Auf der Suche nach der Schadensursache. 4 Reparaturtage in Migennes

Migennes

Mo.-Do., 29.08.-01.09.2022. Um es vorweg zu sagen, diese Reparaturtage werden wohl noch ein Nachspiel haben. Wir haben zwar unser „Antriebswellen-Problem“ behoben bekommen und können morgen früh endlich weiterfahren … aber, ob das jetzt die endgültige Lösung ist und wer dafür haftet, muss noch eindeutiger geklärt werden.

Der Reihe nach: Montag, wir kommen erst nach der Mittagspause an den Kran, vor uns ist noch ein anderes, vorgebuchtes Schiff dran. Man stellt uns vor eine Halle, wo wir nicht im Weg sind. Wir leben jetzt in einem „Baumhaus“. Die Kato 2 ist nur über eine lange Leiter erreichbar aber mit Stromanschluss. Es wird unsere Bleibe für die nächsten Tage (aber immer noch besser, als ins Hotel). Die kurze Zeit bis zum Feierabend (16.00 Uhr!) reicht am Montag gerade noch für einen ersten Überblick (innen und außen), wie die Welle entnommen werden kann.

Dienstag, unser Kahn ist um ein wenige Zentimeter zu niedrig aufgebockt, das Ruder kann erst nach einer Erhöhung entnommen werden. Nach Entnahme der Antriebswelle stellen Mark und Simon fest, dass das innenliegende Wellenlager „nicht mehr da ist“. Es ist in das Führungsrohr gerutscht. Vier Schrauben, die es eigentlich fixieren, sind nicht aufzufinden. Außerdem ist der innere Eingang ausgeleiert. Das neue Wellenlager könnte nur eingeklebt werden. Bei einer erneut unerwarteten Reparatur müsste dann allerdings das komplette System erneuert werden.

Wir ziehen Ruud von Linssen per WhatsApp-Videochat zur Beratung hinzu. Er meint, „Einkleben ist ok, das hält die nächsten 10 bis 15 Jahre“. Mark bereitet alles für den Wiederzusammenbau vor. Die fehlenden Schrauben werden aus Zeitgründen nicht bestellt, sie werden von ihm maßgefertigt, per Hand.

Mittwoch, die Welle wird wieder eingebaut. Auch das neue, aussenliegende Wellenlager (zum Ruder) hat ein wenig Spiel. Es wird mit den alten, vorhandenen zwei Schrauben gesichert und mit Silikon abgedichtet. Immer wieder müssen die Arbeiten bei uns zugunsten anderer Evans-Kunden unterbrochen werden. Wir sind trotzdem sehr dankbar, dass uns die Werft außerplanmäßig zwischengeschoben hat!

Donnerstag, letzte Feinarbeiten, dann ist der Job gelaufen. Jetzt müssen wir nur noch die nächste freie Kranung abwarten, dann sind wir wieder im Wasser. Eine 10-minütige Testfahrt und die Feststellung: alles läuft geräuschlos rund und dicht. Wir sind zufrieden, holen uns bei Dorothée im Büro die Rechnung ab und machen das Boot für morgen früh startklar.

Fazit: Wir waren jetzt geschlagene zehn Tage in Migennes. Hier bei Evans sieht keiner die Ursache der ausgeschlagenen Wellenlager mehr in dem eingefahrenen Eimerbügel. Das nach innen ins Führungsrohr verrutschte Lager (und die fehlenden 4 Schrauben) müssen maßgeblich zum Gesamtschaden geführt haben. Wir werden hierzu mit Linssen sprechen müssen.

Ein stilles Wochenende in Migennes

Migennes

Sa./So., 27./28.08.2022. Am Wochenende wird der Betrieb im Hafen auf Nullkommanull heruntergefahren. Wir hoffen natürlich darauf, dass am Montag die Reparaturarbeiten an unserem Schiff beginnen können. Da uns langsam das Wasser an Bord ausgeht, können wir von unserem Paketanleger bis zum Montag an den Kran umziehen.

Was tun an diesen Stillstand-Tagen? Während der Samstag mit Boot aufräumen und Einkaufen irgendwie vorübergeht, treibt es uns am Sonntag ins Umland. Also auf die Räder und ein wenig die Gegend erkunden.

Migennes ist zwar ein großer Bahnverkehrsknotenpunkt (Laroche-Migennes), die Gemeinde jedoch ziemlich unspannend. 7.200 Einw., einem kleinen Ortskern und drei Gewerbegebieten im direkten Umland. Einzig die L’église du Christ-Roi, einer 1935 aus dem damals noch revolutionären Beton gebauten Kirche, sticht mit ihrer 60 Meter hohen Turmspitze ins Auge. Erwähnenswert durchaus auch „Le cabaret l’Escale“. Dieser mythische Konzertsaal hat in seinem ersten Leben die Größten beherbergt (Jacques Brel, Charles Trenet, Charles Aznavour, Sidney Bechet, Johnny Hallyday …) und Migennes zu einem Mekka für französische Lieder gemacht.

Es geht bei unserer kleinen sonntäglichen Rundtour den Canal de Bourgogne entlang bis Brienon und landeinwärts über Cheny wieder zurück.

Aquarelle & Linssen France in Auxerre müssen passen. Wir fahren sofort weiter nach Migennes

Auxerre – Laroche-Migennes

Di.-Fr., 23.-26.08.2022. Am Dienstagvormittag warten wir in Auxerre auf Boris, der sich zum zweiten Mal mit unserer Antriebswelle beschäftigen soll. Wir nutzen die Wartezeit zum Tanken.

Nach einer Mini-Proberunde wird schnell klar, der Kahn muss raus. Aber nicht mehr in dieser Woche. Für den Kran braucht es Mike. Der ist aber erst nächste Woche vor Ort. Wir wollen das nicht wirklich glauben, dass kein anderer den Kran bedienen kann – mitten in der Hochsaison!

Anyway, Zoe bietet uns noch eine Marina im ca. 5 Fahrstunden entfernten Migennes an. Telefonische Nachfrage bei „Evans Marine“ in Migennes. Alles ok, wir können kommen und werden dann dort heute Nachmittag erwartet. Übrigens, Aquarelle und Evans sind Teil einer auffallend großen „Brits-in-France“-Community. Ich überlege, ob ich das Thema mal in einem „Sonder-Blog-Beitrag“ aufgreifen sollte.

Es ist mittlerweile schon 11.00 Uhr. Wir legen unverzüglich ab, in der Hoffnung noch vor Feierabend die Marina in Laroche-Migennes zu erreichen.

Kurz vor Feierabend treffen wir dort ein. Es reicht nur noch für eine Anmeldung samt Schilderung unseres Anliegens sowie Einweisung für einen Liegeplatz. Die Marina ist ein reiner Servicehafen mit Paketliegeplätzen und einem riesigen Freigelände (voll mit Schiffen). Erinnert uns stark an Andreas‘ Hafen in Potsdam-Golm – nur eine Nummer größer.

Mittwoch ist der Tag der schlechten Nachrichten: Am Vormittag kommt die Kato 2 an den Kran. Das Wellenlager ist böse ausgeschlagen. Die Ursache, ein eingefahrener Metallbügel eines Wassereimers, der sich in Schlingpflanzen versteckt um die Welle gelegt hat.

Fazit: neue Lager müssen bestellt werden. Wir telefonieren mit Ruud von Linssen in Maasbracht. Zusammen mit Simon, dem Chef hier, können die Lager exakt spezifiziert werden. Eine Bestellung geht raus – es soll 1 bis 2 Tage dauern bis sie hier sein können. Unser Boot geht zurück ins Wasser, da der Kran weitere Schiffe auf der Warteliste hat.

Donnerstag und Freitag sind zwei quälend lange Wartetage. Die Ersatzteile sind mittlerweile da und das weitere Vorgehen kann besprochen werden. Am Montag soll die Reparatur beginnen und, wenn alles gut geht, wäre am Dienstag wieder alles ok und eine Weiterfahrt möglich. Die Kosten sind heftig und wir telefonieren mit Kuipers, unserem holländischen Bootsversicherer. Zum Glück müssen wir nur unseren Selbstbehalt zahlen, der Rest ist von der Versicherung gedeckt.

Am Freitagabend haben wir unseren „Paket-Nachbarn“ zum Essen eingeladen. Mit Norbert, einem 50jährigen Franzosen, der hier arbeitet und auf seinem Schiff lebt, verbringen wir einen sehr schönen und interessanten Abend bei uns auf der Kato.

Mit ungutem Gefühl nach Auxerre

Clamecy – Prègilbert – Auxerre

Fr.-Mo., 19.-22.08.2022. Ein bisschen Zeit in Clamecy tut uns gut. Nachdem wir früh in den Hafen umgezogen sind, treten wir kürzer und nehmen uns die Zeit zum Einkaufen und Rumtrödeln. Wir liegen nun in „Poleposition“ an Wasser und Strom und genießen das Hafenkino. Ich komme auch wieder zum Blogschreiben, das etwas ins Hintertreffen geraten war. Wenn unsere Rückfahrt nicht so viele Unwägbarkeiten hätte, in dieser kleinen, charmanten Gemeinde könnten wir glatt eine ganze Woche verbringen.

Am Sonntag mit der ersten Schleuse auf die 2-Tagesetappen-Tour nach Auxerre. Rund 60 km entfernt. Der erste Tag verläuft unspektakulär und erfolgreich bis Prègilbert. Wir übernachten vor einer Schleuse.

Am Montag, dem zweiten Fahrtag, werden die Geräusche an der Welle immer lauter. Je nach Umdrehungszahl. Ich versuche stets eine möglichst ruhige Einstellung zu finden. Langsam aber sicher haben wir eine böse Vorahnung davon, was uns am Kran wohl erwartet.

In Auxerre sind beide Anlegerseiten der Yonne rappelvoll. Wir halten an der Tanke und lassen uns einen Paketanleger zeigen. Der uns zugewiesene Paketnachbarn ist nicht an Bord, sein Boot besatzungslos abgestellt. Bei Zoe im Büro melden wir uns noch für eine möglichst baldige Begutachtung durch Boris, den Linssen-Servicetechniker, für morgen Vormittag an.

Das Wasser unterm Kiel … wird knapp

Baye – Chitry-les-Mines – Clamecy

Di.-Do., 16.-18.08.2022. Abfahrt in Baye am Dienstagfrüh um 9.00 Uhr mit der ersten „Gruppe“. Vier Boote wollen durch die Tunnel. Das ist kein Problem, einer nach dem anderen. Die wesentlich spannendere Frage kommt mit der anschließenden Schleusenkette. Hier passen immer nur zwei Schiffe in die kleinen Kammern. Wir haben Glück, sind an zweiter Stelle in der ersten Schleusung und schaffen tatsächlich die aufwändige Passage bis zur Mittagspause um 12.00 Uhr.

Ab Sardy ist der Wasserpegel erneut sehr kritisch. Obwohl wir sehr langsam und immer schön in der Kanalmitte fahren, müssen Flachwasser-Bodenwellen überwunden werden. Vor den Schleusen lassen sich natürlich Wartezeiten nicht ganz vermeiden. Dann sehen wir, wie bei Ausrichtungsmanövern Bug- und Heckstrahlruder den Schlamm aufwühlen.

Unser Wasserfilter füllt sich mit dem Schlamm und verlangt eine mehrmalige Reinigung. Einmal wird es sogar in einer Schleuse notwendig. Der Filter verwandelt sich in ein „Lehm-Eierpampen-Eimerchen“.

Wir sind froh, als wir am späten Nachmittag Chitry erreichen. Die Flachwasser-Passage ist überstanden und, vor allem, die niedrigen Brücken liegen jetzt hinter uns. Wir können das Dach endlich wieder installieren.

In Chitry gibt es im Hafen eine stets sehr gut besuchte „Guinguette“, bei der wir uns sofort nach Ankunft für den Abend einen Tisch reservieren. Guinguettes sind beliebte Tavernen und Gartenlokale, die in den Vororten von Paris und anderen Städten Frankreichs entstanden sind.

Im 19. Jh., vor der Eingemeindung vieler Dörfer, waren Handelsgüter, insbesondere Alkohol, außerhalb der Stadtgrenzen billiger als in Paris selbst, da frei von staatlichen Steuern. Zug um Zug verbreiteten sie sich über das ganze Land. In den 1980ern kam es zu einer Renaissance. Vor allem in den Flussbiegungen, so auch am Canal du Nivernais, haben einige Guinguettes wieder regelmäßig geöffnet.

Die Auswahl in der „La guinguette du port“ in Chitry ist übersichtlich, bodenständig und extrem preiswert. Ein kleines, 3gängiges Menü gibt es für 13,50 EUR, besonders beliebt ein sehr guter Burger mit Salat und Pommes frites für 8,50 EUR. Leider mussten wir auf das Dessert verzichten, da ein aufkommender Sturm mit heftigem Regen uns schnell aufs Boot flüchten lässt.

Am Donnerstag ist die Tagesetappe von Chitry-les-Mines nach Clamecy sportlich aber machbar. Auf der Strecke „meldet“ sich wieder unsere Antriebswelle mit lautem Klopfen bei unterschiedlichen Umdrehungszahlen. Wir nehmen uns vor, bei der nächsten Gelegenheit (Auxerre) auf jeden Fall das Boot mit dem Kran rausholen zu lassen.

Da wir den Hafen von Clamecy erst am späten Nachmittag erreichen, müssen wir uns vorerst mit einem provisorischen Anleger deutlich vor dem Hafen begnügen. Der kleine Hafen ist voll. Am nächsten Vormittag wird dann umgeparkt.

Der Wendepunkt ist erreicht. Es geht zurück

Decize – Fleury – Baye

Sa.-Mo., 13.-15.08.2022. Wir sind im Augenblick stark verunsichert, wie und vor allem wann, wir wieder in den Norden kommen werden. Wir belassen es bei einem Mini-Stadtbummel in Decize und starten mit der Rückfahrt.

Am Samstag geht es von Decize nach Fleury. Es wird der heißeste Tag in diesem Jahr, eine mörderische Hitze. Da wir ja noch immer, und auch noch eine ganze Weile, Cabrio fahren müssen, erwischt uns die Sonne mit unerbittlichen 56 Grad in der Sonne. Auch die Wassertemperatur steigt auf einen neuen Höchstwert, über 28 Grad!

Canal du Nivernais. Was waren wir vor ein paar Tagen froh, aus dem „Kraut“ raus zu sein. Jetzt sind wir schon wieder drin. Allerdings schaffen wir die Teilstrecke bis Fleury unterm Strich recht gut.

Den Sonntag verbringen wir am kleinen Anleger in Fleury. Die vereinsamte Hafenanlage ist neben einem kleinen Flusslauf mit kleiner schöner Wehrwasser“umleitung“ gelegen. Ein paar Ausflügler verirren sich hierher. Wir bleiben und warten das aufziehende Gewitter ab.

Der zweite Fahrtag endet am Montag wieder auf dem Plateau in Baye. Das Gewitter hat einen Wetterumschwung mit sich gebracht. Wir freuen uns zwar, dass die irre Hitze ein Ende hat. Nachteil jetzt, der immer mal wieder sporadisch einsetzende Regen. Natürlich auch nicht so toll für das Fahren ohne Dach.

Den Kaianleger zum Étang de Baye kennen wir ja gut. Freie Sicht auf den Étang und gleichzeitig auf die Signallampen für unseren Start am Dienstagfrüh in die Tunnelpassage.

Mit Zwischenstopp in Cercy-la-Tour nach Decize

Fleury – Cercy-la-Tour – Decize

Di.-Fr., 09.-12.08.2022. Der Fahrtag von Fleury nach Cercy-la-Tour verläuft bei heißem Wetter ohne Probleme. Kurz notiert: eine kleine Rettungsaktion einer Französin aus dem Kanal. Beim Warten vor einer Schleuse geht sie unfreiwillig über Bord und schafft es nicht ohne unsere Hilfe, die Böschung zu erklimmen.

Cercy bietet gleich zwei Anleger. Einen vor und einen hinter der Schleuse. Wir nehmen gleich den ersten. Keine gute Wahl, die Mauerbox gibt nur Strom aber kein Wasser. So bleiben wir über Nacht hier und parken am nächsten Morgen noch einmal um.

Cercy ist eine ländliche Gemeinde mit 1.700 Einw. und liegt am Fluss Aron, an der Einmündung seines rechten Nebenflusses Canne und des linken Nebenflusses Alène. Über dem alten Dorfkern, auf einem Turm aus dem 13 Jh. , thront die „Statue de Notre-Dame du Nivernais“. 1958 installiert auf Anregung des Abbé Maldent, der so den 100. Jahrestag der Erscheinungen von Lourdes feiern wollte. Da der Beton mit der Zeit zerfiel, wurde sie 2008 durch eine Statue aus Kalkstein ersetzt.

Am Donnerstag setzen wir zum letzten Schlag auf dem Canal du Nivernais an. In Schleichfahrt „durchs Kraut“. Ein paar Mal müssen wir vom Vorwärts- in den Rückwärtsgang schalten, um die lästigen Wasserpflanzen wieder loszuwerden.

Die Einfahrt in den Hafen von Decize geht über ein kleines Stück der Loire. Der große Hafen liegt zwischen zwei Schleusen und hat ausreichend Platz. Mit auf dem Gelände, ein VNF-Betriebshof mit Büro. Hier erfahren wir nichts Gutes. Auf fast allen Wegen sind Teilsperrungen bereits aktiv oder in Sichtweite.

Auch, wenn wir uns etwas anderes gewünscht hätten, es bleibt nur der Weg über den Canal du Nivernais zurück.

Zum Scheitelpunkt des Canal du Nivernais

Les Granges – Champ du Chène – Baye – Fleury

Sa.-Mo., 06.-08.08.2022. Die morgendliche Fahrt am Samstag endet abrupt vor der ersten Schleuse. Bei der (wie immer mit äußerster Vorsicht) Anfahrt stellen wir fest, dass wir mit Dach nicht durch die Schleusenbrücke kommen. Also ein Stück zurück und alles legen. Die Schleusenwärterin und ein vor uns bereits eingefahrenes Boot warten auf uns. Das Legen gestaltet sich, weil wir uns ja beeilen wollen, natürlich hektisch und chaotisch und dauert somit doppelt so lange wie normal! Die auf uns Wartenden nehmen es zum Glück mit Humor. Pardon et merci.

Mit dem „Cabrio“ geht es nun für einige Tage weiter. Die niedrigen Brücken stehen viel zu dicht um jedes Mal ab- und wieder aufzubauen.

Mit diesem Malheur ist ein echter Krisentag eröffnet. Ein paar Kilometer weiter setzen wir mitten in der Fahrrinne auf. Kein Vor, kein Zurück. Ein vorbeifahrender VNF-Mitarbeiter sorgt für Hilfe. Aus der nächsten Schleuse (zu Berg) wird Wasser in unseren Teilabschnitt gelassen – so kommen wir vorsichtig wieder frei.

Am Ende des Fahrtages gehen wir an einen einsamen Anleger in Champ-du-Chène. Wir bemerken schon das Flachwasser, aber, ohne dass viel Zeit vergeht, fällt der Wasserspiegel rapide und wir liegen schon wieder fest. Diesmal auch mit etwas Krängung. Ich laufe noch zur nächsten Schleuse (Sardy, N° 16), die gleich hinter der nächsten Biegung liegt. Der Schleusenwärter kommt eine halbe Stunde später zum Boot und versichert uns, dass morgen früh der Pegel wieder hoch genug sein wird. Wir sind gespannt und schlafen unruhig.

Sonntag. Der Tag beginnt tatsächlich mit ausreichend Wasser unterm Kiel und wird einer der schönsten unserer Tour. Ein bisschen zu heiß so ohne Dach, aber in traumhafter Landschaft. Es gilt eine 16er Schleusentreppe auf 4,5 Kilometer zu bewältigen um dann drei Tunnel in einer signalgeregelten Strecke von 3,5 km zu durchfahren.

Das fünfköpfige Team begleitet und betreut uns für die Schleusentreppe bis La Colancelle. Sie schaffen das Ganze von 9.00 bis zur Mittagspause um 12.00 Uhr vor der Tunnelstrecke. Respekt! Den Rest regelt die Signalanlage.

Nach der Mittagspause sollten wir eigentlich „Grün“ für die Tunnelfahrt bekommen. Aber wir müssen erst einen entgegenkommenden „Elektro-Ausflugsboote-Konvoi“ abwarten, der nicht kommt. Erst um 15.30 Uhr kommen die kleinen Boote an, wenden und fahren wieder zurück. Dann dürfen auch wir hinterher.

Das Plateau des Canal du Nivernais ist erreicht. Die Wald-, Fels- und Tunnelfahrt ist spektakulär schön. Auf der anderen Seite kommen wir am Étang de Baye an. Der Wasserscheitel ist durchschritten.

Der Étang de Vaux (130 ha) und der Étang de Baye (74 ha) sind künstlich angelegte Gewässer, die den Canal du Nivernais mit Wasser speisen. Mit angrenzenden weiteren kleinen Gewässern steht eine Gesamtfläche von 220 Hektar mit einer maximalen Kapazität von 6,63 Millionen Kubikmetern ganzjährig stabil zur Verfügung.

Der „Port de Poujeats“ ist rappelvoll mit Charter- und Privatbooten sowie Ausflugs- und kleinen Mietbooten. Wir sind dankbar für die Anlegemöglichkeiten an der sehr langen Kaimauer, die den Étang de Baye vom Canal de Nivernais trennt.

Der Trubel an und um den Hafen herum ist uns zu viel. So setzen wir unsere Fahrt am nächsten Morgen fort. Bis zum Ende des Kanals, in Decize, sind es noch 86 km mit 35 Schleusen. Dann muss eine Entscheidung her, wie es zurück gehen soll, bzw. kann.

Bis zur Loire fahren wir die Schleusen jetzt zu Tal. Das ist, vor allem für Monika, wesentlich entspannter und nicht so kräftezehrend. Bis zum nächsten Halt in Fleury „sausen“ wir am Montag schon mal die ersten 21 zu Tal.

Ländliches Burgund

Clamecy – Chitry-les-Mines – Les Granges

Mi.-Fr., 03.-05.08.2022. Nach Clamecy geht es durch die burgundische Provinz. Ländlich, friedlich, wunderschön. Am Westrand des Morvan fühlt man sich völlig losgelöst von äußeren Einflüssen (u. a. auch keine Internetverbindung). Am Kanal finden sich kaum noch größere Gemeinden (über 1.000 Einw.). So können wir uns mit allen Sinnen der Landschaft zuwenden.

Die Strecke am Mittwoch von Clamecy nach Chitry-les-Mines ist mit seinen 18 Schleusen auf 30 Kilometern eine kleine Monstertour. Dementsprechend fallen wir etwas erschöpft in die Kojen. Und bleiben den nächsten Tag im Hafen. In der Nacht zum Freitag kommt das sehnsüchtig erwartete Gewitter. Kurz, aber heftig sorgt es für einen Temperaturabfall um 10 Grad.

Am Freitag gönnen wir uns eine Kurzstrecke bis Les Granges. Vom Gewitter hatten wir uns allerdings mehr versprochen. Trotz der nur noch 32 Grad im Schatten ist die Hitze in der Sonne wieder gewaltig.

Wir stoppen in Sichtweite zu einem der vielen Charterbasen – die großen drei Großen sind über das komplette Gebiet verstreut („Locaboat“, „LeBoat“ und „Les Canalous“). Da wir uns in der Hauptsaison befinden, sind eine Menge Boote unterwegs. Für uns kein Problem, wir kommen ja immer nur mit einem in Kontakt, da in die kleinen Schleusen nur zwei Boote passen.

Unser Aufenthalt in les Ranges dient auch zum Auffüllen der Vorräte im nahegelegenen Corbigny.

In der Flößerstadt. Clamecy

Clamecy

Mo./Di., 01./02.08.2022. Die kleine 3500-Seelen-Gemeinde Clamecy liegt im Norden des Départements Nièvre, 40 km südlich von Auxerre und 70 km nördlich von Nevers, am Ufer der Yonne bei der Einmündung des Beuvron. Der Stadtkern liegt auf einem schroffen Felsplateau über dem Fluss.

Die Entwicklung von Clamecy ist eng verbunden mit der Nutzung des Holzes des Morvan (frz. Mittelgebirge) und dessen Transport nach Paris. Im 16. Jh. begann das Flößen, das Jean Rouvet ab 1549 in einen regelmäßigen „Baumfloß“-Verkehr nach Paris weiterentwickelte. Clamecy war damals der große Umschlagplatz: in riesigen Auffangbecken wurden die im Morvan abgeholzten und auf der Yonne angeschwemmten Baumstämme aus dem Wasser gefischt und sortiert. Dann wurden sie zu großen Flößen zusammengestellt und nach Paris weiter transportiert.

Der Gipfel des Holzhandels lag zwischen 1785 und 1816: Paris verbrauchte zu dieser Zeit eine Million Raummeter Brennholz p. a. – 1923 kam das letzte Floß mit Holz aus Clamecy an. Das Holz wurde durch Kohle ersetzt.

Der Ort macht einen aufgeräumten, kleinbürgerlichen und properen Eindruck auf uns. Überraschend, dass sich die kleine Gemeinde ein für die Ortsgröße außergewöhnlich großes Museum leistet. Dem „Musée d’Art et d’Histoire Romain Rolland“ statten wir natürlich einen Besuch ab.

Spaziergänge im Ort und eine kleine Radtour machen uns viel Spaß. Wäre da nur nicht die immer noch große Hitze.

Im Dreisprung nach Clamecy

Auxerre – Pallaye – Coulanges – Clamecy

Fr.-So., 29.-31.07.2022. Nach der schönen Zeit in Auxerre ist es jetzt geboten, wieder etwas Fahrt aufzunehmen. Die Tourplanung zeigt, dass auf uns Schwierigkeiten zukommen je weiter wir südlich fahren. Einen Wendepunkt, bzw. Start zur Rückfahrt hatten wir eigentlich mit Digoin festgemacht. Aber die Sperrungsmeldungen vom VNF nehmen zu (zu geringe Wassertiefe). Jeden Freitag gibt es im Internet eine aktuelle Situation zum Download. Wir werden sehen.

Aber jetzt erst mal auf den Canal de Nivernais. Der 175 km lange Kanal folgt von Auxerre aus den Tälern der Yonne, der Cure, dann den Tälern des Aron und der Loire und endet bei Decize. Der oft unterbrochene Bau zog sich zwischen 1783 und 1842 hin. Das hauptsächlichste Ziel war zu dieser Zeit der Transport des Holzes aus den großen Wäldern des Morvan nach Paris. Dort wurde es als Brenn- und Backholz in riesigen Mengen benötigt.

110 Schleusen (vorrangig im „Becquey“-Maß, 30 x 5,20 m, 1,60 tief), 2 Tunnel und etliche manuell durch die Schiffsführer zu bedienende Brücken. Mit dem Ende der Berufsschifffahrt vor ca. 40 Jahren übernahmen die „Sportschiffer“ das Revier. Ohne Zweifel eine der schönsten Gegenden Frankreichs abseits der traditionellen Wege.

In 2 1/2 Tagesetappen nach Clamecy. Am Freitag übernachten wir direkt hinter der Schleuse Pallaye, am Samstag hinter der Schleuse Coulanges an einem ziemlich heruntergekommenden Campingplatz. Sonntag laufen wir nach einer Mini-Etappe schon früh in den kleinen Stadthafen von Clamecy ein.

Eine interessante, abwechslungsreiche Strecke. Teilweise hat die Yonne ihre eigene Natur, die kanalisierten Abschnitte („râcles“) bilden den Hauptteil. Es geht an weiten Feldern und sanften Hügeln vorbei. Die Felsen von Saussois laden in den 40 bis 50 m hohen, sehr harten Kalksteinwänden zum ambitionierten Klettern ein. Also nichts für uns.

Die Zeit vergeht schnell. Auxerre, Teil 2

Auxerre

So.-Do., 24.-28.07.2022. Das Wetter bleibt heiß. Und in dem Wissen, dass es erst am Freitagfrüh heim- bzw. weitergeht, bleiben wir ruhig in der Planung und Ausführung jeglicher Aktivitäten. Einziger Pflichtakt: Unser Getränkekeller muss wieder aufgefüllt werden (allein der Gedanke daran treibt den Schweiß aus allen Poren). Ausflüge in die Stadt bleiben fakultativ.

Mittwoch zum Tour Saint-Jean und zum Musée-Abbaye Saint-Germain d’Auxerre (Abtei und Museum). Und, überall in der Stadt wird mit einer Giacometti-Ausstellung geworben, die wir unbedingt sehen wollen. Alberto Giacometti (1901-1966), ein Schweizer Bildhauer, Maler und Grafiker, der ab 1922 hauptsächlich in Paris lebte.

Giacometti gehört zu den bedeutendsten Bildhauern des 20. Jh. In der Nachkriegszeit entstanden seine bekanntesten Werke: Extrem lange, schlanke Skulpturen (zwischen 1938 und 1944 waren die Figuren maximal sieben Zentimeter gross, sie sollten die Distanz wiedergeben, in der er das Modell gesehen hatte). Also Vorfreude auf die Ausstellung unsererseits. Doch was für eine Enttäuschung. Wir sind in einer „Ein-Exponat-Ausstellung“ gelandet. Die „Femme debout II“ ist die einzige Leihgabe des Centre Pompidou Paris. Ok, dann trösten wir uns noch ein wenig mit einem Gang durch die Abbey Saint-Germain.

Eh wir uns versehen, kommt mit dem Donnerstag unser letzter Tag in Auxerre. Während Monika und ich an der weiteren Tourplanung basteln, dreht Susanne noch eine kleine Shoppingrunde in der Stadt. Und kommt mit einer höchst erfreundlichen Nachricht zurück. Sie hat es tatsächlich geschafft, uns in unserem (telefonisch nicht erreichbaren) Wunsch-Restaurant einen Tisch zu reservieren. So steht einem extrem genussreichen Abschiedsessen nichts mehr im Weg.

Eine Stadt steht unter Denkmalschutz. Auxerre, Teil 1

Auxerre

So.-Do., 24.-28.07.2022. Auxerre ist Hauptort des Départements Yonne in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Die Stadt hat rund 35.000 Einw. und ist seit Mitte der 70er Jahre in der Bevölkerungsentwicklung stabil geblieben. Das historische Zentrum von Auxerre steht fast vollkommen unter Denkmalschutz (67 Hektar).

Der Sonntag gibt uns die Möglichkeit, ohne Programm und in aller Ruhe uns dieser kleinen Perle im Norden Burgunds zu nähern. Noch schnell bei Monoprix in der Stadt einkaufen, dann rumbummeln. Die Stadt ist interessant, das Leben an den Promenaden überwiegend touristisch geprägt. Sobald man tiefer in die Stadt eintaucht, zeigt sich eine riesige und malerische Altstadt mit verwinkelten Gassen und eindrucksvollen Fachwerkhäuser.

Am Montag dann unser Hauptthema „Boot“. Wie versprochen steht Boris, der Bootstechniker von Linssen France, um 9.30 Uhr vor unserem Schiff und nimmt sich unserer Sorgen an. Das Prüfen der Verbraucherbatterien und der Schaltregler zeigt keine offensichtlichen Schwachstellen. Wir hoffen auf einen einmaligen Programmfehler der Anlage. Auch die Testfahrt auf der Yonne zeigt keine Auffälligkeiten der Antriebswelle mehr. Hier waren es wohl Untiefen im Fluß, die das Schiff „nach unten gesaugt“ und für unruhige und laute Fahrt gesorgt haben. Nach einer Stunde verlässt uns Boris – wir sind wieder etwas beruhigter.

Für Susanne wird es Zeit, ihre Rückfahrt nach Münster zu organisieren. Donnerstag möchte sie wieder heimfahren. Online lässt sich das nicht machen (über DB), also, zum Bahnhof. Ergebnis: alles ausgebucht. Nach langer Recherche am Schalter wird es dann eine umstiegsreiche Fahrt am Freitag über Paris, Brüssel, Köln und Essen nach Münster.

Somit ist auch für uns die Entscheidung gefallen, bis Freitag in Auxerre zu bleiben. Eine Weiterfahrt führt dann erstmal in eine dörfliche Einsamkeit und würde für Susanne die Rückfahrt nur unnötig komplizieren. Aber das ist für uns drei kein Thema – es gibt noch genug in Auxerre zu sehen.

In 10 Stunden nach Auxerre

Joigny – Auxerre

Sa., 23.07.2022. Um nicht mit den losfahrenden Charterbooten zusammen in die Schleusen zu müssen, starten wir (für uns) früh, mit 8.00 Uhr Abfahrt. Aber, Pech gehabt. Die erste Schleuse (nur knapp drei Kilometer entfernt) geht erst um 9.30 Uhr in Betrieb. Trotzdem hat es sich gelohnt – wir sind allein unterwegs.

Mit der heutigen Tourplanung legen wir uns ganz schön weit aus dem Fenster. 30 Flusskilometer hören sich erstmal recht wenig an. Aber die Stunde Fehlstart am Morgen, die 11 Schleusen plus eine Stunde Schleusen-Mittagspause (12 bis 13 Uhr) ziehen den Fahrtag unangenehm in die Länge.

Die Strecke ist unaufgeregt, nicht spektakulär jedoch ruhig und schön. Gewerblicher Schiffsverkehr ist so gut wie nicht feststellbar. Sportschiffe nur selten. Mit der dritten Schleuse stellt sich eine träge Routine ein. Am Ende sind es doch zehn Stunden Fahrt geworden.

Die Anleger in Auxerre werden von „Aquarelle France“ betrieben und gelten für beide Ufer der Yonne im Stadtbereich. Wir haben Glück und erwischen (unangemeldet) noch einen von zwei freien am rechten Ufer, an dem sich auch die Capitainerie befindet. 12,70 € Liegegebühr plus 5,40 € Strom und 0,22 €/Tag/Person Touristentaxe.

Aquarelle France ist in Personalunion auch die Linssen-Vertretung für Frankreich. Bei der Anmeldung schildern wir unsere Probleme mit dem „Ladeaussetzer“ der Verbraucherbatterien und dem merkwürdigen Verhalten der Antriebswelle. Es wird uns ein Techniker für Montagfrüh, 9.00 Uhr, zugesagt.

Der lange Tag macht sich am Ende deutlich bemerkbar und treibt uns früh in die Kojen.