Liège, Teil 2

Liège

Sa./So. 03./04.07.2021, am Samstag sind wir aktiv in der Stadt unterwegs, am Sonntag dürfen wir uns dank Gewitter und langen Regenphasen ohne jegliche weitere Verpflichtung dem süßen Nichtstun an Bord hingeben.

La Boverie, ein relativ kleines und wunderschön auf der Meuse-Insel inmitten eines Parks gelegenes Museum. Ein 2010 beauftragter Ausbau und Instandsetzung des ehemaligen Palais des Beaux-Arts, der anlässlich der Weltausstellung von 1905 errichtet wurde. Der Auftakt zur Schaffung des Pols für Bildende Künste der Metropole im Zentrum der neuen städtischen Achse, die Guillemins über die Meuse hinweg mit der Médiacité (eine Mega-Monster-Shopping-Mall) verbindet.

Gezeigt wird eine eine Doppelausstellung von zwei Künstlern der Kunstszene Lüttich: Jean-Pierre Ransonnet (Lierneux, 1944) und Alain Denis (Lüttich, 1947).  Ihre seit den 60er Jahren entstandenen Werke gehörten zunächst den Richtungen Konzeptkunst (Ransonnet) und Pop Art (Denis) an. Später hat sich jeder der beiden Künstler aber in sehr unterschiedliche Richtungen entwickelt. Der Bogen der ausgestellten Arbeiten spiegelt ihre Entwicklung von den Anfängen bis in die heutige Zeit umfangreich ab.

Ein Stockwerk des Gebäudes nimmt die Sammlung des ehemaligen Museums der Schönen Künste auf. Lambert Lombardus, Gérard de Lairesse, Ingres, Gauguin, Chagall, Picasso, Evenepoel, Delvaux, Magritte und andere namhafte Maler zeugen von der Modernität der Kunst zu jeder Zeit, von der Renaissance bis heute. Ein Rundgang, der mit einer unglaublichen Vielfalt aufwartet.

Der neue Bahnhof Liège Guillemins steht für den unbändigen Willen, Liège in eine neue Zukunft zu führen. Kommt uns aus Berlin alles sehr bekannt vor. Planungsbeginn 1996, Eröffnung 2009. Mit dem spanisch-schweizerischen Stararchitekten Santiago Calatrava gelingt der große Schlag, der europaweit Aufmerksamkeit findet. Allerdings hat dieses städtebauliche UFO noch heute nur wenig Einbindung in die nähere Umgebung. Die Bauarbeiten einer neuen „Bahnhofscity“ sind noch lange nicht abgeschlossen und erinnern uns stark an die Situation Berlin Südkreuz. Zumal stehen, wie bei uns, voraussehbar die Interessen der jetzigen Bewohner des Viertels an bezahlbarem Wohnraum und der Wahrung des bisherigen sozialen Umfelds gegenüber. Immerhin, per Thalys und ICE ist Liège ins europäische Schnellbahnnetz eingebunden, das Reisezeiten von z. B. einer knappen Stunde nach Köln ermöglicht.