Fr., 27.05.2022. Eine für uns neue Passage steht an. An die Nordsee nach Oostende. Am Freitag wird pünktlich um 9.00 Uhr gestartet. Den Hafen verlassen wir zusammen mit vier anderen. Draußen auf der Ringfahrt sehen wir schon weitere Sportboote in Richtung Westen fahren.
Ab der ersten Schleuse sammeln sich alle Boote und ein Frachter. Alle zusammen geht es in die Kammer. Danach ist bis zum Abzweig Nieuwpoort Kettenfahrt angesagt. Nach Oostende wollen nur wir. Bis zur Marina sind es dann nur noch sechs Kilometer. Die Kommunikation an den Brücken ist sehr einseitig. Auf unsere Anfrage wird nicht geantwortet, aber reagiert.
Ziel ist der Seehafen RYCO, Royal Yachtclub Oostende. Hier bekommen wir einen guten Platz für die nächsten vier Tage zugewiesen.
Mi./Do., 25./26.05.2022. Ein Flyer hatte unsere Aufmerksamkeit auf das „Airbag Festival“ in Brügge gelenkt. Die zehnte Ausgabe des internationalen Akkordeon-Festivals findet vom 7.-29. Mai 2022 über die Stadt Brügge verteilt statt. Im Freien, in der Koninklijke Stadsschouwburg, im Spiegelzelt Magic Mirrors und an verschiedenen anderen Orten in der ganzen Stadt.
Für den Mittwochabend besorgen wir uns Karten für das „Quinteto Astor“ im Spiegelzelt unweit vom Hafen. Das Quinteto zelebriert eine zweiteilige Hommage an Astor Piazolla, den Vater des Tango Nuevo. Vor der Pause sind es Piazollas konzertante Stücke. Der zweite Teil eines sehr unterhaltsamen Abends gehört den tanzbaren Tangos. Ganz offensichtlich haben sich im gut gefüllten Spiegelzelt die ortsansässige Tangoszene sehr auf diese Gelegenheit gefreut.
Himmelfahrt, Heilig Bloed Processie in Brügge. Die Stadt ist übervoll mit Besuchern, wir merken es sogar bei unserem Anleger, wie verzweifelt Autoparkplätze gesucht werden. Die Prozession ist in vier Teile unterteilt, Altes Testament, Neues Testament, Eintreffen der Reliquie des Heiligen Blutes und Präsentation derselben. Über 1700 Teilnehmer singen, musizieren, tanzen und treten auf.
Der aus Brügge stammende Graf und Kreuzritter Dietrich von Elsass soll diese Reliquie für tapfere Taten während des Zweiten Kreuzzuges in Jerusalem erhalten haben. Die Reliquie wird seit 1291 immer zu Christi Himmelfahrt während der Heilig-Blut-Prozession durch die Stadt getragen. Wir sind extrem skeptisch was die Reliquie anbelangt und was uns wohl erwarten würde.
Aber die Neugier siegt. Tapfer halten wir den 1 1/2stündigen Umzug geduldig durch. Die Teilnehmer zeigen Engagement, Ernsthaftigkeit und sind mit Freude in der Inszenierung drin. Mit im Zug, dutzende Reiter, Schafe, Ziegen, Kühe und Kamele. Wer allerdings eine Semana Santa in Andalusien schon mal erlebt hat, weiß, was Prozessionen (bis in die späte Nacht) wirklich sein können.
So.-Mi., 22.-25.05.2022. Von Gent nach Brügge geht es in einem halben Fahrtag schnell und problemlos. Im Coupure Haven finden wir, ohne vorherige Anmeldung, gut Platz. Wir sind noch nicht in der Hauptsaison, aber mit Himmelfahrt steht ein langes Wochenende ins Haus. Die zunehmende Dichte an Charterbooten (Le Boat vom Standort Nieuwpoort) ist nicht zu übersehen.
Für unsere beiden Begleiterinnen ist es die letzte Station ihrer Flandern-Tour. Obwohl Brügge die kleinste der drei Städte ist, kann man sich auch hier nicht satt sehen ob der vielen herrlichen Ansichten und versteckten Winkel. Nicht umsonst ein UNESCO-Weltkulturerbe. Für beide Renates endet es in einen kleinem Rausch Belgischer Schokolade.
Das Wetter bremst uns ein wenig aus. Am Montag und Dienstag durchlaufen wir schnelle Wechsel von schönstem Sonnenschein und kurzen Regenphasen.
Es ist schon verrückt, wie schnell zehn Tage vergehen können. Am Mittwoch geht es für die beiden wieder zurück nach Berlin. Leider mit ärgerlichen Hindernissen. Aber das ist eine andere Geschichte. Es war erneut unkompliziert mit ihnen und nicht nur an Bord waren wir ein super Team.
Do.-Sa., 19.–21.05.2022. Das Wetter hat sich gedreht. Die hochsommerlichen Temperaturen gehen auf Normalmaß zurück.
Am Donnerstagvormittag wird kurz umgeparkt. Jetzt liegen wir im Innenstadthafen Lindelei. Auch in Gent finden wir uns schnell wieder zurecht. 2019 waren wir ja bereits zweimal hier. Und können natürlich auch unseren Reisebegleiterinnen nützliche Tipps geben. Den halben Regentag am Freitag, verbringen wir in der Gravensteen, der Burg der Grafen von Flandern und sind abermals von den erfrischenden Erzählungen des Audioguide-Sprechers begeistert.
Samstag in die „Inside Dalí“-Ausstellung in der Sint-Niklaaskerk. Ein 360°-Multimedia-Spektakel im Kircheninnenraum. Inhaltlich nicht ganz so gut strukturiert wie die immersive Ausstellung „Monets Garten“ in der Alten Münze in Berlin, aber durch den hohen Kirchenraum trotzdem sehr beeindruckend.
Di./Mi., 17./18.05.2022. Wir wollen weiter nach Gent. Da, wie schon beschrieben, die beiden Schleusen in Antwerpen auf die Schelde nicht befahrbar sind, geht es am Dienstag wieder zurück auf den Albertkanaal. Wir müssen Antwerpen in einem großen Süd-Ost-Bogen umfahren.
Die Aufteilung der zwei Fahrtage wird von den Gezeiten bestimmt. Am Dienstag kommen wir bequem bis Lier auf den Netekanal. Hier wird übernachtet.
Der Mittwoch wird zu einer echten Strapaze. Kurz nach Lier kommt die Gezeitenschleuse Duffel. Ab hier fließt die Nete, die in die Rupel mündet, die wiederum in die Schelde mündet. Nete und Rupel sind Gezeitenflüsse. Also gegen 11.30 Uhr mit fallendem Wasser zur Schelde. Kleine Panne im Mündungsbogen der Nete in die Rupel: wir fahren zu weit backbord und landen auf einer kleinen Sandbank. Zum Glück können wir uns selbst wieder freifahren.
Weil die Weiterfahrt auf der Schelde noch zu früh ist, machen wir bei Rupelmonde eine einstündige Pause (bis 14.00 Uhr). Wir warten auf die einsetzende Flut, die uns Unterstützung bis zur Gezeitenschleuse Merelbeke gibt. In einem Zwischenstopp (Dendermonde) wollen wir entscheiden, ob wir anlegen oder den ganzen Ritt bis Gent machen.
Dendermonde erreichen wir gegen 16.00 Uhr. Die vor uns liegende Strecke beträgt jetzt noch 65 km bis Gent. Die Flutunterstützung hält sich in Grenzen bleibt aber relativ konstant. Mit spritsparenden 1.800 U/m geht es mit 12 bis 13 km/h weiter. Gegen 21.00 Uhr sind wir durch die Schleuse Merelbeke.
Für diesen Tag ist unser Akku leer. In Yachthafen des KGWV am Süd-West-Rand von Gent legen wir an. Eine Weiterfahrt ins Zentrum (Lindelei) machen wir dann am Donnerstag.
So./Mo., 15./16.05.2022. Gar nicht so einfach, den beiden Renates in zwei Tagen Antwerpen ein wenig näher zu bringen. Am Sonntag ist es ein großer Spaziergang durch die Altstadt. Am Montag ziehen sie allein durch die Stadt. Mit Stopp in der „Chocolate Nation“, dem weltweit größten Museum Belgischer Schokolade.
Das Erlebnis im Museum hinterläßt bleibende Eindrücke. Im Museumsshop und später in der Innenstadt, im Laden des berühmten Chocolatiers Dominique Persoone, schlagen die beiden kräftig zu. Na, das gibt bestimmt noch ein Nachspiel im Persoones „Heimatladen“ in Brügge.
Fr./Sa., 13.-14.05.2022. Ohne festen Plan streifen wir bei herrlichem Sommerwetter durch die Stadt.
Nur die Hafenmeister haben eine etwas unerfreuliche Nachricht für uns. Unser Plan, später in Antwerpen direkt auf die Schelde zu gehen, löst sich in Wohlgefallen auf. Die Abfahrt aus dem benachbarten Kattendijkdok geht nicht, die Schleuse muss repariert werden (Fertigstellung Juni/Juli 22). Und der Mini-Umweg über die Royerssluis ist ebenfalls nicht möglich, da diese aufwändig modernisiert wird (Bauzeit ca. 5 Jahre!).
So bleibt uns nur der Umweg über den Albertkanaal, Netekanal, Nete und Rupel dann auf die Schelde bei Rupelmonde.
Aber da wir die folgende Route (mit unseren beiden Begleiterinnen; Antwerpen – Gent – Brügge) großzügig bemessen haben, müssen wir lediglich einen zusätzlichen Fahrtag einplanen.
Am Samstagabend kommen die beiden Renates an Bord. Ihr Zug nach Köln verzögerte sich bereits in Berlin und machte die planmäßigen Anschlüsse anschließend unmöglich (Köln/Brüssel und Brüssel/Antwerpen). So trafen sie glücklich aber kaputt mit zwei Stunden Verspätung in Antwerpen ein.
11./12.05.2022. Keine Frage, wir sind in Antwerpen angekommen. Die Sonne versteckt sich nur selten hinter ein paar Wolken und beschert uns angenehme 20 Grad.
Zweimal wollten wir schon 2019 das Rubenshaus besichtigen, irgendwie hat es bisher nicht geklappt. Nun aber heute. Wir buchen uns online ein Zeitfenster für 12.30 Uhr. Gute Wahl, der ganz große Andrang kommt erst später.
1610 erwarb Peter Paul Rubens (1577–1640) ein Grundstück mit einem Haus. In den darauffolgenden Jahren erweiterte er nach seinen eigenen Entwürfen das Haus um eine halbrunde, überkuppelte Skulpturengalerie, ein Atelier, eine triumpfbogenartige Portikus und einen Gartenpavillon. Das Flair eines italienischen Palazzo verkörperte Rubens künstlerische Ideale: die Kunst der römischen Antike und der italienischen Renaissance.
In seinem Haus wohnte und arbeitete Rubens bis zu seinem Tod 1640. Hier trug er ebenso eine international berühmte Sammlung von Gemälden und Skulpturen zusammen.
08. bis 11.05.2022. Die Bahnverbindung von Berlin nach Maasbracht zieht sich (Berlin – Duisburg – Viersen – Venlo – Roermond – Maasbracht), der letzte Abschnitt per Bus. Die Bahn gerät bereits auf der ersten Strecke (Duisburg) in Verzug. Alle weiteren Anschlüsse können wir knicken. Unterm Strich stehen von Tür zu Tür lange elf Reisestunden .
Aber, was soll’s. Jetzt sind wir wieder auf dem Kahn. Eine neue Zeitrechnung beginnt. Am Sonntag noch ein paar vergessene Lebensmittel einkaufen (ja, das geht in NL) und am Montag starten wir nach Maastricht. Übernachtung am Maas-Anleger an der Wilhelminabrug. Maastricht kennen wir gut und lassen es dieses Mal kurzerhand links liegen. Ziel ist es, in zwei Etappen zügig Antwerpen zu erreichen.
Wir schlagen die Warnung eines Bootsnachbarn (auf unserer 2019er Tour), nicht über den Albertkanaal zu fahren, in den Wind. Wir wollen einfach auf dem schnellsten Weg nach Antwerpen. Unsere 2019er Strecke durch die flämische Provinz (über die Zuid-willemsvaart sowie Turnhout und Schoten) war vor drei Jahren genau die richtige Entscheidung. Der Albertkanaal ist eine Güterschiff-Autobahn durch ödes, vielfach hässliches Industriegebiet. Auf unserem Weg ist uns kein einziges Sportboot entgegengekommen!
Die sechs Schleusen sind alle gleich ausgestattet. Je eine große sowie zwei kleinere Kammern. Das Schleusen geht einigermaßen reibungslos. Wir schwimmen mit den Frachtern fast im Gleichtakt. Nur ein Problem, wo am Tagesende anlegen? Zwei Yachthäfen befinden sich strategisch ungünstig mehr am Anfang und am Ende des Kanals. Sportbootanleger im Mittelbereich sucht man vergeblich. Unser erster Etappentag am Dienstag, 10.05., endet mit Einbruch der Dunkelheit direkt hinter der Schleuse Olen. Hier reihen wir uns in die zahlreichen Frachtschiffe an den Anlegern im großen Schleusenvorhof ein und fallen hundemüde in die Kojen. Für die ungefähr 87 km samt sechs Schleusen stehen volle 12 Stunden auf dem Zettel.
Allerdings, die gestrige „Gewalttour“zahlt sich aus. Heute, Mittwoch, ist der relativ kleine Rest bis zum Zielhafen Antwerpen Willemdok schnell gemacht. Nach der letzten Schleuse (Wijnegem) melden wir uns telefonisch beim Hafenmeister an. Er fragt, wo wir sind und meint, in etwa einer Stunde stehen wir vor der Siberiabrug, die uns mit der nachfolgenden Londenbrug den Zugang zum Hafen ermöglicht.
In der Anfahrt auf die Siberiabrug, werden wir über Marifon vom Brückenwärter angerufen. Er will wissen, ob wir zum Willemdok wollen. Dann aber schnell, er müsste sich beeilen, in seiner Betreuungsreihenfolge steht gleich danach auch die Londenbrug an. Wir sind restlos begeistert, dass „unser“ Hafenmeister uns an den Brücken angekündigt hatte. Zusammen mit zwei weiteren ankommenden Booten werden wir vom Hafenmeister mit seinem kleinen, schnellen Dingi auf die freien Boxen verteilt. Perfekt.
Kurz nach 13 Uhr melden wir uns für die nächsten sechs Tage im Hafenmeisterbüro an. Die Räder kommen von Bord genommen und wir touren völlig entspannt bei strahlendem Sonnenschein durch Antwerpen.
03. bis 05.05.2022. Corona ist im dritten Jahr. Während bei steigenden Temperaturen bei uns mal wieder die Fallzahlen kontinuierlich purzeln und Masken nur im ÖPNV vorgeschrieben sind (aber z. B. im Supermarkt noch fleißig freiwillig getragen werden), haben die Holländer beschlossen, „Corona ist vorbei“. In Maasbracht haben wir jedenfalls keinen einzigen Maskenträger mehr gesehen. Und, bei unseren Besuchen wird einem wieder freundlich die Hand entgegengestreckt.
Hinzu gekommen ist ein mörderischer, nicht enden wollender Krieg mitten in Europa. Ein humanitäres und wirtschaftliches Drama, das seine Auswirkungen überall spürbar werden lässt. Nichtsdestotrotz wollen wir, nach intensiver Diskussion, vorerst an unseren Plänen festhalten. In unserem fortgeschrittenen Alter wird unser Verbleib zuhause wohl an keiner Krise etwas ändern.
Am Di., 03.05., starten wir vollbepackt (samt Räder) per PKW nach Maasbracht. 7 1/2 Stunden brauchen wir für die 640 km. Zurück an Bord stehen etliche Routinearbeiten an. Navionics-Kartenabo verlängern. Updates für diverse Geräte und Anwendungen downloaden und installieren. Prüfen, ob alle bestellten Winterarbeiten ausgeführt wurden. Alles bestens – fast. Das Reinigen der Persenning ist wohl in der kältesten Jahreszeit erfolgt. D. h., während der Reinigung stand die Plicht längere Zeit ungeschützt im Freien. Dementsprechend sieht das Teakdeck und das Holz-Steuerrad jetzt aus. Sehr ärgerlich und nur mit viel Aufwand wieder fit zu machen.
Zu den üblichen Kontakten zu Saisonbeginn gehört neben Marine Service Schuller auch unser obligatorischer „Kaffeetreff“ mit Rennie bei Linssen. Hier steht noch ein weiteres Vorgehen unseres Wunsches nach mehr Liegezeit ohne externen Stromanschluss aus. Der Austausch der Gel-Batterien gegen Lithium LiFePO4-Batterien ist eigentlich beschlossene Sache. Offen nur, ob mit oder ohne Bilgen-Ventilation. Am Do. war der von Linssen empfohlene Experte von SYS ShipYacht Services, Roermond, bei uns an Bord. Wir werden in Kürze zwei Angebote von ihm erhalten.
Von Rennie hören wir, dass Linssen mit drastischen Einkaufs-Preiserhöhungen und unterbrochenen Lieferketten zu kämpfen hat. Dem Showroom sieht man es sofort an. Statt der sonst üblichen bis zu 15 Ausstellungsschiffen stehen dort aktuell nur kümmerliche zwei (die ebenfalls bereits verkauft sind). Neue Schiffe können nicht mehr mit einer Preisgarantie zum Auslieferzeitpunkt angeboten werden (idR. je nach Größe und Ausstattung mit einer Bauzeit von ca. 12 bis 24 Monate). Fakt ist schon jetzt, unsere Kato 2 würde bereits heute schon satte 35 % mehr kosten als 2019. Keine schönen Aussichten!
Wir haben unseren Wagen jetzt wieder nach Berlin gebracht und wollen am Freitag noch ein paar Dinge erledigen. Am Sa., 07.05., geht es dann mit der Bahn wieder zum Schiff. Und dann sind wir mal fünf Monate weg.
01.11.2021. Die große 5er-Runde in 2021: Niederlande, Belgien (Wallonie), Frankreich, Luxemburg, Deutschland. Es war wunderschön. Erst Anfang Juni spät gestartet, weil die notwendigen Corona-Impfungen noch fehlten. Dafür aber in die Richtung, in die wir 2020 schon fahren wollten – die Maas/Meuse zu Berg bis Toul.
Der Sommer ’21 zeigte sich leider nur sehr selten von seiner schönen Seite. Und das furchtbare Juli-Hochwasser brachte unsägliches Leid und gigantische Schäden. Für uns nur eine kleine Einschränkung (mit einer 10tägigen Zwangspause) in Namur und einem Starkregen in Dinant. Glück gehabt.
Das Herzstück der Tour in diesem Jahr: Die Maas in der Wallonie (Liège, Huy, Namur, Dinant) und in Frankreich (u. a. Revin, Charleville-Mésières, Sedan, Stenay, Verdun, Commercy, Toul) sowie Nancy und Metz. La Meuse, eine geschichtsträchtige (und sehr leidvolle) Region. Mit vielen interessanten Eindrücken, einer fantastischen Landschaft, liebenswerten, freundlichen Menschen und jede Menge Spaß.
Saison-Fazit: 4 1/2 Monate durchgehend an Bord, ca. 1.400 Flusskilometer bei rund 160 Motorstunden. Besondere Vorkommnisse: Fahrten durchs französische Kraut, die unsere Kato 2 perfekt gemeistert hat. Am Schiff gibt es auch in diesem Jahr nichts zu meckern.
Route 2021
Ausblick ’22: mit Sicherheit wieder nach Frankreich. In die Bourgogne. Schaun mer mal, wie wir da fahren wollen/müssen. Wenn es geht, nicht wieder so spät losfahren. Und vielleicht ein wenig früher zurückkommen. Der Oktober ist doch ein schon recht kühler Zeitgenosse.
Und beim Schiff, vielleicht, die Liegezeit ohne externen Strom verlängern. Wenn die Sonne nicht scheint, nützt auch das Solarpaneel nichts. Im Fokus dabei, das Bordnetz mit Lithium-Batterien (LiFePO4 und Ladebooster) austauschen und/oder eine zweite Lichtmaschine am Motor als Ladegenerator installieren. Wir werden uns in der Winterpause schlau machen.
Kato 2 und der Blog gehen in die Winterpause und wir danken allen Leser*innen für ihr Interesse und Feedback. Bleibt gesund!
30.09.-05.10.2021, was auf der Maas begann, nähert sich auch auf der Maas wieder seinem Ende. Es beginnen die letzten Tage unserer großen 2021er Rundtour.
Von Tolkamer an Nijmegen vorbei geht es in einer überschaubaren Tagesetappe über die Waal und den Maas-Waalkanaal auf die Maas nach Mook. Der Minihafen für zwei Schiffe dient uns lediglich als Pausen- und Übernachtungsmöglichkeit. Die Nächte werden so langsam ungemütlicher. Unsere Bordheizung kommt nun öfter zum Einsatz.
Am nächsten Tag gleich weiter bis Arcen. Hier lagen wir auch schon 2020. Diesmal wollen wir uns unbedingt den „Kasteeltuinen“, den großen Schlosspark, ansehen und hoffen auf einen regenfreien Samstag.
Die Schlossgärten Arcen am Südende des Dorfes Arcen, direkt an der deutsch-niederländischen Grenze, gehören zu den vielseitigsten Blumen- und Pflanzenparks Europas. 32 Hektar voller Düfte und Farben, einzigartige Gärten, historische Parkanlagen und einem Schloss aus dem 17. Jahrhundert.
Im Schatten des Schlosses befindet sich der Rhododendrongarten mit einer beeindruckenden Rhododendron-Kollektion. Das barocke Rosarium ist mit seinen 10 thematisierten Rosengärten mit über 8.000 Rosen das Highlight im Schlosspark. Schlendert man durch den Bambuswald und den Asiatischen Wassergarten, fühlt man sich nach Südost-Asien versetzt. Im subtropischen Gewächshaus Casa Verde findet man u. a. Feigenbäume, Palmen und Kaktusse. Kleinere Themengärten wie der Italienische Garten, der Japanische Garten oder der Gemüse- und Kräutergarten sind mit viel Liebe zum Detail angelegt.
Das Wetter am Samstag spielt soweit mit, dass es trocken bleibt. Schade nur, dass wir in der Jahreszeit soweit fortgeschritten sind. Welche Pracht kann man hier wohl im Frühjahr/Sommer erleben?
Am Sonntag dann die letzte Etappe nach Maasbracht dann wieder im Regen. Venlo und Roermond werden ausgelassen. In Maasbracht geht es direkt in den Winterhafen zu Van der Laan.
Do.-Mi., 23.-29.09.2021, zwei Tagestouren liegen zwischen Düsseldorf und der holländischen Grenze bei Tolkammer. Das Schiffsaufkommen auf dem Rhein hat deutlich zugenommen. Etwas anstrengend ist die Strecke bis Duisburg, da große Abschnitte im Linksverkehr gefahren werden. Also Augen auf, ob uns wirklich alle Frachter mit blauer Tafel entgegenkommen.
In Wesel versuchen wir ebenfalls vergeblich unsere Gasflasche auszutauschen. Erst im 12 km entfernten Voerde werden wir endlich fündig. Mit dem Rad zu „Toom“, wo uns eine gefüllte Flasche bereits an der Information erwartet. Die gute Ausstattung im Yachthafen Wesel erlaubt ein großes Wäschewaschen und auch das Schiff wird mal wieder aufgeräumt.
Die nächste Etappe, die eigentlich wieder bis Mook (an der Maas) gehen sollte, wird spontan verkürzt. Pause in De Bijland, gleich hinter der niederländischen Grenze. Hier im Hafen haben wir 2007 unsere erste Kato gekauft.
De Bijland ist ein großer See mit einem großen Yachthafen. Der Hafen ist vollgestopft mit Schiffen, Bootshäusern und Wohnbooten. Der Hafen wird fast zu gleichen Teilen von Holländern und Deutschen genutzt. Man möchte sich nicht vorstellen, was das hier im Hochsommer für ein Trubel ist. Nichts für uns.
Am Dienstag ist es den ganzen Tag stürmisch und der Regen kennt keine Pause. Die Abfahrt wird kurzerhand um einen Tag verschoben.
Mi., 22.09.2021, mit Petra machen wir einen Tagesausflug nach Essen. Nur gut eine Autostunde entfernt geht es zum Ruhr Museum. Es ist das Regionalmuseum des Ruhrgebiets in der Zeche Zollverein, einstmals die modernste und förderstärkste Steinkohlenzeche der Welt, die nach ihrer Stilllegung im Jahre 2001 zum UNESCO Welterbe ernannt wurde.
Das Gebäude des Ruhr Museums könnte spektakulärer kaum sein. Die ehemalige Kohlenwäsche auf Schacht XII beeindruckt durch ihre schiere Größe und Architektur. In einem integrativen Konzept, das die Natur und Kulturgeschichte miteinander verbindet, zeigt sie die gesamte Geschichte des Ruhrgebiets von der Entstehung der Kohle vor über 300 Millionen Jahren bis zum heutigen Strukturwandel zur Metropole Ruhr. Die drei Ausstellungsebenen sind den Kategorien Gegenwart, Gedächtnis und Geschichte zugeordnet.
Die neue Dauerausstellung ist in vier Ebenen gegliedert. Auf der 24-Meter-Ebene, zu der man mit der großen Außenrolltreppe gelangt, befinden sich Kasse, Information, ein Café sowie der Museumsshop. Auf der 17-Meter-Ebene werden Mythen, Phänomene und Strukturen des gegenwärtigen Ruhrgebiets dargestellt. Die 12-Meter-Ebene zeigt die vorindustrielle Entwicklung und beinhaltet auch die Sammlungen des Museums zu Archäologie, Ethnologie und Naturkunde. Auf der 6-Meter-Ebene wird die Geschichte des Ruhrgebiets im Industriellen Zeitalter dargestellt.
Kurzum, uns erwartet ein riesiges Gelände mit sehr vielen einzelnen Ausstellungsbereichen. Wir entscheiden uns für das Haupthaus. Von der Info runter in die unterste Ebene (Ausstellung „Kindheit im Ruhrgebiet“) und dann alle Etagen hoch bis zum Panoramadach. Pause im Restaurant und schlussendlich mit der „Bimmelbahn“ durch das Gelände. Um alles sehen zu wollen, braucht es mehrere Tage.
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