Aus der quirligen Großstadt Antwerpen ins beschauliche niederländische Dorfleben. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Hier grüßt wieder jeder jeden. Die Ruhe ist wohltuend.
Die kleine Stadt entstand im 13. Jahrhundert an einer Zollstelle an der Eendracht, einem Gewässer zwischen der Insel Tholen und Noord-Brabant. Dieser Zollstelle verdankt Tholen auch seinen Namen: der Ort, an dem Zoll, niederländisch „tol“, erhoben wurde. Die ehemaligen Stadtwälle umgeben die Stadt noch heute in der typischen Sternform.
Sonntagmorgen. Wir verlassen mit neun anderen Schiffen zusammen das Willemdok. Pünktlich um 8.30 Uhr geht die Londenbrug hoch, relativ zügig im Anschluss die Siberiabrug. Alle Sportboote haben den gleichen Kurs. Vom Südende des Antwerpener Hafens einmal lang durch. Nach Norden.
Von einem entspannten Sonntagmorgen ist im Hafen nichts zu spüren. Frachter aller Größen sind unterwegs. Sie machen ordentlich Fahrt, sind deutlich schneller als die Sportboote, überholen sich gegenseitig und bringen uns mal um mal zum kräftigen Schaukeln (und im Boot kippt mal wieder unsere „Bibliothek“ um).
Die Ausmaße des Hafens sind in der Tat gigantisch. In Antwerpen fahren die größten Schiffe der Welt fast bis mitten in die Stadt. Der Antwerpener Hafen verfügt trotz seiner einzigartigen Lage 80 km im Landesinneren über einen riesigen Tiefseehafen.
Wir passieren die Doppelschleuse am rechten Scheldeufer (Zandvliets- und Berendrechtsluis), die schon richtig was hermacht. Die größte Schleuse der Welt allerdings, die Kieldrechtsluis, liegt am linken Scheldeufer, ist 500 Meter lang, 68 Meter breit und enthält dreimal so viel Stahl wie der Eiffelturm in Paris.
Am Nordende des Hafens beginnt die Schelde-Rijn-Verbindung. Der Kanal verläuft von Antwerpen zum Volkerak und verbindet Antwerpen mit allen Flüssen im Rhein-Maas-Delta. Die Gesamtlänge beträgt rund 50 Kilometer.
Bevor wir die Oosterschelde an ihrer Westseite passieren, müssen wir noch durch die Kreekrakschleuse. Zwei Kammern, Platz für je vier große Frachter plus x. Wir holen die anderen Sportboote wieder ein, die wesentlich mehr Gas gegeben haben und gerade einfahren. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen, gehen auf dem letzten Kilometer auch auf Full Speed und schaffen es noch (ohne Anmeldung) mit in die Schleusung. Wieder „im Paket“ zwischen den Frachtern.
Das letzte Stück ist Trödelfahrt. Wir steuern den Hafen von Tholen an.
Der letzte Tag in Antwerpen. Auf den großen Samstagsmarkt und ein letztes Mal durch die Stadt. Antwerpen hat uns richtig gut gefallen. Wir nehmen uns vor, noch einmal wiederzukommen.
Do./Fr. Nach dem „Himmelfahrt-Faulenzertag“ heute am Freitag mal wieder kreuz und quer durch die Stadt. Wir stellen erneut fest, Antwerpen ist groß, vielfältig und überrascht uns immer wieder.
Wir starten ins Nordviertel mit seinem riesigen Grüngürtel. Die Parkanlagen in Antwerpen können sich wirklich sehen lassen. Sorgfältig gepflegt und sehr sauber. Dann diagonal durch die Stadt. Mitten durch das (völlig überlaufende) Shoppingviertel zur Schelde und im alten Scheldetunnel aus dem Jahr 1933 zum „Linkeroever“ (Linke Ufer).
Di./Mi. Am Dienstag dunkle Wolken aus denen immer mal wieder starker Regen strömt. Ideale Voraussetzungen um einen „Haushaltstag“ abzuhalten. 2 x Waschmaschine, 2 x Trockner etc. – und schon fühlen wir uns wie frisch eingezogen.
Am Mittwoch der erste Geburtstag an Bord der Kato 2. Nach einem opulenten Frühstück geht es durch die Stadt zum Middelheim Skulpturenpark. 27 Hektar mit mehr als 400 Werken (davon mehr als 250 permanent unter freiem Himmel). Das immer noch zu viel für einen halben Tag. Für eine gute „Annäherung“ aber allemal. Am Abend ins „Felix“, ein Restaurant im gleichnamigen Speicher hier am Hafen. Das Menu Spitze, die Preise moderat. Wir waren begeistert.
Die Woche beginnt mit Bunkern. Wasser, Diesel, Lebensmittel und Getränke.
Apropos Diesel. So langsam können wir den Verbrauch unserer Kato 2 ganz gut einschätzen. Wir tanken jetzt zum dritten Mal. Es ergibt sich ein Schnitt von 5 bis 6 Litern/h. Allerdings noch mit heftiger Benutzung der Dieselheizung eingerechnet. Wir hoffen auf bessere Werte wenn wir jetzt Diesel nur noch zum Fahren verbrauchen.
Mein rechtes Ohr läuft mal wieder zu. Mittlerweile sollte ich zwei- bis dreimal im Jahr zum HNO. Eigentlich Pillepalle, aber schon sehr lästig. Der Hafenmeister sucht mir einen HNO Arzt raus. Nur ein paar Schritte vom Hafen entfernt. Termin per Telefon gemacht – in einer(!) Stunde. 45 € – kann ich in Berlin bei der KK einreichen – und die Lauscher sind wieder klar Schiff.
Die nach Antwerpen abfließende Flut setzt in Dendermonde erst gegen 12.00 Uhr ein. Nette Abfahrtszeit. Aber auch mit der Befürchtung verbunden, bis zum Einsetzen der steigenden Flut in Antwerpen (gegen 16.00 Uhr) nicht rechtzeitig „unten“ zu sein.
Unsere Befürchtungen treffen nicht ein. Im Gegenteil, wir rasen den Fluss hinunter.
Das Nadelöhr ist die Royerssluis. Schon auf der Hinfahrt hat sie Zeit gekostet. Die Nachfrage per Marifon wird sehr freundlich beantwortet. Aber wir müssen auf Frachter warten. Einen Anleger auf der Schelde gibt es nicht. Also legen wir an den Einfahrtsplanken an, die, da Tiefwasser, völlig verschmiert aus dem Wasser ragen. Die Schelde ist unruhig und die vorbeirasenden „Speed“-Wasserbusse schaukeln uns kräftig durch. Unsere Backbordseite sieht anschließend aus „wie Sau“. Vom Eintreffen an der Schleuse bis zur Ausfahrt vergehen tatsächlich satte 2 1/2 Stunden. Der Rest, die beiden Brücken zum benachbarten Willemdock, läuft dafür wie geschmiert.
Heute gibt es nicht wirklich viel Berichtenswertes. Der Start aus Gent führt wieder schnell zur Gezeitenschleuse Merelbeke.
Es gilt wieder die Gezeitentabelle zu berücksichtigen. Mittlerweile haben wir auch den „Tiden-Bildschirm“ auf unserem Raymarine Plotter „entdeckt“ – und brauchen nicht mehr ins Internet!
Aber, die Schleusenwärter meinen es nicht gut mit uns. Einen Frachter lassen sie in die Steuerbordkammer – ohne anschließend auf „Grün“ für die Sportschifffahrt zu stellen. Auf Marifon-Anfrage wird nicht geantwortet und die Schleusenwand schließt sich wieder.
Also zurück, in die Backbordkammer und warten. Es kommen zwei Frachter, die einfahren. Dann, tatsächlich „Grün“ für uns. Das Ganze zieht sich über eineinhalb Stunden.
Dendermonde ist für uns diesmal nur ein „Schlafanleger“.
Schön, wenn man eine Stadt schon ein wenig kennt. Einkäufe erledigen sich im Handumdrehen, „HotSpots“ kann man meiden und es ist die Zeit da, alles sehr gemächlich anzugehen ohne Angst haben zu müssen, etwas Herausragendes verpasst zu haben.
Wir entscheiden uns am Nachmittag noch ins S.M.A.K. Stedelijk Museum voor Actuele Kunst (Municipal Museum of Contemporary Art) zu gehen.
In diesem Jahr feiert das S.M.A.K. sein zwanzigjähriges Bestehen und zeigt erstmals einen Teil der Sammlung im vollständigen Museumsgebäude. 200 Werke führen durch das Labyrinth der zeitgenössischen Kunst.
Da unser Liegeplatz in einem Seitenkanal mit Brücke liegt, werden alle abreisenden Schiffe von der Hafenmeisterin gebeten, gemeinsam um 9.00 Uhr loszufahren. Mit dem Gegenangebot, dann, je nach Fahrtrichtung, für ein „Weiterreichen“ an allen weiteren Brücken zu sorgen.
Natürlich sind wir pünktlich vor der Zugbrücke und kommen damit zügig aus dem Stadtgebiet von Brügge. Es geht wieder über den Oostende-Gent-Kanal und der Genter Ringfahrt. Relativ früh können wir unseren „alten“ Liegeplatz in Gent einnehmen.
Der letzte Tag in Brügge. Eine Radtour außen um die Stadt herum. Wenn man zügig fahren würde, wäre es in einer Stunde getan. Aber immer mal wieder stoppen, die Stadttore anschauen und kleine Abstecher in die Stadt, dauert natürlich länger.
Jetzt sind wir am Wendepunkt unserer (Nord-)Belgienfahrt angelangt. Die Rückfahrt (Gent, Antwerpen) steht an. Brüssel werden wir wohl auf ein anderes Mal vertagen.
Gut, dass es erst Dienstag ist. Die Touristenströme sind bereits heftig unterwegs. Wir wollen uns das nicht wirklich vorstellen, wenn die „Städtereisenden“ zum Wochenende kommen.
Der Zugangsbereich zum Belfried ist um 9.45 Uhr noch fast leer. Das kann sich schnell ändern. Nur 50 Personen werden jeweils eingelassen. Der Aufstieg über knapp 400 Stufen ist im oberen Bereich sehr eng und der „Gegenverkehr“ nicht geregelt. Wie so häufig auf Türmen, der Ausblick entschädigt für die Anstrengung.
Eine Stunde später hält sich der Andrang an den Anlegern der Bootstouren ebenfalls noch in Grenzen. Nach 10 Minuten Wartezeit geht es 30 Minuten durchs mittelalterliche Brügge.
Der Rest des Tages wird improvisiert. Deshalb heute eine kleine Bilderflut.
Brügge (niederländisch Brugge, französisch Bruges), Hauptstadt der Provinz Westflandern. Da Brügge nie durch Kriege oder großflächige Brände zerstört wurde, sind mittelalterliches Stadtbild und historische Gebäude sehr gut erhalten. Der mittelalterliche Stadtkern wurde 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. 2002 war Brügge Europäische Kulturhauptstadt.
Das Wetter ist trübe und grau, aber trocken. Wir lassen uns treiben.
In Brügge kommen auf 120 000 Einwohner 50 Chocolaterien. 2016 besuchten 1,7 Millionen Touristen die flämische Stadt. Es gibt mehr Schokoladenläden als Apotheken. Marzipan mit Wasabi, Karamell mit Cabernet. Die Flamen haben den Kakao im Blut (*schrieb der Tagesspiegel vor 2 Jahren). Auch wir kommen aus dem Staunen nicht raus.
In unseren Stadtspaziergang integrieren wir den Besuch der Dali Ausstellung in der Galerie Xpo im Belfort. Die relativ kleine Galerie zeigt (etwas beengt) viele Zeichnungen und einige Skulturen über seine gesamte Schaffenszeit. Nicht schlecht, würde auch einem großen Museum gut stehen.
Morgen soll die Sonne wieder scheinen. Dann gibt es eine Kanalfahrt.
Ein trüber, regnerischer Sonntagmorgen. 9.00 Uhr Abfahrt aus dem Stadthafen. Über die Genter „Ringfahrt“ geht es auf dem Oostende-Gent-Kanal rund 47 km nach Brügge.
Dreiviertel der Strecke sind wir nahezu allein unterwegs. Erst kurz vor Brügge kommen uns einige Sportboote und zwei kleine Flusskreuzfahrschiffe entgegen. Der Kanal ist hochgradig langweilig, zeigt am Ufer wenig Sehenswertes und das Nieselregenwetter trägt sein Übriges dazu bei.
Der Innenstadthafen von Brügge ist nur drei Stadtbrücken entfernt. Nach der ersten werden wir erfreulicherweise „weitergereicht“. Das ist deshalb gut, weil die Belgier zwar den entsprechenden Marifon-Kanal am Ufer anzeigen aber kaum auf UKW-Anrufe antworten.