Im Schneckentempo zu Madeleine

Lacroix-sur-Meuse – Commercy

Mi./Do., 18./19.08.2021, 30 Kilometer Strecke, die uns zu schaffen machen. Die Schleusen (die erste mit Bedienung) funktionieren reibungslos, aber …

… nahezu der komplette Abschnitt geht durch die Algenwelt des Kanals. Wir fahren langsam, sehr langsam. Welle und Schraube machen deutliche Geräusche. Die durchschnittlichen 1,20 m unter Kiel sind voll mit Algen und Pflanzen. Die Schraube betätigt sich als horizontaler Stabmixer. Teilweise gibt unser Tiefenmesser, mangels Resonanzfläche, keine Messwerte mehr ans Instrument.

Unterm Strich ging alles gut. Der kleine Anleger in Commercy ist dicht mit einheimischen Booten. Völlig kaputt und enttäuscht fahren wir 100 Meter weiter und finden zum Glück eine Kaimauer mit Poller. Zwar ohne Versorgung aber direkt hinter einem großen Aldi.

Das Umfeld am Anleger ist ein wenig trist. Aber ruhig. Wir nutzen die Chance, mit dem Einkaufswagen direkt ans Boot fahren zu können und bunkern Getränke ohne Ende. Ein kleiner Spaziergang durch die relativ unspektakuläre Gemeinde (5.400 Einw.) führt uns durch nette Gassen und kleine Plätze.

Das Highlight des Ortes, das Château de Commercy, muss im 18. Jahrhundert ein kleines Traumschloss gewesen sein. Die gigantische Gartenanlage mit einer Burg am Ostende begrenzt, gibt es nur noch auf den Gemälden. Geblieben sind das Schloss mit zwei Flügeln und Ehrenhof, das heute als Rathaus genutzt wird.

Eine Anekdote aus dem Schlossleben:

„Im Jahr 1755 gab Herzog Stanislas Leszczyński, König von Polen im Exil und dank seines Schwiegersohns König Ludwig XV. von Frankreich, ein großartiges Abendessen in seinem bewundernswerten Schloss. Mitten am Abend brach ein Streit zwischen dem Zeremonienmeister und dem Koch aus. Letzterer gab kurzerhand seine Schürze zurück und zog sich unter Mitnahme des Desserts zurück. Das Abendessen und die Lebensfreude der Gäste schienen kompromittiert zu sein. Und der König von Polen lief Gefahr, von ganz Europa verspottet zu werden.

Eine junge Magd, Madeleine Paulmier, schlug vor, ein Kuchenrezept ihrer Großmutter zu backen. Aus Mangel an Besserem war der König gezwungen, zu akzeptieren. Die Festgesellschaft feierte das Gebäck, das in einer so originellen Form daher kam. Der alte Souverän, der den Charme der Jugend schätzte, fragte das Mädchen nach ihren Vornamen und führte ihn galant dem Kuchen zu, wodurch dieses anonyme Mädchen in die Geschichte eingehen und am Ruhm der Stadt teilnehmen konnte. „

So wurde die muschelförmige Leckerei nicht nur das Lieblingsgebäck von Marcel Proust, sondern eine weltweit geschützte Marke, „La Madeleine de Commercy“.