Bareveld – Zuidlaardermeer – Groningen
Wenn man am ersten Durchgang des Tages am „betreuten Kanalfahren“ teilnehmen möchte, muss man/frau früh aufstehen. 6.45. Der erste Ruf am „Hier-melden-Schalter“ pünktlich um 8.00 hat verzögerten Erfolg. Die Schleusenwärter tauchen knapp zwanzig Minuten später mit ihren kleinen Motorrollern auf und fragen freundlich nach der Strecke. „Zuidlaarder Meer“ (nordwärts) oder „Veendam“ (ostwärts)? Wir wollen in den Norden und sind die ersten und einzigen(!) für die frühe Passage (es gibt nur 4 pro Tag).
Uns teilen sich zwei der drei Schleusenwärter zu und ab geht die Lucy! Drei Stunden sind die beiden jetzt unsere Begleiter. Das war uns fast schon unangenehm, derart aufwändig (und kostenfrei) umsorgt zu werden; 26 Brücken, gut gemixt zwischen manuellen und elektrischen Brücken und 2 kleinen Schleusen. An den Schleusen ist ein kleiner Schnack möglich, aber aufgrund der jeweils nicht vorhandenen Sprachkenntnisse doch recht übersichtlich. Während der erste Schleusenwärter in Aktion ist, fährt der andere schon mal eine Brücke weiter und öffnet sie für unsere nahezu stoppfreie Durchfahrt. Aber, wie schon gesagt, bei 6 km/h, bleibt es eine absolut entschleunigte Reise. Wir passieren beidseitig recht dichte Reihen mit direkt am Kanal stehenden Häusern. Ab und zu von einer kleinen Kirche unterbrochen. Hinter den Häusern sind Wiesen und Felder. Sonst nichts. Am Ende der Tour entlassen uns unsere beiden Begleiter mit einem Übersichtblatt vom Zuidlaardermeer (betonnte Fahrrinnen, da sehr flach) und guten Wünschen.
Die Überfahrt geht recht zügig und über den kleinen Flußlauf „Drentsche Diep“ auf die große „Winschoterdiep“ nach Groningen. Einfahrt an den üblichen Industriegebieten vor größeren Städten vorbei, erreichen wir gegen 13.00 Uhr unsere Marina in Groningen.
An den Liegeplatz gefahren, ein bisschen was gegessen und ab mit den Rädern in die Stadt. Wir fahren direkt zum Groninger Museum. Das Bauwerk von Alessandro Mendini mit Teilentwürfen von Michele De Lucchi, Philippe Starck und Coop Himmelb(l)au ist eine inspirierende Hülle für einen ebenso kunstvollen Inhalt wurde 1994 neu bezogen. Die Ausstellung der Groninger Künstlergruppe De Ploeg und anderer nordeuropäischer Expressionisten zog uns in ihren Bann; die Ausstellung David LaChapelle weniger.
Groningen, Haupstadt gleichnamiger Provinz, hat 200.000 Einwohner (50.000 davon Studenten) und einen Radverkehrsanteil von 60 %. Auf dem Rückweg zum Hafen hatten wir noch mehrmals die Gelegenheit, das turbulente Chaos zu bestaunen. An Ampeln fahren die „Fietsen“ (nach den Autos) alle auf Kommando gleichzeitig los (aus allen Richtungen!). Je nach Temperament nicht immer nach der Regel, dass der jeweils rechte Pulk Vorfahrt hat. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus, dass es null Zusammenstöße gab. Ich werde morgen mal das dazu passende Verkehrsschild fotografieren.