Rotterdam
Am Donnerstag und am Freitag gibt es wieder kleinere Ausflüge – Impressionen aus Rotterdam.































Rotterdam
Die Tage trödeln vor sich hin. Das Sommerwetter dringt durch. Auch gelegentlicher Regen ist nicht weiter störend. Sowie die Sonne wieder rauskommt sind 27 bis 29 Grad. Wunderbar.
Langsam fühlen wir uns als Rotterdamer (auf Zeit). Einkaufen, Kochen und Alltagsarbeiten auf dem Boot, hin und wieder kleinere Ausflüge. Besser geht’s nicht.


















Rotterdam
Rotterdam ist eine spanende, pulsierende Metropole. Wie schon in Antwerpen, beschließen wir auch in Rotterdam für längere Zeit zu bleiben. Beim Hafenmeister wird kurzerhand bis Sonntag, 23.06., gebucht. So haben wir Zeit, uns ein, zwei ausgesuchte Ziele am Tag in Ruhe anzusehen. Ruhetage sind dabei ausdrücklich von uns beiden erwünscht.
Am Freitag geht es zum naheliegenden Euromast, den wir 2006 anlässlich des Besuchs des North Sea Jazz Festival im Ahoi schon mal „bestiegen“ haben. Anschließend zum Stadtteil Delfshaven, eine der wenigen nicht im Krieg zerstörten Gegenden Rotterdams, der noch über eine intakte Altstadt verfügt.
Am Abend gibt es noch eine Begegnung der besonderen Art. Danielle, eine reisende Tischlergesellin, die bei den im Hafen liegenden Schiffen nach einer Übernachtungsmöglichkeit sucht, steht am Abend bei uns vorm Boot. Da wir derzeit keinen Besuch haben, bieten wir ihr die Achterkabine an. Ein Angebot, das sie freudestrahlend annimmt. Es wird noch viel erzählt an diesem Abend und wir erfahren einiges von ihrer Gesellenvereinigung „Axt & Kelle“ (eine der wenigen, die Frauen aufnehmen). Am nächsten Tag will sie nach Hoek van Holland mit vorläufigem Endziel Schottland.





















Rotterdam (nach Gouda per Bahn)
Nach einem fast völlig verregneten Mittwoch ist das Wetter immer noch kühl. Wolken, aus denen nur sehr sparsam mal die Sonne durchbricht, und 17 Grad. Donnerstags ist Käsemarkt in Gouda. Wir fahren kurzentschlossen mit Tram, Metro und Regio nach Gouda. Von unserem Liegeplatz Veerhaven an der Maas brauchen wir nur knapp eine Stunde. Dann haben wir die „Käsehauptstadt“ der Niederlande erreicht.
Der Weg vom Bahnhof Gouda zum Käsespektakel ist kurz. Nach einem 15minütigen Fußweg sind wir mittendrin.
Die typischen Gouda-Käseräder werden mit Pferd und Wagen angeliefert (wie erstmals im Jahr 1395), anschließend von den Bauern auf dem Boden aufgestapelt, ehe sie vor dem alten Rathaus auf traditionelle Weise verhandelt werden. Die Bauern und die Händler bekräftigen den Handel per ‚Handschlag‘. Heute ist das Ganze ein eher spannungsarmes Volkstheater für Touristen. Moderiert von einem „Onkel Lou“ in gelbem Anzug, mit knallroten Schuhen und einem Käsestück-Mikrofon. Unser Eindruck nach einer Stunde: naja.
Die umliegenden Marktstände sind nur spärlich von Käsehändlern bestückt. Der Rest ist das gewohnte Angebot eines durchschnittlichen holländischen Wochenmarktes.
Wir fahren relativ früh nach Rotterdam zurück und erledigen unsere Einkäufe im Umfeld unseres Hafens.
















Dordrecht – Rotterdam
Di. Eigentlich hätten wir auch den schnellen „Waterbus 20“ von Dordrecht nach Rotterdam/Erasmusbrug nehmen können. Sechs Stationen, eine knappe Stunde Fahrzeit. Mit unserer Kato 2 müssen wir bei Querfahrten gut auf den gewerblichen Schiffsverkehr aufpassen, sind natürlich wesentlich langsamer und brauchen dementsprechend für die gleiche Strecke 2 1/2 Stunden.
Unser Wunschhafen liegt mitten in der Stadt, ist klein und heißt uns auf telefonische Anfrage willkommen. Auf der Nieuwe Maas gleich nach der berühmten Erasmusbrug scharf steuerbord. In diesem Bereich ist besondere Aufmerksamkeit nötig. Alle Arten von Schiffen sind unterwegs – vom Containerfrachter bis zu den wilden, rasenden Wassertaxis (müssen wir unbedingt mal fahren!).















Dordrecht
So./Mo. Dordrecht, knapp 120.000 Einwohner, ist eine Stadt und Gemeinde in der niederländischen Provinz Südholland, auf der gleichnamigen Insel. Sie liegt ungefähr zwanzig Kilometer südöstlich von Rotterdam. Um sie herum teilt sich der Rheinarm Beneden Merwede in den Kanal Noord, die Oude Maas und den Dordtsche Kil. Dieses „Drei-Flüsse-Eck“ im Norden der Stadt ist einer der am meist befahrenen Wasserwege der Niederlande.
Auf uns wirkt die Stadt ein wenig arg heterogen. Der historische Kern franst in den Ausläufern schnell in verschiedenste Neubaustile aus. Nur sehr selten zum Vorteil.
Am Pfingstsonntag ist die Stadt wie ausgestorben. Die Geschäfte sind geschlossen. Die Oude Kerk ist zum Pfingstgottesdienst rappelvoll. Die Plätze und Einkaufsstraßen etwas trostlos. Das ändert sich erst am Pfingstmontag gegen Mittag. Mit dem Öffnen der Läden kommt auch wieder Leben in die Stadt zurück.




















Willemstad
Mi.-Sa. Willemstad ist eine Stadt in der Provinz Nordbrabant mit 2.500 Bewohnern. Eine kleine historische Stadt mit gut erhaltenen Befestigungen. Sie erhielt 1585 das Stadtrecht. Die reformierte Kirche wurde 1607 als erstes neues protestantisches Kirchengebäude in den Niederlanden errichtet.
Die Stadt ist geprägt von der Begehrlichkeit eines strategisch wichtigen Brückenkopfes. Speziell von und zur Nordsee. Ein Jahrhunderte langer Kampf gegen Spaniern, Franzosen, Engländer und Deutsche. Letztere integrierten die Festung zur Verteidigung des Hollands Diep sogar in ihr „Westwall“-Konzept.
Heute ist Willemstad eine angenehm ruhige, sehr sympathische Stadt mit nur wenigen Geschäften, einem Supermarkt, einigen Hotels, ein paar Restaurants und Cafés. In gut einer Stunde ist die ganze Festung umrundet und durchquert.
Da sich schlechtes Wetter ankündigt, nehmen wir bis Samstag hier eine „Reise-Auszeit“.
























Tholen – Willemstad
Eigentlich eine kleine Strecke. 34 km, eine Schleuse.
Aber wir sind immer noch im Schelde-Rhein-Kanal. Bis zum Volkerak immerhin in einem sehr breiten Kanal, der auch „Elefantenrennen“ (z. B. schneller Containerfrachter überholt langsamen Kohlefrachter) gut zuläßt. Ab Noorder Krammer wird es weit und unübersichtlich. Die Betonnung entspricht den Seeschifffahrtsstraßen-Vorschriften. D. h., wir tasten uns von Tonne zu Tonne. Immer schön mit Unterstützung von Plotter und „Vaarkaart“-App.
Was aber nicht davon abhält, dass ich mich an der Volkerakschleuse blamiere. Sie ist die größte Schleuse Europas. Ein Nadelöhr, das jeden Tag weit über 500 Frachter passieren. Die Orientierung ist aufgrund des sehr weiten Wassers schwierig. Beide Kartensysteme geben unseren Fahrweg durch die 3-Kammer-Schleuse an. Falsch gedacht! Als wir uns über Marifon melden, werden wir sehr freundlich darauf hingewiesen, dass es eine separate Sportschleuse weiter westwärts gibt. Bei der schnellen Kehrtwende entdecken wir, etwas peinlich berührt, das entsprechende Hinweisschild. Also, wir lernen, elektronische Karten ersetzen nicht die nötige Wahrschau vor Ort!
Die Sportschleuse ist schnell durchfahren und wir steuern im „Hollands Diep“ den Yachthafen von Willemstad an.
PS. Morgen werden wir uns ein neues Fernglas zulegen. Das alte Glas (aus den 60ern oder 70ern) muss nun doch mal ersetzt werden!












Tholen
Aus der quirligen Großstadt Antwerpen ins beschauliche niederländische Dorfleben. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Hier grüßt wieder jeder jeden. Die Ruhe ist wohltuend.
Die kleine Stadt entstand im 13. Jahrhundert an einer Zollstelle an der Eendracht, einem Gewässer zwischen der Insel Tholen und Noord-Brabant. Dieser Zollstelle verdankt Tholen auch seinen Namen: der Ort, an dem Zoll, niederländisch „tol“, erhoben wurde. Die ehemaligen Stadtwälle umgeben die Stadt noch heute in der typischen Sternform.









Antwerpen – Tholen (NL)
Sonntagmorgen. Wir verlassen mit neun anderen Schiffen zusammen das Willemdok. Pünktlich um 8.30 Uhr geht die Londenbrug hoch, relativ zügig im Anschluss die Siberiabrug. Alle Sportboote haben den gleichen Kurs. Vom Südende des Antwerpener Hafens einmal lang durch. Nach Norden.
Von einem entspannten Sonntagmorgen ist im Hafen nichts zu spüren. Frachter aller Größen sind unterwegs. Sie machen ordentlich Fahrt, sind deutlich schneller als die Sportboote, überholen sich gegenseitig und bringen uns mal um mal zum kräftigen Schaukeln (und im Boot kippt mal wieder unsere „Bibliothek“ um).
Die Ausmaße des Hafens sind in der Tat gigantisch. In Antwerpen fahren die größten Schiffe der Welt fast bis mitten in die Stadt. Der Antwerpener Hafen verfügt trotz seiner einzigartigen Lage 80 km im Landesinneren über einen riesigen Tiefseehafen.
Wir passieren die Doppelschleuse am rechten Scheldeufer (Zandvliets- und Berendrechtsluis), die schon richtig was hermacht. Die größte Schleuse der Welt allerdings, die Kieldrechtsluis, liegt am linken Scheldeufer, ist 500 Meter lang, 68 Meter breit und enthält dreimal so viel Stahl wie der Eiffelturm in Paris.
Am Nordende des Hafens beginnt die Schelde-Rijn-Verbindung. Der Kanal verläuft von Antwerpen zum Volkerak und verbindet Antwerpen mit allen Flüssen im Rhein-Maas-Delta. Die Gesamtlänge beträgt rund 50 Kilometer.
Bevor wir die Oosterschelde an ihrer Westseite passieren, müssen wir noch durch die Kreekrakschleuse. Zwei Kammern, Platz für je vier große Frachter plus x. Wir holen die anderen Sportboote wieder ein, die wesentlich mehr Gas gegeben haben und gerade einfahren. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen, gehen auf dem letzten Kilometer auch auf Full Speed und schaffen es noch (ohne Anmeldung) mit in die Schleusung. Wieder „im Paket“ zwischen den Frachtern.
Das letzte Stück ist Trödelfahrt. Wir steuern den Hafen von Tholen an.











