Mini-Tagestour nach Monthermé

Revin – Monthermé

Di., 03.08.2021, wir lassen uns Zeit beim Aufbruch. Für die kleine Strecke nach Monthermé fahren wir die 20 km ausschließlich durch Automatikschleusen. Auf unserem Weg sind wir, mit Ausnahme einer einzigen Begegnung mit einem Sportboot, allein unterwegs.

Das Wetter ist überwiegend bewölkt mit leichten Sonnendurchbrüchen. Erst am Abend kommt ein kurzer, starker Regenguss. Das Ganze bei knapp über 20 Grad. Die Fahrt durch die kurvenreiche Meuse entspannt ungemein.

Monthermé ist ein schöner Zwischenhalt für eine Nacht. Die kleine Gemeinde im Arrondissement Charleville-Mézières liegt an einer herrlichen Meuseschleife und scheint ebenso wie Revin etwas verschlafen daherzukommen. Auf den Berg sind wir allerdings diesmal nicht rauf; die Luftaufnahme ist ein Archivbild.

Week-end à Revin

Revin

Sa.-Mo., 31.07.-02.08.2021, wir beschließen „unser“ Wochenende bis zum Montag in Revin zu verlängern. Die fantastische Anlage bietet uns alle Möglichkeiten und Annehmlichkeiten. Von Wäsche waschen bis Pétanque spielen.

Am Freitag hatten wir noch ein längeres Gespräch mit Christine und Siegfried Günther. Sie lagen mit ihrer „Vagabond“ ebenfalls im Hafen von Revin. Siegfried ist so etwas wie der „Herr des Referenzblogs“ für Boote unserer Klasse und das bereits seit 2014 (vagabond4you.com)! Wir haben uns für die vielen Tipps in seinem Blog bedankt und hatten Gelegenheit, uns über die aktuelle Situation in Frankreich zu informieren.

Gerade, wenn man keine besonderen Pläne hat, gehen die Tage schnell vorbei. Revin ist eine kleine, unspektakuläre Gemeinde mit 6.000 Einw., einer Kirche aus dem 17. Jahrh. und einem Fachwerkhaus, das Maison d’Espagnole, das heute ein Heimatmuseum beherbergt.

Und zum Schluss gab es noch eine „Allez les Bleus“-Aktion von fünf(!) Polizisten, die die am Montag verbliebenen Schiffe am Anleger kontrollierten.

Durch zwei Tunnel nach Revin

Givet – Revin

Fr., 30.07.2021, Aufregung pur. Gleich nach Givet geht es im französischen Canal de l’Est branche nord (Canal de la Meuse) weiter. Er ist 272 km lang, hat 59 Schleusen und 4 kurze Tunnel. Das heißt, der Lauf der Meuse wird im Wesentlichen eingehalten und mit kurzen Kanalabschnitten verkürzt oder umfahren.

In Holland und Belgien ist die Maas recht breit, die Schleusen sind groß und erst ab Frankreich haben sie das „Freycinet-Maß“ (38,5 m Länge und 5 m Breite). Fast alle Schleusen Frankreichs hatten einmal die gleichen Ausmaße. Die Kanäle 1,80 m Tiefgang und 3,50 m Brückenhöhe, ebenfalls im Freycinet-Maß (Charles Louis de Saulces de Freycinet war von 1877-1879 Minister für öffentliche Arbeit).

Für uns heißt das, die Schleusen sind ungewohnt klein. Einige in keinem sehr modernen, gut gewartetem Zustand und mit Hubhöhen von 2 bis 6 Metern wird die Kammer mit teilweise kräftigem Schwall gefüllt.

Unser Start in die Schleuse „Les Trois Fontaines“, die im Anschluß direkt in den Tunnel von Ham führt, ist noch mit einem Schleusenwärter besetzt, der uns die Eingewöhnung leichter macht (holt unsere Leine zum Poller hoch). Zudem sind wir allein unterwegs.

Die unbeleuchtete Tunneldurchfahrt (565 m) ist mit 6,50 m Breite und 4,30 m Höhe eigentlich kein Problem. Aber das gilt natürlich nur die Fahrbahnmitte. Eine sichere Höhe bei unserer Schiffsbreite von 3,50 m liegt wohl bei 3,20 m bis 3,40 m. Ok, wir demontieren bereits in Givet das komplette Dach und legen vor der Schleuse auch den Mast. Damit haben wir 2,95 m Höhe. Mit eingekuppelten Gang geht es mit 6 km/h schön ruhig in der Mitte – besser als gedacht. Nach dem Tunnel noch eine Schleuse mit Wärter, dann kommen nur noch automatische mit Fernbedienung.

An das „Cabriofahren“ kann man sich gewöhnen. Macht einfach Spaß (bei Sonnenschein) – wäre da nicht der Aufwand des Ab- und Aufbaus. Die Tour am Rand der Ardennen ist wunderschön. Wir fahren Meuse-Schleifen (wie an der Mosel und der Saar) und nehmen auch noch den zweiten Tunnel nach Revin.

In einem, wie man sich erzählt, der schönsten Port de Plaisance an der Maas finden wir in Revin, trotz guter Belegung und ohne vorherige Anmeldung, noch einen Platz.

Nun doch, wir sind in Frankreich

Dinant (B) – Givet (F)

Do., 29.07.2021, Start 10.30 Uhr, durch die Schleuse Ansemme (Dinant Süd) geht es im Sauseschritt durch die weiteren Schleusen in Waulsort und Hastière in Richtung Grenze. Die Fahrt geht vorbei an abwechslungsreicher Landschaft, Felsformationen der Ardennen und nicht zuletzt am außergewöhnlichen Kulturerbe der Wallonie, dem Schloss Freÿr-sur-Meuse.

Wir verzichten auf einen letzten Stopp in Belgien und fahren in die Grenzschleuse „Les Quatre Cheminées“ ein, die auch eine Vignettenstation des VNF ist. Auf unsere Nachfrage, wie es um den weiteren Zustand der Meuse bestellt ist, bekommen wir grünes Licht bis Toul/Nancy. Nur der Ardennenkanal (in den Großraum Paris) bleibt auf nicht absehbare Zeit gesperrt. Übrigens, das Thema Covid wird vom Grenzbeamten überhaupt nicht angesprochen, Tests müssen nicht vorgelegt werden und auch unsere Impfzertifikate bleiben ungezeigt.

Wir kaufen eine 30-Tage-Vignette für 125,10 €, eine Nachbuchung, falls die Tage nicht ausreichen, soll man online über die VNF-Website vornehmen können. Die 30 Tage müssten auf jeden Fall reichen, wenn wir nach Nancy über Metz auf der Mosel nach Luxemburg/Deutschland fahren.

Unser Tagesziel, Givet, erreichen wir wenige Kilometern nach der Schleuse. Es soll nur eine Übernachtung sein, wir wollen ein wenig „Strecke machen“. Die kleine französische Gemeinde (6.600 Einw.) wirkt ein wenig verlassen und das trübe Wetter lässt uns nach einem kleinen Rundgang schnell aufs Boot zurückkehren. Ganz nebenbei, für die Übernachtung zahlen wir in der Capitainerie kuriose 4,44 €.

Ruhetage in Dinant

Dinant

Mo.-Mi., 26.-28.07.2021, das Wetter bleibt wechselhaft, wir leben in die Tage. Kümmern uns um den Haushalt an Bord, lesen und faulenzen, fahren oder spazieren durch die kleine Stadt.

Unter anderem stand ein Austausch der Gasflasche an. Und da war es wieder, unser altes Problem – wo bekommen wir eine neue (für die Reserve) her? Nach langer Fahrradrundfahrt (einen online angezeigten Baumarkt gibt es seit Jahren nicht mehr, ein anderer, am anderen Ende der Stadt, führt unseren Typ nicht mehr) geben wir auf und vertagen das Thema. Schließlich haben wir 4 bis 5 Wochen Zeit, bevor wir erneut wechseln müssen.

Der Trubel in der Stadt findet in Wellen statt. Am Wochenende natürlich der Höhepunkt. Die ersten drei Tage der Woche ist es doch sehr verhalten. Was uns natürlich freut.

Morgen geht es weiter, bis kurz vor die französische Grenze. Dann wird es spannend. Da im Internet die aktuellen Wasserstraßenverhältnisse nicht zu recherchieren sind, erhoffen wir uns vom VNF (Voies navigable de France) direkt an der Grenzschleuse im persönlichen Kontakt eine verbindliche Auskunft. Noch haben wir den Plan bis Toul/Nancy zu fahren nicht aufgegeben.

Jazz am Sonntag

Dinant

So., 25.07.2021, wie schon in Namur, so auch hier: am nächsten Tag scheint die Sonne und außer der betroffenen Straße wirkt die Stadt, als wäre nichts gewesen. Das belgische THW, die Feuerwehr und zahlreiche Helfer sind aktiv vor Ort. Dinant ist eine Touristenhochburg und am nicht betroffenen Ostufer findet ein ganz normaler Ausflugssonntag statt.

Also laufen wir mit einem schlechten Gewissen (das es uns so gut geht) auch mal los. Das La Maison de Monsieur Sax ist keine 200 m von unserem Anleger entfernt. Adolphe Sax (*6. November 1814 in Dinant; † 7. Februar 1894 in Paris), ein belgischer Erfinder, Instrumentenbauer und Musiker; er war der Entwickler der Saxhörner und des Saxophons. Das Saxophon ist heute das Markenzeichen der Stadt und als Skulptur überall in der Stadt vertreten. Das Museum ist wirklich sehr klein und in kurzer Zeit durchlaufen.

Mit so einem Erbe versehen legt Dinant nicht nur seinen akademischen Schwerpunkt auf die Musik. Im Sommer (Juli und August) sind die „Dinant Jazz Weekends“ fester Bestandteil seit nunmehr 19 Jahren.

Wir laufen um 14.00 Uhr zum Veranstaltungsort „La Tour de Monsieur Sax“, der relativ kleinen Freilichtbühne, und hören, mit großem Vergnügen, das einstündige, kostenlose Konzert eines hiesigen Nachwuchsquartets. Spontan beschließen wir, die sehr preiswerten (25 € pP) drei Hauptkonzerte zu besuchen. Eine wunderbare Entscheidung. Es wird ein sehr kurzweiliger Nachmittag/Abend (17.00, 19.00 und 21.00 Uhr), der uns viel Spaß macht.

45 Minuten Starkregen reichen, um die Katastrophe auszulösen

Dinant

Sa., 24.07.2021, für den ganzen Tag ist Regen angesagt. Zunächst ist das Gegenteil der Fall. Es wird nach einem grauen Morgen immer schöner.

Mittags startet an der Croisette (Uferpromenade in Dinant) die fünfte und letzte Etappe der diesjährigen Tour de Wallonie. 192 km nach Quaregnon, dann holt sich der 20-jährige US-Amerikaner Quinn Simmons (Trek) den Gesamtsieg 2021 und damit seinen zweiten Profisieg.

Bei Dinant (13.000 Einw.) durchbricht die Meuse in einem felsigen Tal die Ardennen. Die Bedeutung Dinants im Mittelalter beruhte auf dem seit dem 12. Jahrhundert blühenden Messinghandwerk. Im Jahr 1466 zerstörten die Truppen von Karl dem Kühnen Dinant. Daraufhin verließen viele Kupfermeister die Stadt, ließen sich in anderen Städten des Maastals nieder oder zogen in Richtung Aachen.

Zum Beginn des Ersten Weltkrieges, am 23. August 1914, wurden 674 Einwohner der Stadt von sächsischen Truppen der kaiserlichen deutschen Armee wegen angeblicher Freischärlerei getötet und 750 Gebäude zerstört (Massaker von Dinant). Erst 2001 erkannte die Bundesrepublik Deutschland ihre moralische Verpflichtung an und bat bei den Nachkommen der damaligen Opfer offiziell um Entschuldigung.

Wir fahren mit der Seilbahn (alternativ zum 1577 in den Fels gehauenen 408stufigen Treppenaufstieg) zur Zitadelle. Zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde als Festung für Verteidigungs- und Schutzaufgaben umfangreich ausgebaut. Ihre Einzelanlagen sind zum Ende des 20. Jahrhunderts rekonstruiert worden und dienen als Museum. Zusammen mit den Zitadellen von Huy und Namur ist die Festung Dinant Teil der so genannten Maas Zitadellen.

Als wir am Nachmittag wieder zurück an Bord sind, ziehen dunkle Regenwolken auf. Um 18.30 Uhr setzt ein starker Gewitterregen ein. Nach 45 Minuten ist der Spuk vorbei. Allerdings mit katastrophalen Folgen. Auf der Westseite der Meuse (wir liegen am Ostufer) stürzen aus den Abhängen Wasser-, Schlamm- und Geröllmassen und bündeln sich in einer Straße. Autos werden zusammengeschoben, die Straße aufgerissen und das Wasser sucht sich seinen Weg zum Teil durch die Häuser in die Meuse.

In der ganzen Stadt gibt es für einige Stunden keinen Strom mehr. Zum Glück für alle Bewohner und Touristen ist er gegen 21.00 Uhr wieder da.

Endlich, es geht weiter

Namur – Dinant

Fr., 23.07.2021, 9.30 Uhr geht es los. In Anfahrt auf die Schleuse wechselt die Ampel von Rot auf Grün – ohne VHF Anmeldung unsererseits. Das Beste, das bleibt so den Tag über. Sechs Schleusen lang werden wir „weitergereicht“.

35 km, die Strecke ist abwechslungsreich. Sind wir in den ersten zwei Schleusen allein, so treffen wir vor der Schleuse „Rivière“ auf, vor uns losgefahrene, bereits wartende Boote. Zwei Wohn-Péniche unter englischer Flagge, die wir aus Namur kennen. In der Kammer liegen sechs Sportboote fest, die Talschleusung lässt sich nicht auslösen. Techniker kommen und nach 1 1/2 Stunden ist der Schaden behoben. Hinter uns kommt noch ein kleineres Boot und somit nehmen wir die nächsten vier Schleusen bis Dinant jeweils im Viererpack.

Das Wetter ist herrlich, allerfeinstes Sommerwetter. Hoffentlich fallen die angekündigten drei Regentage nicht wieder allzu heftig aus.

Einen Anleger (mit Versorgungsanschlüssen) in Dinant zu finden ist, wenn man den Ort nicht kennt, gar nicht so einfach. Einfache Schilder mit „Visiteurs“ wären da sehr hilfreich. Beim Anlegen sehen wir, dass alles gut organisiert ist und die Liegeplätze am Ostufer direkt vor dem Ortskern alle frei sind.

Au revoir Namur

Namur

So.-Do., 18.-22.07.2021, alors, es kann weitergehen. Jetzt sind aus unserem geplanten dreitägigen Stopp elf lange Tage geworden. Am Anfang des Hochwassers mit Abenteuer. Gegen Ende mit dem Wunsch, doch bald wieder weiterfahren zu können,

Heute Morgen, Donnerstag, lassen wir es, wie jeden Morgen hier in Namur gemächlich angehen. Gegen 10 Uhr kommt Bewegung in unsere „Liegegruppe“. Und tatsächlich, die ersten Boote brechen zur Schleuse auf. Gegen Mittag sind wir die Letzten (bis auf drei einheimische Boote). Obwohl wir uns auf eine Weiterreise gefreut haben, sind wir zugleich überrascht von der unerwarteten sofortigen Möglichkeit. Kurzerhand vertagen wir unsere Abfahrt auf morgen.

Ein Auffrischen unserer Vorräte steht noch an. Noch mal Wasser bunkern und die Räder wieder an Bord nehmen.

Wir hatten uns ganz gut eingerichtet. Die Wege zum Einkaufen und in die Stadt waren uns vertraut geworden. Das Radfahren in den engen Gassen der Altstadt, die leider nicht autofrei ist, ging immer besser und das Entdecken einiger besonderer Ecken und Sehenswürdigkeiten macht einfach Spaß.

Die Fotos des heutigen Blogs zeigen einen kleinen Querschnitt unserer Aktivitäten der letzten fünf Tage.

Und noch ein Nachtrag vom heutigen Nachmittag:

Namur und die drei ???

Namur

Fr./Sa., 16./17.07.2021, wann können wir wohin und auf welchem Weg wohl weiterreisen? Aber der Reihe nach:

Der Regen hat am Donnerstagabend aufgehört. Am Freitag sind wir vorsichtig optimistisch und checken aus dem (schrecklichen) Hotel aus. Nehmen aber vorsichtshalber eine Option für eine zweite Nacht.

Am Boot sehen wir, dass wir fast die Letzten sind, die zurück an Bord gehen. Der langsam fallende Pegel lässt uns, nach einem Rundgang samt kleinem Einkauf, zum Entschluss kommen, ebenfalls zurück aufs Boot zu kehren.

Im Lauf des Tages wird es deutlich freundlicher. Erste einsame Sonnenstrahlen durchbrechen die dünner werdende Wolkendecke. Am späten Nachmittag bemerken wir, dass sich die Wehre mit der sinkenden Strömung ebenfalls neu justieren. Sie bleiben allerdings immer noch einen Spalt offen.

Aufgabe für Freitagnacht: das Boot „mit Spiel“ vertäuen, damit mit dem sinkenden Pegel genug Leine vorhanden ist. Wir beschließen zwei Nachtkontrollen (Ladies first, ich gegen 4.00 Uhr), da im fallenden Wasserstand ein kleiner, ca. 20 cm breiter, Wandvorsprung mit den Fendern „übersprungen“ werden muss.

Samstag werden wir mit Sonne geweckt. Schlagartig haben wir wieder bestes Hochsommerwetter. Verrückt. Die Nacht war ein wenig kurz – aber alles gut überstanden!

Die Meuse hat ihren alten Pegel fast wieder erreicht. Wir fahren von der hohen Kaimauer an der Schleuse zurück an unseren alten Liegeplatz. Da es im Moment überhaupt nicht klar ist, wann und wie es weitergeht, bringen wir auch die Räder wieder an Land. Die Wehre der Écluse de La Plante (Schleuse Richtung Dinant) sind immer noch offen, dementsprechend die Strömung hoch.

Da uns bisher niemand sagen kann, wie es weitergeht, rechnen wir damit, noch einige Tage in Namur festzusitzen. Also, das Beste draus machen. Mit dem Rad durch die Innenstadt, die sich absolut nicht anmerken lässt, das es noch gestern ein Hochwasserchaos gegeben hat. Das herrliche Sommerwetter lässt die Stadt mit Menschen nahezu überquellen. Nur direkt an den Ufern sind die Säuberungs- und Aufräumarbeiten in vollem Gange.

Am Abend kommt noch der Hafenmeister bei allen Booten vorbei, erklärt, dass die Liegegebühren ausgesetzt sind und verteilt noch Gratis-Jetons für Strom und Wasser. Morgen vormittag werden wir mal schauen, ob die Versorgung mit beidem auch technisch schon wieder möglich ist.

Wir werden (zwangs)evakuiert

Namur

Do., 15.07.2021, heute regnet es den dritten Tag. Unser Anleger am Kai säuft langsam aber sicher ab. Gestern Abend wurden wir von einheimischen Bootsfahrern gewarnt, unsere Räder über Nacht auf dem Kai zu lassen. Also, rauf mit den Rädern und einer sehr unruhigen und kurzen Nacht entgegen.

Am Morgen wird klar, hier können wir nicht liegenbleiben. Die Meuse hat mittlerweile eine Fließgeschwindigkeit von 6 km/h und steigt konstant.

Fast alle Kailieger starten zum Liegeplatzwechsel. Die hohe Kaimauer im Zufahrtsbereich der Schleuse ist nur einen Kilometer entfernt und bietet ausreichenden Platz. Das Fahren gleicht einem Slalomlauf zwischen Baumstämmen, Kanistern und jede Menge Unrat. Die Nettogeschwindigkeit gegen den Strom kommt uns bekannt vor. 4 km/h – wie letztes Jahr auf dem Rhein zu Berg.

Nach gelungenem Manöver freuen wir uns über den sicheren Platz vor der Schleuse. Aber …

… zu früh gefreut. Die belgische Polizei kommt vorbei und fordert alle Bootsinsassen auf, sich innerhalb einer Stunde in ein Landquartier (B&B/Pension/Hotel) zu evakuieren. Es wurden für den gesamten Abschnitt Dinant-Liège alle Wehre geöffnet, um einzelne örtliche Überschwemmungen zu verhindern.

Wir buchen ein naheliegendes Hotel, vorerst für eine Nacht. Morgen sehen wir weiter.

Regen, Regen – ohne Ende

Namur

Mo./Di., 12./13.07.2021

Der Montag war schon schlecht, heute ist es noch schlimmer. 18 Grad und strömender Regen lässt uns an Bord verharren. Nur in einer Regenpause geht es schnell mal zum Einkaufen in die Stadt und zur gegenüberliegenden Capitainerie. Wir verlängern unseren Aufenthalt in Namur, da wir gerne noch mehr von der Stadt sehen wollen.

Einziges „Highlight“, ein Besuch der belgischen Schifffahrtskontrolle. Zwei Mann hoch, sehr freundlich, sehr gründlich – aber, natürlich, ohne jegliche Beanstandung. Zum Schluss bekommen wir noch ein Testat (auf einer amtlichen Visitenkarte), das uns jetzt ein Jahr lang vor weiteren Prüfungen bewahrt.

Namur, Hauptstadt der Wallonie

Namur

So., 11.07.2021, da wir schon am Mittag angelegt haben und die Sonne herauskommt, machen wir uns noch zu einem Spontanausflug durch die Stadt auf.

Namur ist mit seinen rund 112.000, fast ausschließlich französischsprachigen, Einwohnern die Hauptstadt der Wallonie und der gleichnamigen Provinz.

Eine extrem wechselhafte Geschichte (spanische, niederländische und französische Besatzung) musste die Stadt im Laufe der Jahrhunderte über sich ergehen lassen. Nicht zuletzt war sie in beiden Weltkriegen Hauptangriffsziel und schlussendlich bei der deutschen Ardennenoffensive im Dezember 1944 und bei der Gegenoffensive der US-Truppen an der Frontlinie.

Namur liegt an der Einmündung der Sambre in die Maas, etwa 65 Kilometer südöstlich der belgischen Hauptstadt Brüssel. Der Hafen von Namur befindet sich mitten im dichtesten schiffbaren Wasserstraßennetz der Welt, dem großen Rhein-Maas-Schelde-Mosel-Becken (20.000 Kilometer).

Am Sonntagmorgen nach Namur

Huy – Namur

So., 11.07.2021, wir brechen (für unsere Verhältnisse) sehr früh (8.00 Uhr) auf. Wieder eine kurze Strecke (30 Km), zwei Schleusen – trauriges Wetter. Der frühe Start am Sonntagmorgen sorgt allerdings für eine seltsam leere Meuse.

So gut wie kein Frachtverkehr. Und auch Sportboote sind nur vereinzelt unterwegs. Das Passieren der beiden Schleusen (Andenne Seilles und Les Grands Malades) erfolgt im Schnelldurchgang. Da wenig Verkehr, nutzen die Schleusenwärter die Möglichkeit ihre Schleusen nur „halbiert“ („Petit Bassin“) zu betreiben. Hat für uns auch den Vorteil, dass es nur halb so lang dauert.

Der Anleger in Namur, Port de Jambes, ist sehr gut besucht. Wir gehen ans gegenüberliegende Ufer, längst zum Kai. Hier bekommen wir die Räder besser von Bord. Strom- und Wasseranschlüsse sind vorhanden, allerdings nur sehr wenige. Gegebenenfalls müssen wir im Lauf der nächsten Tage noch einmal umparken.