Von der Meuse auf den Canal des Ardennes

Charleville-Mézières – Pont-à-Bar – Le Chesne – Attigny

Di./Do., 30.05./01.06.2023. Die Strecke am Dienstag ist kurz und wird zügig zurückgelegt. Mittags verlassen wir die Meuse, biegen in den Canal des Ardennes ein und legen an der Tank- und Servicestelle in Pont-à-Bar an. Im Büro treffen wir auch Bénédicte wieder. Es ist unser erster Tankstopp in dieser Saison. Verbrauch erfreulich, 3 1/2 l/h – wir sind zufrieden. Wir nutzen die Gelegenheit, noch ein paar Kleinigkeiten fürs Boot sowie zwei fehlende Streckenkarten zu kaufen. Nur ein Gasflaschenaustausch ist hier leider nicht möglich.

Die Vorfreude ist groß, endlich wieder einmal in ein uns unbekanntes Gebiet. Es geht in den Canal des Ardennes. Zwischen 1827 und 1835 eröffnet, stellt er die schiffbare Verbindung vom Maastal zum Marnetal her. Von 1842 bis 1845 kam es zu Verbesserungen, insbesondere durch die Anlage des Stausees und des künstlichen Sees Bairon. Der 88 Kilometer lange Kanal verfügt über 44 Schleusen (37 auf der Aisne-Seite und 7 auf der Maas-Seite) sowie einen Tunnel bei Saint-Aignan. Die Schleusen sind dem Freycinet-Maß angepasst (38,5 m Länge und 5 m Breite, die Kanäle 1,80 m Tiefgang und 3,50 m Brückenhöhe).

Mittwoch: Pont-à-Bar – Le Chesne. Der Kanal führt durch ländliches Gebiet und passiert selten einmal ein Dorf. Die Natur um uns herum ist unglaublich üppig und strahlt eine irre Ruhe aus. In Le Chesne, eine 900-Seelen-Gemeinde, die seit 2016 mit anderen Gemeinden zusammengelegt wurde und nun  „Bairon et ses environs“ heißt, legen wir an. Morgen soll es im Non-Stopp-Verfahren mit der Schleusentreppe weitergehen.

Donnerstag: Vom Scheitelpunkt des Kanals Le Chesne nach Semuy sind auf 9 km 26 Schleusen zu überwinden. Bei der ersten melden wir uns per Télécommande an, alle weiteren agieren automatisch. Im 2er-Team, zusammen mit einem Paar aus Basel, geht es bergab.

Die sogenannte Schleusentreppe ist vollautomatisiert (s. oben in der Karte, die weiße Strecke) und funktioniert bis auf zwei Störungen gut. Bei den Unterbrechungen sind die VNF Techniker stets schnell per Auto zur Stelle. Allerdings stellen wir fest, dass die immer gleichen Abläufe total ermüdend sind und Pausen so gar nicht in den Gesamtablauf passen. Zum Glück geht es zu Tal. Bei dem fast einheitlichen 3 m-Hub ist das Belegen des Pollers wesentlich bequemer, wenn man abwärts fährt. In den Kammerwänden sind keine Befestigungsmöglichkeiten.

So sind wir froh, am frühen Nachmittag die Schleusentreppe überwunden zu haben. Wir legen im nächstmöglichen Ort, Attigny, an. Die beiden Schweizer fahren weiter. Attigny ist Le Chesne sehr ähnlich. Im ländlichen Gebiet der Region Grand Est sind die Gemeinden eher Graue Mäuse und ziemlich unspannend. Die auf einer Anhöhe gelegene Königspfalz Attigny hatte ihre Hochzeit im 8. und 9. Jh als eine der wichtigen Residenzen der karolingischen Kaiser und Könige. Ihr Schicksal: Die Pfalz wurde im Jahr 978 von Kaiser Otto II. niedergebrannt und danach nicht wieder aufgebaut.