Vanille und Schokolade. Kann man/frau sich dran gewöhnen!

Am Abend haben wir uns zum ersten Mal mit unseren weiteren Tourplänen beschäftigt. Eigentlich dachten wir, wir hätten Zeit ohne Ende. Pustekuchen. Wir müssen uns überlegen, ob wir nach Südholland wollen (Limburg, zu der Werft unseres Begehrens) oder nach Amsterdam, um dann langsam an eine passende Rückstrecke zu denken. Beides geht nicht. Wir entscheiden uns für Amsterdam.

Von Lemmer in die Pampa

Lemmer – Emmeloord – Marknesse – Zwarte Meer – Kamperzeedijk-West

Kurzer WM-Exkurs: Obwohl nicht bei der WM, interessieren sich doch ziemlich viele Holländer für die Spiele. NPO 1, ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender bringt alle Spiele, mit Vor- und Nachberichterstattung in Expertenrunde. Und in vielen Kneipen laufen die Spiele auf dem Großbildschirm. Das hatten wir auf unserer Hollandtour 2006 schon ganz anders. Damals schied Holland im Achtelfinale aus und ab da interessierte sich kein Schwein mehr für den Rest der WM.

Mit der Ausfahrt aus Lemmer verlassen wir Friesland und fahren in die Provinz Flevoland ein. Die zwölfte und jüngste Provinz der Niederlande besteht fast ausschließlich aus Land, das erst im 20. Jahrhundert dem IJsselmeer abgewonnen wurde. Wir müssen einen Mini-Bogen übers Ijsselmeer fahren und werden von einem Kailieger vor Starkwind gewarnt. Geben zu erkennen, dass wir nicht zum Meer wollen sondern gleich zur Schleuse nach Emmeloord abbiegen. Darauf bekommen wir einen Daumen nach oben.

Dass uns der Starkwind auch im Inland zu schaffen macht, spüren wir bald darauf. Beim Warten auf Brücken und Schleusen tanzt unsere Kato im Wartebereich. Einige Brücken bei Emmeloord können wir auch geschlossen passieren (Durchfahrthöhen 2,50 m).

Die Überfahrt übers Swarte Meer und vor allem die schmale Querfahrt an der Südseite wird zur Belastungsprobe. Starkwind von steuerbord. Der Kahn krängt heftig und Monika hängt sich mittschiffs zur Entlastung (wie auf einem Segelboot) auf Luv. Als wenn das nicht schon genug wäre, erwischt uns noch ein Regen- und Hagelschauer. Wir geben völlig durchnässt auf und fahren einen Dreier-Anleger mitten in der Pampa an. Fast vor der Tür eines Bauernhofes.

Lemmer, zweiter Tag

Lemmer

Wir versuchen, unsere leeren Wasser(plastik)flaschen loszuwerden. Das klappt hier in Holland nur sehr schlecht. Jumbo, Albert Hein, Lidl usw. nehmen nur ihre eigenen Marken zurück. So kehren wir von jedem Neukauf immer wieder mit Leerflaschen zurück, deren Ursprung wir uns nicht gemerkt haben. Plastikcontainer sind ebenfalls Mangelware.

Dann geht’s aufs Rad. Am Lemster Strand vorbei, der wirklich riesig ist, zum Woudagemaal im Dorf Tacozijl. Das größte niederländische Wasserbauprojekt des 20. Jahrhunderts, als dessen Folge unter anderem das IJsselmeer als ein Restmeer übrigblieb und die neue Provinz Flevoland aus dem Meer emporstieg. Es ist das größte und einzige noch arbeitende Dampfpumpwerk der Welt. Die Station kann 6 Millionen m³ Wasser pro Tag abpumpen. Das ist in zwei Tagen der gesamte Inhalt des Snekermeers.

Über ein großes InfoCenter können Rundgänge im Pumpwerk gemacht werden. Aber nur mit einer Begleitperson, die abwartet bis sich kleinere Besuchergruppen angesammelt haben. Heute ist der Besuch eher spärlich und so dauert es eine Weile bis wir los können. Die Führung ist in holländisch. Gut, dass wir uns gestern schon eine App der Führung auf deutsch aufs Handy geladen haben. Ein beeindruckendes Industriedenkmal, das noch zweimal pro Jahr (oder bei Hochwasserkatastrophen) in Betrieb genommen wird.

Auf der Rückfahrt kommt mal wieder die Sonne so richtig raus. Aber 23 Grad Luft- und geschätzte 16 bis 18 Grad Wassertemperatur laden noch nicht wirklich zum Baden ein.

Am Freitag, Samstag und Sonntag sind „Lemster Visserijdagen“. Wir befürchten viele „Attraktionen“, wenig Fischmarkt und viel Gedränge auf kleinem Raum. Also werden wir unseren Liegeplatz morgen Richtung Emmeloord verlassen.

Lemmer

Echtenerbrug – Tjeukemeer – Lemmer

Das Wetter ist grau in grau. Zeitweise leichter Nieselregen. Aber wir wollen ein Stück weiter fahren. Mit leichter Brise geht es über das Tjeukemeer (in den heutigen Fotos ist ein schönes von gleicher Stelle aus 2006) und über den Prinses-Magriet-Kanal nach Lemmer.

Der 10.000-Seelen-Ort an der Südgrenze der Provinz Friesland ist in den Sommermonaten ein sehr belebter Badeort. Direkt am IJsselmeer gelegen zieht die kleine Hafenstadt viele Touristen aus den gesamten Niederlanden an. Dieses „Sylt-Feeling“ spiegelt sich natürlich auch in den Preisen der vielen Restaurants am Stadtkanal wider. Das Örtchen selbst hat einen sehr kleinen Stadtkern, der schnell fußläufig abgearbeitet ist.

Eine kleine Fahrradtour entfernt liegt ein Unesco Weltkulturerbe: die Ir. D. F. Woudagemaal. Die größte Dampfpumpstation, die jemals gebaut wurde, steht seit 1998 auf der UNESCO Liste. Die werden wir uns morgen anschauen.

Echtenerbrug

Heerenveen – Echtenerbrug

Ein neuer, unaufgeregter und ruhiger Tag. Eine kleine Strecke von Heerenveen an den Südrand des Tjeukenmeers (nächstes Ziel Lemmer, aber nicht in einer Tagestour). Der letzte Ort vor dem See ist Echtenerbrug. Rappelvoll mit Liegeplätzen in drei Yachthäfen und am Kanalrand. Viele Ganzjahreslieger, die den See als Naherholungsgebiet nutzen.

Bei der Brücke gab es etwas, von dem wir schon dachten, es sei abgeschafft. Das Bruggeld. Nach bisher gefühlten 100 Brücken ohne, erreichen wir nun die erste in Echtenerbrug – mit stolzen 2 Euro. Unsere Internetrecherche ergab, dass Friesland nicht nur das komplette Bruggeld abgeschafft hat bzw. abschaffen will. Auch das Umbauen auf ferngesteuerte Brückenbedienung soll kontinuierlich weiter vollzogen werden. Ziel: weniger Staus, weniger Wartezeiten und geringere Personalkosten.

Im Hafen angekommen, probieren wir natürlich gleich DVB-T2. Prima Empfang, scheiß Spiel. So kann’s kommen.

Heerenveen

Sneek – Sneekermeer – Terherne – Heerenveen

Auf unserem Weg nach Heerenveen müssen wir wieder zurück übers Sneekermeer. Diesmal bei schönem Wetter. Da Wochenende, ist richtig was los. Raus aus der Stadt, rauf auf den See, ist das Motto.

Über Terherne erreichen wir Heerenveen in knapp 3 Stunden. Wir fahren durch einen kleinen Seitenkanal mit 3 festen Brücken (2,60 m Durchfahrtshöhe). Da heißt es, Bimini, UKW-Antenne und Mast runter und bei der Durchfahrt in die Knie gehen und Kopf einziehen. Zur Belohnung für den Aufwand: Anleger direkt in der Innenstadt! Kleiner Stadtrundgang und, wichtig, Vorräte auffrischen. Der Rest ist unspektakulär.