Köln Stadtrundgang, Teil 1

Köln

Mi., Die Wärmepflaster fangen an, zu wirken. Es geht mir schon viel besser und wir wollen auf jeden Fall ins Museum Ludwig. Das Mu­se­um be­sitzt heute eine der wichtig­sten Samm­lun­gen von Kunst des 20. und 21. Jahrhun­derts weltweit. Wir fangen mit dem oberen von zwei riesigen Stockwerken (Expressionisten, Picasso Sammlung, Neue Sachlichkeit u. w.) an. Die Brandbreite ist überwältigend. Allerdings fordert sie auch ihren Tribut. Das „zweite Paket im ersten Stock“, die um­fan­greich­ste Pop-Art-Kollek­tion Eu­ro­pas, können wir nur streifen. Unsere Aufnahmespeicher sind für heute voll.

Ausgiebige Ruhepause im Museumscafé, dann der Rückweg durch die Stadt in den Hafen. Dort haben wir einen neuen Backbord-Nachbarn. Eine Linssen aus Hamm mit einem Paar in unserem Alter, die große Pläne haben. Über die Donau ins Schwarze Meer und über das Mittelmeer und durch Frankreich wieder zurück. Eine Reiseplanung, die sich über „4 – 5 Jahre“ erstrecken soll.

Hexe & Regen

Köln

Di., Mir geht es schlecht. Gestern habe ich beim Blick nach dem Ölstand eine unglückliche Drehung gemacht. Ergebnis, ein 1a-Hexenschuss. Eine erste Maßnahme mit Aktivgel brachte zwar eine ruhige Nacht, aber die Schmerzen sind heute morgen noch voll da. Schon in Versuchung, den nächstbesten Orthopäden aufzusuchen, wollte es Monika noch einmal mit einem Wärmepflaster probieren.

Also gehen wir einkaufen. Aber, da ich mich unbedingt bewegen wollte, geht alles in Zeitlupe. Die Schmerzen sind ätzend. Für den kleinen Weg in die Severinstraße brauchen wir über zwei Stunden. Dank Wärmepflaster kann ich mich hinlegen und etwas schlafen. Mittlerweile hat Dauerregen eingesetzt. Na, passt doch alles zusammen.

Hallo Köln

Leverkusen Hitdorf – Köln

Mo., da es bis Köln nur wenige Kilometer sind, wird am Morgen getrödelt, Wasser aufgetankt und noch mit dem Stegnachbarn geschnackt. Diese Gespräche lohnen sich immer. Wir bekommen Tipps für die Stationen zwischen Köln und Bonn und Bonn und Koblenz. Und, von anderen Schiffskollegen die ebenfalls Verdränger fahren, die Bestätigung, dass es nun mal mit diesen Schiffen nicht schneller geht. Unser Trost natürlich, dass wir aber auch erheblich weniger Sprit als die großmotorisierten Gleiter verbrauchen!

Die Redewendung „die Wacht am Rhein singen“ kenne ich noch von meinem Vater, der mir damit dann eine eindringliche Warnung aussprach. Dass dieses nationalistische und kleindeutsche Gedöns sich noch in einem 2005 neuerrichteten Ausflugslokal in Leverkusen-Wiesdorf widerspiegelt, ist uns höchst suspekt.

Wir erreichen den Rheinauhafen in Köln ohne Probleme. Hier liegen wir hinter den drei „Kranhäusern“. Wieder das Problem mit dem sehr tiefliegenden Hafenbecken. Wahrscheinlich werden wir auf dem Rhein unsere Räder überhaupt nicht von Bord nehmen. Aber das ist hier auch nicht nötig – schließlich liegen wir wieder mitten in der Stadt.

Sonntag, tschö Düsseldorf

Düsseldorf – Leverkusen Hitdorf

So., Zurück auf den Rhein. Nächstes Ziel Köln. In einer Etappe nur mit gewaltiger Anstrengung zu schaffen. Aus dem Alter sind wir raus. Also einmal Station gemacht.

In Hitdorf (Ortsteil von Leverkusen). Ein langer Seitenarm (-hafen), der mit einem Steinwall vom Rhein abgetrennt ist. Wetter, na ja. Tour ohne besondere Vorkommnisse.

Ausflug nach Kaiserswerth

Düsseldorf

Sa., Petra und Hanno wollen uns Kaiserswerth zeigen. Ein ruhiger, 10 Kilometer entfernter Vorort mit dörflichem Ambiente. Es wird ein richtig schöner Ausflug in die kleine 8000-Seelen-Vorstadt.

Verblüfft stellen wir fest, dass uns die Highlights von Kaiserswerth bereits bei unserer Anfahrt auf dem Rhein aufgefallen sind, sie aber überhaupt nicht zuordnen konnten. So z. B. die Gebäude am Anleger und vor allem die Ruine der Kaiserpfalz.

Die Samstagsausflügler, vorrangig aus Düsseldorf, sorgen für lebhaften Betrieb in der kleinen Altstadt und am Rheinufer. Übrigens, Kaiserswerth gehört heute zu den Stadtteilen Düsseldorfs mit der höchsten Kaufkraft. Was man einigen Villen am Rheinufer auch deutlich ansieht.

Düsseldorf „von oben“

Düsseldorf

Fr., Petra bringt uns wieder zurück in den Hafen. Mittags haben wir uns mit Axel verabredet. Eigentlich wollte er sich nur kurz unseren Kahn ansehen und dann wollten wir etwas spazieren gehen. Doch das Gespräch an Bord war einfach zu unterhaltsam.

Am späten Nachmittag dann noch einmal ein Treffen mit Monika. Wir hatten uns Tickets für ein Zeitfenster um 19.00 Uhr für den Rheinturm gesichert. Die Sicht auf 168 m ist phänomenal. Im Süden erkennen wir den Kölner Sendeturm. Das Wetter fast optimal, der Rundblick gigantisch.

Düsseldorf heißt, liebe Freunde treffen

Düsseldorf

Do., Fronleichnam, wir melden uns beim Hafenmeister an. Er „erklärt“ uns den Rhein und die Fahrt darauf. „Haltet euch von den Frachtern und den Kribben (Buhnen) fern“. Und wir sollen uns mal die Kollisionsschäden bei zwei Schiffen ansehen, die im Hafen liegen. Dann schaut er uns ganz mitleidig an, als er von unserer Reisegeschwindigkeit hört. Monika wird immer blasser. Ich sehe das nicht so eng und denke an das Schild von Oberhausen (Geduld)!

Gegen Mittag kommt Monika N. auf’s Schiff. Es hat stark geregnet. Wir machen es uns in unserem „Wintergarten“ gemütlich. Später am Nachmittag holt uns Petra ab. Es geht nach Wersten. Hanno hat Geburtstag und der Abend wird lang. Das Angebot bei ihnen zu übernachten, nehmen wir gerne an.

Zweite Rheinetappe nach Düsseldorf

Krefeld – Düsseldorf

Um 9.00 Uhr sind wir mit dem Hafenmeister zum Tanken verabredet. Er ist pünktlich da und wir können eine halbe Stunde später unsere Fahrt nach Düsseldorf fortsetzen.

Wir finden uns schon wesentlich besser mit Gegebenheiten auf dem Rhein zurecht. Aber die „Langsamkeit“ verlangt einen aufmerksamen, stetigen Blick auf den Plotter, nach vorne und, vor allem, nach hinten.

Das Wetter ist diesig und der Rhein macht seinem Ruf, eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt zu sein, alle Ehre. Für die ca. 25 km brauchen wir vier Stunden. Dann sind wir im Medienhafen Düsseldorf.

Der Hafen enttäuscht. Unsere Räder lassen wir an Bord. Der Aufstieg aus dem sehr tiefen Hafenbecken über steile, enge Treppen ist uns zu mühsam. Zumal uns dringend davon abgeraten wird, sie oben an der Promenade anzuschließen. Also geht es zu Fuß zum Einkaufen. Morgen ist schließlich Feiertag.

Es geht auf den Rhein

Oberhausen – Krefeld

Die letzten Kilometer auf dem Rhein-Herne-Kanal. Noch zwei Schleusen und dann durch den Duisburger Hafen auf den Rhein.

Wir waren ja sehr skeptisch, auf welche Fließgeschwindigkeit wir treffen würden. Ab jetzt geht es „zu Berg“. Bis Koblenz.

Schon beim Einbiegen auf den stark frequentierten Rhein ist die Strömung heftig. Dementsprechend dauern alle Manöver extrem lange. Die Instrumente liefern erste Ergebnisse: Fahrt durchs Wasser ca. 11 km/h, Nettogeschwindigkeit schwankt zwischen 4,5 und 6 km/h. D. h., an das richtige Einschätzen von Entfernungen müssen wir uns erstmal gewöhnen. Es ist Geduld angesagt (und zum ersten Mal wünschen wir uns doch einen etwas stärkeren Motor).

Ab Kilometer 769, den wir nach kurzer Fahrt erreichen, gilt eine Sonderreglung, wo die Bergfahrt, der Talfahrt den Weg weisen darf. Dies wird mit einer blauen Tafel angezeigt, die jedes Schiff (ausgenommen Kleinfahrzeuge) an der Steuerbordseite hat. Der Bergfahrer versucht an diesen Streckenabschnitten immer auf der Kurveninnenseite zu fahren, da dort weniger Strömung ist. Also, Begegnung steuerbord an steuerbord. Gleichzeitig besteht für den Bergfahrer die Verpflichtung, der Talfahrt ausreichenden Raum zu lassen. So weit, so gut. Erschwerend kommt allerdings die Reglung der Überholung dazu. Da die Frachter alle schneller sind, müssen wir stets abschätzen, ob sie uns steuer- oder backbord überholen wollen. Am ersten Tag – echt anstrengend.

Bei Krefeld haben wir für unseren ersten Rheintag genug. Es geht in einen ruhigen Seitenarm in eine sehr schöne, kleine Marina.

Montag. Strecke machen

Münster – Oberhausen

Nach unserer Münster-Pause wollen wir mal wieder ein wenig „Strecke machen“. 85 km, drei Schleusen, 11 Stunden Fahrzeit.

Eigentlich eine Schande, sich keine Zeit für ein ordentliches Ruhrpott Sightseeing zu nehmen, aber für uns hat der Rhein diesmal Priorität.

Sonntag. Familientag.

Münster

Der Vormittag zeigt sich mit Sonne und Regen noch sehr wechselhaft. Aber es wird doch schon ein wenig wärmer.

Wir sind mit der Familie verabredet. Erst zum Kaffee zu Janina, Frank, Mathilda und Palina. Zum Abendessen sind wir von Martin und Meini eingeladen. Wir werden rundum verwöhnt.

Ein wunderschöner, letzter Tag in Münster bevor unsere Reise morgen früh weitergeht.

Wettersturz

Münster

Fr./Sa. Das Wetter kippt. Waren es gestern noch 28 Grad, sackt das Thermometer über Nacht auf 16 Grad runter. Freitagmittag ist es wenigstens noch trocken. Per Rad geht es in die Stadt ins Kunstmuseum Münster. Die Ausstellung vereint auf zwei Stockwerken die vier großen Künstler des Museums: Pablo Picasso, Georges Braque, Marc Chagall und Henri Matisse. Wir sind pünktlich um 11.00 Uhr zur Öffnung vor Ort. Positiver Corona-Nebeneffekt: Wenige Besucher, nur vier Personen pro Saal. Sehr angenehm, so durch die Ausstellung gehen zu können.

Der Freitagnachmittag bringt eine unangenehme Überraschung. Nachdem wir im strömenden Regen in den 3 km entfernten Yachthafen Monasteria eingefahren sind (um vorsichtshalber die Batterien für eine Nacht wieder richtig vollzuladen), erfahren wir auf telefonische Nachfrage, dass der Hafen noch geschlossen ist. Na dann, wieder zurück in den Stadthafen.

Bei der Rückfahrt wird der Motor wieder heiß. Ein Check am Samstag bringt nach Rücksprache mit Linssen keine wesentlich neuen Erkenntnisse. Aber dank Rennie finden wir per FaceTime-Videochat die Entlüftungsschrauben des Kühlwassersystems. Vorerst ist alles wieder ok, wir werden es aber im Blick behalten, bevor wir auf den Rhein gehen.

Das Wetter wird wieder besser. Und unser Solarpanel erhält uns prima den Batteriestatus.

Mal wieder in Münster

Bergeshövede – Münster

Eine Kurzstrecke auf dem Dortmund-Ems-Kanal von knapp 40 km bis Münster Stadthafen. Wetter hochsommerlich. Wenig Verkehr. Mit einem kurzem Wassertankstopp in der Alten Fahrt Fuestrup geht es dann ohne Wartezeit in die Schleuse Münster.

Sonnenanbeter und Badelustige an beiden Seiten des DEK. Etwas Übermütige schwimmen zwischen den Schiffen von Ufer zu Ufer.

Im Stadthafen der gewohnte Anblick. Nur wenig Neues ist seit dem letzten Jahr hinzugekommen. Die Großbaustelle an der Einfahrt auf der rechten Seite zeigt auch nicht viel Bewegung. Mehr zu sehen dafür an der Südseite des Hafenbeckens. Die zweite gläserne Manufaktur (neben der Hafenkäserei) ist schon deutlich erkennbar: die „cibaria limani“, eine BioVollkorn-Bäckerei aus Münster will hier ihr Handwerk bereits im Sommer 2020 sichtbar machen. So wächst mit Käserei und der Zentrale des SuperBioMarktes ein kleines Hafen-Bio-Zentrum zusammen.

Bei diesem herrlichen Wetter ist die Hafenpromenade dann ab dem späten Nachmittag rappelvoll. Nahezu alle Restaurants, Cafes und Biergärten sind geöffnet. Die Einhaltung der Corona-Regeln wird überwiegend ernst genommen.

Pfingstmontag. Es geht weiter

Bad Essen – Bergeshövede

Die Zeit ist schnell rumgegangen. Ein letzter gemeinsamer Kaffee am Vormittag, dann trennen sich die Wege wieder. Unsere Mindener ostwärts heim und wir westwärts weiter. Wir verabreden uns auf ein Wiedersehen später im Jahr in Berlin.

Bis Münster durchfahren ist uns dann doch zu viel für den halben Fahrtag. Also nur bis zum „Nassen Dreieck“, sprich den Mittellandkanal auf Kilometer Null und ein mal um die Ecke.

Alles ist prima, das Wetter fantastisch. Vor uns ein Schubverband, den wir eigentlich nicht überholen wollen. Es gibt zu viel Frachtverkehr und reichlich kleine und große Sportboote. Also bleiben wir hinter ihm. Bis uns ein weiterer, schneller Frachter hinter uns immer dichter kommt.

OK, dann überholen wir doch mal. Vollgas auf 14 km/h und, mitten im Überholvorgang kommt vom Motor die Warnmeldung „Wasser kocht“! Gott sei Dank backbord eine Ausweichbucht und sofort runter vom Gas. Der Motor sagt Danke und wir in absoluter Schleichfahrt bis zur nächsten Anlegemöglichkeit hinter den Frachtern her.

Die lange Fahrt hinter dem Schubverband, der gewaltig das Kanalwasser aufwühlt, hat unseren Kühlwasserfilter „dicht gemacht“. Nach fünf Minuten war alles behoben. Aber komisch war’s nicht.