Pont à Bar – Sedan
So./Mo., 08./09.08.2021, wie verabredet warten wir am Sonntagmorgen ab 9.00 Uhr auf den VNF-Mitarbeiter. Er kommt, leicht verspätet, und muss jetzt auch an der zweiten Schleuse, direkt am kleinen Hafen, helfen. Das System funktioniert, aber das Tor klemmt. Aus Pont à Bar sind wir die einzigen, die losfahren wollen.
Sedan ist auf der Meuse nur drei Automatikschleusen entfernt. Zwei von ihnen machen uns Kummer. Eine müssen wir bei einem heftigen Platzregen nehmen, die zweite ist „Doppelrot“, das heißt, geschlossen. Wieder ein Anlegemanöver (in einer Kurve, mit Pflock) und Fußmarsch. Auch hier ist ein VNF Mitarbeiter ziemlich schnell da und setzt sie wieder in Betrieb.
Der Anleger in Sedan ist kombiniert mit Caravan- und Campingplatz und bietet nicht sehr vielen Schiffen Platz. Allerdings ist er auch nicht sehr frequentiert. Eine Capitainerie gibt es nicht. Der Hafenmeister wird durch Kartenautomaten ersetzt. Wie seelenlos.
Am Nachmittag noch ein kleiner Ausflug in die Stadt. Sedan (16.000 Einw.) ist, nicht nur aufgrund seiner zwei verheerenden Schlachten (1870 und 1940), eine arg geschundene Stadt. Der Rückgang einer ehemals florierenden Textilindustrie und die generelle Lage in einer strukturschwachen Region machten Sedan heute zu einer der ärmsten Gemeinden Frankreichs. Die Bevölkerung sinkt seit Mitte der 1970er Jahre kontinuierlich.
Einige wunderschön anzusehende Bauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert stehen zum Teil wie Solitäre zwischen profanen Neu- oder verlassenen Altbauten. Der Leerstand ist groß. Seit einigen Jahren investiert Sedan in den Tourismus, wobei das Schloss die Hauptrolle spielt.
Am Montag auf dem Plan: das Château de Sedan. Wir nehmen uns die Zeit, es uns ausführlich anzusehen. Die mittelalterliche Burganlage gilt mit ihren 35.000 m² als eine der größten ihrer Art in Europa. Mit Audioguide ausgestattet ziehen wir die sieben Etagen der Burg rauf und runter.
Die Geschichte kurz gefasst: Um 1424 begann Eberhard II. von der Marck-Arenberg mit dem Bau der Burg (ursprünglich ein Benediktinerkloster). In der zweiten Hälfte des 16. und der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts war sie das Zentrum eines unabhängigen Fürstentum innerhalb der Grenzen Frankreichs. 1642 gehen Schloss und Fürstentum an Frankreich (Louis XIII) und das Schloss wird mehr als drei Jahrhunderte ein militärisches Gebiet bleiben.
Seit 1962 als Denkmal klassifiziert wird die Anlage Zug um Zug als Touristenattraktion ausgebaut, einschließlich eines Schlosshotels samt Restaurant in der ehemaligen Kaserne.
































