Cochem. Kleinste Kreisstadt Deutschlands

Cochem

Mo., Cochem hat eine lange Geschichte und war schon zu Zeiten der Kelten und Römer besiedelt. Im Jahr 886 wird es erstmals als Villa cuchema in einer Urkunde erwähnt. Heute ist Cochem mit etwas mehr als 5.000 Einwohnern (Landkreis Cochem-Zell 62.000 Einw.) die kleinste Kreisstadt Deutschlands. Wenn man dann die jährlich weit über 700.000 Gäste für den Landkreis Cochem-Zell dagegen stellt, weiß man, wovon die Region lebt.

Die Bedeutung des Weinbaus in der Region war in den letzten Jahrzehnten stark rückläufig. Während sich die Zahl der Winzerbetriebe im Vollerwerb früher in einem dreistelligen Bereich bewegt hat, ist sie heute auf weniger als Zehn abgesunken. Schon lange arbeitet die Mehrheit der Bevölkerung in anderen Wirtschaftszweigen. Während viele Hänge im Stadtgebiet bis in die 1970er- und 1980er-Jahre noch mit Reben bepflanzt waren, wurden die meisten der ehemaligen Weinbergslagen inzwischen von der Natur zurückerobert. Auffällig in Service und Gastronomie, viel Servicepersonal aus vorrangig Osteuropa.

Wir haben die Wahl, uns Cochem von oben anzusehen – Reichsburg oder Pinnerkreuz. Wir brauchen mal etwas anderes als „Burg“, deshalb geht es mit der Sesselbahn rauf zum Pinnerkreuz.

Kurzstrecke Brodenbach – Cochem

Brodenbach – Cochem

So., lockere 24 km-Tour bei überwiegend sonnigem Wetter. Wie schon am Vortag staunen wir, wie schnell wir vorankommen. Irgendwie steckt uns die Rhein-Bergfahrt immer noch in den Knochen. Obwohl Sonntag, ist nicht viel auf der Mosel los. Einige wenige Frachter, ein paar Ausflugsschiffe, ebenso kaum Sportschiffe.

Die einzige Schleuse heute, Müden, lässt uns nach kurzer Wartezeit – auf einen kleinen Baufrachter – sofort in die Kammer. Die separaten Sportbootschleusen sind wohl alle zu schmal für unsere Kato 2. Kleines Problem in den großen Kammern dabei, alle bisherigen bauten sehr viel Druck durch das einströmende Wasser auf, so dass erheblich Zug auf die Mittelleine kommt. Wir lösen das, mit Monika am Steuerstand, ich an der Leine. Funktioniert gut.

Der Stadt-Yachthafen Cochem ist lediglich ein banaler Anleger mit einer einzigen Stromversorgung und einem Wasseranschluss am Außenkai. Aber, mit extraschönem Blick auf Altstadt und Reichsburg. Wir sind zufrieden.

Tschüß Rhein, hallo Mosel

Koblenz – Brodenbach

Sa., wir müssen von der Rheinlache zwei Kilometer zurück. Den Rhein zu Tal , bis zum Deutschen Eck. Welch ein Genuss, Speed over ground (bei 2.200 Touren) fast 18 km/h! Das macht Lust auf mehr (vielleicht bei der Rückfahrt?)!

In die Koblenzer Schleuse können wir sofort und alleine einfahren. Da wir relativ früh losgefahren sind, machen wir schnell Strecke. Es ist außerordentlich angenehm, mal wieder eine Reisegeschwindigkeit von 11 km/h bei normaler Tourenzahl zu haben.

Die Mosel zeigt schon auf den ersten Kilometern, wie schön sie ist. Mit Ausnahme der Moseltalbrücke nahe Winningen. Ein 136 m hohes Monster, das seit 1972 mit der Bundesautobahn 61 den Hunsrück mit der Eifel verbindet.

Danach eine traumhaft schöne Landschaft, riesige Weinberge und nette kleine Orte. Wir nehmen noch die Schleuse Lehmen und erreichen Brodenbach bereits gegen 13.00 Uhr. In der Schleuse gibt es für Monika noch richtig Arbeit, als das vor uns liegende Flusskreuzfahrtschif aus unerfindlichen Gründen noch mal Gas gibt. Wir driften von der Schleusenwand weg, unser Kahn ist kaum noch zu halten. Nur zu zweit und mit Motorunterstützung holen wir unsere Kato zurück an die Wand. Das Ganze wurde noch erschwert, weil wir ein Sportboot steuerbord im Paket hatten. Ist letztendlich aber alles gut gegangen.

In Brodenbach ergattern wir den letzten freien Liegeplatz und geniessen den restlichen ersten Tag auf der Mosel.

Koblenz, letzter Tag. Schloss Stolzenfels.

Koblenz

Do./Fr., die Tage verfliegen. Nach einem Gammeltag am Donnerstag gibt es am Freitag noch einen Radausflug rund 6 Kilometer rheinaufwärts zum Schloss Stolzenfels.

Schloss Stolzenfels thront auf der linken Seite des Rheins gegenüber der Lahnmündung. Das neugotische Schloss ist das herausragendste Werk der Rheinromantik. Die ursprünglich um 1244 errichtete Zollburg des Trierer Erzbischofs Arnold von Isenburg wurde 1689 im pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen zerstört und diente im 18. Jahrhundert sogar als Steinbruch. Nachdem die Ruine 1802 in den Besitz der Stadt Koblenz überging, schenkte diese sie 1823 dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. Der ließ die Anlage nach den Plänen des Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel ab 1836 für sich und seine Ehefrau Elisabeth Ludovika von Bayern als Sommerresidenz wieder aufbauen.

Zurück in unserem Hafen bekommen wir von einem Stegnachbarn noch viele Empfehlungen für unsere morgige Weiterreise. Nun soll es endlich auf die Mosel gehen.

Langsam machen wir uns auch Gedanken, wohin wir eigentlich in dieser Saison noch hin wollen. Möglich wäre, die Mosel komplett zu durchfahren – über Metz und Nancy – und dann im Bogen nach Straßburg. Na, mal sehen. Es ist nur ein erster Gedanke.

Ausflug zur Festung Ehrenbreitstein

Koblenz

Mi., eine Fahrt mit der Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein. Für uns ein kleines Ritual, wenn wir in Koblenz sind. 2010 eröffnet, geniessen wir immer wieder die Fahrt über den Rhein, die imposante Festungsanlage und den traumhaften Blick auf Rhein und Mosel. Coronabedingt ist noch wenig los und fast alle Veranstaltungen auf 2021 vertagt.

Da wir die Festung wirklich gut kennen, nehmen wir uns die Zeit, einfach nur über das Gelände zu bummeln und den Ausblick zu geniessen. Bis wir auf eine interessante Fotoausstellung stoßen. „Max Jacoby – Leben und Werk eines jüdischen Fotografen im Kulturzentrum Festung Ehrenbreitstein“.

In Koblenz, als Sohn der jüdischen Kaufhausbesitzer Meta und Johann Jacoby, geboren, emigrierte er 1937 nach Argentinien. In den 1950er-Jahren war er Mitglied der Fotografengruppe „La Carpeta de los Diez“, die vornehmlich aus Immigranten bestand. Nach anfänglichem Zögern kehrt er 1957 zurück nach Berlin und arbeitete als freier Fotograf für Presse, Film, Plattenfirmen, Buch- und Zeitschriften-Verlage. Die Ausstellung zeigt sein Leben (* 8. Juni 1919 in Koblenz-Ehrenbreitstein; † 15. März 2009 in Berlin) in einer aussergewöhnlicher Tiefe und Präzision, die uns fasziniert.

Koblenz. Schön, mal wieder hier zu sein.

Koblenz

Di., Koblenz, das 1992 sein 2000-jähriges Bestehen feierte, gehört zu den ältesten Städten Deutschlands. Der ursprüngliche lateinische Name Confluentes (deutsch die Zusammenfließenden) leitete sich von der Lage der Stadt an der Mündung der Mosel in den Rhein am sogenannten Deutschen Eck ab. 1962 überschritt Koblenz die 100.000-Einwohner-Marke und wurde damit zur Großstadt. Teile von Koblenz gehören zum UNESCO-Welterbe: Seit 2002 bildet die Stadt mit ihren Kulturdenkmälern das nördliche Tor zur Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal.

Seit Katja hier über vier Jahre am Stadttheater (2009 bis 2013) engagiert war, haben wir Koblenz etliche Besuche abgestattet und kennen uns in der Stadt gut aus – und freuen uns, die Stadt wieder zu entdecken.

Schleichfahrt auf den letzten Kilometern nach Koblenz

Neuwied – Koblenz

Mo., morgens werden wir von einem heftigen Gewitter geweckt. Doch bevor wir eine Zwangspause in die Planung nehmen, reißt der Himmel auf und die Sonne lacht wieder zwischen den Wolken hindurch. Also starten wir gegen Mittag unsere letzte Rheinetappe.

Und die zieht sich. Man hat den Eindruck, wir werden immer langsamer. Zwischenzeitlich zeigt der Plotter nur noch 2,7 km/h über Grund. Ob es der vor uns liegende Moselzufluss ist, oder wir nur (verkehrsbedingt) in einer sehr ungünstigen Strömungslinie liegen, wir wissen es nicht. Für die 16 Flusskilometer brauchen wir deutlich über vier Stunden. Aber was soll’s. Wir bleiben bei Dreiviertellast, haben Zeit, Koblenz ist nah und ich habe auch keine Lust unser Kühlwasser zum Kochen zu bringen.

Lohn der Mühe: wir bekommen einen prima Liegeplatz in der Marina „Rheinlache“. Einem stillen Seitenarm stadtseitig. Alle Anschlüsse am Steg und Wlan an Bord. Fahrräder können leicht an Land gebracht werden. Perfekt.

Vorletzte Rheinetappe nach Neuwied

Oberwinter – Neuwied

So., nach einem Wasch- und Trödeltag am Samstag geht es sonntagfrüh auf die vorletzte Etappe nach Koblenz. Tagesziel Neuwied. Etwas mehr als unsere übliche Tagesstrecke, was sich aber später noch als gute Entscheidung herausstellen sollte.

Viel Verkehr am Sonntag. Als es richtig eng wird, drei Frachter haben uns gerade überholt, zwei folgen noch und von vorne kommt ein Frachter backbord und ein Ausflugsdampfer steuerbord zu Tal. Wir fahren scharf steuerbord, um uns aus der Verkehrsrinne rauszuhalten.

Plötzlich ein Funkruf (auf Kanal 10): „Sportboot Kato Berlin, bitte abfallen, wir wollen an den Steiger“. Ich antworte dem Dampfer und fange an abzudrehen. Ohne „Ehrenrunde“ können wir gut dem Dampfer Platz machen und aus dem UKW erschallt ein freundliches „Danke“. Na bitte, so geht’s auch!

Unbedingt sehenswert: Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Oberwinter/Rolandseck

Fr., Nur ein einziger Tagespunkt, aber, der hat es in sich. Und nur einen Kilometer von unserem Hafen entfernt.

„Als eines der schönsten Kunstmuseen im Rheinland besticht das Arp Museum Bahnhof Rolandseck durch seine einzigartige Architektur. Bestehend aus dem historischen Bahnhofsgebäude und dem modernen Bau des amerikanischen Architekten Richard Meier, eröffnet das Museum einen beeindruckenden Ausblick über den Rhein auf das gegenüberliegende Siebengebirge.“. Der museumseigenen Beschreibung ist nichts hinzuzufügen!

Unter dem Motto „Total surreal“ startet das Programm 2020 mit der Schau „Die Geburt der Erinnerung – Salvador Dalí und Hans Arp“. Erstmals in einer Ausstellung wird untersucht, welche Gemeinsamkeiten es im Werk des Spaniers Dalí und des deutsch-französischen Künstlers Arp gibt. Wir sind fasziniert und dehnen unsere Besichtigung auf über fünf Stunden aus. Nur unterbrochen von einem ausgiebigen Lunch im Bahnhofsrestaurant.

Ausflug zum Drachenfels

Oberwinter

Do., Erste Aktivität, Tanken. Pünktlich um 9.00 Uhr ist der Hafenmeister an der Zapfsäule. Uns schwant nichts Gutes. Das lange Fahren gegen die Strömung, meist unter „Dreiviertellast“, also mit 2.200 bis 2.300 Touren. Aber wir werden angenehm überrascht. Der Verbrauch liegt jetzt bei 6,7 l/h. Da hatten wir mit deutlich mehr gerechnet.

Mit dem Rad nach Königswinter, dort nehmen wir die Fähre auf die rechte Rheinseite. Hier am Rhein sind die letzten Ausläufer des Siebengebirges. Ein Mittelgebirge, das aus mehr als 50 Bergen und Anhöhen besteht und komplett zum Naturpark Siebengebirge, einem der ältesten Naturparks Deutschlands, gehört. Es ist vulkanischen Ursprungs und vor etwa 25,5 Millionen Jahren im Oligozän entstanden. Heute bietet das Siebengebirge ca. 200 km ausgeschilderte Wanderwege.

Mit der Drachenfels-Zahnradbahn ist man im Nu oben. Sehr komfortabel! Die Aussicht atemberaubend. Das Wetter heiß, aber zum Glück mit frischen Brisen.

Ein anschließender Besuch des Schloss Drachenburg war von sehr zwiespältigen Gefühlen begleitet. Es wurde in Rekordzeit von 1882 bis 1884 im Stil des Historismus (vor allem Neofrühgotik am Außenbau, sowie Neorenaissance bei der Inneneinrichtung) als repräsentativer Wohnsitz für Stephan von Sarter (ein Finanzfachmann und Börsenspekulant aus kleinbürgerlichen Verhältnissen) gebaut. Die Baustile bunt gewürfelt, die Innenausstattung ebenso gemischt. Immer nach dem Motto „Ich habe zwar keinen Geschmack, aber immens viel Kohle“. Ein bisschen Neuschwanstein des Rheinlands.

Warum die Gründerzeitliche Privatvilla 1986 unter Denkmalschutz gestellt und 1990 der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege unterstellt wurde, bleibt uns ein Rätsel. Anyway, einige Details waren durchaus nett anzuschauen. Und die Kaffeepause auf der Aussengalerie mit Blick auf den Rhein ein echtes Highlight.

Nach Bonn wird der Rhein interessanter

Mondorf – Oberwinter

Mi., wir bleiben bei unserer bewährten Tagesstreckenlänge von etwa 25 km. Also von Mondorf an Bonn vorbei bis Marina Oberwinter. Gewählt haben wir dieses Tagesziel, weil wir erstens die nächste Tanke anfahren wollen und zweitens, weil wir unbedingt auf den Drachenfels wollen.

Das Wetter ein Traum. Verkehr wie üblich, Reisegeschwindigkeit bleibt konstant bei 5 bis 6 km/h.

Vier Tage in der rheinischen Provinz

Mondorf

Sa. – Di. Wir entscheiden uns für eine größere Reisepause.

Sa., das erste große Umräumen unseres Vorratskellers steht auf dem Plan. Leere Flaschen raus, neue wieder rein. Ein naher Aldi (Süd) und ein REWE machen’s möglich. Die neuen Satteltaschen am Rad werden erfolgreich auf ihr maximales Fassungsvermögen getestet. Am Nachmittag zum Rhein und zack, ist der Tag vorbei.

So., Per Rad nach Bonn. Die rund 8 km lange Strecke zu unserem Ziel, dem „Haus der Geschichte Bonn“ geht auf einem wunderbaren Radweg am Rhein entlang. Allerdings, heute am Sonntag, stark frequentiert.

Das Museum lohnt sich, obwohl mehr zur Erinnerung als zum Erkenntnisgewinn. Ist ja auch bei unserem Alter kein Wunder!

Der Rückweg geht quer durch die Stadt. Schlecht über Bonn zu sprechen gehörte stets zum guten Ton. Die Stadt mit ihren 300.000 Einwohnern sei zwar nur halb so groß wie der Zentralfriedhof von Chicago, aber doppelt so tot, fand der Bestseller-Autor John le Carre. Na ja, ganz so schlimm fanden wir es dann doch nicht.

Mo./Di., Mein Körper schlägt schon wieder Kapriolen. Bereits gestern tauchten wieder Schmerzen auf. Diesmal mehr von der linken Hüfte. Ich bin ratlos. Liege fast den ganzen Tag. Nur am Abend ein paar Schritte.

Heute, am Dienstag, radeln wir in das direkt an den Hafen anschließende Naturschutzgebiet. Das Radfahren bekommt mir gut. Wenn es so bleibt, geht es morgen weiter nach Oberwinter.

Eine Tagesetappe nach Bonn

Köln – Mondorf (bei Bonn)

Fr., heutige Fahrstrecke 28 Flusskilometer nach Mondorf (Km 659). Schönes Wetter, 5 1/2 Stunden Fahrt und, bis auf die letzte Stunde, sehr viel Verkehr. Bis auf eine Beinah-Kollision mit einer Fahrbahntonne – wir konnten einem überholenden Frachter nicht weiter steuerbord ausweichen – keine weiteren Vorkommnisse.

Mondorf. Sehr schöner, ruhiger Seitenarm mit Marina. Hier teilen sich drei Motorsport- und zwei Rudervereine die kleine Bucht.

Unsere Anlage ist perfekt. Die Räder können problemlos entladen werden, es gibt Wasser und Strom am Steg und starkes Wlan. Nachdem wir gesehen haben, dass es direkt eine Fähre vom rechtsrheinischen Mondorf nach Bonn hinüber gibt, beschließen wir spontan, hier ein paar Tage zu bleiben und mit dem Rad nach Bonn zu fahren. Bonn hat keinen eigenen Hafen.

Köln Stadtrundgang, Teil 2

Köln

Do., Den Start in die Stadt hatten wir uns anders vorgestellt. Von der vollmundigen Werbung, Köln mit der Minibahn ausgiebig zu erfahren, war überaus enttäuschend. Nur eine Kurzstrecke bis zum Dom, über holprige Straßen (schönen Gruß an meine Rest-Hexe!), kaum was von den Stadterklärungen zu hören. Na, ja, man kann nicht immer Glück haben.

Der Stadtrundgang wurde dann aber doch noch richtig schön. Der Ausflug zum alten Buga-Gelände von 1957, der heute Rheinpark heißt, war wunderschön.