Mo., wir lassen uns noch einmal durch die Stadt treiben. Per Fahrrad geht es kreuz und quer um und durch Metz. Kein wirkliches Ziel vor Augen suchen wir ein paar Punkte, die wir noch nicht gesehen haben.
Die innere Stadt ist relativ klein und schnell zu durchfahren. Da Montag – d. h., dass u. a. nahezu alle öffentlichen Gebäude geschlossen sind – wird es ein eher „klassisches Sightseeing“.
So., das Centre Pompidou-Metz (CPM) ist als Zentrum für alle Formen zeitgenössischer Kunst eine Dependance des Centre Georges Pompidou in Paris, mit dem es Sammlungen und Gründungsphilosophie teilt. Es besteht seit 2010 und ergänzt die Attraktivität von Metz auf eine wunderbare Weise.
Wir wollen unbedingt die aktuelle Ausstellung „Der Himmel als Atelier. Yves Klein und seine Zeitgenossen“ sehen und fahren mit dem Rad zum südwestlichen Stadtrand von Metz.
Welcher Künstler kann schon von sich behaupten, eine eigene Farbe entwickelt zu haben? Yves Klein (1928 – 1962) konnte dies. Nicht nur wegen seines einzigartigen „Yves-Klein-Blau“ zählt er zu den wichtigen Figuren der französischen Kunstszene der Nachkriegszeit. „Atelier Himmel“ offenbart die von ihm außerhalb der Bewegung der Neuen Realisten mit einer Konstellation von Künstlern – Gutai in Japan, Spatialisten in Italien, ZERO in Deutschland und die Gruppe NUL in den Niederlanden – entwickelte ästhetische Verbundenheit. Die Ausstellung beeindruckt in einer großen Vielfalt die verbindende Zusammenarbeit der beteiligten Künstler und Gruppen.
Insgesamt zeigt das CPM vier Ausstellungen, die wir bis auf eine durchlaufen. Fazit: Excellent!
Fr., lange schlafen, bei der Capitainerie anmelden und erste Annäherung an Metz.
Die an der Mosel gelegene Stadt mit knapp 120.000 Einwohnern ist die Hauptstadt des Départements Moselle und war zuvor Hauptort der früheren Region Lothringen, die seit 2016 in der Region Grand Est aufgegangen ist.
Die Jahre der Zugehörigkeit zum Deutschen Reich bis 1918 haben sich stark auf das Metzer Stadtbild ausgewirkt und machten sich vor allem in der militärischen und zivilen Architektur geltend (z. B. Bahnhof und Hauptpost). Bis heute kann man leicht das „deutsche“ oder „preußische“ vom „französischen“ Metz unterscheiden. Diese Dualität gehört zur Geschichte der Stadt, ähnlich wie in Straßburg. Im Gegensatz zu Straßburg, wo mehrheitlich Deutsch gesprochen wurde, war und blieb Metz eine mehrheitlich französisch geprägte Stadt.
Wir sind angenehm überrascht, wie dicht wir mit unserem Boot an der Stadtmitte liegen. Mit einem zehnminütigen Spaziergang sind wir an der Kathedrale. Sie ist auch unser erster Anlaufpunkt, zumal das Tourist-Office direkt dahinter liegt.
Do., wir verlassen das Dreiländereck an der ersten französischen Schleuse Apach. Direkt nach Schengen geht es jetzt in Frankreich auf der Moselle weiter.
Frohen Mutes (und völlig blauäugig) fahren wir die ersten französischen Schleusen an. Die UKW-Gespräche sind eine kleine Katastrophe, da meine Französischkenntnisse mittlerweile unterirdisch sind. Aber irgendwie geht es dank Übersetzungsapp auf dem Smartphone.
Die richtig schlechten Nachrichten gab es dann im Oberwasser der Schleuse in Thionville, im Touristen-Büro für die Vignette. Erstens können wir nicht über Frankreich nach Belgien fahren (Teilabschnitte um Verdun haben Wassermangel) und die zweite schlechte Nachricht ist die geplante Sperrung aller Moselschleusen bis Koblenz vom 20.09.20 bis zum 01.10.20.
D. h., wir nehmen nur eine 7-Tage-Vignette für 67,60 € für Frankreich. Das reicht für einen ausgiebigen Besuch von Metz. Dann müssen wir zügig nach Deutschland zurück, um vor dem 20.09. in Koblenz zu sein. Das verlangt nach einem gutem Timing!
Mi., vom Yachthafen Schwebsange sind es nur 4 Kilometer bis Schengen und da Schengen nicht wirklich einen Bootsanleger hat, nehmen wir die Räder.
Das berühmte (und zugleich unbekannte) Schengen liegt am südlichsten Zipfel der Luxemburger Weinstraße am Ufer der Mosel. Vis-à-vis vom deutschen Winzerort Perl. In der Nachbarschaft vom französischen Apach. Genau dort, wo das Saarland, Lothringen und Luxemburg das Dreiländereck bilden.
Am 14. Juni 1985 wurde das Schengener Abkommen unterzeichnet, das den schrittweisen Abbau der Personenkontrollen an den gemeinsamen Grenzen vorsah. Zehn Jahre später trat es in Kraft.
Schauplatz des historischen Akts war ein Fahrgastschiff der Luxemburger Moselflotte. Die elegante „MS Princesse Marie-Astrid”, benannt nach der Schwester von Großherzog Henri. An Bord trafen sich die Vertreter Frankreichs, Deutschlands und der drei Beneluxstaaten (Belgien, Niederlande, Luxemburg). Um die Verträge bei einer schlichten Zeremonie zu signieren und darauf mit Moselwein vom Schengener Markusberg anzustoßen.
Schengen ist zwar immer noch ein Dorf. Doch am Ufer erinnern immerhin das Europäische Museum und das Europadenkmal an den historischen Akt. Auch das Tourist-Office, ein Gebäude in Form eines Schiffes, wurde am einstigen Ankerplatz der „Princesse Marie-Astrid” untergebracht.
Unseren Ausflug lassen wir mit einem kleinen Geburtstagsessen in der „Brasserie du Port“ im Hafen von Schwebsange ausklingen.
Mo./Di. nach einem Trödeltag in Monaise starten wir nun endlich nach Luxemburg. Die Mosel ist einer der größten Flüsse in Luxemburg. Auf einer Strecke von 39 Kilometern bildet sie die natürliche Grenze zwischen Luxemburg und Deutschland.
„D’Musel“, wie die Bewohner die Mosel liebevoll nennen, hat in Luxemburg ein wunderschönes Tal gegraben. Die Region ist insbesondere für ihre Weinberge und ihre mittelalterlichen Städte bekannt.
Ein Highlight der Region, der Crémant de Luxembourg. Ein Qualitätsschaumwein auf höchstem Niveau. Seit 1991 darf der Name « Crémant » verwendet werden. Grundlage sind gesunde, aromatische Trauben mit einer erfrischenden Säure, begünstigt durch die geografische Lage des Luxemburger Weinbaugebiets.
An den sehr touristisch ausgelegten Orten wie Grevenmacher und Remich fahren wir ohne Halt vorbei. Unser Ziel ist Schwebsange mit dem nahen Schengen – und dem „Dreiländereck“, Deutschland, Frankreich und Luxemburg.
So., eigentlich wollten wir die 10 km bis zur Saarmündung zurück und dann die Mosel 38 km bergauf nach Schwebsange, Luxemburg. Aber, erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.
Auf telefonische Nachfrage erfahren wir, dass die Tanke in Schwebsange für eine längere Reparatur geschlossen bleibt. Gab es schon auf der Saar keine Wassertankstelle, müssen wir jetzt auf der Mosel bis Schweich zurück. Also, durch die Schleuse Trier und an Trier vorbei.
In Schweich die nächste Überraschung: Tanken nur mit Barzahlung! Im Restaurant zum Fährhaus bietet uns Lisa Kreusch (Chefin des Hafens und der Linssenvertretung in Schweich) an, mich schnell zur nächsten Bankfiliale zu bringen. Sehr nett von ihr. Es reicht nach dem Tanken noch für Eis, Kaffee und Kuchen und einen kleinen Schnack auf der Hafenterrasse. Dann geht es wieder zurück.
An der Schleuse Trier werden unsere Nerven noch auf ihre Belastbarkeit getestet. Eine knappe Stunde Wartezeit (ohne Anlegemöglichkeit) bei offener Schleuse und rotem Einfahrlicht. Außer uns weit und breit kein anderes Schiff unterwegs. Auf UKW-Anruf wird nicht geantwortet. Zum Glück ist Trier die ganz große Ausnahme. Auf Mosel und Saar haben wir sonst nur sehr gute Erfahrungen gemacht!
Unser Sonntags-Tank-Ausflug endet nach insgesamt 50 km Fahrstrecke gegen 19.30 in Trier-Monaise. Der uns gut bekannte Hafen hat noch Gastliegerplätze frei.
Sa., Saarburg wurde 964 von Graf Siegfried von Luxemburg mit dem Bau der Burg hoch über der Saar gegründet. 1705 wurde sie von französischen Truppen gesprengt. Nur Teile des dreigeschossigen Turms sind bis heute erhalten geblieben. Die historische Bausubstanz der Altstadt ist dagegen außergewöhnlich. Gediegene Fachwerk-, Fischer- und schöne Bürgerhäuser prägen den malerischen Charakter.
Gleich zwei Aussichtspunkte ziehen uns magisch an. Wir starten per Sesselbahn zum Warsberg. Der Ausblick ist fantastisch. Weit über der Saar lässt sich ihr Verlauf in beide Richtungen hervorragend verfolgen. Das Wetter bleibt freundlich und stabil. Unseren Rundgang beenden wir mit dem Aufstieg zur Burg. Hier, dicht an der Saar, bieten sich noch weitere tolle Aussichten an. Saarburg, ein wirklich schöner kleiner Ort.
Mi. bis Fr., die Rückfahrt am Mittwoch nach Merzig verlief problemlos und pünktlich. Allerdings spürt man die lange Bahnfahrt dann doch ein bisschen in den Knochen. Donnerstag wird der Keller neu aufgefüllt. Für die Einkaufsfahrt können wir den „Hafen-Service-PKW“ benutzen. Sehr praktisch. Den Rest des Tages ist Putzen angesagt. Vier Wochen ungestörter „Vogelbesuch“ hinterläßt Spuren.
Freitag brechen wir wieder auf. Erst einmal zurück Richtung Mosel. 35 km, zwei Schleusen, bis Saarburg. Die kleine, mittelalterliche Stadt war uns schon auf der Hinfahrt aufgefallen.
Mi./Do., am Mittwoch fahren wir das kurze Stück von Saarlouis nach Merzig, wo wir mit dem Hafenmeister verabredet sind und er uns in eine „4-Wochen-Park-Box“ einweisen will. Wir müssen uns in eine (für uns) sehr kleine reinquetschen. Der Nachbar, wenn er denn in den 4 Wochen fahren will, hat es auch nicht einfach, rein- und rauszukommen.
Am Donnerstag sind wir fast abreisefertig, da gibt es die Info, dass sich der Nachbar zwischenzeitlich beschwert hat. Also auf den letzten Drücker umparken. Die nächste Zuweisung ist auch nicht viel besser, aber jetzt ist es uns egal, wir müssen zum Zug.
Per Taxi geht es zum Bahnhof Merzig. Abfahrt 13.10 Uhr. Regio bis Mannheim, dann mit dem ICE nach Berlin, 20.22 Uhr Südkreuz. Einen Teil der Strecke fährt der Regio dicht an der Saar. Schön, die Saar mal vom Zug aus zu sehen. Mit 71 Minuten Verspätung treffen wir in Berlin ein. Ist halt doch eine lange Strecke.
Pause bis zum 26.08., dann gehen wir wieder an Bord.
Di., Saarbrücken hat wirklich nette Ecken, aber … der Anleger direkt neben der A620 lässt uns unausgeschlafen und vom Lärm genervt in den Tag starten. Ein Umzug zum etwas ausserhalb liegenden Yachthafen MBC Saar lohnt sich leider nicht mehr.
Also starten wir noch zu einem ausgedehnten Stadtrundgang auf der rechten Saarseite und beschließen, am Nachmittag nach Saarlouis zurückzufahren.
Das Nauwieser Viertel liegt im Zentrum Saarbrückens nördlich des alten Stadtzentrums von St. Johann. Alte und marode Bausubstanz ist mittlerweile umfangreich saniert worden. Es konnte sich in den letzten Jahren eine eigene Kneipen- und Ausgehkultur entwickeln, welche auch über die Stadtgrenzen Saarbrückens bekannt ist. Vielerorts bezeichnet man das Nauwieser Viertel schon als das „kulturelle Herz“ der Landeshauptstadt. Die Szene reicht von exquisiten Restaurants bis hin zu genossenschaftlichen Kultur- und Werkhöfen.
Nach dem Spaziergang samt Mittagstisch in einem Biomarkt brechen wir von Saarbrücken zurück nach Saarlouis auf.
Mo., nach etwa zwei Stunden erreichen wir unseren „Wendepunkt“, Saarbrücken. Die Sonne brennt, es wird wieder ein Tropentag.
Saarbrücken ist Zentrum und Regiopole eines Ballungsraumes, der sich über die saarländisch-lothringische Grenze hinaus erstreckt. Die heutige Universitätsstadt und einzige saarländische Großstadt (180.000 Einw.) entstand im Jahr 1909 aus dem Zusammenschluss der drei bis dahin selbständigen Städte Saarbrücken (Stadterhebung 1322), St. Johann a. d. Saar (Stadterhebung 1322) und Malstatt-Burbach (Stadterhebung 1874).
Wenn man schnell und bequem die Stadt besichtigen möchte, bietet sich einer der zahlreichen Stadtanleger an (wenn man denn einen freien findet)! Am letzten Ende, direkt gegenüber vom Landtag, ist gerade noch ein Platz für uns frei. Zwar nach dem Schild und ohne ausreichende Festmachermöglichkeiten, aber immerhin. Die ebenfalls direkt gegenüberliegende Stadtautobahn (A 620) nehmen wir zwar zur Kenntnis – ihre unangenehme Auswirkung „offenbart“ sich dann aber in den Abend- und Nachtstunden.
So., das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist eine von derzeit 46 Welterbestätten der UNESCO in Deutschland. In seiner Bedeutung steht es gleichberechtigt neben den ägyptischen Pyramiden, der Großen Mauer Chinas, dem Kölner Dom oder dem Great Barrier Reef in Australien.
Der Besuch der Hütte ist ein kleines Abenteuer: tief hinein geht es in die dunklen Gänge der Möllerhalle, hoch hinauf führt der Anstieg in luftige Höhe auf die Aussichtsplattform am Hochofen. Die Multimedia-Einführung im Hütten-Kino in der Sinteranlage schickt uns auf eine Zeitreise von den Anfängen der Völklinger Hütte bis in die Gegenwart im 21. Jahrhundert.
Vom Dach der Erzhalle öffnet sich der Blick über die Stadt Völklingen und das aktive Werk der Saarstahl AG. An der Granulieranlage kommt, wie gerufen, ein Picknickplatz. Dann geht es zum Aufstieg zur Gichtbühne in 27 Metern Höhe. Hier wurden die Rohstoffe in die Hochöfen gefüllt. Wir erklimmen die Aussichtsplattform der Hochofengruppe. Es bietet sich ein unvergleichlicher Rundblick.
Auch das Ausstellungskonzept funktioniert. Von temporären Ausstellungen bis übers Gelände verteilte Urban Art gibt es einiges zu entdecken. Etwas fußlahm verlassen wir nach fünf Stunden das Gelände.
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