Dinant
Sa., 24.07.2021, für den ganzen Tag ist Regen angesagt. Zunächst ist das Gegenteil der Fall. Es wird nach einem grauen Morgen immer schöner.
Mittags startet an der Croisette (Uferpromenade in Dinant) die fünfte und letzte Etappe der diesjährigen Tour de Wallonie. 192 km nach Quaregnon, dann holt sich der 20-jährige US-Amerikaner Quinn Simmons (Trek) den Gesamtsieg 2021 und damit seinen zweiten Profisieg.
Bei Dinant (13.000 Einw.) durchbricht die Meuse in einem felsigen Tal die Ardennen. Die Bedeutung Dinants im Mittelalter beruhte auf dem seit dem 12. Jahrhundert blühenden Messinghandwerk. Im Jahr 1466 zerstörten die Truppen von Karl dem Kühnen Dinant. Daraufhin verließen viele Kupfermeister die Stadt, ließen sich in anderen Städten des Maastals nieder oder zogen in Richtung Aachen.
Zum Beginn des Ersten Weltkrieges, am 23. August 1914, wurden 674 Einwohner der Stadt von sächsischen Truppen der kaiserlichen deutschen Armee wegen angeblicher Freischärlerei getötet und 750 Gebäude zerstört (Massaker von Dinant). Erst 2001 erkannte die Bundesrepublik Deutschland ihre moralische Verpflichtung an und bat bei den Nachkommen der damaligen Opfer offiziell um Entschuldigung.
Wir fahren mit der Seilbahn (alternativ zum 1577 in den Fels gehauenen 408stufigen Treppenaufstieg) zur Zitadelle. Zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde als Festung für Verteidigungs- und Schutzaufgaben umfangreich ausgebaut. Ihre Einzelanlagen sind zum Ende des 20. Jahrhunderts rekonstruiert worden und dienen als Museum. Zusammen mit den Zitadellen von Huy und Namur ist die Festung Dinant Teil der so genannten Maas Zitadellen.
Als wir am Nachmittag wieder zurück an Bord sind, ziehen dunkle Regenwolken auf. Um 18.30 Uhr setzt ein starker Gewitterregen ein. Nach 45 Minuten ist der Spuk vorbei. Allerdings mit katastrophalen Folgen. Auf der Westseite der Meuse (wir liegen am Ostufer) stürzen aus den Abhängen Wasser-, Schlamm- und Geröllmassen und bündeln sich in einer Straße. Autos werden zusammengeschoben, die Straße aufgerissen und das Wasser sucht sich seinen Weg zum Teil durch die Häuser in die Meuse.
In der ganzen Stadt gibt es für einige Stunden keinen Strom mehr. Zum Glück für alle Bewohner und Touristen ist er gegen 21.00 Uhr wieder da.

















